Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

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Köln kann kein Konzept!

27. August 2015 · 1 Kommentar

Ja, ich habe mich bisher in der Berichterstattung rausgehalten, was das „Radverkehrskonzept Köln-Innenstadt und Deutz“ (RVKI) angeht. Herr Möllers, der „Fahrradbeauftragte“ der Stadt Köln fuhr mit mir bei der Fahrradsternfahrt 2014 ein paar Kilometer zusammen und war ganz aufgeregt ob der Konzepte, die von zwei Planungsbüros mit Hilfe der Bürger erarbeitet werden sollten. Und -obwohl er noch vor einigen Jahren auf den letzten Moment erfolgreich meine Teilnahme am „Expertenkreis Velo 2010“, zu dem mich der damalige Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei Köln, Helmut Simon, eingeladen hatte, verhindern konnte– war er auch sehr euphorisch, Menschen „aus dem Volk“ dabei zu haben, Er sprach davon, daß „die Blogger unbedingt“ dabei sein müssen und räumte dafür 2 Plätze und somit einen für mich im Arbeitskreis ein. Und ob mir noch was einfallen würde? Radsportler? Migranten? Senioren? Ich könne mich jederzeit melden, wenn mir noch was einfallen würde, wen man da ins Boot holen könnte.

Nun ja, es gab eine (öffentliche) Auftaktveranstaltung, an der ich auch teilgenommen und meine Vorschläge (umgehende (!) Umsetzung der Anforderungen der StVO und aller weiterer Regelwerke bzgl. des Radverkehrs) unterbreitet habe. Und ich bin tatsächlich zu allen weiteren (internen) Facharbeitskreissitzungen (wenn ich mich recht erinnere, waren das zwei) eingeladen worden. Ich wäre auch hingegangen, hätte ich die Zeit dafür gehabt – leider war ich aber beruflich verhindert und mir dafür frei nehmen wollte ich nicht. Ich gebe es ehrlich zu, ich habe kein Vertrauen (mehr) in unsere Verwaltung, als daß ich glauben könnte, daß bei diesem Konzept am Ende sonderlich zählbares rauskäme. Oder dies zumindest in absehbarer Zeit passieren würde. Allerdings haben viele recht kluge Köpfe mitgewirkt und Vorschläge für das Konzept gemacht – u.a. engagierte Mitglieder des neu erstarkten Kölner ADFC. Ich möchte diesen Menschen die Illusion nicht nehmen, aber ich habe durchaus im Hinterkopf, daß es der Verwaltung damit, daß sie „auf einmal“ Bürger an Planungen teilhaben lässt (Planungen wohlgemerkt, keine Entscheidungen!) um eine Art „Greenwashing“ geht. Getreu dem Motto „wir haben das mit den Bürgern zusammen erarbeitet“, das muss also „gut“ sein und ist somit vom Volk abgenickt. Denn kritische Menschen -wie ich und es werden in Köln erfreulicherweise immer mehr!- gehen denen in der Verwaltung gehörig auf den Sack, da bin ich mir sicher (und das ist gut so!)! Und so kriegt man diese Menschen vielleicht halbwegs ruhig oder sie kommen gar nicht auf die Idee, kritisch zu sein.

Wie dem auch sei, das was von den erarbeiteten Konzepten und Vorschlägen bisher bekannt ist (siehe Forderungen auf der ADFC-Website), liest sich gar nicht mal so schlecht. Mit vielen Dingen bin ich persönlich nicht einverstanden, aber anderes ist für Köln schon „revolutionär“, wie der „Fahrradbeauftragte“ Möllers das ausgedrückt hat. Und es ging ja auch schon durch die Presse („Köln plant Fahrrad-Autobahnen„, „Köln kriegt Rad-Bahn„), es wird dem MIV einiges an Platz weggenommen werden (müssen), wenn man denn tatsächlich vorhat, den Radverkehr konsequent und zukunftstorientiert zu fördern. Ich schreib’s nochmal, weil’s so schön ist: man wird den Autos Platz wegnehmen müssen! Und das, wo Köln doch seit ein paar Tagen endlich mal einen Titel hat, den man ins Stadtwappen schreiben kann: Köln ist die neue Stau-Hauptstadt! Jeder Kölner Autofahrer steht demnach pro Jahr 65 Stunden im Stau (ich nicht!).

In den Facharbeitskreisen hat man also Vorschläge für das Radverkehrskonzept gemacht und die beteiligten Planungsbüros haben ein Konzept erarbeitet. Und „im Herbst“ sollten dann die ausgearbeiteten „Handlungsempfehlungen“ ausgesprochen werden. Per Newsletter des Büro des „Fahrradbeauftragten“ kam dazu am 31.7.2015 die Einladung,

Das Radverkehrskonzept Innenstadt geht in die „heiße“ Phase: am 01.09.2015 findet die Abschlussveranstaltung im Wallraf-Richartz-Museum statt, dazu laden wir Sie herzlich ein: http://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/freizeit-natur-sport/veranstaltungskalender/radverkehrskonzept-innenstadt-2

Schön. Ein Termin endlich mal mit 4 Wochen Vorlauf angekündigt, da kann man sich den Tag dann tatsächlich einmal freihalten. Dachte ich.

Gestern, 26.8.2015, also 5 Tage vor der Veranstaltung, also im wahrsten Sinne „auf der Zielgeraden„, wurde genau dieser Termin nämlich per Pressemitteilung wieder abgesagt. Die Begründung im Wortlaut: „Bei den Vorbereitungen hat sich kurzfristig ein zusätzlicher Bearbeitungsbedarf in Bezug auf die Priorisierung von Maßnahmen, die Projektausarbeitung und die mögliche Umsetzung ergeben.“ Aha! Da hat aber jemand geplant! Was mag das für ein atemberaubender Handlungsbedarf sein, daß er sich erst 5 Tage vor Verkündung der Handlungsempfehlungen, an denen man 1,5 Jahre gearbeitet hat, ergibt? Ich bin gespannt!

Mich hatte das eh gewundert, daß solch ein bahnbrechendes Konzept so kurz vor der Wahl zum Oberbürgermeister (am 13. September) vorgestellt wird – inklusive dem entsprechendem Tamtam in der Presse („Stau-Gefahr„, „Radfahrer nehmen Autos den Platz weg!„, „Jetzt müssen alle mit Tempo 30 durch die Stadt schleichen!„. In Köln ist Wahlkampf und neben ein paar Randkandidaten treten Jochen Ott (SPD) und Henriette Reker (parteilos, unterstützt von CDU/GRÜNE/FDP) an, letzterer werden wohl derzeit die größten Chancen eingeräumt. Und die Vögel zwitschern es von den Dächern: das Konzept ist heiß, das passt eher nicht in die Zeit vor der Wahl, denn viele Wähler fahren halt …. Auto. Und Amtsleiter haben in Köln üblicherweise ein Parteibuch – das Parteibuch des Amtsleiters des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik kann man leicht recherchieren.

Bleibt zu hoffen, daß am Montag nicht allzu viele Bürger umsonst vor dem Wallraf-Richartz-Museum stehen. Die Basis hat die Stadt Köln -z.B. durch einen Newsletter des „Fahrradbeauftragten“ nämlich noch nicht informiert. Schade.

 

[Nachtrag 15:30 Uhr]

Als hätten sie’s gelesen, kam dann tatsächlich grad der Newsletter vom Fahrradbeauftragten:

Sehr geehrte Damen und Herren,

leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die für den 01.09.2015 um 18 Uhr geplante Bürgerveranstaltung zum Radverkehrskonzept Innenstadt  im Wallraf-Richartz-Museum auf einen neuen Termin im Herbst, voraussichtlich Ende Oktober, Anfang November verschoben werden muss, da sich ein zusätzlicher Bearbeitungsbedarf  ergeben hat. In Bezug auf Maßnahmenpriorisierung, Projektausarbeitung und Umsetzung sind weitere vertiefende  Arbeiten erforderlich geworden.

 

Der neue Termin wird Ihnen rechtzeitig per Newsletter, in der Presse und auf den Internetseiten der Stadt Köln bekannt gegeben.

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Graf Zahl lässt sich feiern

26. August 2015 · 5 Kommentare

In der letzten Ausgabe des „Kölner Wochenspiegel“ (kostenfreie Werbewochenzeitung) war der „Fahrradbeauftragte“ der Stadt Köln, Jürgen Möllers, zu sehen, wie er sich für eine neue Radfahrerzählstelle am Niederländer Ufer feiern lässt:

Der Zählmeister in der Zeitung!

Der Zählmeister in der Zeitung!

 

Den Artikel gibt es auch online. Erwähnenswert hierbei ist, daß Herr Möllers bei jeder sich bietenden Gelegenheit immer wieder und mit sichtlichem Stolz und voller Freude betont, daß man immer mehr und mehr Radfahrer in Köln zählt. Daß dies ein allgemeiner Trend ist und mit Sicherheit nichts mit Maßnahmen der Stadtverwaltung zu tun hat, erwähnt er dabei allerdings nicht. Im Gegenteil, man müßte eigentlich sagen, daß der Radverkehr wächst, trotzdem die Stadtverwaltung irgendwelche eher gefährdenden Maßnahmen trifft, wie zu enge „Schutzstreifen“ oder eine als „Shared Lane“ bezeichnete Kfz-Parkspur am Kümpchenshof (für schlappe 700.000 Euro), die dann aber fein als „fahrradfreundliche Umgestaltungen“ verkauft werden.

Nun wird also gezählt. Und man hat in den ersten Wochen schon viele Radfahrer gezählt, sehr viele. Hoffentlich hat man dabei auch den mehr als mangelhaften Zustand des „Radweges“ bemerkt, dessen Pflastersteine -z.B. durch die dort regelmäßig und massiv illegal fahrenden Kfz (Lieferverkehr, Wohnmobile, etc.)- über weite Strecken zerstört oder verwurzelt sind. Ein paar Kilometer weiter Richtung Norden am Rhein entlang, am Molenkopf, ist der Weg dann so verwurzelt, daß dem ein oder anderen Radfahrer (es handelt sich um einen touristischen Radweg, die Rheinroute) schonmal der Lenker aus der Hand geschlagen wird.

Aber in Köln wird lieber erstmal gezählt.

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Bauliche Trennung

5. August 2015 · 17 Kommentare

Als Vorreiter in Sachen „Sicherheit“ und führendes Ehrenmitglied in der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte“ (agfs) läuft in Köln derzeit ein Feldversuch, die nach den Regelwerken vorgesehene bauliche Trennung bei mit VZ241 angeordneten „Radwegen“ für dort verunfallende Radfahrer angenehmer zu gestalten:

Nachhaltige bauliche Trennung

Nachhaltige bauliche Trennung

 

„Die neuartige bauliche Trennung kann kurzfristig kostengünstig verwirklicht werden“, so Amtsleiter Klaus Harzendorf. Der Rohstoff würde in kürzester Zeit angemessene Höhen erreichen und selbst bei mutwilliger Beschädigung durch Fahrradrambos binnen weniger Wochen nachwachsen. Auch seitens der Umweltverbände erwarte man keine Einwände, da der benutzte Werkstoff komplett recyclebar sei. Jürgen Möllers, der „Fahrradbeauftragte“ Kölns freut sich: „durch die polsternde Wirkung der Trennung brauchen wir die gesetzliche vorgeschriebenen Mindestbreiten der ‚Radwege‘ (der -selbstverständlich in beide Richtungen benutzungspflichtige- ‚Radweg‘ rechts im Bild hat eine Breite von ca. 1,50 Metern) nicht weiter zu beachten!„. Das spare „Zeit, Geld und Ärger mit querulierenden Fahrradaktivisten und Lobbyverbänden„. Nach einem ersten Testlauf im letzten Jahr hat man sich jedoch gegen bauliche Trennungen auf Kopfhöhe entschieden und beschlossen, diese nur bis zur Schulterhöhe auszuführen.

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Der dickste Mittelfinger von Köln!

22. Juli 2015 · 43 Kommentare

Den oder eigentliche DIE dicksten Mittelfinger von ganz Köln zeigt unsere Stadtverwaltung den Kölner Radfahrern derzeit zusammen mit der Firma Ströer Media SE, die seit Anfang 2015 die Außenwerbung in Köln gänzlich erworben hat. Seit einigen Wochen werden in ganz Köln also neue Plakatwände und Litfasssäulen aufgebaut und installiert. Ich entdeckte vorgestern in meinem Veedel folgendes Konstrukt:

Litfasssäule im Sichtfeld

Litfasssäule im Sichtfeld

 

Die Litfasssäule steht an einer der für Fußgänger und Radfahrer undurchsichtigsten und gefährlichsten Ecken Köln-Mülheims, dem Clevischen Ring Ecke Mülheimer Brücke. Zum Verständnis: von links kommen Fußgänger und Radfahrer (trotz ausgeschilderter NRW-Veloroute (Beschilderung mit StVO Status) eigentlich illegal, die wollen schnell noch die Grünphase der Ampelschaltung, die hier (natürlich!) vollkommen ungünstig ist (es ist kaum möglich, in einer Ampelphase beide Übergänge des Clevischen Ringes, das Foto zeigt den zweiten, zu passieren) schaffen. Von rechts kommen Fußgänger aus der stark frequentierten „Einkaufsmeile Buchheimer Straße“ und auch aus der Sparkasse, bzw. vom dort stehenden Geldautomaten. Die stehen dann genau hinter der Liftfaßsäule, für den Radfahrer nicht sichtbar! Von vorne rechts kommen durchaus schnelle Radfahrer von der hier abschüssigen Mülheimer Brücke. Das ist zwar nicht erlaubt, interessiert aber Stadtverwaltung, Polizei und viele Radfahrer einen feuchten Kehricht (das könnten aber natürlich auch schnelle Tretroller oder Skateboarder, also Fußgänger, sein). Die Ampel, die hier trotz fehlender Haltelinie auch für den Radverkehr gilt, da von links Fußgänger den „Radweg“ kreuzen, wird von der Litfasssäule vollständig verdeckt und ist erst im letzten Moment sichtbar! Das dürfte übrigens auch für den Fahrbahnverkehr auf dem Rechtsabbieger gelten.

Man könnte insgesamt meinen, diese Einschränkungen von Sichtbeziehungen stammt aus den dunkelsten Sechziger Jahren, als man allgemein die autogerechte Stadt plante und noch nicht vorhatte, den Modal Split bis 2025 auf 2/3 ÖPNV/Rad zu 1/3 Kfz zu bringen oder gar Radverkehrskonzepte zu planen, aber -nein- diese Konstruktion wurde am 20. Juli 2015 errichtet, also in den Monaten vorher geplant und -vermutlich- irgendwann vom Baufaufsichtsamt und der Straßenbehörde in der Kölner Stadtverwaltung genehmigt. Vielleicht ist das ja schon ein Teil des Radverkehrskonzeptes?!

Ich habe mir die Mühe gemacht und vorgestern folgendes Schreiben an das Amt für Straßen und Verkehrstechnik und den „Fahrradbeauftragten“, sowie per cc: an die Kölner Polizei, den ADFC und die Firma Ströer geschickt: 

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber „Fahrradbeauftragter“,

an der Kreuzung Clevischer Ring / Mülheimer Brücke befindet sich seit kurzem auf der rechten Seite in südliche Fahrtrichtung eine Litfasssäule / Werbezylinder der Firma Ströer von mehreren Metern Höhe.

Wie Sie dem anhängenden Bild entnehmen können, befindet sich die Säule *exakt* in der Sichtachse zwischen der Ampel und Radfahrern, die den „Radweg“ in südliche Richtung benutzen, sowie Fußgängern, die den Fußgängerüberweg über den Clevischen Ring benutzen, sowie Radfahrern, die von der Mülheimer Brücke kommen.

Radfahrer, die von der Mülheimer Brücke kommen, fahren hier abschüssig und schnell, zudem versuchen sie oftmals, die LSA noch bei „grün“ zu erreichen.

Der Fußgängerüberweg ist stark frequentiert, da hier die „Einkaufsmeile Buchheimer Straße“ beginnt, sich eine Sparkasse/Geldautomat in unmittelbarer Nähe befindet, sowie auf der anderen Seite des Überwegs die KVB-Station „Wiener Platz“ (Linien 4, 13 und 18) von vielen Menschen erreicht werden möchte. Fußgänger, die den Überweg in Richtung Wiener Platz passieren, stehen nun *direkt* hinter der Litfassäule und sind für Radfahrer (und auch Kraftfahrer) nicht sichtbar. Zudem sind Fußgänger (und auch Radfahrer aus Richtung Wiener Platz kommend) hier schnell unterwegs, da die Ampelschaltung denkbar ungünstig ist, um die beiden Überwege in einem zu überqueren.

Ebenso ist die LSA in südlicher Fahrtrichtung für Radfahrer durch die Litfasssäule *nicht*, bzw. erst im letzten Moment sichtbar, dies gilt vermutlich auch für den Kfz-Verkehr.

Ich bitte Sie, die Litfasssäule umgehend zu entfernen.

Desweiteren beantrage ich hiermit Akteneinsicht nach Informationsfreiheitsgesetz (IFG NRW) in folgende Unterlagen:

– wann die Errichtung der Litfasssäule von der Stadt Köln so genehmigt wurde
– wer die Errichtung der Litfasssäule genehmigte

Ich wünsche, die Informationen niedergeschrieben, aufbereitbar und nachvollziehbar zu erhalten. Dies nach Ihrem Gusto per Post an meine Adresse oder per e-mail an marco@radfahren-in-koeln.de. Aus Umweltschutzgründen würde ich die elektronische Variante präferieren.

Bitte leiten Sie diese Anfrage ggf. an die Zuständigen Personen weiter.

Hochachtungsvoll,

Marco Laufenberg

Ich bin gespannt ob und was ich für Antworten bekomme. Auf die Frage, wer die Litfasssäule genehmigte, kann ich mir die Antwort schon denken, zumindest gab der jetzige Ordnungsamtsleiter Engelbert Rummel, der vorher Leiter des Baufaufsichtsamtes war, auf die Frage eines Journalisten beim letzten „Fahrradaktionstag“ der Stadt und Polizei Köln nach der Genehmigung eines vergleichbaren Hindernisses, lachend an, daß er im „letzten Jahr für den Vertrag mit diesen Werbeträgern zuständig war“. So läuft das in Köln.

 

(Übrigens: meinen Artikel zum „Fahrradaktionstag“ am 26.3.2015 werde ich irgendwann noch posten – ich warte einfach noch auf Erläuterterungen zu meinen Fragen an die Kölner Polizei, die scheinbar so kompliziert sind, dass deren Beantwortung „etwas“ länger dauert). Und letztlich gibt Herr Rummel hier auf die Frage eines Medienvertreters nach Werbeträgern an den Ringen deutlich und konkret Auskunft, wer die Baugenehmigung erteilt hat – gute 2 Minuten, die man sich genau anhören sollte:

 

Kein Problem also, das wurde alles von „den Verkehrsexperten“ geprüft! #Harzendorfgate

In sozialen Netzwerken wird dieser Fall bereits diskutiert und es wird dabei offensichtlich, daß die ganze Stadt derzeit von ähnlichen Bauwerken durchzogen wird, wie z.B. hier:

Kleiner Auszug von Behinderungsmaßnahmen

Kleiner Auszug von Behinderungsmaßnahmen

 

Der ADFC Köln ist bereits ebenfalls an der Sache dran, will Fototouren machen und erstellt derzeit eine Karte, auf der entsprechende Litfasssäulen und Werbetafeln verzeichnet werden. Es wird um Mithilfe durch aussagekräftige Fotos der Sichtbehinderungen mit Locationangabe und Betreff „Werbesäulen“ an radverkehr@adfc-koeln.de gebeten. Fallen Euch also in Eurem VeedelWerbeträger auf, die die Sichtbeziehungen zwischen MIV und Fußgängern/Radfahrern, bzw. untereinander beinträchtigen, zückt bitte Euer Handy und helft bei der Aufklärung dieser Grotesken – vielen Dank!

Zum guten Schluß noch ein kurzes Video vom Clevischen Ring aus subjektiver Sicht, aufgenommen abends, wenn da nicht mehr viel los ist. Tagsüber ist es dort richtig unübersichtlich und voll.

Alleine in meiner Umgebung gibt es derzeit auf gutes halbes Dutzend Baustellen, die auf ähnlichen Blödsinn schließen lassen. Willkommen in der „fahrradfreundlichen Stadt“ Köln!

(Danke an Andreas K. für die Inspiration zum Titel dieses Beitrages)

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„Ich fahre Rad, weil ….

20. Juli 2015 · 15 Kommentare

… ich gute Laune tanke.“

Ein schöner Satz, eigentlich. Und er trifft auch mich und sicherlich viele andere Menschen oft genug zu. In einem Zusammenhang finde ich diesen Satz allerdings reichlich obskur:

"Werbung" der Stadt Köln für das Fahrrad fahren

„Werbung“ der Stadt Köln

 

Das Bild zeigt ein (eines von mehrerern ähnlicher Güte) Plakat- und Anzeigenmotiv der Stadt Köln, das wohl „Werbung“ für das Fahrradfahren und die dazugehörigen Internetseiten der Stadt Köln machen soll (abfotografiert aus dem aktuellen FahrRad! Magazin des ADF-Köln). Es zeigt einen Artisten (bei genauerem Hinschauen ist es eine Artistin) auf einem Einrad im Straßenverkehr (ggf. gegen die Fahrtrichtung) fahrend. Die Fahrerin hat in der rechten Hand einen Aktenkoffer, in der linken Hand eine Espressotasse, die sie zum Mund führt. Weiterhin hat sie einen halbgeschlossenen Kopfhörer auf, der augenscheinlich an ein Abspielgerät angeschlossen ist.

Das Einrad hat (natürlich) keinen Lenker und auch keine helltönende Klingel, ebenso keine zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen. Am Einrad ist weder ein nach vorn wirkender Scheinwerfer für weißes Licht, noch eine Schlussleuchte für rotes Licht angebracht. Es fehlt auch ein roter Rückstrahler, sowie ein mit dem Buchstaben „Z“ gekennzeichneter roter Großflächen-Rückstrahler. Auch nach der Seite wirkende gelbe Speichenrückstrahler an den Speichen, bzw. ringförmig zusammenhängende retroreflektierende weiße Streifen an den Reifen oder in den Speichen sind nicht vorhanden. Die Pedale haben Pedalreflektoren, wie in der StVZO gefordert.

So sieht in Köln also der städtische Status von Radverkehr aus: Radfahren ist Spiel, Spannung, Spaß und Nervenkitzel, bestenfalls noch Artistik, aber – scheinbar kein ernstzunehmder Verkehr. Eben so, wie der Radverkehr von der Stadt Köln eben auch immer schon behandelt wurde und wird. Wenn ich es genau betrachte, birgt die Kölner Radverkehrstruktur allerdings jede Menge Spannung, Nervenkitzel und sie erfordert einiges an Artistik – in diesem Sinne ist die Werbung tatsächlich zutreffend.

Wer jetzt etwas den Kopf schüttelt und meint, das geht kaum lächerlicher, den darf ich nun allerdings eines besseren belehren! Ich habe mich nämlich gefragt, was mich das an Bußgeldern kosten würde, würde mich die gegen Radfahrer derzeit außerordentlich repressiv vorgehende Kölner Polizei so im Straßenverkehr antreffen und denen einfach mal eine e-Mail geschrieben:

Mit welchen Bussgeldern und weiteren Konsequenzen müßte ich rechnen, würde ich mich wie die auf dem anhängenden Foto abgebildete Person im Straßenverkehr fortbewegen?

Sie können berücksichtigen, daß die Musik auf dem Kopfhörer mein Gehör beeinträchtigt. Ich bin Inhaber eines Führerscheins der Klassen B, C1, BE, C1E und CE.

Gute drei Wochen später hat man den Fall bereits analysiert und ich bekam von POK Magnus Sondermann aus der Führungsstelle der Direktion Verkehr (die müssen es ja wissen!) folgende Antwort:

entsprechend Ihrer hypothetischen Annahme, dass das Gehör durch Musik beeinträchtigt wird, sieht die Bußgeldkatalog-Verordnung ein Verwarnungsgeld in Höhe von 10,- Euro vor.

Weitere Verstöße sind nicht erkennbar.

Fazit: wenn ich demnächst mit meinem Einrad im Straßenverkehr unterwegs sein sollte, dann lasse ich den Kopfhörer in jedem Fall weg. Das solltet ihr auch tun!

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30 Helme für die Hasenschule #dankhelm und @dorobaer!

1. Juli 2015 · 16 Kommentare

Dem ein oder anderen sind sie ins Auge gefallen, sehr viele haben sich darüber echauffiert: der „drittgrößte Filmschurke“ der Geschichte, Darth Vader aus „Star Wars“ macht auf Plakatleinwänden „Werbung“ für das Tragen eines Helms beim Fahrrad fahren. Man kann auch sagen „Propaganda“ und das alles im Auftrag des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) unter dem Verkehrsminister Herrn Dobrindt und -ganz vorne dabei- der parlamentarischen Staatssekretärin Dorothee Bär.

Vorneweg: wir brauchen hier, bzw. in den Kommentaren, keine leidliche Helmdiskussion führen. Ein Fahrradhelm kann unter bestimmten Bedingungen tatsächlich sinnvoll sein, das gilt letztlich aber nur für den tragischen, aber dennoch eher unwahrscheinlichen Falles eines Sturzes, bei dem man mit dem Kopf irgendwo zuerst aufkommt. Und zwar oben. In anderen Fällen, z.B. wenn man mit der Frontseite des Kopfes aufkommt, kann er allerdings Grund für schwerere Verletzungen sein. Und auch damit das klar ist: ich bin noch nicht einmal ein Helmverweigerer, ich trage einen Fahrradhelm auf fast allen meinen Rennradtouren, das sind letztlich über 2/3 meiner gesamten Fahrradtouren. Ich weiß aber auch, was mein Helm kann und vor allem, was er nicht kann: Unfälle vermeiden. Deshalb ist es -neben wichtigerer Utensilien zum Fahrradfahren, wie festes Schuhwerk, Handschuhe, Funktionskleidung, etc. und vor allem einem gut gewarteten, verkehrssicheren Rad- viel, viel wichtiger, die Ursachen für schlimme Unfälle mit Radfahrern anzugehen: Tempo und Fahrweise von Kraftfahrzeugen, mangelnde, nicht gepflegte und nicht passend angelegte Infrastruktur (das „I“ in BMVI!) und schlechte Sichtbeziehungen. Dazu auch: mangelnde, oft absichtliche oder fahrlässige Rücksicht und hohe Aggressivität vieler kraftfahrender Verkehrsteilnehmer. Es gäbe also genügend Gründe für Kampagnen zum sicheren Fahrrad fahren!

Obwohl erwiesen ist, daß eine Helmpflicht (die Polizei, Politik und nachplappernde Medien immer wieder versuchen, durch die Hintertür einzuführen) die Unfallstatistik generell nicht signifikant verändern würde und -im Gegenteil- viele Menschen das Fahrrad wieder stehen lassen würden, wird von allen vermeintlichen „Experten“ (wie Frau Bär) immer wieder darauf hingewiesen, daß es Unfälle vermeiden würde, würde man einen Helm tragen. Ungeachtet dessen, daß schwere Kopfverletzungen nach Unfällen von Radfahrern in der Statistik hinter „Auto fahren“ und der Nummer 1: Hausarbeit! (Helmpflicht für Hausarbeit, jetzt!) liegen. Die Helmquote in der Fahrradnation Niederlande liegt bei 0,1%, trotzdem ist man uns dort in der Unfallstatistik meilwenweit überlegen! Und zur Helmpflicht erklärt Mikael Colville-Andersen, der auch von vielen deutschen Politikern als Maß in Sachen Fahrradpolitik angesehen wird, z.B. hier einige sehr schlüssige Dinge. Selbst die Mainstreampresse, die leider immer noch oft genug mit Ahnungslosigkeit glänzt, haut ganz gut auf das BMVI drauf – es seien auf die Schnelle nur mit sz-online und zeit.de zwei Beispiele genannt.

Egal, irgendwas muß man also per Kampagne „Runter vom Gas“ (sic!) für die vermeintliche Sicherheit von Radfahrern tun und wenn man „Tempo 30 flächendeckend“ (was wirklich was bringen würde) oder eine dicke Kampagne zum rücksichtsvollen Überholen von Radfahrern mit mindestens 1,50 Metern Abstand oder gar die bundesweite Aufhebung von in gefährliche Situationen führender Radwegebenutzungspflichten bei seiner Wählerklientel nicht durchbringen kann, dann muss es wohl der coole Darth Vader richten.

Nun ja, ich kenne sie mit Sicherheit nicht auswendig, aber ich habe alle Star Wars Filme mehrfach gesehen und ich weiß -neben der Tatsache, daß Darth Vader der Dunklen Seite der Macht angehört (=böse!)- daß Anakin Skywalker ohne seinen Helm (der genau betrachtet eine Maske ist) nicht lebensfähig ist. Der Vergleich mit einem Fahrradhelm ist also ganz schön weit hergeholt, um nicht zu sagen: selten dämlich! Desweiteren ist der Darth Vader Helm in seiner Gestaltung einem Wehrmachtshelm nachempfunden – auch nicht grad etwas, womit ich Werbung machen würde.

Soweit hat das BMVI aber nicht gedacht und geht noch einen Schritt weiter:

Tweet des BMVI zur #dankhelm Kampagne

Tweet des BMVI zur #dankhelm Kampagne

 

Kinder! Kitas! Damit bekommt man immer Öffentlichkeit! Was Gutes tun, juhu! Das BMVI ruft also auf, sich vor einem der Plakate (genaue Standorte konnte man sogar in einem Verzeichnis abfragen) mit Fahrradhelm ablichten zu lassen, das Bild zu posten und -mit etwas Glück- ein paar Fahrradhelme für eine Kita eigener Wahl zu gewinnen! Problem: wer macht bei sowas mit? Anscheinend keine normalen Menschen! Frau Dorothee Bär hat da vorgesorgt und ist mal ein, zwei Tage mit Kamera, Plakat und Helm bewaffnet durch den Bundestag gelaufen und hat Politiker verschiedener Parteien vor den Karren gespannt um ein Foto gebeten. Das Ergebnis kann man sich hier anschauen. Ich bin mir sicher, daß der Großteil der abgelichteten Menschen -außer für irgendeinen Pressetermin- noch niemals länger als ein paar Minuten auf einem Fahrrad gesessen oder gar ernsthaft damit am Straßenverkehr teilgenommen hat. Aber was macht man nicht alles für die Sicherheit! Oder für die Kinder! Den Shitstorm, den der Tweet ausgelöst hat, kann auf Twitter ganz gut nachverfolgen.

Na gut, es gab tatsächlich auch Teilnehmer aus der Bevölkerung. Da wären z.B. diese Kandidaten hier:

Tweet der Kampagne Clevere Städte

Tweet der Kampagne Clevere Städte

 

Die Jungs hatten also tatsächlich die „Eier“, bei der Aktion mitzumachen, aber -soweit ich weiß- leider nichts gewonnen, obwohl sie es sich sicherlich verdient hätten! Es handelt sich am Aktivisten der Initiative „Clevere Städte“ und einen Clip der Aktion gibt es auch bei youtube. Und dann gab es da noch einen, der sich vor Darth Vader ablichtete und das Bild twitterte:

#kein #Feinstaub #dankhelm

#kein #Feinstaub #dankhelm

 

Richtig, bei dem Mann im mittleren Alter handelt es sich um mich. Ein Fahrradaktivist rief dazu auf, unter den Hashtags #kein #feinstaub #dankhelm die Aktion ein wenig zu unterwandern und dabei eine Maske oder ein Taschentuch gegen den Feinstaub zu benutzen. Vom kürzlichen Efeu schneiden hatte ich noch die Schutzmaske parat, eine Weihnachtsmütze lag noch verwaist im Wohnzimmer (ich muss mal wieder aufräumen!) und da es sonnig war, hatte ich die Fahrradbrille eh auf, als ich -ohne Helm!- ein „Selfie“ machte und es twitterte. Gottseidank hat mich die Kölner Polizei nicht festgehalten, von wegen Vermummungsverbot oder so. Und, nun ja, was soll ich sagen?! Ich habe gewonnen! Tatsächlich! 30 Helme für die Kita! Darüber informierte mich jedenfalls das BMVI per Twitter und -nachdem ich meine e-Mail Adresse mitteilte- ich erhielt es dann noch mal offiziell von der „Internetredaktion“ des BMVI in mein Postfach:

vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

Ab nächster Woche sind die Helme bereits unterwegs. Ich kann Ihnen jedoch nicht mitteilen, wann genau diese bei Ihnen ankommen werden.

Wir bedanken uns, dass Sie bei der Aktion #dankhelm teilgenommen haben. Bei Fragen können Sie sich jederzeit gerne an mich wenden.

Wie verzweifelt muss man also sein, gewinnfähige Teilnehmer zu finden, wenn man einen -auch für einfache Menschen klar als solchen erkennbaren- ironischen Tweet also tatsächlich für bare Münze nimmt und ihn mit solch einem Preis bedenkt? Ich mußte wirklich erst einmal herhaft lachen! Aber die Kinder werden sich freuen, denkt Ihr? Ja, die Kinder von der Kita Hasenschule, Willy-Brandt-Platz 2 in Köln werden sich bestimmt freuen! Ich muss echt noch mehr lachen! Und ärgere mich ein wenig, daß ich nicht die Kita Kamelköppe, Walter-Pauli-Ring 2-6, 51103 Köln gewählt hab 😉

Da freut sich die Hasenschule!

Da freut sich die Hasenschule!

 

Ach so, der Schwachsinn die Kampagne geht weiter, denn gestern wurde angekündigt „Auf Darth Vader folgt der Stormtrooper„. Faktischer Fehler Nummer Eins -soviel Nerdtum muß sein- auf dem Bild sieht man keinen Stormtrooper, sondern einen Scout Trooper. Die Figuren sind übrigens der „Sturmabteilung“ (SA) nachempfunden (ich schlage irgendwas mit „Hitler“ für Teil 3 vor!), aber … das hatten wir ja schon. Ich hoffe inständig, daß ein #Aufschrei durch die Star Wars Gemeinde ob dieses Frevels geht! Wobei Frau Bär, Herrn Dobrindt und dem BMVI das wohl am allerwertesten vorbei gehen dürfte, denn die parlamentarische Staatssekretärin blockiert bei Twitter schlicht jeden, der sie *irgendwie* kritisiert. Auch eine Sichtweise von „Demokratie“. Irgendwie traurig.

Vielleicht gibt’s ja wieder was zu gewinnen, dann haben die Racker der Kita Kackbratzen ja doch noch eine Chance! In diesem Sinne: fahrt umsichtig, ohne und besonders auch mit Helm!

 

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Meine Rede zur 8. Fahrradsternfahrt: … lasst Euch nicht veräppeln!

22. Juni 2015 · 8 Kommentare

Die gestrige 8. Kölner Fahrrad-Sternfahrt empfand ich durchaus als Erfolg. Trotz des als „durchwachsen bis schlecht“ angesagten Wetters (letztlich blieben wir bis auf einen Platzregen am Ende der Kundgebung trocken) konnten wieder rund 2000 Teilnehmer gezählt werden. Das ist zwar wesentlich weniger als in Berlin (120.000) oder Hamburg (30.000) , aber immerhin mehr als in den Anfangsjahren und -was in meinen Augen wichtiger ist, als eine Zahl- mit größerer öffentlicher Wahrnehmung als früher. Dies liegt meiner Meinung nach in einem veränderten Bewußtsein und vor allem (er)stark(t)er Zusammenarbeit von Initiativen, Vereinen und engagierten Menschen. Ich habe derzeit tatsächlich endlich das Gefühl, Köln will Fahrrad fahren.

Ich habe mich sehr gefreut, daß wieder rund 30 Menschen meinem Aufruf gefolgt sind und den von mir geleiteten Zug zur Sternfahrt ab Bergisch-Gladbach mitgefahren sind. Es war auch sehr schön, auf der Abschlußkundgebung ein paar Minuten Zeit zu bekommen, (deutliche) Worte in die Menge zu tragen.

Folgend das Manuskript meines Wortbeitrags, von dem ich gestern an einigen Stellen allerdings etwas abgewichen bin – der Inhalt hat sich jedoch nicht geändert. Zum Schluß finde ich ein deutliches Lob für den Kölner ADFC, ich möchte hierbei noch erwähnen, dass das nicht heißen soll, dass ich die Arbeit anderer Vereine, wie des VCD Köln nicht schätzen würde (wie mir gestern halb scherzend gesagt wurde)! Nehmt das in diesem Sinne als Beleg dafür, dass Ihr bisher schon gut gearbeitet habt, was man vom ADFC in der Vergangenheit nicht immer sagen konnte 😉

Ich würde mich übrigens sehr freuen, wenn mein Wunsch für den kommenden Freitag am Ende des Beitrags in Erfüllung geht! Jetzt seid Ihr dran!

Mein Name ist Marco Laufenberg, ich bin seit rund 8 Jahren parteilos fahrradverkehrspolitisch in Köln aktiv.

Lasst Euch nicht verarschen!

Na gut, dies ist eine seriöse, offizielle und angemeldete Veranstaltung. Eine Demonstration! Auf dieser Bühne stand grad ein Politiker, es sind gebildete und angesehene Menschen, sogar Uniformträger anwesend, da sollte ich mich doch etwas gemäßigter ausdrücken:

Lasst Euch nicht veräppeln!

In diesen Tagen und schon seit einigen Monaten wird das „Radverkehrskonzept Innenstadt“ besprochen und geplant. Dazu hat der „Fahrradbeauftragte“, der leider heute zum –wie ich finde- wichtigsten fahrradpolitischen Tag des Jahres, der Fahrradsternfahrt, wie fast immer nicht persönlich anwesend ist, auch mich eingeladen. So wie verschiedene Bürger- und Verkehrsinitiativen, den ADFC und andere schlaue Menschen. Es wird geplant. Und gesprochen. Und geplant. Damit *irgendwann* das Fahrrad fahren in unserer schönen Stadt bequem ist. Und vielleicht sogar sicher. Das letzte Mal, das für den Radverkehr etwas geplant wurde, das war 1994. Da wurde der Verwaltung der Auftrag erteilt, eine linksrheinische Nord-Süd-Verbindung am Rheinufer zu finden. Die gibt es bis heute, das ist jetzt 21 Jahre her, noch nicht. Ich möchte Niemandem die Illusion nehmen, aber:

lasst Euch nicht veräppeln!

Während also geplant wird und zwar so, dass unsere Stadtoberen ein Alibi haben und sagen können „wir haben ja schließlich die Verbände und engagierten Menschen mit ins Boot geholt“, die aber freilich letztendlich nichts beschließen dürfen, werden ganz andere Dinge beschlossen und zügig umgesetzt: der Mediapark z.B., an dem es lediglich eine schikanierende, unübersichtliche und gefährdende Radverkehrsführung gibt, die den Namen „Infrastruktur „ nicht verdient hat, bekommt eine weitere Kfz-Spur! Damit die Autos noch schneller ins Parkhaus kommen können! Hurra!

Lasst Euch nicht veräppeln!

1998 war es, als die allgemeine Radwegebenutzungspflicht in Deutschland fiel und Radwege nur noch in Ausnahmefällen, nämlich bei einer qualifizierten Gefahrenlage, benutzt werden mussten. Dazu müssen sie dann aber auch breit genug, sicher angelegt und überhaupt befahrbar sein. Laut unserem „Fahrradbeauftragten“ ist das in Köln ein einziger Radweg, nämlich der an der Aachener Straße. Und da wäre er sich auch nicht so sicher. Trotzdem und selbst wenn diese Wege Radfahrer eher gefährden anstatt zu schützen, was sie eigentlich sollten, werden die Schilder nicht oder nur auf Druck abgehängt, denn –und das ist ganz offensichtlich- jeder Radfahrer auf der Fahrbahn ist für unsere Verwaltung ein Hindernis! Willkommen in der autogerechten Stadt! Ich bin der Meinung, es wäre ein tolles Radverkehrskonzept, wenn man erst einmal die gesetzlichen Bestimmungen, die seit Oktober 1998 gelten, umsetzen würde! Die scheinbare Begründung für die Benutzungspflicht eines der miesesten Radwege unserer Stadt, der 96cm breite, quer durch die Außengastronomie führende Holperweg an den Ringen ist –Achtung!- die Ampelschaltung, die zu kurze Räumzeiten für Radfahrer hat! Es ist 2015, die Menschheit war auf dem Mond, lässt Sonden auf Kometen landen, baut halbwegs erfolgreich U-Bahnen und unser Verein spielt in der ersten und bald auch in der Europaliga – aber Ampelschaltungen? Daran scheitern wir?!

Lasst Euch nicht veräppeln!

Aber es wird doch was für uns Radfahrer getan! Es gibt doch beinahe wöchentlich Mitteilungen, Pressekonferenzen und Live-Ticker im Stadtanzeiger: Fahrradständer eingeweiht! Einbahnstraße geöffnet! Schutzstreifen aufgepinselt! Ja! TOLL!

Was bringt uns ein sogenannter Schutzstreifen, wenn sich mit seiner Einrichtung das Amt für Straßen und Verkehrstechnik medienwirksam feiern lässt, dieser aber Autofahrer geradezu dazu einlädt, uns ohne jeglichen Sicherheitsabstand (der sollte mindestens 1,50 Meter betragen!) mit der Höchstgeschwindigkeit plus eingerechneter „Kulanz“, also gefährdend, zu überholen? Und wenn dieser Schutzstreifen dann gerade mal so eben die Mindestmaße einhält oder –wie hier direkt hier um die Ecke, an der Augustinerstraße- immer schmaler wird und Radfahrer noch mehr gefährdet, anstatt sie zu schützen? Und unsere Politiker finden das sogar toll, denn es wird mit dem Fahrradstreifen ja vorgegeben, was „für Radfahrer zu tun“ – ich sage:

Lasst Euch nicht veräppeln!

Geh- und Radwege werden zugeparkt. Ebenso wie diese Schutzstreifen, die uns überall als ach-so-sicher verkauft werden. Das sind genau genommen neu gebaute Zweite-Reihe-Park-Streifen für PKW. Siehe Venloer Straße, siehe Bonner Straße, siehe Frankfurter Straße in Mülheim. Und viel mehr solcher Parkstreifen sind geplant. Aber wir haben ja einen Ordnungs- und Verkehrsdienst und die Polizei, die sich um sowas kümmern könnten. Ich habe einen Ordnungsamtsmitarbeiter zu einem beparkten Gehweg befragt. Seine Antwort war: „natürlich ist das verboten, aber im Vorort dulden wir das“. Das ist ein Zitat! Das braucht man wohl nicht weiter zu kommentieren!

Ich habe es vom Ordnungsamt schriftlich: „auf Schutzstreifen parkende Transportunternehmen dienen ja“ –Achtung- „der Allgemeinheit“ . In Köln-Mülheim ist der –benutzungspflichtige- Radweg direkt vor der Polizeiwache zugeparkt. Jeden Tag. Rund um die Uhr. Ich bin da mal in Wache rein und nicht nur ich. Kommentar der Beamten: „Für ruhenden Verkehr sind wir nicht zuständig“ und „gehen Sie jetzt!“

Lasst Euch nicht veräppeln!

Ihr solltet aber nun nicht denken, dass die Polizei untätig wäre, denn das ist sie nicht! Sie ist jeden Tag aktiv! Sehr aktiv sogar! Sie ist aktiv dabei, Radfahrer an unglücklichen, teils diskriminierenden Stellen der Infrastruktur anzuhalten und abzukassieren. Die Ampel an der Maybachstraße, am Museum für ostasiatische Kunst, die Holperwege an den Ringen und andere. „Abzocke“ nennen das einige. Ich nenne das „mit zweierlei Maß messen“. Eigentlich wäre die Polizei laut VwV-StVO bei „jeder sich bietenden Gelegenheit“ verpflichtet, Infrastruktur auf Benutzbarkeit zu überprüfen. Laut Polizeipräsident Herrn Albers ist das „die tägliche Arbeit“ der Polizei. Wollt Ihr wissen, was die Realität ist? Eine Antwort auf meine diesbezügliche ist mir die Polizei seit 2 Monaten immer noch schuldig. Aber letztlich kenne ich die Antwort schon. Das interessiert die einfach nicht!

Lasst Euch nicht veräppeln!

Aber es gibt auch Licht, eigentlich sehr viel sogar. Und damit komme ich zu dem Thema, weswegen ich ein paar Minuten auf dieser schönen Bühne habe, denn eigentlich soll ich ja über „5 Jahre Critical Mass“ reden. In 5 Tagen, am Freitag, feiern wir das 5jährige Jubiläum unserer monatlichen Fahrradtour. Wir sind seit Juni 2000 stetig –anfangs 30, dann 80, dann 100, 200, 300 und bis zu 650- wir sind immer mehr geworden, die freundlich, gesetzestreu und legal, friedlich durch unsere schöne Stadt fahren und dabei mit den Beinen abstimmen. Menschen aus allen Schichten, Altersklassen und politischen Gesinnungen, die sich nicht weiter veräppeln lassen wollen und anstatt zu reden, zu planen und weiterzureden, einfach Tatsachen schaffen: Köln ist kritisch und Köln ist eine Fahrradstadt! Wir treten in die Pedale und schaffen einfach Tatsachen. Der Radverkehr wird in Köln nicht immer mehr, weil man angeblich was für uns tut, sondern trotzdem! Die Bürger der schönsten Stadt Deutschlands reden nicht mehr rum, sie machen einfach! Setzt Euch aufs Rad und macht mit! Und erfüllt mir den Traum, dass wir nächsten Freitag um 17:30 Uhr das erste Mal mit 1000 Menschen und Fahrrädern am Rudolfplatz starten! Und dann: fahrt jeden Tag! So oft es geht! Ich bin stolz, ein ganz, ganz kleiner Teil dieser Bewegung zu sein und vor fünf Jahren den Dominostein mit angestoßen zu haben, dass endlich etwas passiert. Und seitdem dabei zu sein. Und das kannst Du, das kannst Du und Du auch! Ihr Alle!

Und noch was, weil es mir ebenfalls sehr am Herzen liegt und weil es eine schöne Verbindung mit der Critical Mass gibt: wir haben wieder eine Lobby in Köln. Wir haben wieder einen adfc, der sich einsetzt und der relevant wird! Eine Interessenvertretung, die nicht einfach nur ein paar schöne Genusstouren fährt und sonst der Verwaltung, der Politik und der Polizei nachplappert, sondern sich engagiert, versiert Stellung bezieht und Fahrradpolitik macht! Mit schlauen, guten und engagierten und belastbaren Köpfen. Und ich bin mir sicher, dass die Critical Mass Bewegung mitgeholfen hat, den adfc in die richtige Richtung zu stupsen. Und das ist toll und unterstützenswert! Es ist sinnvoll, sich als adfc Mitglied anzumelden und diesen Menschen zu zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg sind – das geht direkt da vorne am Stand.

In diesem Sinne: überlasst den Radverkehr nicht denen, die reden und planen und reden und planen, sondern werdet aktiv und fahrt alleine und zusammen einfach los!

Und lasst Euch von denen nicht verarschen!!! Vielen Dank!

Vielen lieben Dank noch an die ganzen netten Worte von vielen Menschen nach dem Redebeitrag, die mich sehr gefreut haben. Und großen Respekt an den SPD-Mann, der mir direkt danach seinen Flyer mit dem OB-Kandidat auf dem Fahrrad in die Hand drückte. DAS nenne ich mutig!!! Wäre noch einen eigenen Artikel wert, Titel: „Betonköpfe versuchen sich an zeitgemäßer Fortbewegung und bleiben an den Pedalen hängen“ :-O

Kleine Presseschau zur Sternfahrt:

Kölner Stadtanzeiger: „2000 Radler trotzen tapfer dem Wetter
Kölner Stadtanzeiger: „Kölner Sternfahrt ist gestartet
Kölnische Rundschau: „Kölns Radfahrer wollen mehr Rechte

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8. Kölner Fahrradsternfahrt – nächsten Sonntag, den 21.6.2015

15. Juni 2015 · 2 Kommentare

Am kommenden Sonntag findet die mittlerweile 8. Kölner Fahrradsternfahrt statt. Wie schon in den letzten beiden Jahren habe ich mich bereit erklärt, den Zug ab Bergisch-Gladbach über Refrath nach Brück zu führen, von wo aus wir dann nach Zusammenführung mit einer anderen Route weiter in Richtung Innenstadt fahren werden.

Auch in diesem Jahr, werde ich als Redner für einen kurzen Beitrag auf der Bühne der Abschlußveranstaltung, zum Thema „5 Jahre Critical Mass Köln„, stehen und dabei –wie letztes Jahr– zwangsläufig auch generelle verkehrspolitische Inhalte berücksichtigen.

Ich freue mich sehr über viele Mitradler bei der Sternfahrt und natürlich besonders ab Bergisch-Gladbach. Zur Verabredung gerne hier kommentieren oder eine e-Mail schreiben, ich bin auf einen persönlichen Plausch sicher etwas früher da.

Wir werden garantiert keine “Radwege” benutzen (müssen), haben Musik dabei und sind auch sonst gut gelaunt! Das ist der Fahrplan:

11:30 Uhr – Bergisch-Gladbach Marktplatz

11:55 Uhr – Refrath Marktplatz

12:20 Uhr – Brück Marktplatz (Zusammenführung mit Route 5)

Danach geht es dann weiter in die Innenstadt, wo alle Routen zusammengeführt werden, Details gibt es auf der Website der Sternfahrt.

Ich freue mich auf Euch und eine schöne Sternfahrt!

Kölner Fahrrad-Sternfahrt 2015

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Bombenstimmung!

1. Juni 2015 · 8 Kommentare

Die Nachricht ging quasi um die Welt: in Köln wurde (mal wieder) eine Weltkriegsbombe gefunden! Was das mit diesem Blog und Radfahren in Köln zu tun hat? Recht einfach: wie scheissegal wichtig der Stadt Köln und ihrer Verwaltung das (sichere!) Radfahren ist, erkennt man an solch für den Radverkehr scheinbar unbedeutenden Dingen.

Tage vorher wurde es angekündigt, es gab in der Stadt kaum noch ein anderes Thema. Circa 20.000 Menschen mussten rund um die Mülheimer Brücke evakuiert werden, darunter ein Seniorenheim und einige größere Wohnhäuser. Überregionale Medien, wie Stern, Spiegel, FAZ, Focus, Tagesschau, etc. berichteten – in Kölner Medien wurden Liveticker für die Entschärfung der Bombe am 27. Mai 2015 eingerichtet. Für die evakuierten Menschen standen Aufenthalt, Kaffee und Snacks bereit, aber das Wichtigste:  die Mülheimer Brücke sollte -als wichtige Verkehrsachse- erst 30 Minuten vor der Sprengung gesperrt werden! Na gut, auf den zweiten Blick klang das dann nicht mehr für alle Verkehrsteilnehmer so euphorisch, denn die Medien verbreiteten: „Für Fußgänger und Radfahrer wird die Mülheimer Brücke bereits ab Mittag gesperrt.

Ok, man kann nicht alles haben und der Grund der Sperrung, die Entschärfung einer riesigen, 70 Jahre alten Bombe, ist natürlich ein triftiger. Die Realität bzgl. der Sperrung der Brücke für den Radverkehr sah dann allerdings ganz anders aus: die reguläre Auffahrt auf die Brücke war bereits am Tag vorher gesperrt. Ich wollte, bzw. mußte sie nachts gegen 0:30 Uhr auf dem Weg von der Arbeit nach Hause passieren und stand also vor der mit Absperrbaken und Flatterband (!) vollzogenen Sperrung, an der keine Umleitung ausgeschildert und auch keine sonstigen Hinweise ausgeschildert waren. Vor Ort waren ein paar Ordnungsamtsmitarbeiter, die dort wohl „Wache schoben“. Diese fragte ich freundlich, wie ich denn über die Brücke käme. Den Männern war das ganz offensichtlich ziemlich egal und erst nach weiterer Nachfrage teilten Herr Braun und Herr Westerhausen mir mit, „fahren sie doch da lang“ und deuteten Richtung südliche Auffahrt auf die Brücke. Diese ist -mit gutem Recht- mit VZ254 versehen und somit in diese (Gegen)Richtung für Radfahrer verboten. Vom möglichen Bußgeld (10.- Euro) abgesehen: die dortige Geisterfahrerei sorgte schon für einige verheerende Unfälle mit Toten und Schwerverletzten – das war hier schon öfters Thema, entsprechend eigentlich keine Option für mich. „Na, dann nehmen Sie halt die Zoobrücke“ war der sinnige Alternativvorschlag der beiden Herren. Einige Kilometer Umweg mitten in der Nacht, vielen Dank!

Sperrung für den Radverkehr

Sperrung für den Radverkehr

 

Gut, ich dachte mir meinen Teil und kam schon nach Hause. Am nächsten Tag war in Köln-Mülheim -wie angekündigt- ganz ordentlich Ramba Zamba: den ganzen Tag hörte man Sirenen und sah Konvois von Rettungsfahrzeugen, die die evakuierten Heimbewohner transportierten und so ziemlich jeden Anwohner akkustisch daran teilhaben ließen. Nun gut. Später am Nachmittag wurde die Bombe dann erfolgreich entschärft. Alles gut!

Nein, nicht alles gut, denn einen Tag später mußte ich wieder nachts über die Brücke und die Auffahrt war immernoch für Radfahrer gesperrt und -selbstverständlich- radelten alle (und das sind nicht wenige!) Radfahrer, die die Brücke passierten, fleißig über die Gegenseite und gefährdeten damit sich und andere – incl. der Option, ein Bußgeld wegen einer Ordnungswidrigkeit auferlegt zu bekommen. Umleitung oder Hinweise: weiterhin Fehlanzeige.

Am Freitag Morgen, den 29. Mai 2015 setze ich eine e-Mail an Ordnungsamt, Amt für Straßen und Verkehrstechnik, „Fahrradbeauftragten“ und Verkehrsdirektion der Polizei Köln auf:

ich gratuliere allen Beteiligten recht herzlich zur erfolgreichen Entschärfung der am Kuhweg gefundenen Weltkriegsbombe und zur reibungslosen Evakuierung der Anwohner. Besonders erfreulich empfand ich das Versprechen, den Verkehr über die Mülheimer Brücke bis kurz vor der Entschärfung fließen zu lassen, was im weitesten Sinne ja auch gut gelang.

Leider haben Sie hierbei allerdings den Fahrrad*verkehr* scheinbar völlig vergessen. Die einzige legale Möglichkeit, die Mülheimer Brücke vom Rheinradweg aus kommend radfahrend von links- nach rechtsrheinisch zu queren, nämlich über die Auffahrt am Kuhweg, war bereits am Tag vor der Entschärfung gesperrt und ist es heute, zwei Tage nach der Entschärfung, immer noch (siehe Foto). Ob der Umstände ist dies natürlich vollkommen verständlich, allerdings hätte hier wohl eine Umleitung ausgeschildert werden müssen, stattdessen gab und gibt es für den Radverkehr noch nicht einmal einen Hinweis. Quasi alle Radfahrer, die die Brücke nun queren wollen, nutzen derzeit den mit VZ254 für Radfahrer verbotenen Weg der Gegenrichtung, auf dem die Polizei (zu Recht und leider viel zu selten!) geisterfahrende Radfahrer sonst anhält und mit einem Bußgeld belegt. Einen legalen Weg über die Brücke zu finden ist selbst für Anwohner schwer, für Ortsunkundige ist es schlicht unmöglich (ich selbst habe aus diesem Grunde Ordnungswidrigkeiten begangen und die Brücke zweimal gegen die Fahrtrichtung passiert). Ich gehe davon aus, daß Ihnen die Unfallstatistik, die die Passage als außerordentliche Gefahrenstelle mit mehreren Toten und schwerverletzten Radfahrern belegt, bekannt ist.

Die Verkehrsdirektion der Polizei Köln weise ich hiermit auf die derzeitige dortige Gefahr für Radfahrer hin, mit der freundlichen Bitte um Verkehrsschau und entsprechenden professionellen Rat an die verantwortlichen Behörden.

Das Amt für Straßen und Verkehrstechnik und das Ordnungsamt fordere ich hiermit freundlichst auf, *umgehend* eine Umleitung auszuschildern und für eine *sichere* Radverkehrsführung zu sorgen.

Heute, Montag den 1. Juni 2015 habe ich dann auch eine Antwort bekommen, nämlich von Herrn Heribert Büth, Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Köln.  Herr Büth stellt klar: „Nach der Entschärfung und dem Abtransport des Bombenblindgängers ist das Amt für Straßen und Verkehrstechnik für diese Baustelle und die erforderlichen Beschilderungen zuständig. Ich leite diese Antwort daher im Cc auch an den zuständigen Kollegen weiter.“ Und dann hat der Büth auch noch den Tipp des Tages parat:

Privat kann ich Ihnen als passionierter Fahrradfahrer empfehlen, vorübergehend den Weg durch den ehemaligen Tivoli zum Rheinufer zu nehmen und auf der südlichen Seite der Mülheimer Brücke den Treppenaufgang mit provisorischer Fahrradführung zu benutzen, um auf den Fahrradweg in Richtung Mülheim zu kommen.

(Hervorhebung von mir) Na, da bin ich aber begeistert! Kurz zur Erläuterung, der Treppenaufgang sieht wie folgt aus und die „provisorische Fahrradführung“ ist ein 20cm Bordstein links oder rechts:

"Provisorische Radverkehrsführung"

„Provisorische Radverkehrsführung“

 

Natürlich, ich sehe gar kein Problem, ein Rennrad da hochzutragen, allerdings: mit meinem Trekkingrad sieht das durchaus schon anders aus. Und überhaupt: ich möchte Fahrrad fahren und nicht als Fußgänger unterwegs sein. Aber jemand, dessen Passion Fahrrad fahren ist, der muß es ja eigentlich wissen, oder? An Senioren mit 25kg schwerem E-Bike oder Mutti und Vati während des Kita-Streiks denkend, fragte ich Herrn Büth also „Erläutern Sie mir doch kurz, wie man Ihre Lösung mit Packtaschen und Kinderanhänger vollziehen soll, vielen Dank!“ Und Herr Büth ließ sich nicht lumpen:

da haben Sie Recht: Unter diesen Bedingungen hilft mein Tipp nicht weiter. Die Arbeit des Ordnungsamtes ist mit der Beseitigung der Gefahrensituation erledigt. Nun ist das Amt für Straßen und Verkehrstechnik am Zuge.

Na also, da haben wir’s! Schwarzer Peter abgegeben! Die anderen sind Schuld!

Selbstredend, die Brückenzufahrt ist heute, 1. Juni 2015, also 5 Tage nach der Entschärfung der Bombe immernoch gesperrt und getreu dem kölschen Motto „et hätt noch immer joot jejange“ habe ich keine weiteren Antworten bekommen, weder vom „Fahrradbeauftragten“, noch vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik oder der Polizei. Letzterer traue ich allerdings zu, daß sie nun mal ein paar Beamte auf die Brücke schickt. Da kann man grad gut Kasse machen!

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Eine Wette gewonnen!

6. Februar 2015 · 15 Kommentare

Hurra! Ich darf mir dieser Tager eine gute Flasche Rotwein aufmachen! Ich habe eine Wette gewonnen, ein tolles Gefühl!

Oder doch nicht? Letztlich wird der Rotwein nämlich aus meinem eigenen Keller kommen, d.h. mit großer Wahrscheinlichkeit habe ich ihn selbst bezahlt und ausgesucht. Und irgendwie wäre es vielleicht auch passender gewesen, hätte ich diese Wette nicht gewonnen. Ende November hatte ich über einen Vorfall berichtet, als mich ein Verkehrsrowdy heiliger Kraftfahrzeugführer eng überholte, nötigte, beleidigte, aus seinem Fahrzeug ausstieg und mich zweimal vorsätzlich und mit Absicht mit beiden Händen vor die Brust stieß. Während ich -beim ersten Schlag mit einem nicht grad billigen Fahrrad zwischen den Beinen- auf der befahrenen Fahrbahn stand und leicht von einem passierenden Fahrzeug hätte angefahren werden können. Ich erstattete Anzeige und Strafantrag und verfasste den Artikel, im letzten Absatz schrieb ich:

Wie die Sache verläuft, darüber bin ich nicht gespannt – ich wette eine ordentliche Flasche Rotwein, daß das Verfahren eingestellt werden wird.

Und genau das ist mir letzte Woche mitgeteilt worden. Bemerkenswert finde ich, daß sich nach meinem Artikel tatsächlich ein Mann bei mir meldete, der aus dem Gegenverkehr den Disput und zumindest einen der Schläge vor die Brust beobachtet hatte und entsprechend bezeugen konnte – der „Zeugenaufruf“ im Artikel war ja eigentlich –in Bezug auf eine Pressemitteilung der Kölner Polizei– eher scherzhaft gewesen. Zudem hatte ich ja einen Mitfahrer, der den Vorfall komplett bezeugen konnte (und auch durch den Überholvorgang gefährdet worden war).

Staatsanwalt Blume ist jedenfalls der Meinung, daß das Ermittlungsverfahren (Aktenzeichen: 911 Js 51/15) „gemäß §153 Abs. 1 der Strafprozeßordnung“ eingestellt werden kann. Maßgebend dafür ist, daß der Beschuldigte „bisher strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten ist“ und „Eintragungen im Verkehrszentralregister“ nicht vorliegen.

Nun wird es etwas kurios, denn nachdem ich letzte Woche über die Einstellung des Verfahrens kurz in einer Facebook Gruppe informiert hatte, meldete sich ein weiterer Leser des Artikels bei mir, der im Sommer 2014 mit diesem Mann, Herrn M., bereits ähnliche Erfahrungen gemacht, ihn aber eben nicht angezeigt hatte. Ich hatte in meinem Artikel das Kennzeichen nur mit den Buchstaben gepostet, nach Abgleich des kompletten Kennzeichens, etc. war hundertprozentig klar, daß Herr M.  diesen Radfahrer angehupt, vor einer Verkehrsinsel sehr eng überholt, seine Hand touchiert, ihn dann ausgebremst und beinahe links in den Straßengraben abgedrängt hatte.

Es ist klar, daß Straftäter „strafrechtlich nicht in Erscheinung treten“, wenn sie nicht angezeigt, bzw. nicht weiter verfolgt werden, weil nicht weiter ermittelt wird. Und natürlich bekommen sie dann auch keine „Eintragungen im Verkehrszentralregister“.

Staatsanwalt Blume teilt mir mit, daß eine Gefährdung des Straßenverkehrs (Überholen von Radfahrern mit 30-50cm Seitenabstand vor einer Verkehrsinsel, zweimaliges Schlagen einer Person vor die Brust im fließenden Verkehr) nicht gegeben sei und nur der „Verdacht der Nötigung, versuchten Körperverletzung und Beleidigung“ bleibe, aber das „Verschulden als gering anzusehen“ wäre. Ein „öffentliches Interesse an der Strafverfolgung“ bestünde nicht.

Ich habe heute folgende Beschwerde an die Generalstaatsanwältin in Köln, mit Kopie an die Staatsanwaltschaft, abgesendet:

Sehr geehrte Frau Generalstaatsanwältin,

Ich lege hiermit

B E S C H W E R D E

gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahren gegen Thomas Maria M. ein.

Die Einstellung des Verfahrens gem. § 153 a Abs. 1 wurde mir von Staatsanwalt Blume per Schreiben, datiert vom 22.1.2015, mir zugestellt am 28.1.2015, bekannt gemacht.

Begründung:
Ich bezweifle, dass durch die Tat des Herrn M. (zweimaliges Schlagen mit beiden Händen gegen meinen Brustkorb, im fließenden Verkehr, während ich –beim ersten Schlag mit einem Fahrrad zwischen den Beinen- auf der Fahrbahn stand und direkt hinter mir Fahrzeuge passierten) die „Belange der Öffentlichkeit nicht durchgreifend berührt werden“.

Dass der Beschuldigte „bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten“ ist und „keine Eintragungen im Verkehrszentralregister“ vorliegen, mag sein. Jedoch ist mir –durch die öffentliche Berichterstattung in diesem Fall- zumindest eine ähnliche Tat des Herrn M. vom Sommer 2014 zugetragen und bekannt gemacht worden, die allerdings (noch) nicht angezeigt wurde.

Die Auseinandersetzung betrifft somit mitnichten lediglich die „unmittelbar Beteiligten“, sondern durch das potentiell aggressive Verhalten des Beschuldigten im Straßenverkehr auch die Allgemeinheit.

Ich bitte um Erläuterung, warum Ihrer Meinung nach „eine Gefährdung des Straßenverkehrs“ in diesem Falle „nicht gegeben“ sei. Herr M. hat gemäß §315c Abs, 1 Nr.2 b) StGB falsch überholt und dabei das Leben zweier anderer Menschen und fremde Sachen (2 Fahrräder im Wert von je ~6000.- Euro) gefährdet. Seinem aggressiven Verhalten und seinen Worten nach hat er dies nicht fahrlässig, sondern absichtlich und mit Vorsatz getan.

Ich bitte in diesem Zusammenhang um Erläuterung, warum das Verschulden als „gering“ anzusehen wäre.

Ich bitte freundlichst um Wiederaufnahme des Verfahrens.

Hochachtungsvoll,

Marco Laufenberg

Man könnte ob der Begründung der Staatsanwaltschaft der Meinung sein, es wäre im Umkehrschluß in Ordnung, als Radfahrer (zumindest wenn man strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten ist) mal einen Verkehrsrüpel aus seinem Kfz zu ziehen und ihm eine Backpfeife zu verpassen. Davor möchte ich nicht nur aus moralischen Gründen warnen! Ich bin tatsächlich vor ein paar Jahren wegen Nötigung verurteilt worden (zum geringstmöglichsten Tagessatz allerdings), weil ich einen Busfahrer der KVB an der Weiterfahrt gehindert hätte, indem ich meinen Arm so in den Bus hinein gehalten hätte, daß die geöffnete Tür sich nicht sofort schloß. Er war an der Ampel so nah neben mich vorgefahren, um mich „mal über §1 der StVO aufzuklären, junger Mann“ (ich hatte den zerdengelten, an der Stelle auch nicht benutzungspflichtigen „Radweg“ nicht benutzt), daß mein angewinkelter, in die Hüfte gestemmter Arm, dann tatsächlich in die Lichtschranke ragte. ICH habe übrigens die Polizei gerufen. Da ist die Wahrnehmung der Staatsanwaltschaft wohl eine andere – man möge eins und eins zusammenzählen.

Achso: die Wette bleibt bestehen, ich wette eine ordentliche Flasche Rotwein, daß das Verfahren eingestellt (bleiben) wird.

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