Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

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Bitte belästigen Sie uns nicht weiter!

14. Juli 2016 · 11 Kommentare

Wurde früher, d.h. noch vor ein paar Jahren, über quasi alle Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern auf velo2010.de (das „Bündnis für sicheren Radverkehr“ unter Führung der Polizei – mittlerweile eingestellt) berichtet, ist es derzeit nicht so einfach, sich einen Überblick über Unfälle und Gefahrenstellen zu verschaffen. Lediglich schwere Unfälle schaffen es in die Pressemitteilungen der Polizei Köln, oft genug nicht ohne Hinweis auf einen fehlenden Helm, Licht oder anderes suggestives Victimblaming. In journalistischer Tätigkeit für einen Radverkehrsblog ist der Blick in diese Pressemitteilungen von Zeit zu Zeit also durchaus sinnvoll. Und wie das so ist, mit Pressemitteilungen, gibt es eine Kontaktmöglichkeit, falls man Rückfragen hat.

In der letzten Woche, am Mittwoch, den 6. Juli 2016, gab es zwei schwere Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern, die in dieser Pressemitteilung Erwähnung fanden. Meine Aufmerksamkeit richtete sich auf den zweiten Unfall, der sich an der Kreuzung Ebertplatz/Turiner Straße ereignete. Im Pressetext heißt es:

Am Ebertplatz in der Innenstadt kam es um 21.15 Uhr zu einem weiteren Unfall mit Radfahrerbeteiligung. Hier bog ein Senior (65) mit seinem Pkw vom Ebertplatz in die Turiner Straße in Fahrtrichtung Hauptbahnhof ab. Zeitgleich beabsichtigte eine zunächst parallel fahrende 29-jährige Radlerin, die Turiner Straße auf dem Radweg zu queren. Sie konnte nicht mehr rechtzeitig abbremsen und stürzte, ohne dass es zur Kollision gekommen war.

Ein klassischer Rechtsabbiegerunfall also, soweit so gut. Allerdings: ich kenne diese Ecke sehr gut, sie war mir schon seit jeher ein Dorn im Auge, denn der (benutzungspflichtige) „Radweg“ wird ein paar Meter vor der Kreuzung (an der viele Kfz nach rechts abbiegen) weit nach rechts, am Eingang zur U-Bahn vorbei, aus dem Sichtfeld der Kraftfahrer verschwenkt, weswegen ich ihn selbstverständlich auch nie benutze. Was Lieschen Müller aber leider meist trotzdem tut – ist ja angeordnet, muss ja sicher sein.

Hier die Szene bei Google Streetview, wo die Radfahrerin aus dem Sichtbereich geführt wurde –absichtlich, möchte man sagen- was dann nach ein paar Metern an der Kreuzung schlicht zur Todesfalle wird. Ich selbst habe diversen Verantwortlichen bei der Stadt Köln diesen Umstand in den vergangenenen Jahren bereits mehrfach aufgezeigt, „natürlich“, wie in den meisten Fällen, ohne jede Reaktion – der MIV könnte ja behindert werden. Was ich bis dahin allerdings noch nicht wußte: es gibt sogar einen Beschluß der Bezirksvertretung (BV), also des Lokalparlaments, vom März 2014, also von vor über 2 Jahren, der die Stadtverwaltung auffordert, den Radverkehr hier (per Schutzstreifen)  über die Fahrbahn zu führen. Zu finden ist das hier, es wurde einstimmig beschlossen: „Die Verwaltung wird beauftragt, im Rahmen der Ummarkierungen am Ebertplatz/Turiner Str. einen Schutzstreifen für den Radverkehr auf der Fahrbahn vorzusehen und den Radverkehr auf der Fahrbahn zu führen.“ Den GRÜNEN in der Bezirksvertretung nach „weigert sich die zuständige Abteilung in der Verwaltung, diesen Beschluss umzusetzen„.

„Was hat die Polizei damit zu tun?“ mag man sich fragen. Durchaus einiges, denn gemäß Verwaltungsverordnung zur Straßenverkehrsordnung (VwV-StVO) ist jeder Polizist „bei jeder sich bietenden Gelegenheit“ verpflichtet, eine Radverkehrsanlage auf Zweckmäßigkeit und Zustand hin zu überwachen. Im Wortlaut liest sich das in der VwV-StVO zu §2 so:

Die Straßenverkehrsbehörde, die Straßenbaubehörde sowie die Polizei sind gehalten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Radverkehrsanlagen auf ihre Zweckmäßigkeit hin zu prüfen und den Zustand der Sonderwege zu überwachen. Erforderlichenfalls sind von der Straßenverkehrsbehörde sowie der Polizei bauliche Maßnahmen bei der Straßenbaubehörde anzuregen.

Heißt auf deutsch: „die Polizei teilt der Stadtverwaltung mit, wenn ihr unzweckmäßige oder in schlechtem Zustand befindliche Radwege auffallen und regt bauliche Maßnahmen an“. Ich glaube kaum, daß ich falsch liege, wenn ich vermute, daß der „Radweg“, an dem die Frau verunfallte, alleine durch seine Führung (die wider jegliche Verordnungen und Regelwerke ist) als „unzweckmäßig“ bezeichne. Wer sich mit Straßenverkehr und besonders Radverkehr in Köln beschäftigt, mag jedoch kaum glauben, daß die Polizei auf diese Unzweckmäßigkeiten hinweist oder anders tätig wird. Deswegen habe ich im Frühjahr 2015, beim „Fahrradaktionstag“ der Polizei und der Stadt Köln auf dem Neumarkt mal nachgefragt, ob solche Verkehrsschauen tatsächlich stattfinden und der Polizeipräsident a.D., Wolfgang Albers, sprach mir und den anderen Journalisten ins Mikrofon: „Selbstverständlich!“, das wäre die „tägliche Arbeit“ der Beamten! Na dann!

Wenn das also zur „täglichen Arbeit“ der Beamten gehört, dann wird die Aufnahme eines Unfalls mit einer schwer verletzten Radfahrerin, mit Sicherheit zu „jeder sich bietenden Gelegenheit die Radverkehrsanlagen auf ihre Zweckmäßigkeit hin zu prüfen“ gehören. In diesem Sinne habe ich -wie in der Pressemitteilung ja auch angeboten wird- am 13. Juli 2016 eine Rückfrage gestellt, wie ich es in der Vergangenheit schon ein paar mal zu ähnlichen Unfällen gemacht habe:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe eine Frage zum in der PM unter

http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/12415/3372780 beschriebenen Unfall zwischen einem rechtsabbiegenden Kraftfahrer und einer auf dem dortigen „Radweg“ geradeausfahrenden Radfahrerin, vom 6.7.2016 am Ebertplatz, Kreuzung Turiner Straße:

Haben die den Unfall aufnehmenden Beamten, die sich bei dieser Situation bietende Gelegenheit genutzt, den „Radweg“ gemäß VwV-StVO zu §2 und 45.9 zu überprüfen, wie es ihre Pflicht und „tägliche Arbeit“ (PP a.D Albers am letztjägrigen „Fahrradaktionstag“ gegenüber Pressevertretern) ist?

Was ist das Ergebnis dieser Untersuchung?

Wurde insbesondere die Stadtverwaltung über Verkehrsführungen, die ERA2010, der StVO, der VwVO-StVO oder anderen Regelwerken widersprechen, informiert? Was waren hierbei die Empfehlungen an die Stadtverwaltung?

Ich bitte freundlichst um Mitteilung.

Mit freundlichen Grüßen,

Marco Laufenberg

Obwohl die Polizei (im Gegensatz zur Stadtverwaltung oder gar dem „Fahrradbeauftragten“) üblicherweise tatsächlich antwortet, gabe es zu ähnlichen Rückfragen (ich habe 3-4 gestellt) entweder keine konkrete Antwort, Ausflüchte oder in einem Fall überhaupt keine Antwort, dafür aber wurde aber nach meiner Rückfrage die Benutzungspflicht eines „Radweges“ (an der Maybachstraße, Nähe Mediapark) plötzlich, still und heimlich aufgehoben. Ganz ohne daß der „Fahrradbeauftragte“ eine Pressemitteilung herausgegeben oder ein selbst gebautes Verkehrsschild eingeweiht hätte.

Zum aktuellen Fall kam die Antwort von Markus Hoppe aus der Direktion Verkehr der Polizei Köln, Führungsstelle / FüSt 4 wirklich sehr schnell, nämlich heute morgen und fand deutliche Worte:

Sehr geehrter Herr Laufenberg,

Ihre wiederholten Anfragen zur Radwegführung an einer bestimmten Örtlichkeit und dem Zustand des Radwegenetzes in Köln an sich, sind der Straßenverkehrsbehörde bekannt.

Ich bitte Sie, Fragen diesbezüglich in Zukunft an die Straßenverkehrsbehörde zu richten.

Nun ja, wenn mir jemand so deutlich sagt, „Sie gehen uns gewaltig auf den Sack!„, dann scheine ich wohl in ein Wespennest gestochen zu haben und irgendetwas richtig zu machen. Ich kann anderen Bürgern nur raten, dann und wann mal bei ihrem Freund und Helfer nachzufragen, ob er seinen Pflichten nachkommt. Das geht einfach, günstig und schnell per e-Mail.

Das Motto der Polizei in Köln und NRW lautet übrigens:
professionell – bürgerorientiert – rechtsstaatlich

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Ein viertelstündiger Verkehrsversuch!

19. April 2016 · 51 Kommentare

Hier kurz was aus der Abteilung „Dat jitt et nur in Kölle!„:

An der Zülpicher Straße, also in Uninähe, hat man nach langem Heckmeck einen „Verkehrsversuch“ gestartet, und einen Abschnitt für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt, damit soll sich „für Fußgänger und Radfahrer“ dort „die Situation verbessern“.

Im Artikel auf Köln-Nachrichten.de sieht man auf einem Foto, wie Tünnes un Schäl Harzendorf und Hupke (Amtsleiter und Bezirksbürgermeister) die Sperrung feierlich errichten. Sogar Lollies kommen weg: „Wie die Leiterin der Planungsabteilung im Verkehrsamt, Angela Stolte-Neumann, bestätigte, wird die bestehende Radwegenutzungspflicht (blaues Verkehrsschild) für den Verkehr in Richtung Universitätsstraße aufgehoben.“ Damit drückt Frau Stolte-Neumann aus, wann ihrer Meinung nach keine qualifizierte Gefahrenlage (vgl. §45.9 StVO) für Radfahrer im Straßenverkehr besteht: wenn keine Kraftfahrzeuge mehr fahren! (Die Straße ist für diese ja gesperrt). Kosten insgesamt: rund 10.000 Euro, hauptsächlich für Schilder und Hinweistafeln.

Hieß es ursprünglich, dass die Stadtverwaltung „im Mai“ dann wissen will, „wie die Autofahrer mit den geänderten Verkehrsbedingungen umgehen„, kam man allerdings doch früher zu einem ersten Ergebnis: Die Sperrung wurde bereits nach 15 Minuten teilweise wieder aufgehoben!

Augenzeugen zufolge wurden die Poller Richtung Innenstadt wenige Minuten nach dem Errichten auf Anweisung von Amtsleiter Harzendorf bereits wieder abgebaut. Grund hierfür wäre das  Chaos auf der Wilhelm-Waldeyer-Str. (einzige Möglichkeit, umzukehren). Binnen kurzer Zeit hatte sich ein LKW festgefahren. Und das trotz Schildern für 10.000 Euro! Was macht man, wenn der MIV zu dämlich für Verkehrsregeln überfordert ist? Richtig, man vereinfacht es für ihn! Derzeitiger Stand ist also: Schilder hängen, aber die Poller sind weg. Freie Fahrt!

Selbstverständlich ist es auch nicht möglich, Ordnungshüter einzusetzen, um die Beachtung der Beschilderung zu kontrollieren oder gar zu sanktionieren – die sind alle damit beschäftigt, Radfahrer abzuzocken zu maßregeln, die irgendwas falsch machen.

Die Kölner Presse war scheinbar bereits nach 10 Minuten wieder weg, zumindest wird online über die Sperrung, aber nicht mehr über die derzeitige Aufhebung berichtet:

Kölner Express
Köln.de
Info bei der Stadt Köln
WDR
Kölner Stadtanzeiger

Ich freue mich schon auf den nächsten Kölner Verkehrsversuch: „Konsequente Umsetzung der StVO in der Fassung vom 1.10.1998„, ansonsten spare ich mir sarkastische Kommentare und möchte nur noch anmerken: „dreimol Kölle Alaaf!!!

[Nachtrag 20. April 2016:]
Mittlerweile berichtet die Kölner Presse auch kritisch über die Aufhebung der Sperrung, der Kölner Express schreibt dabei offen von „Flop!“

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Umleitung auf Radstreifen in den Gegenverkehr

18. März 2016 · 37 Kommentare

Gestern fuhr ich meinen Vater in Düren besuchen und nutzte dazu -wie immer- die Äußere Kanalstraße und dann in der Verlängerung den Maarweg, um Richtung Deckstein zu gelangen und Köln dann über die Felder in Richtung Westen zu verlassen.

Üblicherweise nutze ich an der Äußeren Kanalstraße und später am Maarweg ausschließlich die Fahrbahn, denn entweder bestehen auf der Strecke keine Benutzungspflichten, sind die Radwege in verheerendem Zustand oder aber (mit Duldung des Ordnungs- und Verkehrsdienstes der Stadt Köln) zugeparkt, also in jedem Fall nicht zu benutzen. Oder alles zusammen.

An der Kreuzung mit der Vogelsanger Straße (hier besteht keine RWBP) bemerkte ich aus den Augenwinkeln linksseitig ein VZ240 (gemeinsamer Geh- und Radweg) mit Doppelpfeil (d.h. in beide Fahrtrichtungen angeordnet), was ich selbstverständlich ignorierte, da ich den Weg gar nicht mehr erreichen konnte und es zudem für ein „Versehen“ hielt (so etwas passiert in Köln. Und zwar oft). Der Geh- und der „andere Radweg“ rechts waren abgesperrt. Es geht dann leicht bergab, so daß auch ungeübte Radfahrer sehr schnell eine recht hohe Geschwindigkeit aufnehmen können, in eine Unterführung unter die dortigen Bahngleise hindurch. Weiterhin auf der Fahrbahn bemerkte ich links ein weiteres VZ240 (mit Doppelpfeil) und zwei Radfahrer, die in der Unterführung linksseitig auf dem dortigen Radstreifen gegen die Fahrtrichtung fuhren! Nun ja, Idioten Ignoranten auf „Schutzstreifen“ gegen die Fahrtrichtung sehe ich tatsächlich dann und wann mal, aber … das hier war also tatsächlich so angeordnet!

Fahren Sie in den Gegenverkehr!

Fahren Sie in den Gegenverkehr!

Angeordneter Selbstmord

Angeordneter Selbstmord

 

Einigermaßen schockiert ob dieses Diletantismus meiner Straßenverkehrsbehörde schickte ich die beiden obigen Fotos an selbige und an den „Fahrradbeauftragten“, mit folgendem Text versehen (ja, ich war erzürnt):

Mich wundert eigentlich nichts mehr, deswegen nur ganz kurz nachgefragt: Sie schicken Fahrradfahrer wirklich ernsthaft gegen den Verkehr auf solch einen Streifen? Ich meine: ERNSTHAFT?

Der Fahrradbeauftragte antwortet auf solche Eingaben generell nicht, das weiß ich natürlich und das wird auch immer und immer wieder von radfahrenden Bürgern berichtet. Aber immerhin: aus dem Amt für Straßen und Verkehrstechnik bekam ich direkt heute früh eine Antwort von Frau Foxius. Sie teilt mir mit, daß „im Rahmen der Baumaßnahme der Stadtentwässerungsbetriebe auf dem Maarweg“ […] „der Fahrradfahrer in Fahrtrichtung Widdersdorfer Str. in einem Teilstück auf der gegenüberliegenden Seite geführt werden“ muss. Und dann: „Zur Verdeutlichung wird der Weg kurzfristig mit Hilfe von Baken von der Fahrbahn abgegrenzt werden.

Der Fahrradfahrer MUSS also links auf den Gehweg geführt werden, obwohl er dort sonst (sicher) rechts, in Fahrtrichtung, auf der Fahrbahn fährt!? Interessant! Und eine „Abgrenzung mit Baken“ …. ist laut RSA95 gar nicht erlaubt. Das könnte eine Straßenverkehrsbehörde wissen. Ich traute mich, nochmal zu antworten:

Dass Baken laut RSA95 auf RVAen nichts zu suchen haben, wissen Sie aber vermutlich, oder?

Dass der „Radweg“ in Gegenrichtung gar nicht benutzungspflichtig ist, Sie nun aber eine linksseitige Benutzungspflicht anordnen, wissen Sie auch?

Dass linksseitige Geh- und Radwege innerorts nicht angeordnet werden sollen, ist Ihnen bekannt?

Dass zudem die mangelnde Breite dieses Weges eine solche Verkehrsführung gar nicht hergibt, ist Ihnen bekannt?

Die Broschüre zur Baustellenabsicherung von Geh- und Radwegen des Verkehrsministeriums (liegt m.W. beim „Fahrradbeauftragten“ aus) haben Sie gelesen?

Warum leiten Sie den Radverkehr also nicht über die Fahrbahn, wie es eigentlich üblich sein sollte?

In diesem Zuge kann ich Ihnen dann auch mitteilen, daß die „Radwege“ im weiteren Verlauf des Maarwegs sowieso nicht benutzbar sind, da sie täglich (=permanent = IMMER) beparkt sind. Dies wird vom Ordnungs- und Verkehrsdienst der Stadt Köln geduldet.

Ich bin mir sicher, das alles wird der Stadtverwaltung völlig egal sein, man wird da irgendetwas hinbasteln, was entweder nicht sinnvoll zu befahren ist oder aber eine erhebliche Gefährdung darstellt. Regelkonform ist es zudem in keinem Fall. Und das Schlimme daran ist: man weiß es einfach nicht besser! Oder aber: man will es nicht besser wissen!

Frau Foxius gehört der gleichen Verwaltung an, die derzeit das „Radverkehrskonzept Innenstadt“ erarbeitet.
Die Stadt Köln ist (tatsächlich!) Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW!“ (AGFS-NRW)

Das Fahrrad als (gleichberechtigtes) Verkehrsmittel – in Köln immer noch ein Buch mit sieben Siegeln!

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Autogerechte Stadt Köln

24. Februar 2016 · 11 Kommentare

Dass Köln, schon alleine von der Infrastruktur her, eine „autogerechte Stadt“ ist, bzw. als solche angelegt und auch noch nie (und wohl auch nicht in naher Zukunft) umstrukturiert wurde, dürfte jedem, der hier als Radfahrer oder Fußgänger unterwegs ist, klar sein.

Dass dieser Umstand dann noch dadurch verschärft wird, daß der wenige Platz, den die Stadt den nicht autofahrenden übrig läßt, sich trotzdem von Kraftfahrzeugen genommen wird und das von den Behörden kaum geahndet, sondern mindestens toleriert wird, belegt eindrucksvoll der Tumblr-Blog Autogerechte Stadt), auf der User wohl nur die Spitze des Eisberges, teilweise pointiert, dokumentieren. Ein Projekt zum mitmachen, definitiv!

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Rheinboulevard und Rheinenergie und … ein großes Loch

17. Februar 2016 · 12 Kommentare

Kaum ist der Karneval vorbei, kann Köln wieder das machen, was es am besten kann: sich blamieren!

Heute fuhr ich von Köln-Mülheim aus, da wohne ich, den Auenweg entlang in Richtung Deutz. Am Auenweg wurde vor gar nicht langer Zeit, nämlich vor nicht einmal 1,5 Jahren, für viel Geld (1,82 Mio. Euro) der „Rheinboulevard Köln Mülheim“ fertiggestellt. Inclusive eines Geh- und Radweges in einer „Grünanlage“, der -vom Mülheimer Hafen aus- kurz vor der Zoobrücke im nichts (nämlich in einer Kurve vor einem Amüsierbetrieb, für Kraftfahrer unangekündigt, auf der Fahrbahn) endet. Das Geld brachte -selbstverständlich- nicht die Stadt Köln alleine auf, sondern sie ergaunerte bekam es, bis auf 20%, aus einem EU-Fonds, das Projekt nannte sich „Mülheim 2020„. Ich berichtete darüber. Schick gemacht das alles und es wurde sogar feierlich eröffnet. „Am 16. September 2014 eröffnete [der damalige] Oberbürgermeister Jürgen Roters gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs und Dr. Joachim Bauer die neue Grünanlage“, kann man hier nachlesen. Oder auch hier im Kölner Stadtanzeiger. Die Stadt Köln feiert sich natürlich auch noch.

Nun ja. „Ist doch toll! Was hat er denn jetzt zu meckern?“ Ach, so viel habe ich gar nicht zu meckern, ehrlich gesagt ist mir dieser Weg ziemlich egal (bis auf, daß man mit dem Geld wohl sinnvolleres hätte anstellen können), ich benutze dort mit dem Fahrrad eh die (sichere) Fahrbahn. Ich wundere mich nur, denn als ich dort heute entlang fuhr, sah ich aus den Augenwinkeln ein großes … Loch.

Der neue Radweg!

Der neue Radweg!

 

„Ein wenig komisch“, dachte ich mir. Nachdem man hier aufwendig Privatmenschen Land abgekauft hat (bzw., sie dazu gedrängt hat, es zu verkaufen – wenn ich mich recht erinnere, waren einige da gar nicht so begeistert) und mit großem Trara „etwas für Radfahrer“ gemacht hat, wird der Weg, der gefühlt erst kurze Zeit überhaupt existiert, wieder aufgebuddelt?

Hier baut die Rheinenergie!

Hier baut die Rheinenergie!

 

Ah, da steht es ja: „Hier baut die Rheinenergie eine Fernwärmeleitung. Bauzeit: März 2016 bis voraussichtlich Dezember 2016“. Na, dann hat der schöne (teure) Rheinboulevard ja immerhin 17 Monate lang eine Verbindung geschaffen.

 

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#dankhelm freut sich die Kölner Radstation

3. Februar 2016 · 7 Kommentare

Zunächst einmal, wenn auch etwas verspätet, allen Lesern ein Frohes neues Jahr! Fast schon traditionell möchte ich den ersten Artikel im neuen Jahr, wie in den letzten Jahren, auch wieder als kurzen Leitartikel ausarbeiten. Dieses Jahr wird’s allerdings wirklich eher kurz und knackig.

Ich habe -das dritte Jahr hintereinander- die Feiertage und den Jahreswechsel genutzt, um unter Mittelmeersonne zu entspannen und Rad zu fahren. Knapp 1500km bei meist 18° Grad, blauem Himmel und Sonnenschein ohne auch nur einen einzigen Zwischenfall. Kein Drangsalieren, kein Hupen, keine Aggressivität. Im Gegenteil. Und das quasi ohne jegliche „Fahrradinfrastruktur“. Das tat gut und machte mir nochmals deutlich, worauf es im Wesentlichen ankommt, wenn es darum geht, Radfahren sicher(er) zu machen: bevor ihr irgendwelche „Schutzzonen“ für Radfahrer einrichtet, belangt die Verursacher, diejenigen, die gefährden. Enges Überholen, zu schnelles Fahren, Abdrängen, Hupen, auf dem Geh oder Radweg parken – das alles sind immer noch „Kavaliersdelikte„, sie werden schlichtweg nicht sankioniert.

Auf Mallorca wird selbst jedes Überholen mit Blinker angekündigt und dann mit mehreren Metern Abstand und angepasster Geschwindigkeit vollzogen. Warum? Ursprünglich mal, weil jeder Autofahrer weiß, daß die Guardia Civil (die hinter jedem Kreisverkehr lauern kann) nicht zimperlich ist – mittlerweile … weil man es einfach so macht! Lektion gelernt!

Ja, es passieren Fortschritte in Köln, keine Frage. Mir gehen sie nicht weit genug. Das „Radverkehrskonzept Innenstadt“ birgt bestimmt ein paar gute Dinge, aber es ist undurchsichtig, die Findung war (und ist) katastrophal. Und was davon dann (und vor allem: wann!?) überhaupt durchgesetzt wird, steht auch noch in den Sternen. Ich wohne übrigens in Mülheim, einem Kölner Stadtteil – mir persönlich bringt eine Fahrradstraße in Sülz oder Lindenthal auch nicht so mörderviel, wenn dafür die „tollen“ „Schutzstreifen“ auf der Frankfurter Straße hier um die Ecke täglich zum Parken benutzt werden – unsanktioniert, versteht sich. Was das „Radverkehrskonzept“ eigentlich wirklich bedeutet, haben dieser Tage ein paar sehr fleißige Menschen vom Kölner ADFC ausgearbeitet und online gestellt. Um das deutlich zu sagen: diese Menschen haben zig Stunden ihrer Freizeit damit verbracht, ein konfuses Konzept in einer interaktiven Karte einigermaßen verständlich darzustellen! Das hätte ich von der Stadtverwaltung und dem ausführenden Planungsbüro (die werden dafür bezahlt!) erwartet! In Köln ticken die Uhren anders. Ich sage es nochmals und auch gerne: der ADFC geht mit dem Kredit, den er -auch von meiner Seite- mit seiner kürzlichen Wiederauferstehung bekommen hat, sehr gut um. Vielen Dank! Und weiter so!

Stattdessen bemühnt man sich die Stadt lieber um einen „Radschnellweg“ nach Frechen, der Pendler motivieren soll, einfach und schnell mit dem Fahrrad nach Köln zu kommen. Das ist prinzipiell natürlich schön, ABER: diese Verbindung kann man jetzt schon ganz hervorragend fahren (ich mache das regelmäßig), da müssen eigentlich nur Kleinigkeiten gemacht werden. Aber nein, Köln will das ganz große Ding: beleuchtete Strecke, E-Bike Tankstellen, Fahrradstraßen. Warum nur? Man könnte das viele Geld doch nehmen und besser den völlig maroden „Radweg“ am Militärring, einmal um Köln herum, sanieren, der hätte es bitter nötig! Ja, warum nur? Es gibt Fördergelder vom Land! Ach, darum!

Aber ich will nicht nur Meckern. Wie erwähnt, der ADFC mausert sich in Köln zu einer ernsthaften, sehr aktiven und immer einflußreicheren Lobby. Es wird wieder eine Sternfahrt in 2016 geben und die Critical Mass hat in 2015 mehrmals an der 1000er Marke gekratzt, im Januar 2016 fuhren bereits 300 Menschen mit und aus eben dieser Bewegung entstehen wiederum ganz viele Engagements, die versuchen, es den Radfahrern in Köln etwas einfacher zu machen. Ich drücke das mal so aus: vor rund 8 Jahren war ich mit Arne alleine – jetzt hat die Hydra ein paar Köpfe mehr! Viele Menschen, die sich kümmern und einmischen! Ich habe mich heute noch mit einem sehr engagierten ADFC Aktiven unterhalten, der meinte „anstatt immer nur darüber zu reden, muß ich echt mal wieder was Fahrrad fahren„. Recht hat er! Und so werde ich das dieses Jahr handhaben, ich habe ein paar persönliche, auch sportliche Ziele und die sind mir wichtiger, als über jeden Radverkehrsaspekt in Köln einen Blogbeitrag zu machen. Ich werde mich ein wenig zurückhalten, aber, liebe mitlesenden Menschen von Stadtverwaltung und Polizei, das heißt nicht, daß Ihr nichts mehr von mir hört! Ich werde meine Stiche nur etwas akzentuirter setzen!

Und so fange ich das neue Jahr mit etwas sehr lustigem an!
Der ein oder andere kann sich noch dran erinnern, ich hatte die unselige #dankhelm Kampagne des Verkehrsministeriums gehackt und mit einem selten dämlichen Tweet tatsächlich ein paar Fahrradhelme für die Kita Hasenschule gewonnen! Der ein oder andere hat mich ein wenig gefeiert und ich selbst kam ein paar Tage kaum aus dem Lachen raus, ich mußte die Geschichte oft erzählen und ich glaube …. da haben es einige bis heute noch nicht gerafft 😉

Das ganze geht aber noch weiter. Ich hatte dem BMVI also die Adresse der „Kita Hasenschule“ (der Stadtverwaltung) angegeben, in der Annahme, daß irgendjemand von denen die Reaktionen bei Twitter oder meinen Blog mal liest oder einfach die Adresse checkt. Weit gefehlt! Eines Tages bekam ich tatsächlich eine e-Mail von einer Dame (wohl des Empfangs) der Stadtverwaltung Köln, „Herr Laufenberg, hier liegen ein paar Helme für sie!“. Da muss man sich also wirklich die Mühe gemacht haben, herauszufinden, wer ich bin (ich stelle mir grad vor, wie es da durchs Intranet geht „Kita Hasenschule? Kann da einer was mit anfangen?“. Da konnte der „Fahrradbeauftragte“ behördenintern bestimmt mal durch sein Wissen Pluspunkte machen 😉 ), um die Helme irgendwie an den Mann zu bringen. Ich war beruflich grad viel unterwegs und schaffte es erst ein paar Tage später, zu antworten. „Die Pakete haben wir schon wieder zurück geschickt„, antwortete man mir. Nun gut, kein Problem, dachte ich. Ich wußte eh nicht, was ich mit den Helmen anfangen sollte und gelacht hatte ich auch genug und für die Kneipe und bei Freunden ne super Story parat. Aber Nein! Genau wie Darth Vader: Das Bundesverkehrsministerium gibt nicht auf! Die dunkle Seite der Macht gibt wohl niemals auf …

Ich bekam eine e-Mail vom BMVI, daß da wohl etwas schief gelaufen wäre, die Helme seien zurück geschickt worden. Ich antwortete „sorry“ und gab meine Adresse durch. Und so begab es sich also, daß mein lieber DHL Bote eines Tages wirklich (!) aus dem Fahrzeug fiel vor Lachen! Er brüllte und schrie „KITA HASENSCHULE! HAHAHA!“, nachdem er klingelte. Alleine, diesem netten Mann einen Tag lang ein breites Grinsen verpasst zu haben, war die ganze Sache wert:

Kita Hasenschule!

Kita Hasenschule!

 

Da standen sie dann also. Zwei riesige Kisten, voll mit … Fahrradhelmen! Und noch viel schöner: ein Dankesschreiben! Man dankt mir persönlich für meinen Einsatz für mehr Verkehrssicherheit, juhu! Ich hab es schriftlich, mit meinem Tweet habe ich den „Einsatz für mehr Sicherheit auf deutschen Straßen unterstützt„. Hier zur Sicherheit nochmal mein Tweet:

#kein #Feinstaub #dankhelm

#kein #Feinstaub #dankhelm

 

Das Schreiben ist sonst natürlich nichts anderes als Selbstbeweihräucherung und Helmpropaganda, aber … hey! Ich hab ein Autogramm von Doro Bär!

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Ein Autogramm von Doro!

 

Nach jedem Rausch folgt die Ernüchterung. In diesem Falle: was mache ich bloß mit 18 Kinderfahrradhelmen? Und das zumal ich vom Helm als Wunderwaffe nun mal rein gar nichts halte (darüber hatte ich mich in meinem ersten Artikel hierzu ja bereits ausgelassen), andererseits wollte ich mich an der ganzen Nummer eh nicht selbst bereichern, sondern eher irgendwie „was gutes“ tun. Die Kinder in meiner direkten Nachbarschaft sind alle bestens versorgt, einen Helm habe ich meiner Freundin (die einen kleinen Kopf hat) geschenkt und die restlichen erstmal in den Keller gelegt.

Meine eigentliche Idee war, die Helme zu verkaufen und das Geld zu nutzen, um ein oder zwei einfache, gebrauchte Fahrräder zu kaufen, um diese gestrandeten Menschen, die Mobilität gut gebrauchen können, zu schenken: Kriegsflüchtlingen in Köln. Fand ich einserseits gut, andererseits hatte ich keine Zeit und Energie, den Verkauf/Versteigerung der Helme und dann den Ankauf/Aufarbeitung einiger Gebrauchträder zu organisieren. Im Herbst las ich dann im Mitgliedermagazin des Kölner ADFC „Fahr Rad!„, daß die Kölner Radstation eine Aktion „Fahrräder für Flüchtlinge“ initiiert hat und u.a auch konkret um Fahrradhelme bat. Na gut, for heaven’s sake, ich halte zwar nicht viel davon, den Menschen als allererstes einen Helm aufzusetzen, aber … was soll’s! Ich fand das besser, als sie eingelagert zu lassen und somit kam ich heute, 3. Februar, das erst mal in den Genuss, eines der ausleihbaren Kölner Lastenräder zu fahren. Ich lieh mir das ADFC-Lastenrad, belud es mit den Helmen und auf ging’s (angekündigt) zur Radstation. Allerdings nicht, ohne erst noch eine typische Kölner Verkehrsabsicherung umschiffen zu müssen. Ihr erinnert Euch. Flatterband. Man beachte die persönliche Note des Künstlers, eine Gehwegplatte zur Befestigung zu nutzen. Und ich dachte, das CityLeaks-Festival sei erst im Herbst :

Es flattert so schön!

Es flattert so schön!

 

Das Lastenrad zu fahren war zunächst etwas ungewöhnlich, aber nach ein paar Minuten hatte ich mich dran gewöhnt. Einzig, eine Hand vom Lenker zu nehmen oder der Schulterblick waren schon eine wacklige Angelegenheit – faszinierend aber, wie leicht man was für Lasten transportieren kann! Toll! Weniger toll fand ich den KVB-Busfahrer, der sich, als ich links abbiegen wollte und wegen Gegenverkehr warten mußte, rechts an mir vorbeidrängelte und mich dabei touchierte. Aber da sind wir wieder beim ersten Absatz dieses Artikels. Kavaliersdelikt.

Bei der Radstation freute man sich wirklich sehr über die „Spende“ (ich hatte es erläutert, woher die Helme kamen) und als ich grad ging, kam der Chef rein, dem ein Mitarbeiter noch einmal freudestrahlend zurief „der hat grad nagelneue Helme gespendet!“. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihm und stellte fest, daß ich einfach auch noch nie in der Radstation war. Muß ich nochmal hin.

Langer Mann, Kinderhelm, Lastenrad, Radstation.

Langer Mann, Kinderhelm, Lastenrad, Radstation.

 

Fazit: die Helme sind weg, irgendjemand freut sich und wenn ein paar Menschen diese Zeilen lesen, dann können wir uns sicher sein: #dankhelm und @dorobaer haben wir echt gelacht! Und Lachen ist gesund! Fast so gesund wie Fahrradfahren! In diesem Sinne wünsche ich Euch eine gute Trittfrequenz im neuen Jahr. Bleibt aufmerksam. Und dehnt Euch auch mal!

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Verschwendete Zeit – „Radverkehrskonzept“ Innenstadt

14. Dezember 2015 · 19 Kommentare

Heute, Montag den 14. Dezember 2015, fand sie also statt, die dritte (und letzte) Bürgerversammlung zum „Radverkehrskonzept“ Innenstadt (RVKI) Köln. Naja, genau genommen läuft sie wohl noch, denn ich bin früher gegangen.

Nachdem diese Versammlung eigentlich überfällig war (die erste fand vor über 1,5 Jahren statt!), dann verschoben wurde (sie hätte eigentlich schon vor der Oberbürgermeisterwahl im September stattfinden sollen – „I smell a rat“, warum sie das nicht tat!), hatte man also kurz vor Weihnachten getrommelt. Und jetzt soll auch alles ganz schnell gehen. Wer allerdings die Gepflogenheiten in Köln kennt, der sollte aufmerksam sein, wenn hier etwas „ganz schnell“ gehen soll, denn man kann fest davon ausgehen, dass irgendetwas im Argen liegt. Ich habe das vor 1,5 Jahren schon gesagt und ich schreibe es hier noch einmal deutlich in aller Öffentlichkeit: Die Stadtverwaltung benutzt Bürger dazu, ein halbgares, autogerechtes Konzept durchzusetzen, um später sagen zu können, „wir haben die Bürger aber doch daran beteiligt!“ Behördliches Greenwashing.

Während europäische Metropolen wie Paris, London, Amsterdam oder Kopenhagen einfach konsequent anfangen, ihre Innenstädte autofrei und wieder lebenswert zu machen, zeigt Köln uns, dass wir einfach in der Provinz leben und man das auch nicht großartig zu ändern gedenkt.

Ein Omen war es wohl schon, dass am Veranstaltungsort die Fahrradparkplätze sehr rar gesäht waren, entsprechend sah es dann auch etwas später (ich habe einen der zwei „regulären“ Anstellplätze ergattern können) vor dem Museum aus: gut zwei Dutzend Fahrräder kreuz und quer aneinander gekettet oder an Baustellenabsperrungen angeschlossen. Alle Taschen und Jacken mussten an der Garderobe abgegeben werden, da sorgten Sicherheitskräfte für. Ich sah Damen, die den Inhalt ihrer Handtasche in ein Plastiktütchen kippen mussten (kein Scherz!) um ihn mit in den Saal nehmen zu dürfen. Das nenne ich mal Willkommenskultur!

Herr Hupke begrüßte die Bürger (und freute sich später -er hatte (wohl aus lauter Langeweile beim Votrag Gwiasdas) durchgezählt- stolz über „mehr als 200 Teilnehmer“. Von denen dann aber rund die Hälfte (wie ich) nach dem Vortrag gingen), dann übergab er an Klaus Harzendorf, den Leiter des Amt für Straßen und Verkehrstechnik. Herr Harzendorf stellte die „Bedeutsamkeit“ des Konzeptes heraus und meinte, daß man „die Ziele des Programm 2025 erreichen“ könne. Man hätte gerade in den letzten Wochen noch an dem Konzept gearbeitet und zwar an der Fragestellung „sehen wir denn Chancen das auch alles so technisch umzusetzen, wie wir es ihnen hier vorstellen“ und er meinte, daß es „wichtiger ist, daß wir hier Qualitäten haben und daß wir dann schon sehr wohl uns die Zeit dann genommen haben“. Ja, ich hab’s auch nicht verstanden, was er sagen wollte. So ging das dann noch eine Weile weiter und ehrlich gesagt …. ich hab abgeschaltet.

Herr Möllers, der „Fahrradbeauftragte“ der Stadt Köln erläuterte den bisherigen Ablauf des „Radverkehrskonzeptes“ Innenstadt und übergab dann an Peter Gwiasda vom Planungsbüro VIA. Herr Gwiasda stellte noch einmal die groben Züge des RVKI vor, dazu hingen an den Wänden an verschiedenen „Stationen“ Stadtpläne, Tafeln, Diagramme, etc. – und zwar Dutzende!. Die Stationen, also die „Überbegriffe“, z.B. Rheinufer, Nord-Süd-Verbindung, Fahrradstraßen, etc. erläuterte er kurz in seinem Vortrag. Man konnte vor der  Veranstaltung schon einen Blick darauf werfen und hatte dann 45 Minuten (!) Zeit, um sich diese ganzen Informationen (mehrere Dutzend Pläne, Grafiken, usw.!) anzuschauen und dann in einer folgenden Diskussionsrunde Fragen zu stellen. Ganze 45 Minuten!!!

Dazu kommt: ich bezeichne mich mal als versierten Laien, der vieles versteht. Ich habe mich in den letzten Jahren recht gut weitergebildet, was fahrradverkehrstechnische Dinge angeht und trotzdem: das in so kurzer Zeit aufzunehmen – mir erschien das unmöglich. Wie soll das nun einem „normalen“ Bürger, der sich mit solchen Dingen noch nie beschäftigt hat, gehen? Das Bild zeigt Station 1, man hätte also gut 5 Minuten Zeit, das „durchzuarbeiten“ und das war noch eine der einfachen Stationen. Mit Transparenz haben es unsere Stadtoberen nicht so, das war mir aber auch schon vorher bekannt.

Kapiert?!?

Kapiert?!?

 

Herr Gwiasda arbeitete die einzelnen Stationen ab und -wie ich oben ja schon erwähnte- man konnte auch im Bild recht deutlich sehen, dass Köln auch in Zukunft weit davon entfernt sein wird, eine Fahrradstadt zu sein, denn man WILL es sich mit dem MIV gar nicht verscherzen. Da wird über jede Fahrspur und über jeden einzelnen Parkplatz diskutiert, gekämpft und geworben werden. Aber das wird uns gar nicht verschwiegen, sondern ganz offen gezeigt, denn diese Karte zeigt das geplante zukünftige „Fahrradnetz“ und alles, was gelb ist, bedeutet „der MIV hat Vorrang (Radfahren auf Radverkehrsinfrastruktur)“. Nichts neues. Und bereits beschlossen.

Nachrang des Radverkehrs

Nachrang des Radverkehrs

 

Aber ich habe dann doch noch was gelernt, nämlich, dass man im Rheinufertunnel (die Nord-Süd-Verbindung am Rhein ist ein großes Thema, bereits 1994 sollte diese gewährleistet werden, hat die Verwaltung aber leider noch nicht geschafft) nicht Fahrradfahren kann aus …
EMISSIONSSCHUTZGRÜNDEN!

Kein Scherz, das wurde so gesagt! Und so stand es auch auf dem Poster, auf dem auch behauptet wurde, Radfahren wäre dort ein Problem, weil „Tempo 70“ gelten würde, was schlicht nicht stimmt. Im Rheinufertunnel gilt „Tempo 50“. Ich fahre da regelmäßig lang. Meiner Meinung nach emissionschutztechnisch einwandfrei, übrigens. Was soll man sagen? Das läuft irgendwie alles nach dem Motto „was fällt uns denn noch ein, um den Radverkehr ums verrecken nicht auf die Fahrbahn zu lassen?„. Wenn es keine veraltete Ampelschaltung ist, dann also Emissionsschutz. Hoffentlich lebt da nicht noch ne seltene Fledermausart, die auf Kfz sensibilisiert wurde und weniger Krach nicht vertragen kann.

Aber immerhin, es wurde uns nichts verschwiegen. Es wurde uns eigentlich ganz offen gesagt, daß dieses „Radverkehrskonzept“ gar kein wirkliches Konzept ist und was man als Verkehrsplaner der Stadt Köln, bzw. für die Stadt Köln denn so vom Fahrrad als Verkehrsmittel hält, als Herr Gwiasda sein spezielles Konzept einer Fahrradstraße erläuterte:

„Fahrradstraße ist im Prinzip ’ne Straße auf der der Radverkehr gleichberechtigt ist.“

Gleichberechtigt? Das wäre der Radverkehr dann sonst also nicht? Und: ist eine Fahrradstraße nicht eher eine für den Radverkehr vorgesehene Straße, die die Attraktivität des Radverkehrs steigern und Vorteile gegenüber dem Kraftfahrzeugverkehr schaffen soll? Man merkte eigentlich, wie immer, dass da vorne Männer saßen, die ihr Fahrrad sonntags bei schönem Wetter zum cruisen am Rheinufer nutzen.

Ich habe nun mit einer guten Stunde am Schreibtisch eigentlich schon zu viel Zeit für dieses Thema verschwendet, zusätzlich zu den 1,5 Stunden, die ich vorhin vor Ort war (ich habe die Pause wenigstens halbwegs sinnvoll genutzt und mich mit ein paar Leuten konstruktiv über ein paar überflüssige Radwegebenutzungspflichten, bzw. deren nötige Aufhebung unterhalten). Die folgende „Diskussion“ wollte ich mir einfach nicht mehr antun. Was soll ich zum x-ten Male dumme Fragen stellen, die sowieso nicht, zögerlich oder mit falschen Versprechungen beantwortet werden? Was soll man zum x-ten Male bemängeln, dass Kreuzungen, an denen Menschen wegen der diskriminierenden Radverkehrsführung gestorben sind, immer noch nicht entschärft wurden?  Dass „Fahrradinfrastruktur“ in Köln gemeinhin als zusätzlicher Parkraum gesehen wird, durch den „Parkdruck“ vom städtischen Ordnungs- und Verkehrsdienst geduldet (dazu in Kürze mehr!), nicht sanktioniert und somit gefördert und erlaubt? Daß die Neuregelung der StVO von 1998 (!) in Köln immer noch nicht umgesetzt wurde? Im Gegenteil, sah der Gesetzgeber damals vor, dass auf eine „qualifizierte Gefahrenlage“ geprüft wird, überprüft man in Köln lieber „auf Benutzungspflicht“, hier zu sehen auf amtlichem städtischen Büttenpapier im Namen der Oberbürgermeisterin:

alte Männer freuen sich über Fahrbahnverbote

alte Männer freuen sich über Fahrbahnverbote

 

Aber, hey, alles groovy! Wir Bürger dürfen natürlich noch weitere Anregungen geben und man gibt uns dafür richtig viel Zeit! Denn das Konzept wird „noch ins Internet“ gestellt (wann genau wurde nicht gesagt) und dann kann man eine e-mail an den „Fahrradbeauftragten„schicken und zwar …. bis zum 15. Januar 2016! Da kann man die Feiertage ja mal richtig nutzen! Oder seinen Winterurlaub! Ich werde ganz bestimmt auf Mallorca sitzen und das alles mal durcharbeiten und dem Jürgen ne e-Mail schicken …. nicht!

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Fahrradfahrer sind Finsterlinge!

8. Dezember 2015 · 29 Kommentare

So richtig in Erscheinung getreten ist der Nachfolger von Helmut Simon, der neue Leiter der Verkehrsdirektion der Kölner Polizei, Martin Lotz, noch nicht. Während Herr Simons Steckenpferd, den Radverkehr sicher zu machen, „Helm“ hieß (er hat sogar seine eigene Tochter hierfür als „Model“ (mit einem Reiterhelm auf!) benutzt), setzt Herr Lotz -passend zur „dunklen Jahreszeit“- erstmal auf „Licht“ und „keine dunkle Kleidung“.

In diesem Sinne gibt es morgen früh, um 7:15 Uhr, die „Aktion Finsterlinge“, zu der die Kölner Polizei per Pressemitteilung nach Köln-Weiden vor ein Gymnasium einlädt. „Ziel der Aktion ‚Finsterlinge'“ sei es, „die Zahl der Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern zu reduzieren.“ Es hätten „in diesem Jahr bislang 15 Radfahrer (14 leichte -, 1 schwere -) Verletzungen allein bei solchen Unfällen erlitten, bei denen technische Mängel am Rad wie z.B. fehlende Beleuchtung zumindest mitursächlich waren.“

Natürlich, es ist richtig und wichtig, auf eine vernünftige Beleuchtung hinzuweisen (noch wichtiger: diese dann auch richtig einzustellen, Stichwort „Blenden des Gegenverkehrs“). Das mache ich bei Leuten, mit denen ich zusammen Rad fahre, z.B. bei der Critical Mass, auch. Ich habe sogar öfters ein oder zwei Ersatzklemmlichter dabei, die ich ggf. verleihe. Herr Lotz geht aber noch einen Schritt weiter, indem er klar stellt „dringend empfehle ich auch Kleidung, die die Sichtbarkeit verbessert.

Soso, der Leiter der Verkehrsdirektion (ich weiß (noch) nicht, was seine bevorzugten und regelmäßigen Verkehrsmittel sind und was er so an Erfahrung auf dem Fahrrad hat) gibt also Empfehlungen für Radfahrer ab. So erklären sich dann vermutlich Pressemitteilungen wie diese hier, bei der es um einen Unfall geht, bei dem ein Senior als Fußgänger von einem Kfz angefahren wurde und „schwere Verletzungen“ erlitt. In der Mitteilung heißt es, daß „der dunkel gekleidete Fußgänger“ die Fahrbahnseite wechselte und „Aufgrund der Dunkelheit erkannte der Autofahrer den Senior zu spät und stieß mit ihm zusammen„. Die Dunkelheit war also wohl Schuld an diesem Unfall und es wird suggeriert, daß auch die dunkle Kleidung maßgeblich an dem Unfall beteiligt ist. Andere Umstände, die den Unfall vielleicht hätten vermeiden können, mir fällt da spontan „an die Sichtverhältnisse (Dunkelheit) angepasste Geschwindigkeit“ ein, werden scheinbar gar nicht in Betracht gezogen. Man bedenke: solch eine Pressemitteilung wird von -ohne irgendetwas infrage stellenden- Redakteuren der Lokalpresse multipliziert und somit suggeriert: dunkel gekleidet = selbst Schuld! Die dunkle Seite der Macht!

Ich hatte mir dann die Mühe gemacht und folgende Rückfrage an die Pressestelle der Kölner Polizei aufgesetzt:

Sehr geehrte Damen und Herren:

in Ihrer Pressemitteilung unter http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/12415/3177261 schreiben Sie zu dem Unfall, bei dem ein Fußgänger von einem PKW angefahren wurde:

„Aufgrund der Dunkelheit erkannte der Autofahrer den Senior zu spät und stieß mit ihm zusammen.“

Ohne den genauen Unfallhergang zu kennen, möchte ich gerne wissen, inwiefern hier tatsächlich die „Dunkelheit“ für den Unfallhergang ursächlich ist, damit verbunden auch die in der Mitteilung besonders erwähnte „dunkle Kleidung“ des Seniors, nicht aber die Regeln der StVO §3.1, in der es heißt:

„Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen“ und „Es darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann“.

Ich freue mich über Ihre Erläuterung,

mit freundlichen Grüßen,

Marco Laufenberg

Eine Antwort auf mein Schreiben habe ich -selbstverständlich- nicht bekommen.

Keine Frage, ich möchte nicht zum Ausdruck bringen, daß es nicht gut oder gar unsinnig sei, sich als Radfahrer im Straßenverkehr sichtbar zu machen. Was mir hier aber fehlt, ist überhaupt das Verständnis seitens der Polizei, daß es nicht „von Gott gegeben“ ist, daß Kraftfahrzeuge permanent mit Höchstgeschwindigkeit+x durch die Gegend brettern dürfen, eben auch bei schlechten Sichtverhältnissen, wie „Dunkelheit“, und die schwächeren Verkehrsteilnehmer sich halt grell machen müssen. Selbst das funktioniert nämlich äußerst bescheiden, anders ist es kaum zu erklären, daß ich als Vielradfahrer, 2 Meter groß und leuchtend und reflektierend wie ein Weihnachtsbaum, mehrmals täglich „übersehen“ werde. Eigentlich egal, ob es hell oder dunkel ist und der Unterschied zu einer unbeleuchteten Schleichfahrt wird wohl tatsächlich eher marginal sein. Mir ist es jedenfalls noch nie aufgefallen, daß die Polizei zu einer Veranstaltung einlädt, die den Titel trägt „Angepasste Geschwindigkeit – die Höchstgeschwindigkeit sollte im Dunkeln geringer sein“ oder „Wie man den Rosa Elefanten nicht übersieht – Hilfestellung bei der Wahrnehmung schwächerer Verkehrsteilnehmer„.

Mir fällt dazu eigentlich nur ein Artikel aus dem hoch geschätzten Postillon ein, schon was älter, aber er trifft es ziemlich gut: „Warnwestenpflicht für Rehe und Hirsche soll Zahl der Wildunfälle reduzieren„.

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Auf dem Radweg am Hansaring die Nase gebrochen!

11. November 2015 · 13 Kommentare

Kürzlich las ich folgende Pressemitteilung der Kölner Polizei (Hervorhebungen von mir):

 

Köln (ots) – Gestern Morgen (3. November) ist eine Radfahrerin (47) bei einem Zusammenstoß mit einem Skateboard-Fahrer in der Kölner Innenstadt schwer verletzt worden.

Gegen 8.20 Uhr fuhr die 47-Jährige auf dem Radweg des Hansarings in Richtung Ebertplatz. Zur gleichen Zeit kam ihr ein männlicher Skateboardfahrer verbotswidrig entgegen.

Da der Radweg in diesem Bereich durch eine Baustelle verengt war, wich die Radlerin zur Seite aus, um einen Zusammenstoß zu verhindern.

Bei ihrem Ausweichmanöver stieß die Frau in Höhe der Hausnummer 14 gegen ein Baugerüst und verletzte sich schwer. Ohne weitere Angaben zu machen entfernte sich Skateboard-Fahrer vom Unfallort.

Der Flüchtige ist etwa 25 bis 30 Jahre alt. Zum Unfallzeitpunkt trug er weiße Schuhe und einen grünen Parka. Bei dem Skateboard handelt es sich um ein sogenanntes Longboard. Die Polizei sucht sowohl den Flüchtigen als auch Zeugen des Vorfalls. Hinweise nimmt das Verkehrskommissariat 2 unter der Telefonnummer 0221/229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de entgegen. (km)

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Köln
Pressestelle
Walter-Pauli-Ring 2-6
51103 Köln

Telefon: 0221/229 5555
e-Mail: pressestelle.koeln(at)polizei.nrw.de

Nun, „die Stelle kenne ich“, dachte ich mir und fragte mich, wie ein 96cm breiter „Radweg“ überhaupt noch weiter „verengt“ sein kann. Also stellte ich mal eine „Rückfrage“:

Sehr geehrte Damen und Herren:

gemäß Ihrer Pressemitteilung unter
http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/12415/3165802
passierte am 3.11.2015 ein Unfall zwischen einer Radfahrerin und einem ein Skateboard benutzenden Fußgänger. Hierzu habe ich einige Fragen.

Der Mitteilung nach war „der Radweg in diesem Bereich durch eine Baustelle verengt“. Inwiefern konnte der Radweg, der mit ~96cm Breite das Normalmaß eines Radweges noch nicht einmal zu 50% erfüllt, überhaupt noch weiter „verengt“ sein, bzw. dann überhaupt noch befahrbar sein?

Was hat die Inaugenscheinnahme, gemäß VwV-StVO bei „jeder sich bietenden Gelegenheit“ (ich gehe davon aus, daß solch ein Unfall eine solche Gelegenheit ist), Ihrer Beamten in bezug auf die generelle qualifizierte Gefahrenlage gemäß §45.9 StVO und auf die generelle Benutzbarkeit des Radweges gemäß §2.4 StVO, was laut Herrn PP Albers die „tägliche Arbeit“ der Polizei ist, ergeben?

Was hat die Inaugenscheinnahme der Unfallstelle in bezug auf Absicherung und Radverkehrsführung an der Baustelle gemäß RSA95 und ähnlicher Regelwerke ergeben?

Der Mitteilung nach stürzte die Frau „gegen ein Baugerüst und verletzte sich schwer“. Was hat die Inaugenscheinnahme des Baugerüstes ergeben? Wurde die Installation desselben so genehmigt?

Ich bitte Sie höflichst um Mitteilung.

Erfreulicherweise (das unterscheidet die Polizei Köln von der Stadt Köln) bekommt man bei den „Gesetzeshütern“ meist Antwort und das sogar recht schnell. So antwortete mir Markus Hoppe von der Direktionsführungsstelle Verkehr bereits am nächsten Tag. Er teilte mir mit, dass „der Verkehrsunfall durch das VU-Aufnahmeteam der Polizei Köln aufgenommen wurde und derzeit durch das Verkehrskommissariat 2 bearbeitet“ werden würde. Das sind also die Spezialisten bei der Polizei. Herr Hoppe meinte, die Unfallörtlichkeit wäre „am folgenden Tag in Augenschein genommen“ worden und dabei  „wurde festgestellt, dass der Radweg frei befahrbar und nicht baulich eingeengt ist“.

MOMENT! In der Pressemitteilung hieß es noch, „da der Radweg in diesem Bereich durch eine Baustelle verengt war, wich die Radlerin zur Seite aus, um einen Zusammenstoß zu verhindern“, nun heißt es, „dass der Radweg frei befahrbar und nicht baulich eingeengt ist„? Interessant, was so „Spezialisten“ alles feststellen.

Herr Hoppe teilte mir noch mit, dass das Baugerüst sich „ausschließlich auf dem Gehweg“ befindet, auf meine Fragen nach der Inaugenscheinnahme gemäß VwV-StVO geht er nicht ein, erwähnt aber noch, dass ich Fragen zur Genehmigung des Gerüstes „bitte an die Straßenverkehrsbehörde“ stellen möchte (was ich dann auch getan habe – bisher ohne Antwort).

Hier mal ein paar Fotos von der Unfallstelle, aufgenommen 2 Tage nach dem Unfall:

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Da muss man also eigentlich kein Polizist in einer „Spezialeinheit“, wie dem VU-Aufnahmeteam sein, um festzustellen, dass hier etwas nicht stimmt (die Situation ist jetzt, eine Woche nach dem Unfall, übrigens immer noch die gleiche!) und die Baustelle mitnichten nach RSA-95 abgesichert ist, was sie aber eigentlich sein müßte (und worauf Herr Hoppe mir ja wohlweislich nicht geantwortet hat – entweder, weil er es nicht konnte oder weil er es nicht wollte), vom gesunden Menschenverstand einmal ganz abgesehen. Wer meint, hier könne sicher Rad (und Fuß!)verkehr stattfinden, der sieht die Welt wohl ausschließlich von hinter der Windschutzscheibe.

Vor Ort fand sich dann auch jemand, der erklären konnte, wie der Unfall passierte: die Radfahrerin befuhr demnach den „Radweg“ in die richtige Richtung, der Skateboardfahrer (der verkehrsrechtlich übrigens ein Fußgänger ist und somit zumindest auf einem Gehweg auch nicht „verbotswidrig“ unterwegs ist) kam ihr auf der linken Seite des Gerüstes, also „Ihrer“ Seite, entgegen. Aus „Freundlichkeit“ wollte sie ihm nach rechts ausweichen und stieß dann gegen die schlecht sichtbare (und nach dem Unfall von der Polizei (!) mit Flatterband (!!) „abgesicherten“) Querstange des Gerüstes. Mir geht es hier ganz sicher nicht darum, die Schuldfrage festzustellen, dazu bin ich nicht befugt und das kann ich auch gar nicht, sondern, zu dokumentieren, wie wenig Polizei, Straßenverkehrsbehörde, Baufirmen und Eigentümer der Baustelle sich für die Unversehrtheit unmotorisierter Verkehrsteilnehmer interessieren.

Ach so. Etwas weiter links befinden sich zwei vorzüglich zu befahrende Fahrspuren, auf denen man solche Unfälle ganz sicher vermeiden kann, was derzeit allerdings noch u.U. eine Mautgebühr (wird dann allerdings vor Gericht im Normalfall eingestellt), erhoben durch eine uniformierte Spezialeinheit, kostet.

Die Petition „Ring Frei“, die eine sofortige Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht an den Ringen fordert, kann noch bis zum 5. Dezember 2015 gezeichnet werden. Derzeit -und das kündige ich hiermit schonmal feierlich an!- werden parallel allerdings auch Klagen vorbereitet, dazu geht in den nächsten Tagen ein Crowdfunding parat, um einen versierten Fachanwalt ordentlich entlohnen zu können – HALTET EUER KLEINGELD BEREIT! Mehr dazu in Kürze in diesem Blog.

Wer übrigens meint, die beschriebene Unfallstelle ginge nicht schlimmer, gefährdender und diskriminierender: weit gefehlt! Köln kann das! Hier die gleiche Stelle im Juni 2014, natürlich alles abgesichert nach sämtlichen Regeln, Verordnungen & gesundem Menschenverstand – zumindest, was der Kölner dafür hält! In diesem Sinne, am Elften im Elften: Kölle Alaaf!

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Herbstidylle

5. November 2015 · 13 Kommentare

 

Wie jedes Jahr …

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Schön!

…. interessiert das Niemanden.

Immerhin: ICH fahre sicher auf der Fahrbahn, Lieschen Müller leider nicht.

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