Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

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Alternative Fakten – Das miese Spiel der Kölner Polizei

27. März 2020 · 4 Kommentare

Wer in den letzten Jahren bei der Critical Mass Köln mitgefahren ist, der kann den Eindruck gewinnen, die Kölner Polizei sei besonnen, kooperativ und „für uns da“. Denn, sie fährt da mit, sogar auf Fahrrädern und „beschützt“ uns vor bösen, bösen anderen Verkehrsteilnehmern. Mit einigen Beamten ist man während der gemeinsamen Ausfahrt gar beim kumpelhaften „Du“. So weit, so schön, so idyllisch.

Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus, denn der Grund für diese vermeintliche Kooperation ist schlicht der, das man nicht anders kann. Die Bilder aus dem Juni 2015, als die Polizei Jagd auf unbescholtene Radfahrer machte, Grundrechte von Bürgern verletzte und alles andere als kooperativ war, zeigten nicht gerade ein gutes Bild vom „netten Freund und Helfer“. Und wie der Teufel das Weihwasser, so scheut die Kölner Polizei schlechte Presse, also musste man an der Aussenwirkung wohl etwas feilen.

Was die wenigsten derjenigen, die die Polizei bei der CM als freundlich empfinden, wissen, ist die Tatsache dass , nachdem die Strafanzeige gegen mich damals von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde, immernoch jeden Monat eine „Anzeige gegen Unbekannt“ gestellt wird – wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz (was schlichtweg Quatsch ist). Das gilt wohl mutmaßlich der Machtdemonstration.

Die Krönung gab es dann aber heute! In den Krisenzeiten, in denen es nicht nur unerlässlich, sondern seit ein paar Tagen auch angeordnet ist, daß man keinen Kontakt mit anderen Menschen hat (was ich persönlich nicht nur richtig finde, sondern bereits seit vor der Anordung so handhabe), haben alle Kanäle der Critical Mass Köln (Facebook Gruppe, Facebook Seite, Twitter, Website – alle von verschiedenen Menschen, letztere von mir, betreut) bereits vor längerer Zeit -um den 13. März 2020 herum- aufgerufen, im März 2020 KEINE Critical Mass zu fahren. Hier der Text, versehen mit den Hashtags #inköllezehus und #staythefuckathome

Liebe Leute,

wie Ihr wißt, ist die CM keine Veranstaltung. In Zeiten des um sich greifenden Corona-Virus können wir eine solche also auch nicht absagen.

Da Menschenansammlungen wegen Ansteckungsgefahr untersagt sind, wird im März 2020 keine CM möglich sein, die ja ohnehin niemand veranstalten würde.

Deswegen: Bleibt zuhause, haltet Abstand, und wenn ihr rausgeht: Auf keinen Fall mit mehr als 2 Menschen, am Besten nur mit denen, mit denen ihr zusammenwohnt.

Bleibt gesund!

Die Kölner Polizei erdreistet sich heute, 27. März 2020 (also dem Tag, an dem die CM Köln gefahren worden wäre) folgendes kundzutun:

Critical Mass Köln

In den sozialen Netzwerken gibt es vereinzelte Aufrufe zur „gemeinsamen Radfahren“ am heutigen Freitag im Rahmen der sogenannten Critical Mass. Die Polizei Köln macht ausdrücklich darauf aufmerksam, dass in der Öffentlichkeit Ansammlungen von mehr als zwei Personen untersagt sind und appelliert an mögliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer davon Abstand zu nehmen um mögliche Bußgeld- oder Strafverfahren zu vermeiden.

Zeigen Sie Verantwortung – bleiben Sie zu Hause – gefährden Sie nicht sich, uns und andere.

Aktuelle Informationen der Stadt Köln finden Sie unter: https://url.nrw/20k0340

Zu finden auf facebook (https://www.facebook.com/Polizei.NRW.K/posts/1880879528710601) und auf Twitter (https://twitter.com/polizei_nrw_k/status/1243432815645130758), nicht aber als Pressemitteilung.

Das muss man sich also auf der Zunge zergehen lassen, während die Bewegung sich klar und deutlich von gemeinsamen Ausfahrten distanziert und dazu aufruft, „zehus“ zu bleiben, behauptet die Kölner Polizei, es würde „zur Critical Mass“ aufgerufen. Was schlicht nicht stimmt, es ist gelogen! Eine perfide Taktik, die Critical Mass in Misskredit zu bringen (was perfekt funktioniert, wenn man sich einmal die Kommentare bei Facebook durchliest (dabei bitte ruhig bleiben!)) und den #scheissradfahrern eins auszuwischen. Das macht wütend!

Immerhin, ich bin nicht der einzige, der sich über die Taktik der Kölner Polizei empört, neben vielen Radfahrern aus der „Community“, sind das auch Menschen von „außerhalb“, so z.B. die Journalisten von Report-K, Kölns Internetzeitung, die in einem sehr lesenswerten Artikel absolut sinnvoll abschließen:

Die Kölner Polizei verhält sich mit solchen Postings zunehmend als politisch und meinungsbildender Akteur. Eine Rolle, die die Verfassung und das Polizeigesetz NRW ihr nicht einräumt. Ganz im Gegenteil, als staatliche Organisation ist sie zu absoluter Zurückhaltung aufgefordert.

https://www.report-k.de/Koeln-Nachrichten/Koeln-Nachrichten/Polizei-Koeln-appelliert-an-Critical-Mass-Koeln-zu-Recht-128731

Das übrigens nur kurze Zeit nach den Tweets/Postings (dieser Artikel erscheint rund 3 Stunden nach dem Statement der Polizei).

Mein persönliches Fazit: in Krisenzeiten bemerkt man den wahren Charakter – im positiven, wie im negativen.

Bleibt gesund (unzehus!)!

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→ 4 KommentareTags: Allgemein · Critical Mass · Polizei · Presse

Es wird ruhiger werden!

28. Februar 2020 · 10 Kommentare

Mein Gott, über zwei Jahre ist er nun her, der letzte Artikel – im Dezember 2017 war das!

Und wahrlich, es ist viel passiert seither! Neben der Tatsache, dass dieser Blog zwischenzeitlich (im August 2018) zehnjähriges Jubiläum gefeiert hat (was ich damals sicherlich nicht gedacht hätte), viel spektakuläres in meinem Leben, dazu weniger spektakuläres und ganz zweifelsohne auch ein paar blöde Sachen! Und genügend Leute haben nachgefragt, per e-Mail, social media oder -ganz old school- persönlich: „wann kommt mal wieder ein Artikel?“ und „geht’s denn weiter mit dem Blog?“ oder einfach, „alles in Ordnung mit Dir?“. Nun, um die Frage direkt zu beantworten: Natürlich geht es weiter! Nur ganz sicher in einer anderen Form als in der letzten Dekade und das hat seine Gründe.

Andere Plattformen
Zunächst muss man sich als Blogger ganz banal die Frage stellen: ist so ein Blog noch zeitgemäß? Klare Antwort: jein! Viel Inhalt (und Diskussion) hat sich auf andere Kanäle verschoben, hauptsächlich Facebook und Twitter. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: schnelle Verbreitung von Inhalten und zügige Diskussion. Der Shitstorm bei Polizei oder Stadt und entsprechende öffentliche Wirkung und Reaktion bringt weitaus schneller ein Ergebnis, als wenn ein journalistischer Blogger Anfragen stellt, die in einem muffigen Büro mit der Schreibmaschine eingetippt beantwortet und dann als Scan per e-Mal versendet werden (kein Scherz!).

Aber auch die Nachteile leuchten ein: social Media Diskussionen können schnell ausarten, persönlich, unsachlich und themenfremd werden und sind schwer (aber nicht unmöglich) zu moderieren. Ausserdem sind sie kurzlebig, während so ein Blog (wenn man sich richtig anstellt) ein Leben lang existieren und als Archiv dienen kann. Insofern ist es sicherlich nicht unsinnig, zweigleisig zu fahren: den Blog für fundierte, recherchierte und gut belegte Artikel und Social Media für die Dinge, die schnell gehen und manchmal auch schnell gehen müssen. Ich gebe zu, ich bin (mittlerweile) zumindest privat nicht mehr so sehr aktiv, nehme aber durchaus an der ein oder anderen Diskussion teil und informiere mich natürlich über Begebenheiten aus der Welt des Radfahrens und der Verkehrspolitik. Hauptsächlich in der Facebook Gruppe der Critical Mass Köln und ein wenig auch auf Twitter. Bezeichnend, daß es neuerdings gar eine Gruppe auf Facebook gibt, die den Namen dieses Blogs trägt ;-). Was inhaltlich daraus wird? Da schauen wir mal!

Eine paar private Pausen – Teil 1
Der erste Grund für die lange Pause ist alles andere als schön. Angeklungen ist er hier und auf anderen Kanälen bereits, am Ende war er dann aber doch intensiver und schmerzhafter als gedacht und zunächst berichtet.

Das Jahr 2017 startete eigentlich sehr fein. Wie immer in den letzten Jahren nahm ich mir über den Jahreswechsel eine sonnige Auszeit in südlichen Gefilden mit einem Rennrad unter dem Hintern, lies es mir gut gehen und schrubbte dabei ordentlich Kilometer. Ich war mit meinen mittlerweile 15-18.000 Jahreskilometern wirklich fit, für mein Alter sowieso. An Pfingsten reiste ich mit zwei Freunden nach Südfrankreich und bezwang den Mont Ventoux. Nicht einmal, sondern dreimal und zwar alle drei Anstiege an einem Tag. Macht man und dokumentiert man das, ist man Mitglied im „Club des Cinglés de Mont-Ventoux„, dem „Club der Verrückten“ – ich bin Nummer 10798!

Nach diesem radsportlichen Wochenende der Superlative (wir sind noch zwei weitere sehr schöne Touren gefahren) ging es nahtlos weiter: ein Sportskamerad eines Freundes hatte einen schweren Unfall gehabt und sein Startplatz beim Traditionsrennen „Rund um Köln“ war vakant. Ich bin kein großer Freund von Radrennen Schulter an Schulter, da kann einfach viel zu schnell durch Unachtsamkeit (auch anderer) etwas passieren. Nervenkitzel, den ich nicht brauche und ich muss sowieso auch nicht „der schnellste“ bei irgendwas sein. Veranstaltungen wie das 24 Stunden-Rennen „Rad am Ring“ liegen mir da eher, weil man zwar mit anderen auf der Strecke, aber letztlich alleine sein eigenes Tempo fährt. Dort war ich mehrmals im 2er Team gestartet, in 2016 hatten Michael und ich mit 25 Runden über den Nürburgring Platz 17 und in unserer Altersklasse Platz 9 geschafft. Für zwei ehemalige Kettenraucher ganz in Ordnung!


Nun, der „RuK“ Startplatz war in Block B, das ist recht weit vorne, wo doch eher versiertere Fahrer zu finden sind, es war „nur“ die 65km Strecke und die Wettervorhersage war blendend. Ich sagte zu und fuhr somit für Marcel Wüsts „Casa Ciclista“ Team. Am Anfang schaute ich mir das alles mal ruhig an und rollte aufmerksam mit (viele Unfälle passieren direkt im Rheinufertunnel oder auf der Mülheimer Brücke), ohne in bedenkliche Situationen zu kommen. Hinter Leverkusen, in Richtung Altenberg, griff ich an. Ich schloss Löcher, zog eine Meute Richtung Bergisches Land, erstürmte das Kopfsteinpflaster am Bensberger Schloss und fuhr so langsam in den A-Block. Selbst den Wahnsinn, nur eine Flasche mitgenommen zu haben, konnte ich kompensieren, indem ich -ganz profilike- beim Angebot einer Trinkflasche eines älteren Herrn am Straßenrand beherzt zugriff. Der Mann hat mich schlicht gerettet! Am Ende standen irgendeine Platzierung (weiß ich nicht mehr), ein Schnitt von rund 39km/h und jede Menge Spaß bei einem großartigen Radsportfest zu Buche. Ganz ok für einen ehemaligen Kettenraucher. So konnte das Jahr jedenfalls weitergehen! Ging es aber leider nicht.

Im Juni war ich beruflich für rund zwei Wochen in Karlsruhe. Ich bin öfters in der Gegend um Karlsruhe und Baden-Baden und habe die Gegend als außerordentlich feines Radsportrevier kennengelernt. Für anspruchsvolle Touren ist man schnell im nördlichen Schwarzwald und wenn die Beine müde sind, kann man gute Kilometer in der Rheinebene machen oder mal schnell nach Frankreich ins Elsaß. Die gute Küche und Einkehrmöglichkeiten tun ihr übriges dazu. Das macht alles sehr viel Spaß! Somit habe ich in dieser Gegend also so oft es geht ein Rennrad dabei, so auch dieses mal. Ich musste immer erst gegen 17:00 Uhr zum Job an der Location sein, hatte also tagsüber Zeit für eine Tour, die auch schonmal an der 100km Marke kratzen konnte. An diesem Tag war ich mit einem rennradfahrenden Kollegen schon morgens unterwegs auf eine Tour mit reichlich Höhenmetern. Trocken gesagt habe ich ihn an jedem Anstieg „versägt“ – ich war wirklich fit und wollte mir noch etwas Feinschliff für das „Rad am Ring“ Event ein paar Wochen später holen.

Nachts für ich dann üblicherweise natürlich mit dem Rad von der Location zu meinem Hotel, so auch an diesem Tag. Was dann geschah, passierte letztlich in ein paar Sekundenbruchteilen, dennoch ist es in meinem Kopf gespeichert, wie ein Spielfilm in Zeitlupe. Ich befuhr den „Radweg“ an einer Landstraße zwischen Rheinstetten und Ettlingen (bei Silberstreifen). Er ist knapp 2m breit und befindet sich hinter einer Leitplanke. Er ist asphaltiert und eigentlich ganz gut zu befahren, zumindest bis zu den Kreuzungen (an denen man als Verkehrsteilnehmer dritter Klasse, wie in dieser Gegend üblich, umständliche Kurven zu fahren und zudem ausnahmslos „Vorfahrt achten“ hat.

Ich fuhr also zügig die 7km zum Hotel und freute mich auf mein Bett. Es kam mir auf einer langen Geraden ein Kfz entgegen, mit Fernlicht, wie hier leider meist üblich, zudem eines von diesen unfassbar grellen Xenon-Fernlichtern. Dieses ging kurz aus und dann: wieder an! Ich war komplett geblendet, während ich mit über 30 km/h unterwegs war. Wer schonmal auf einem Fahrrad (oder auch nur zu Fuß) die Augen zugemacht und versucht hat, geradeaus zu fahren oder zu gehen, der weiß, daß der menschliche Gleichgewichtssinn so nicht mehr so gut funktioniert. Nach ca. 5 Sekunden Blindflug kam ich schließlich mit dem Vorderrad ins Bankett, ich war unmerklich nach rechts abgekommen. Und ein Gebüsch bei der Geschwindigkeit, da hältst Du Dich nicht so einfach auf dem Rad. Ich stürzte wie in Zeitlupe. Mustergültig ausgeklickt, die Beine nach oben über den Lenker weg, fiel ich sauber auf auf den Hintern. Noch bevor ich den Mittelfinger meiner rechten Hand in Richtung Kraftfahrer -der nun knapp an mir vorbei war und mich gesehen haben musste- recken konnte, wusste ich: der linke Arm ist gebrochen. Glatt durch. So lag ich also auf dem Boden, kaum Schmerz empfindend, aber reichlich geschockt und verärgert. Ich lebte und nach dem Check meiner Extremitäten wußte ich, ich würde das wohl auch überleben. Rein praktisch war mir klar: ich lag mitten im Wald, ohne Hilfe (der Kraftfahrer, der mich gesehen haben MUSS, hielt nicht an). Bis zum Hotel waren es noch drei Kilometer, dort würden mir Kollegen, die mit einer Feierabendschorle vor der Tür standen, zur Hand gehen. Also stieg ich auf mein Rad (bis auf zwei kleine Kratzer an Pedale und Lenkerband nichts dran – ich fahre es heute noch), ließ den linken Arm runterbaumeln und fuhr (wie ich nach Auswertung meines Garmins weiß, sogar recht flott) zum Hotel. Der Anblick muss mehr als skurril gewesen sein. Teils kreidebleiche Kollegen holten mich vom Rad, riefen den Krankenwagen und packten ein paar Sachen für den Krankenhausaufenthalt. Das war’s mit dem Radsportjahr 2017, das wußte ich da aber noch nicht.

Anekdoten aus Krankenwagen und Krankenhaus gibt es zuhauf. Der Sanitäter im RTW fragte mich gottseidank, „oder machen sie Ausdauersport?“. Er hatte bei meinem Puls von 42 schon eine Spritze mit irgendwas leckerem aufgezogen und schaute etwas besorgt. Ich hab ein großes Herz, Mann!

Was in so einem Krankenhaus nervt, ist dieser ganze Papierkram und die Fragen, wenn man eigentlich andere Sorgen hat. Und dann auch noch die Blicke der Menschen, die Nachtschicht haben und kurz vor Feierabend noch einen reinbekommen – was mir ensthaft leid tut und ich mir auch anders vorgestellt hätte. Noch nerviger sind aber unnötige Diskussion und Belehrungen. So verneinte ich die Frage nach dem „Helm“ bei der Interviewrunde wahrheitsgemäß und beiläufig, was sofort vorwurfsvoll gegen mich verwendet wurde. „Wie können Sie ohne Helm fahren?“ und „was alles hätte passieren können!“ und es wäre sicher noch weiter gegangen, hätte ich nicht den Wind aus den Segeln genommen, indem ich meinen gebrochenen Arm hochhielt, mit den Worten „sehnse selber, oder?“. Immerhin, ein ertapptes Lächeln der Krankenschwestern tief in der Nacht sorgte für allgemeine Erheiterung sowohl bei den arbeitenden Menschen, als bei den Leidenden. Diskussion beendet.

Die Klinik in der ich war, war tatsächlich spezialisiert auf Handchirurgie, ich sollte also in besten Händen sein. Dachte ich zumindest. Volker, ein Freund und der Arzt der Produktion, bei der ich arbeitete und seitdem auch mein Arzt für chirurgische Sachen, war guter Dinge, daß ich mit meinem Heimtrainer das Nürburgring Event in rund 5 Wochen würde fahren können. Ich war zwei Tage später wieder beim Job und ließ mich feiern. Ich war guter Dinge.

Es kam alles anders. Nach zwei Wochen kam der Gips ab (der Bruch, eine Galeazzi-Fraktur, wurde mit einer schicken Titanplatte geflickt) und die Hand war ein geschwollenes Etwas. Schmerzen hatte ich permament, Schmerzmittel waren mein täglicher Begleiter. Den Heimtrainer habe ich einmal versucht, vor dem TV während die „Tour de France“ lief und schnell gemerkt, daß ich den linken Arm zum Abstützen brauchte. Das ging irgendwie auch nicht gut. Dann also untrainiert zum Nürburgring, genügend Grundlage hatte ich ja und Willen sowieso.

Letztlich wurde mir nur schleichend klar, daß die Sache etwas langwieriger werden würde, als gedacht (und erhofft). Die Schwellung von Hand und Gelenk wurden eher noch schlimmer, als besser und ich war Stammgast in diversen Apotheken – der Nachschub an mittlerweile immensen Mengen Schmerzmitteln musste gesichert werden. Eine zusätzlich hinzugezogene Koryphäe unter den Handchirurgen brachte dann die leidige Erkenntnis, dass hier noch mehr anstand als ein profaner (Achtung, Radfahrergag!) Speichenbruch am linken Arm: „da ist bei der OP wohl was schief gelaufen“ meinte er, erläuterte mir am Röntgenbild, daß der Knöchel nicht sauber im Gelenk stand und stellte zudem eine zirkulatorische Störung fest. „Morbus Sudeck, googlen sie das mal!“. Das machte ich abends auch und dann wurde mir schlecht.

Recht panisch saß ich am nächsten Morgen bei Volker. Was denkst Du, wenn Du eine Krankheit hast, bei der es Selbsthilfegruppen und Selbstmordraten gibt? Ich, seltsamerweise, nicht viel. Den Nürburgring hatte ich abgehakt, aber ich überlegte durchaus, wann ich wieder ordentlich auf dem Rad sitzen könnte. Hier kommt der Punkt, an dem ich Euch nicht mehr sehr ausführlich berichten werde (das ist ja immernoch ein Fahrradblog!). Nur soviel: wenn es übel läuft, dann richtig! Zum „konstanten regionalen Schmerzsyndrom“ (CRPS) kam noch eine Kalkschulter (Impingement Syndrom) und irgendwas am Fuß (ich weiß nicht mehr, wie’s heißt) und im Herbst: Herzrhythmusstörungen. Jetzt weiß ich, warum ein Leistungssportler (kardiologisch laufen Breitensportler wie ich tatsächlich unter „Leistungssport“) abtrainieren und seinem Herz etwas zu tun geben muss, was ich dermaßen eingeschränkt nicht oder nur kaum tat, bzw. tun konnte.

Ich mache es kurz: wie Volker mir sagte, passiert wirklich „viel im Kopf“ und für mich war immer klar, daß ich positiv denken und nach vorne schauen muß, was ich auch tat, auch wenn das sehr oft schwer fiel. Die ersten -sehr eingeschränkten- Radtouren waren gleichermaßen Genuß wie Erleichterung. Mittlerweile bin ich -auch wenn es langwierig war- wieder körperlich recht hergestellt und auch in der Lage wieder lange Touren, jenseits der 200km zu fahren. Wenn auch wesentlich langsamer als zuvor, was zum einen nervt und am Ego kratzt und zum anderen auch für eine Suche nach neuen Trainingspartnern sorgt. „Social Riding“, d.h. auf die Schwachen achten, ist nicht jedermanns Sache, das mußte ich leider feststellen. Ich habe immernoch einen leichten Schmerz/Druck in der linken Hand, bin aber schon lange komplett frei von Schmerzmitteln. Der Moment vor einem dreiviertel Jahr, als ich das erste mal nach 1,5 Jahren wieder eine Faust ballen konnte, war ein großartiger und selbst wenn ich noch etwas eingeschränkt bin, wenn die Hand so bleibt, dann kann ich damit leben. Eine Karriere als Gitarrist oder filigraner Zahntechniker habe ich weiterhin nicht geplant. Und die Form kommt so langsam, auch wenn es lange dauert (für einen ungeduldigen Jungspund für mich natürlich: zu lange! Und 6-7 Kilo müssen auch noch wieder runter! 😉 )

Ein dann doch verkehrspolitischer Absatz sei mir heute erlaubt: es gibt auf den ersten Blick keinen „Schuldigen“ an meinem Unfall, außer einem Idioten, der es nicht für nötig gefunden hat, sein Fernlicht auszuschalten. Dennoch: ich empfinde viele der außerorts angelegten Radwege (die z.B. vom ADFC gefordert und gefördert werden) als nicht wirklich optimal. Neben der ausschließlich zum Nachteil ausgelegten Vorfahrtsregelung an Kreuzungen (von mangelhaften baulichen Zuständen komplett abgesehen) ist das vor allem das Höhenniveau: achtet nachts mal drauf, auf welchen Wegen sich Euer Kopf auf der Höhe der Scheinwerfer der Kfz befindet und ihr somit potentiell geblendet werdet. Besonders schlimm ist dies dann bei Nässe auf linksseitig geführten „Radwegen“. Da braucht es durch die Spiegelungen auf der Fahrbahn gar kein Fernlicht mehr für einen „Blindflug“. An sicheres Vorankommen ist hier nicht zu denken. Selbstredend: der Kraftfahrer, der mich geblendet hat, wurde nicht gefunden. Er wurde -trotz meiner Anzeige- noch nicht einmal gesucht, es gab zumindest keine Pressemitteilung mit Zeugensuche der zuständigen Polizei Karlsruhe. Ein Beamter rief mich allerdings an, er verstand den Link zur geauen Unfallstelle auf Google-Maps nicht. Wahrscheinlich tippt der die PM grad in seine Schreibmaschine ….

Noch mehr private Pausen – Teil 2
Nach dem ganzen Abfuck hatte die bloglose Zeit dann aber auch noch andere, ganz und gar positive, erfreuliche, ja fast schon euphorische Gründe: ich bin kein Kölner mehr! Nunja, „Kölner“ war ich eh nie, eher ein Immi, der 25 Jahre in der Stadt gelebt und sie geliebt und auch ein wenig gehasst hat. Nicht ganz aus heiterem Himmel, aber doch recht kurzfristig und fix, hat es mich ins wunderschöne Bergische Land gezogen – ins krasse Gegenteil des lebendigen Köln-Mülheims, in ein kleines Dorf bei Much. War ich es früher gewohnt, nachts die quietschenden Reifen der Autoposer (die die Polizei nie finden wollte, wenn man sie darauf ansprach) auf der Frankfurter Straße und den Fluglärm der fast direkt über die Häuser bretternden Flieger zu hören (und das übrigens noch als verhältnismäßig ruhig zu empfinden), höre ich jetzt wenn ich ins Bett gehe: nichts. Und ein paar Pferde. Und ein paar Schafe. Und besonders im Frühjahr einen Haufen Vögel. Dieser Tage hat nachts ein Schaf alle 20 Sekunden verhältnismäßig laut (ich glaube, es war ausgebüxt und fand nicht zurück) geblökt und ich konnte ernsthaft erstmal nicht einschlafen! War das laut! Dazu kommt: Dunkelheit! Hier gehen um 0:00 Uhr die Straßenlaternen aus und wer das nun provinziell findet, der kommt mal vorbei und schaut sich einen sternenklaren Nachthimmel an! Es gibt tatsächlich mehr als ein paar Sterne in der Mitte des Nachthimmels – Stichwort: Lichtverschmutzung.
Unser Dorf hat wohl so rund 70 Einwohner (und sicher mehr Tiere!), eine Kirche, eine Kneipe, eine Kita und ich liebe es hier seit dem ersten Tag! Hier machen andere Urlaub und ich kann das verstehen! Ach, und zwei Dörfer weiter wohnt ein „Vuelta à Espana“ Sieger und er ist mit meiner Nachbarin befreundet! Kann also sein, daß ich „Le Loop“mal zufällig vor der Tür treffe ;-).

Und da liegt also auch der rein praktische Grund der langen Pause: ich habe den Rest des Jahres 2018 und viel von 2019 (und derzeit eigentlich auch noch) damit verbracht, das Heim herzurichten. Ein Umzug mit vielen Fahrrädern und ganz viel Zeugs, das sich über 15 Jahre in einem Haus ansammelt, will gestemmt werden. Das alte Haus leer machen und übergeben, das neue einrichten, sich einleben – das alles dauert und somit sind die Prioritäten eben anders gesetzt.

Fahrradtechnisch habe ich einerseits das große Los gezogen, denn für Radsportler wird es hier oben erst richtig, richtig gut! Ich rolle aus der Einfahrt und bin quasi „auf der Strecke“. Wen’s interessiert: meine kurze, knackige Hausrunde hat auf ~50km ca. 1200 Höhenmeter. Je nach Tageszeit treffe ich auf 20 Kfz, trotzdem ich komplett asphaltiert unterwegs bin. Man kann sich hier platt fahren, wenn man will – und die Bewirtung in den Landgasthöfen ist auch nicht zu verachten. Ja, es ist ein Traum!

Andererseits: „mal eben“ aufs Rad und irgendwo hin ist … schwierig. Das fängt bei alltäglichen Dingen an, der nächste Supermarkt ist ~5km entfernt (das waren früher 50m) und es geht bei beruflichen oder privaten Reisen weiter. „Mal eben“ nach Köln will überlegt sein, das sind 40km und hat dazu -trotzdem es ja eigentlich „runter“ geht- wegen zweier Hügel 400 Höhenmeter. Und das ist nur der Hinweg. Muss ich beruflich nach außerhalb, hatte ich es früher 300 Meter zum Bahnhof mit RE Anschluß, nun muß ich das planen und bin auf einen Verkehrsmix angewiesen. Und: ich habe mir letztes Jahr tatsächlich -das erste mal in meinem Leben- ein Auto gekauft! Ich kenne jetzt also auch die „andere Seite“ und habe da schon einiges erlebt (und verstanden), das wird definitiv noch einen eigenen Artikel geben. Ein Radfahrer gefangen in einer Blechkiste oder so!

Ich bin aber nicht „von Köln weg“, ich habe dort noch genügend zu tun, aber ich muss mir natürlich Gedanken machen, ob und wie es mit diesem Blog weitergeht: Ich werde nicht (und will das auch nicht) wie früher in hoher Frequenz über Kölner Radverkehrspolitik berichten können, dafür bin ich -neben dem Mangel an Zeit- zu weit entfernt. Andererseits: die großen und tiefgehenden Berichte können weiterhin recherchiert und geschrieben werden, denn dafür muß man nicht zwingend immer und direkt vor Ort sein können. Zudem heißt dieser Blog „Radfahren in Köln und Umgebung“ und da gehört mein neuer Wohnort ja noch dazu. Der Blog ist jetzt auch erreichbar unter „http://www.radfahren-in-much.de“, wer weiß also was noch passiert und vielleicht findet ja auch das ein oder andere rein touristische Thema Anklang – zu berichten über schöne Touren gibt es hier „oben“ jedenfalls genug.

Falls in der Stadverwaltung, bei Polizei & Co. jetzt die Sektkorken knallen: zu früh gefreut! Das heißt ganz sicher nicht, daß ich nicht mehr aktiv sein werde und außerdem: ich hab da noch so ein schönes Archiv an unveröffentlichten Geschichten aus dem Amt 666: Frau S., die auf Anfrage nach einer sinnlosen Beschilderung nicht möchte, daß „hier Radfahrer fahren“, Frau B., die mir in der Antwort auf eine Anfrage unverblümt mit der „Rechtsabteilung der Stadt Köln“ droht, wenn ich ihren „Namen im Internet nenne“ und natürlich Herr H., über den gibt es immer ein paar feine Geschichten. Mal gucken.

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Mit Strichlisten und Warnkärtchen gegen Geisterfahrer

4. Dezember 2017 · 16 Kommentare

Die Problematik der gegen die Fahrtrichtung fahrenden Radfahrer ist in Köln (und sicher auch anderswo) keine neue, genauso wie die Tatsache, daß (viel zu) viele Radfahrer auf Gehwegen fahren, wo sie andere und sich selbst in Gefahr bringen – vermutlich, weil sie Angst haben, mit ihrem Fahrzeug am „richtigen“ Verkehr teilzunehmen.

Neu ist jedoch, wie nun dagegen vorgegangen wird. Seit ich aktiv bin, fast eine Dekade, sind die Behörden -Stadtverwaltung und Polizei- nicht fähig und/oder willens etwas gegen Geisterfahrer zu unternehmen, im schlimmsten Fall fördern sie diese sogar noch.

Auf der Mülheimer Brücke, schon immer ein Hotspot für Geisterfahrer, über den ich regelmäßig berichtete, werden dann und wann Geschwindigkeitskontrollen des Kfz-Verkehr durchgeführt. So auch vor einigen Wochen. Bei meiner Überfahrt der Brücke begegnete ich 6 Geisterfahrern, einem davon -man kann durchaus von einem Beihnahezusammenstoß sprechen- direkt vor den Augen der Polizisten, was mich veranlasste, anzuhalten und sie zu fragen, ob sie da nicht mal tätig werden könnten (sie hatten den Vorfall tatsächlich beobachtet).

Die Antworten -ich erwartete die übliche Ausrede, „wir haben hier anderes zu tun“- verblüffte mich dann einigermaßen: „wir führen ja bereits eine Strichliste!“. Und weiter: „die Kölner Fahrradverbände halten das aber für Abzocke, wenn wir hier Radfahrer verwarnen, deswegen machen wir das nicht“.

Nun ja, selbst wenn es im Kölner ADFC vereinzelt Leute und Meinungen gibt, die Gehweg- und Geisterradeln in bestimmten Situationen durchaus propagieren, kann man fest davon ausgehen, daß -ich bot eine Wette mit dem Einsatz einer „guten Flasche Rotwein“ an- bei Geisterfahrerkontrollen auf der Mülheimer Brücke kein „Radfahrerverband“ von „Abzocke“ sprechen würde, im Gegenteil. Zudem war mir neu, daß die Kölner Polizei tatsächlich auf Radfahrer hören würde, in der Vergangenheit tat sie das zumindest höchst selten bis generell gar nicht.

Was die Strichliste denn richten solle, fragte ich selbstverständlich noch. „Dann wissen wir, wieviele Radfahrer hier gegen die Fahrtrichtung fahren!“, teilte man mir mit. Das ist in dem Sinne höchst interessant, als daß man das in der Verkehrsdirektion der Kölner Polizei eh weiß. Schließlich wird sie immer und immer wieder darauf hingewiesen und das gescheiterte „Sicherheitsbündnis“ Velo 2010 unter Führung der Kölner Polizei hatte vor rund 10 Jahren dort bereits eine Fahne als Warnung vor dem Unfallschwerpunkt mit der Anzahl der bis dahin getöteten Radfahrer (2) durch Geisterfahrerunfälle aufgehängt. Nun gut.

Ein paar Tage später las ich dann, daß der ADFC Köln zusammen mit der Kölner Polizei „auf Streife“ gehen würde, um Geisterradler auf den Kölner Rheinbrücken auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. Eine kumpelhafte Art, „auf Augenhöhe“ sozusagen, die bei Radfahrern wohl für Verständnis sorgen sollte, handelt es sich bei den Ahndenden doch schließlich um die Ihrigen. Entsprechend gab es auch keine Bußgelder, sondern … Warnkärtchen! Der Grundschüler und der Pädagoge kennt das vielleicht noch. Aus dem schicken Rheinboulevard könnte man bestimmt auch eine schicke „stille Treppe“ machen.

Nun ja, prinzipiell finde ich den Gedanken ja gar nicht verkehrt, ABER ich stehe -auch aus eigener Erfahrung- tatsächlich auf dem Standpunkt, daß die allermeisten Sünder letztlich nur auf Dauer einsichtig sind, wenn es ihnen an die Geldbörse geht. Ohne wenn und aber. In diesem Sinne muss ich auch meine Einleitung revidieren, denn ganz so neu ist diese Art der Kooperation doch nicht, bereits anfang der 2000er Jahre gab es solche Partnerschaften, man bemerkte, daß „das Fahren entgegen der Fahrtrichtung auf dem Radweg […] kein Kavaliersdelikt“ ist, sondern „ein erhebliches Gefahrenpotential für alle Verkehrsteilnehmer“ in sich birgt und von einer „eklatanten Rücksichtslosigkeit“ zeugt. Das Resumee der dritten Aktion im Jahre 2002 von Polizei, Stadt Köln und ADFC im Rahmen der Ordnungspartnerschaft liest sich dann so:

Bei den Aktionen im Rahmen der Ordnungspartnerschaften spricht die Polizei keine gebührenpflichtigen Verwarnungen aus, sondern versucht es mit Appellen an die Einsichtsfähigkeit der ertappten „Sünder“. Das scheint kaum jemanden zu beeindrucken. Wahrscheinlich kann ein Effekt erst erzielt werden, wenn „et an de Nüselle jeit“.
Wer das –mein Reden!– sagt? Nun ja, einer der Ordnungspartner selbst, der ADFC Köln. (Quelle: „FahrRad!„, Mitgliederzeitung des ADFC, Ausgabe 2/2002, Seite 12)
In diesem Sinne wünsche ich viel Glück, daß diese Aktionen Erfolg haben (was mich tatsächlich sehr freuen würde, immerhin wurden insgesamt 243 Geisterfahrer dingfest gemacht!), mag da aber auch nicht so ganz dran glauben. Was mich aber doch noch interessieren würde: bei der Aktion musste ja zwangsläufig Infrastruktur begutachtet werden und diese lädt nicht nur oftmals zum Geisterradeln ein, bzw. verwirrt durch unklare Führung, sondern ist in vielen Fällen als jahrzehntelange Altlast illegal, nämlich als benutzungspflichtig angeordnet, bzw. wird oft genug sogar noch aktuell angeordnet (aktuelles Beispiel folgt in einem zukünftigen Artikel). Begutachteten die Beamten also Radverkehrsanlagen, wie es gemäß VwV-StVO zu §45.9 (qualifizierte Gefahrenlage), bzw §2.4 (Maße, Beschaffenheit, Führung, etc.) „bei jeder sich bietenden Gelegenheit“ ihre Pflicht ist?
Ganz richtig schreibt die Polizei in ihrer Pressemitteilung zu der Aktion ja treffend: „Zu enge Radwege für den Begegnungsverkehr, eingeschränkte Sicht durch Hindernisse und gefährliche Ausweichmanöver, wenn ein Radfahrer unerwartet entgegenkommt, führen zu schweren Unfällen.“, während die Stadtverwaltung Radfahrer aber über genau solche „Infrastruktur“ schickt. Natürlich frage ich bei der Poliezi mal nach, was bei ihrer Begutachtung herausgekommen ist.
Die Grafik auf den Warnkärtchen ist übrigens keine Kölner Erfindung, wie es teilweise dargestellt wurde, sondern wohl eine der Verkehrswacht Regensburg. Vergleichbare Aktionen gab es schon vor Jahren in Süddeutschland, mit dem Ziel „präventiv zu wirken„. Ob dies dort gelungen ist, ist mir nicht überliefert, aber wohl durchaus zu bezweifeln.
Hier noch ein kleiner Pressespiegel zur Aktion in Köln:
– koeln.de: „Geisterradeln“ – gemeinsame Aktion von ADFC und Polizei (24.10.2017)
– „Kölnische Rundschau“: Aktion gegen Geisterradler Polizei und Fahrradclub ADFC klären gemeinsam Radfahrer auf
– „Kölnische Rundschau“: Kölner Brücken Polizei und ADFC halten bei dreitägiger Kontrolle 243 Geisterradler auf
– Bericht in der WDR Lokalzeit (im ADFC Youtube-Kanal)
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→ 16 KommentareTags: Allgemein · Mülheim · Mülheimer Brücke · Polizei · Radwege · Zoobrücke

Wir sind 1000 – 7 Jahre Critical Mass Köln!

1. Juli 2017 · 9 Kommentare

Für manche ist es wichtig, für andere (wie für den Verfasser dieser Zeilen) eher weniger: die regelmäßig gestellte Frage, „wieviel Radfahrer sind denn mitgefahren?„. Und damit verbunden seit einiger Zeit auch immer wieder die hoffnungsvolle Aussage, „vielleicht knacken wir ja dieses mal die 1000!?“ Ich erinnere mich noch sehr gut, als wir damals mit 20 Radlern losgefahren sind (und mit 30 zurück kamen) und wie es über die Monate immer ein wenig mehr (im Winter massiv weniger) wurden, bis es quantitativ dann nach rund zwei Jahren exponentiell nach oben ging, mit dem vorläufigen Höhepunkt in 2015 (in allen Belangen!). Mittlerweile ist die Critical Mass etabliert (quantitativ und qualitativ) und wirklich eine bedeutende Masse, Hort der Lebensfreude und für Ideen oder einfach nur schöner Fahrräder. Und auch regelmäßig ein Hotspot für die Presse – wo bekommt man sonst solche Bilder? Bestenfalls noch mit Weltkulturerbe im Hintergrund?

Ich selbst konnte gestern ganz entspannt sein, denn ich konnte/wollte/durfte wegen eines gebrochenen Arms nicht Rad fahren, wurde aber vom lieben Reinhold auf einem Lastenrad kutschiert (was meinem vom Sturz grün-blau-geprellten Hintern auch nicht grad gut getan hat) und genoß die 3stündige Fahrt im Schneidersitz aus ungewohnter Perspektive, in Kniehöhe. Pünktlich ging es los, links- und rechts- und wieder linksrheinisch. Viele Haupstraßen und auch ein paar kleinere Züge durch die Veedel, das Wetter hielt -bis auf einen Schauer in Kalk- und ein Höhepunkt war sicher die rote Ampel im Arenatunnel, als sich gaaaaanz viele Radler die Wartezeit mit rhythmischem Klatschen verkürzten. Aber, wieviele waren das denn eigentlich?

Nun denn, irgendjemand zählt immer und kurz nach dem gestrigen Start waren es an den Ringen noch rund 950 Radfahrer und etwas später, am Rheinufertunnel, wurden dann 1020 fröhliche Menschen auf Fahrrädern gesichtet.

Pünktlich zur Jubiläumsfahrt, 7 Jahre Critical Mass Köln, ist es also endlich passiert: wir haben die Eintausend geknackt!

Viel wichtiger (zumindest für den Verfasser dieser Zeilen) als die Quantität, ist allerdings die Qualität der Critical Mass: das (gefühlte) Minimalaufgebot der Polizei (vermutlich mussten die schon alle zu TdF/G20, etc.) zeigt hoffentlich: „wir brauchen weder begleitet, noch ‚beschützt‘ zu werden!„, das klappt bestens ohne Euch! Also, liebe WachtmeisterInnen, fahrt doch einfach mal unbewaffnet, privat und in zivil mit!

Ansonsten: massigst ‚High Fives‘ von zum größten Teil sehr entspannten Kraftfahrern, jede Menge Passanten, die -manche verschämt, andere ganz offen- tolle Motive für Fotos und Handyvideos vorfanden, KVB-Fahrer, die aus ihren Bussen ausstiegen und sich grinsend eine kleine Auszeit -Zigarette oder nicht- nahmen und uns anfeuerten – immerhin fuhren ja auch einige KVB-Leihräder mit 🙂
Anwohner, die erstaunt aus ihren Fenstern guckten, woher plötzlich diese 10minütige Ruhe in ihrer Straße kam, so ganz ohne den üblichen Lärm der Autos. Menschen aus Cafés, Kneipen und Biergärten, die oftmals geneigt waren, uns ‚einen auszugeben‘ – manchmal machen kleine Dinge eine Stadt so richtig lebenswert.

Danke an jeden Kraftfahrer und Fußgänger, der ein paar Minuten Wartezeit für eine friedliche Meute in Kauf genommen hat und sorry an die paar wenigen, die trotzdem gemeckert haben.

Am 28. Juli 2017 geht’s weiter, wie immer: 17:30 Uhr am Rudolfplatz.

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→ 9 KommentareTags: Critical Mass

Meine Kündigung der ADFC Mitgliedschaft

28. Juni 2017 · 15 Kommentare

Kurz und knapp, ich hatte es im letzten Herbst angekündigt und nun wird es vollzogen. #nichtmeinverein

 

cc: ADFC Köln zur Kenntnisnahme

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mitgliedsnummer: 22572300 Landes-/Kreisverband: 64-090

Hiermit kündige ich mit sofortiger Wirkung meine Mitgliedschaft im ADFC.

Ich entziehe Ihnen hiermit, mit sofortiger Wirkung, die von mir erteilte Einzugsermächtigung für mein Konto bei der Sparkasse Köln-Bonn.

Ich stehe außerdem, wie bereits mitgeteilt, dem Ortsverband Köln nicht weiter als Tourenleiter zur Verfügung und bitte darum, falls noch nicht geschehen, alle von mir angebotenen Touren aus dem Programm zu nehmen.

Die von mir erteilte Genehmigung, ohne weitere Nachfrage von mir angefertigte Fotografien, aus meinem Weblog, sozialen Netzwerken, oder ähnlichem zu benutzen, widerrufe ich hiermit.

Zur Begründung der Kündigung meiner Mitgliedschaft, möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich mich vom ADFC nicht mehr vertreten fühle. Insbesondere die Mitwirkung des ADFC an der letzten Novelle der Straßenverkehrsordnung kann ich nicht durch meinen Mitgliedsbeitrag unterstützen.

Ich nutze das Fahrrad als tägliches und hauptsächliches Verkehrsmittel und sehe insbesondere die Vereinfachung für Stadtverwaltungen, Radstreifen innerorts auch ohne qualifizierte Gefahrenlage anzulegen (die in meiner Stadt ausschließlich in Mindestbreite, wenn überhaupt, bemessen werden), so wie die Vereinfachung für Verwaltungen, Radwege außerorts als benutzungspflichtig zu deklarieren, als Bärendienst für Menschen, die das Fahrrad als tägliches Verkehrsmittel und nicht nur für Strecken zwischen 3-8 km benutzen.

Da ich annehme, dass Sie meine Ausführungen im Detail nicht sonderlich interessieren, reiße ich diese nur kurz an:

Separation innerorts sorgt ausschließlich für Verdrängung des Radverkehrs auf schmale Wege, beziehungsweise für Spurdenken der Kraftfahrer, die zum Beispiel auf Schutzstreifen und Radstreifen mit geringem Abstand überholen.

Separation außerorts, insbesondere, wenn Radwege in Gegenrichtung geführt werden, sorgt unter anderem dafür, dass ich als Radfahrer,  besonders in der nassen und kalten Jahreszeit, geblendet werde. Anekdote am Rande: ich schreibe Ihnen diese Zeilen mit einem gebrochenen Unterarm, da ich vor einer Woche einen Unfall durch genau solch eine Situation -einen Kraftfahrer, der mich (auf dem Radweg) mit Fernlicht blendete, worauf ich im „Blindflug“ stürzte- erlitt.

Ich halte den ADFC, aufgrund der Mitarbeit an der Änderung der Gesetzeslage und dem Feiern  der Novelle als „Erfolg“ per Pressemitteilung (http://www.adfc.de/presse/pressemitteilungen/stvo-novelle-bringt-verbesserungen-fuer-radverkehr) nicht für befähigt, Radverkehr als gleichberechtigte Alternative zum Kraftfahrzeug zu vertreten. Ich sehe den ADFC eher als touristische Vereinigung, was ich generell vollkommen in Ordnung finde, ihn aber in meinen Augen nicht befähigt, verkehrspolitische Entscheidungen mitzutragen. Dies möchte ich also in keinem Falle weiter unterstützen.

Sollten Sie auf meine Ausführungen antworten oder in eine detailliertere Diskussion einsteigen wollen, dann sehen Sie dieses Schreiben bitte als offenen Brief, den ich entsprechend in meinem Weblog behandeln werde.

Mit freundlichen Grüßen,

Marco Laufenberg

P.S.: weil es gefragt werden wird, bzw. schon gefragt wurde: dieses Schreiben darf gerne als Vorlage zur Kündigung der ADFC-Mitgliedschaft genutzt werde. Die richtige e-Mail-Adrese ist: mitglieder@adfc.de

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Sattelpunkte!

20. Juni 2017 · 3 Kommentare

Ich mache in diesem Blog ja recht wenig „Werbung“ für Initiativen, Fahrradteile, Kleidung oder anderes (obwohl es da immer wieder Anfragen für gibt), möchte hier aber mal explizit auf eine Website hinweisen. Nicht nur, weil ich dort zu sehen (und zu hören) bin (im Gegenteil: ich bin einer von den Menschen, die ihr Gesicht selber nicht so gut sehen können, auch wenn ich tatsächlich zum Teil in der Öffentlichkeit stehe), hiermit also der explizite Hinweis auf das crossmediale Projekt des Jahrgang 2015 der Kölner Journalistenschule, „Sattelpunkte„.

Die Studenten (übrigens in natura allesamt sehr freundlich und wissbegierig) erarbeiten detailliert und dennoch gut verständlich und in angenehmer Kürze, die Probleme, Pläne, Konflikte & Visionen des (Rad)Verkehrs in der Großstadt Köln. Mir gefällt besonders, daß die Thematik insgesamt unaufgeregt und sehr sachlich (aber dennoch mit Pep!) angegangen wird – eine Ruhe, die ein „Fahrradaktivist“ vermutlich meist nicht (mehr) hat.

Ein paar Kleinigkeiten hätte ich mir ausführlicher vorstellen können, z.B. den Beitrag über die Critical Mass, aber das schmälert ganz sicher nicht die Güte dieses Projektes! Gut gemacht, Mädels & Jungs!

Schaut mal rein: www.sattelpunkte.de

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Eine Diskussion mit der Rennleitung

4. April 2017 · 36 Kommentare

Gestern bin ich das erste mal seit langem wieder mit einer GoPro auf dem Rennrad gefahren. Eigentlich wollte ich eine meiner Trainingstouren einmal aufzeichnen und zudem noch ein paar Stellen filmen, die ich in Kürze mit einem TV-Team besuchen werde, weswegen ich noch einen Abstecher durch die Innenstadt machte.

Nicht benutzbarer „Radweg“

 

Ich befuhr den Hohenzollernring in nördliche Richtung auf der Fahrbahn, da der dortige „Radweg“ nicht benutzbar und auch nicht zumutbar war. Er ist ab dem Kaiser-Wilhelm-Ring dann auch nicht mehr straßenbegleitend und führt dann durch eine Parkanlage und dann durch eine Fußgängerzone. Im weiteren Verlauf in Richtung Hansaring ist die Benutzungspflicht mittlerweile auch aufgehoben – vor ein paar Wochen wurden hier die seit knapp 20 Jahren geltenden Richtlinien endlich umgesetzt, was man als Kölner Bürger gemerkt haben müßte, ging das doch recht breit durch die Presse und alle weiteren Kanäle.

Es gibt hier gar keinen „Radweg“

 

Kurz vor der Ampel an der Christophstraße bemerkte ich ein Kfz neben mir und eine freundliche Stimme grüßte mich mit den Worten „Guten Tag“. In der Annahme, daß mich hier jemand in irgendeiner Art und Weise erkannt hatte und mal grüßen wollte, grüßte ich freundlich zurück: „Guten Tag!“. Als ich zur Seite schaute, sah ich, daß die freundliche Stimme aus einem Polizeiwagen kam, was mich nicht beirrte, meine Fahrt fortzusetzen. An der „rot“ zeigenden Ampel entstand ein Dialog in der Öffentlichkeit, dessen Transkription recht einfach war, ich hatte schließlich zufällig eine -gut sichtbare- GoPro auf dem Kopf:

Polizist: (aus Beifahrerfenster, fahrendes Auto) Guten Tag!

Marco: (weiter fahrend) Guten Tag!

[wenige Meter weiter zeigt die Ampel „rot“, Marco hält an]

P: (fährt an Ampel links seitlich vor) Fahren Sie auf dem Fahrradweg!

M: Wo ist der denn, der Fahrradweg?

P: Ja hier, da vorne (zeigt nach rechts in den Park)!

M: Der ist ja nicht straßenbegleitend!

P: Bitte?

M: Der ist nicht straßenbegleitend.

P: Der geht da rechts lang!

M: Der ist nicht straßenbegleitend, ich möchte ja nicht dahin, sondern auf dieser Straße fahren.

P: Der Radweg ist da so nach innen gebaut.

M: Nach innen gebaut?

P: Durch die Parkanlage geht der Fahrradweg.

M: Ja, deswegen ist der nicht straßenbegleitend.

P: Und vorher am Hohenzollernring war er auch nicht straßenbegleitend?

M: Da war er nicht benutzbar!

P: Warum nicht?

M: Ja, hm, fahren Sie hin und gucken Sie sich das an!

P: Da sind Wege fürs Fahrrad, andere Radfahrer benutzen die.

M: Ich bin ja nicht andere Radfahrer, ich bin ja ich!

P: Ich fordere Sie jetzt auf, den Fahrradweg, sobald der straßenbegleitend ist, den Fahrradweg da vorne zu benutzen!

M: Ich werde selbstverständlich nach Benutzbarkeit und Zumutbarkeit, den Straßenverkehrsregeln folgend, den Radweg benutzen.

P: Sie fahren auch viel zu schnell!

M: Ich kann da auch nur …

P: Angepasst fahren!

[(Alltags-)Radfahrerin fährt auf der Fahrbahn rechts an Marco vorbei über die Kreuzung geradeaus]

M: Selbstverständlich! Ich fahre angepasst, der Verkehrssituation, d.h. für mich: hier ist Tempo 50 erlaubt, ich fahre ungefähr 35, das finde ich angepasst. Sind wir uns da einig?

P: Sie müssen Ihre Geschwindigkeit der Situation anpassen!

M: Dann werde ich weiterhin 35 fahren.

P: Gut.

M: Ok, darf ich jetzt fahren?

P: Ist ja grün!

M: Ja, SIE halten mich ja auf!

Ich fuhr dann weiter in Richtung Ebertplatz, selbstverständlich auf der Fahrbahn. Wie lange mich die Beamten weiter verfolgten habe ich nicht beobachtet und hatte auch kein Interesse daran.

RWBP hier aufgehoben!

 

Auf eine Beschwerde, wie bei meiner letzten Begegnung dieser Art, habe ich verzichtet. Die Sonne scheint, ich hab zu tun! 😉

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Rodenkirchen erstickt im Blech – Anarchie im Hahnwald!

14. März 2017 · 10 Kommentare

Dann und wann fahre ich nach Hürth und nehme dabei die Route über Rodenkirchen, Hochkirchen und Rondorf (was somit alles im Stadtbezirk Rodenkirchen liegt). Aufgefallen ist mir dabei, daß viele Gehwege in den Straßen komplett zugeparkt sind, dies aber scheinbar -wie überall in Köln- niemanden stört. Natürlich, Gehwege interessieren mich als (Fahrbahn)Radler eher selten, allerdings: auf ihnen müssen z.B. Kinder mit dem Rad fahren und Erwachsene dürfen sie dabei mittlerweile begleiten (was ich mitnichten gutheiße, aber das Gesetz erlaubt dies nun mal explizit!).

Beparkte Gehwege haben aber auch einen direkten Einfluß auf etwaige Radverkehrsführung, z.B. wenn Schutzstreifen angelegt wurden und die illegal parkenden Kfz nun gefährlich nahe an der Radverkehrsführung stehen. Dies fiel mir an der Brückenstraße in Rodenkirchen auf:

Illegal Parken neben „Schutzstreifen“

 

Natürlich, man mag sagen, „da kommt man doch durch“ (was die Polizei vermutlich sagen würde, gerne mit dem Verweis auf §1 StVO (der hält für die Kölner Polizei immer her, wenn man nicht mehr weiter weiß)), aber darum geht es erstmal gar nicht. Neben Fahrradschutzstreifen (die ja explizit einen „Schutzraum für Radfahrer“ darstellen sollen, wie es die Stadtverwaltung immer gerne zum besten gibt und der „Fahrradbeauftragte“ in seinen Newslettern nicht müde zu betonen wird) muss bei parkenden Kfz noch ein weiterer markierter Schutzraum vorhanden sein, so sind die Regeln. Und Frau Angela Stolte-Neumann vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik teilte bzgl. dem „Schutzstreifen“ am Hansarings kürzlich mit, daß eine Neumarkierung, wenn die alte nicht mehr den Regeln entspricht, eben einfach zu bewerkstelligen wäre. „Eimerlösung“ nennt man das. Hauptsache „Separation“.

Nun denn, ich setzte mal ein Schreiben auf, denn das interessierte mich doch, wie man das handhaben möchte. „Neumarkierung“ wegen permanent falsch parkender Kfz? Oder lieber doch: Gehwege frei von Falschparkern halten? Das Schreiben ging per e-Mail nicht nur an Stadtverwaltung, „Fahrradbeauftragtem“ und Oberbürgermeisterin, sondern auch an die Fraktionen der Rodenkirchener Bezirksvertretung, hatte ich doch gehört, daß dort ein Antrag der Grünen, vermehrt Falschparker im Bezirk zu überprüfen, abgelehnt wurde.

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber „Fahrradbeauftragter“:

mit Freuden habe ich vernommen, daß Sie Fahrradschutzstreifen, die den gesetzlichen Vorgaben nicht (mehr) entsprechen, erneuern und auf die aktuellen (Mindest)Breiten anpassen.

Die auf den anhängenden Bildern zu sehende Situation besteht in der Brückenstraße in Köln Rodenkirchen, die ich dann und wann mit meinem Fahrrad passiere.

Die dort auf dem Gehweg illegal parkenden Fahrzeuge werden vermutlich „geduldet“, zumindest teilte Herr Lepke mir in ähnlichen Fällen mit, daß seine Mitarbeiter hier einen „Ermessensspielraum“ hätten. Gleichzeitig wird Herr Büth im Kölner Stadtanzeiger zitiert mit „Sofern nicht ausdrücklich durch eine Beschilderung gestattet, ist das Abstellen von Pkw auf Plätzen und Flächen ohne Parkplatzmarkierung illegal…“. Eine Sanktionierung findet freilich und offensichtlich nicht statt.

Geht man also davon aus, daß diese Kfz dort parken dürfen (was durch die „Duldung“ der Fall ist), ist der dort angelegte „Schutzstreifen“ zu schmal und insbesondere fehlt der vorgeschriebene Sicherheitsraum zu den hier parkenden Kfz. Konkret: werden die Parkplätze hier quasi legalisiert, ist der Schutzstreifen illegal und entspricht nicht den Regelwerken.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten:

– Der „Schutzstreifen“ wird mit den erforderlichen Maßen/Schutzraum neu angelegt oder ganz entfernt
– Die parkenden Kfz werden mit Bußgeldern wegen Ordnungswidrigkeiten belegt und in der Konsequenz abgeschleppt, um die Gehwege frei zu halten, Radfahrer nicht mehr zu gefährden (und Fußgänger, Rollstuhlfahrer, radfahrende Kinder, etc. nicht weiter zu behindern).

Für welche Variante werden Sie sich entscheiden?

Zusatzfrage: wie sieht es mit der Haftung bei verunfallenden Radfahrern, z.B. durch sich öffnende Kfz-Türen oder bei Ausweichen eines Radfahrers durch eng überholende Kfz aus? Da die duldende Verwaltung der Stadt Köln ja (spätestens jetzt, meines Wissens aber bereits schon durch die BV Rodenkirchen) Kenntnis hat, gehe ich hier im Falle eines Unfalls von einer Mithaftung aus.

Zum Abschluß möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß -letzte Woche bei der Durchfahrt von der Fahrbahn aus betrachtet- die teilweise komplett zugeparkten Gehwege in Hochkirchen und Rondorf teilweise noch nicht einmal Platz für einen einzelnen Fußgänger (geschweige denn für ein radfahrendes Kind oder einen Rollstuhlfahrer) lassen. Falls Ihnen diese Zustände nicht bekannt sein sollten, weise ich Sie hiermit höflichst darauf hin.

Antworten bekam ich …. erstmal nicht. Weder die Leitung des Ordnungs- und Verkehrsdienstes (ich schrieb Herrn Heribert Bühl und Herrn Frank Lepke an), noch das Büro der Oberbürgermeisterin (interessiert Frau Reker wirklich nicht, was in ihrer Verwaltung so abläuft?) oder gar der „Fahrradbeauftragte“ (Herr Jürgen Möllers ist wahrscheinlich mit Zählen beschäftigt) hielten es für nötig, zu antworten, geschweige denn, aktiv zu werden. Die Grünen, sie hatten ja den Antrag in der BV gestellt, meldeten und bedankten sich und wiesen noch einmal auf ihren Antrag hin und eine verhältnismäßig ausführliche Antwort zur Sache erhielt ich dann von Herrn Karl-Heinz Daniel von der FDP, darin schreibt er:

Wie Sie wissen, gehört der ruhende Verkehr in die politische Zuständigkeit der Bezirskvertretungen.
Wir empfinden es daher als „Oberlehrerhaft“ , wenn Sie meinen, die Situation in der Brückenstraße hinsichtlich parkender PKWs uns mit Fotos unter die „Nase“ reiben zu müssen.

Und weiter:

Bitte verschohnen Sie uns als selbst“ ernannter“ Fahrradbeauftragter mit Ihren Mails.

Oha, da hatte ich wohl jemandem auf den Fuß getreten! Wer sich ein Bild von Herrn Daniel machen möchte, kann das hier tun. Demnach ist das Selbstverständnis von Herrn Daniel und seiner FDP also:

Nur die enge Verbindung der Bürgerinnen und Bürger in den Stadtteilen mit der örtlichen Politik und ortsnahen Bürgerservice der Bezirksverwaltung gewährleistet die Sicherung der Lebensqualität für die Bevölkerung in der Großstadt Köln. Allein die Identifizierung der Bevölkerung mit ihrem Stadtteil schafft bürgerschaftliches Engagement in vielen Lebensbereichen.

Daniel: „Darauf sind wir angewiesen für das gesellschaftliche Miteinander in einer Stadt. Die Kompetenzen und Zuständigkeiten in den Stadtbezirken müssen ausgebaut, die bürokratische Zentralisierung aller Bereiche gestoppt werden. Die FDP ist die Bürgerpartei vor Ort!“

„Enge Verbindung“ mit der örtlichen Politik und „Bürgerpartei“ also! Aber wohl nur, wenn man nichts zu querulieren hat oder zumindest kein „Arme-Leute-Mobilitätswerkzeug“ benutzen muss, zumindest liest sich das Schreiben an mich nicht wirklich „bürgernah“ … nun denn!

In meinem Schreiben hatte ich es erwähnt, auf der Rondorfer Haupstraße in Hochkirchen und Rondorf sah ich im vorbeifahren Dutzende (illegal) auf den Gehwegen parkende Kfz und immer wieder Fußgänger, teilweise mit Kinderwagen, sowie radelnde Kinder, die sich da irgendwie vorbeidrängeln mußten. Dies brachte mich dazu, am nächsten Tag etwas mehr darauf zu achten und auch Fotos zu machen:

Fast kein Platz

Gar kein Platz mehr!

 

Ich schickte dies zusammen mit folgendem Schreiben an die Stadtverwaltung und wiederum an alle Fraktionen der BV Rodenkirchen:

Sehr geehrte Damen und Herren:

Bei meiner heutigen Durchfahrt durch Hochkirchen und Rondorf zählte ich auf der Rondorfer Hauptstraße circa 70 illegal auf den Gehwegen parkende Kraftfahrzeuge. Es war mir unmöglich, die genaue Anzahl während der Fahrt nachzuzählen. Ein willkürliches Beispiel finden Sie auf dem Foto im Anhang. Ein Einsatz ihrer Mitarbeiter vor Ort erscheint mir unerlässlich.

Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass diese Situation dort scheinbar täglich vorherrscht, bitte ich sie, ihre Mitarbeiter dort auch als didaktische Maßnahme vorbei zu schicken.

Bitte teilen Sie mir mit, ob und wann sie dies getan haben und was das Ergebnis des Einsatzes war.

Insbesondere, wenn hier keine Ordnungswidrigkeiten geahndet werden sollten, teilen Sie mir bitte mit, warum dies nicht der Fall ist und welche gesetzlichen Grundlagen Sie hierfür sehen.

Eine Kopie dieser E-Mail geht an die Aktionen in der Bezirksvertretung Rodenkirchen und an die örtliche Presse.

Selbstverständlich. möchte man meinen, auch hier: keine Rückmeldung. Außer daß Herr Lepke kurz und knapp vermeldete:

vielen Dank für Ihre Mail, der Verkehrsdienst der Stadt Köln wird die Situation vor Ort überprüfen.

An den nächsten beiden Tagen zählte ich bei meinen Durchfahrten dann jeweils gegen 12:45 Uhr mal nach und kam auf 95 (sic!), bzw. 81 illegal auf den Gehwegen parkende Kfz, keines (!) davon verwarnt, was ich Herrn Lepke mitteilte, mit der Bitte um Mitteilung wie das Ergebnis der „Überprüfung“ vor Ort ausfiel. Bisher: keine Rückmeldung.

Ich denke, so sieht schlicht die Anarchie des 21. Jahrhunderts aus: parke wo Du willst! Behindere wen Du willst! Behördlich geduldet und politisch gefördert.

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Vor der eigenen Haustüre kehren!

11. März 2017 · 13 Kommentare

Herr Mathies, der Kölner Polizeipräsident, hatte kürzlich noch moniert, daß -ob der eher verheerenden Kölner Unfallstatistik für 2016- „Interessenverbände“ unter den Radfahrern doch mehr auf die Verkehrssicherheit „hinwirken“ sollten. (Ein Statement hierzu gibt es auf der Critical Mass Seite). Ich sehe mich ja durchaus als „Interessenverband“, auch wenn man bei einem einzelnen (aber durchaus vernetzten) engagierten Radfahrer kaum von einem „Verband“ sprechen kann. Aber ich werde -und das schon seit Jahren- durchaus tätig. Obwohl das wohl sehr oft ein Ankämpfen gegen Windmühlen ist.

Diese Woche befuhr ich die Siegburger Straße in Köln-Deutz auf dem dortigen per VZ241 als benutzungspflichtig angeordneten „Radweg“ und traf auf diese Baustelle:

Typische Kölner Baustelle

 

Nicht außergewöhnlich, sondern eigentlich in Köln bei Baustellen schon immer der Normalfall: der Radverkehr wird nicht über die Fahrbahn umgeleitet, wie das eigentlich sinnvoll ist, beschildert wird sowieso nichts und die Absicherung entspricht nicht den Richtlinien, in diesem Falle der RSA95. Es gibt schon -seit Jahren- eine Broschüre, herausgegeben von der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte“ (AGFS) und dem Land NRW, die angeblich den ausführenden Baufirmen zur Verfügung gestellt wird und zudem in der Stadtverwaltung, z.B. beim „Fahrradbeauftragten“, ausliegt. Laut Herrn Harzendorf, dem Leiter des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik, wird jeder Baufirma, die sich an diese Richtlinien nicht hält, ein Bußgeld auferlegt (das hat er zumindest vor einigen Jahren beim „Kölner Radverkehrstreff“ zum besten gegeben) – über diese Aussage kann jeder Kölner Radfahrer nur herzlich lachen! Das ist entweder gelogen oder hat keine Konsequenzen.

Soweit so gut, eine von dutzenden Baustellen, die deutlich zum Ausdruck bringt, was unsere ach so tolerante und liebevolle Stadt von uns Radfahrern hält. Quasi der Normalfall und eigentlich kaum berichtenswert, wenn … ja, wenn da nicht die Tatsache wäre, daß dieses verkehrstechnische Desaster nun mal direkt vor der Polizeiwache an der Siegburger Straße stattfindet! Und da fragt man sich doch, ob der eingangs geschilderten Aussagen des Polizeipräsidenten, ob den ganzen Beamten, die hier täglich ein- und ausgehen, das nicht mal auffallen müßte. So im Sinne der Sicherheit und im Rahmen der Unfallprävention. Und auf der Fahne vor der Wache, direkt an der Baustelle, steht es ja schließlich: „Hinsehen. Handeln. Hilfe holen.„. Ich war auf dem Weg zur Arbeit, hatte aber noch ein wenig Zeit, also beschloß ich, dann mal zu handeln.

Ich betrat die Polizeiwache und trug mein Anliegen dem wachhabenden Beamten, Herrn Schuhmacher, vor. Herr Schuhmacher war sehr freundlich und aufmerksam, verstand aber nicht wirklich mein Begehr. Er gab dann auch unumwunden zu, daß er „die Verordnungen nicht kenne„, meinte aber auch, daß das „eine Baustelle der Stadt“ wäre (in Wirklichkeit ist es eine Baustelle der Rheinenergie) und ich wohl besser dort vorstellig werden würde. Mit meiner Annahme, daß (z.B. gemäß VwV-StVO und generell im Sinne der Sicherheit des fließenden Verkehrs (dazu gehört Radverkehr!)) die Polizei hier aktiv werden muss, konnte Herr Schuhmacher leider gar nichts anfangen. Wie gesagt, das Gespräch war freundlich, aber recht sinnlos. Ich verabschiedete mich mit der Ankündigung, daß ich mein Anliegen besser schriftlich vortragen werde, was ich dann auch in einer e-Mail tat:

Gestern befuhr ich mit meinem Fahrrad den mit VZ241 als benutzungspflichtig ausgeschilderten „Radweg“ auf der Siegburger Straße in Richtung Deutz. Dieser war in Höhe der dortigen Polizeiwache, wie auf den anhängenden Fotos zu sehen, durch eine Baustelle versperrt. Der Radweg wurde nicht gemäß entsprechender Richtlinien umgeleitet und auch nicht ordnungsgemäß abgesichert. Passierende Radfahrer wurden gefährdet, wenn sie für den MIV nicht ersichtlich, auf die Fahrbahn oder gar auf den Gehweg auswichen, wo sie zudem auch noch Fußgänger gefährdeten. Wurde die Verkehrsführung dort von der Stadtverwaltung so genehmigt? Ich erbitte hiermit nach IFG NRW Akteneinsicht in den Verkehrszeichenplan für diese Baustelle.

An die Polizei: da sich Herr Polizeipräsident Mathies auf der letzten PK zur Verkehrsunfallstatistik scheinbar erbeten hat, daß radaktive Bürger zur Unfallprävention tätiger werden, möchte ich das hiermit gerne tun. In diesem Sinne frage ich sie: Wie kann es sein, daß vermutlich Dutzende Polizeibeamte die nicht abgesicherte Baustelle direkt vor der Polizeiwache mutmaßlich über mehrere Tage nicht bemerken und, wie ich in einem sehr freundlichen Gespräch mit Herrn Schuhmacher auf der Wache feststellen musste, die dortige Gefährdung von Radfahrern überhaupt gar nicht erkennen, geschweige denn die Regeln und Verordnungen gemäß VwV-StVO, ERA2010, RSA95 u.ä. kennen? Ich bitte hier freundlichst um Ihre Stellungnahme.

Das Schreiben schickte ich an die Stadtverwaltung und an die Polizei. Wie ersichtlich, gibt es für jede Baustelle einen Verkehrszeichenplan, der von der Behörde genehmigt werden muß, bzw. angeordnet wird. Entsprechend muss man davon ausgehen, daß die Baufirmen diese Verkehrszeichenpläne einen Scheißdreck interessiert nicht wahrnehmen.

Aus der Stadtverwaltung gab es eine zügige Antwort, mein Schreiben wurde an den „Baustellenmanager“ weitergeleitet und Frau Foxius teilte mir mit, daß die Baufirma angewiesen wurde, „die Baustelle entsprechend dem angeordneten Verkehrszeichenplan abzusichern und auszuschildern.“ Zusätzlich wurde „durch den Baustellenkontrolldienst, der am 09.03.17 die Maßnahme im Laufe des Vormittags überprüft hat“, eine „ordnungsgemäße Absicherung und Beschilderung festgestellt„. Außerdem wäre der „Verkehrszeichenplan“ für diese Baustelle „von einer Fachfirma erstellt“ worden und entspräche „den Vorgaben der geltenden Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA).“.

Soweit, so gut. Das klingt erstmal schön und nach einer zügigen Nachbesserung und Absicherung der Baustelle. Wenn, ja wenn ich nicht am 10. März mittags folgendes vorgefunden hätte:

„abgesicherte Baustelle“

Geisterfahrer frei!

 

Eine weiterhin nur unzureichend abgesicherte Baustelle, der Radverkehr wird immer noch nicht sicher geführt und als Sahnehäubchen obendrauf: die Freigabe des „Radweges“ in Gegenrichtung! Was dort eigentlich -richtigerweise- verboten ist (siehe Kölner Unfallstatistik). Man möchte denken, hier haben Bauarbeiter (wie so oft an Kölner Baustellen) einfach mal alles an Schildern aufgestellt, was sie noch auf dem Pritschenwagen gefunden haben, aber nein, ich hatte es ja schriftlich, es gibt einen angeordneten Verkehrszeichenplan und der Baustellenkontrolldienst hat eine ordnungsgemäße Absicherung und Beschilderung festgestellt.

Aha! Da frage ich mich ernsthaft nach der Kompetenz der Menschen, die in den entsprechenden Abteilungen arbeiten! Ich schrieb Frau Foxius, der Stadtverwaltung und der Polizei noch einmal, übrigens mit Durchschlag an unsere sich nicht regende Oberbürgermeisterin, Frau Reker. Vielleicht liest ihr aus ihrem Büro ja mal jemand vor, was unter ihrer Ägide in der Verwaltung so passiert!

 Sehr geehrte Frau Foxius, sehr geehrte Damen und Herren:

Ich habe die Siegburger Straße heute Morgen noch einmal befahren und musste feststellen, dass sie mitnichten ordnungsgemäß abgesichert und umgeleitet ist, wie sie an den anhängenden Fotos kennen dürften.

Radfahrer werden nicht, wie es sein sollte, über die Fahrbahn geleitet. Durch die zu sehende Beschilderung ist der Radweg nun in Gegenrichtung (!) per VZ240 freigegeben. Ich verweise hier explizit auf die Verkehrsunfallstatistik der Polizei Köln und sämtliche wissenschaftliche Erkenntnisse, was die Gefahren durch Radfahrer im Gegenverkehr angeht.

Warnbaken haben gemäß RSA95 auf Radverkehrsanlagen zudem nichts zu suchen. Die Broschüre des Landes NRW, die dieses erklärt, liegt meines Wissens im Büro des Fahrradbeauftragten aus.

Wenn der Verkehrszeichenplan so angeordnet wurde und tatsächlich durch eine „Fachfirma“ erstellt und von Ihnen abgezeichnet wurde, frage ich mich ernsthaft ob die betreffenden Personen kompetent genug für diese Aufgaben sind. Selbiges gilt für den Baustellenkontrolldienst, wenn er hier tatsächlich eine ordnungsgemäße Absicherung festgestellt haben will.

Vorsorglich reiche ich hiermit Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die verantwortlichen Personen ein. Bitte teilen Sie mir mit, an wen meine Beschwerde weitergeleitet, beziehungsweise wer sie bearbeitet.

Ergänzend zu meinem vorherigen Schreiben erweitere ich meine Nachfrage an die Polizei, warum die mangelhafte Verkehrsführung den Beamten in der Wache immer noch nicht auffällt. Dies unter besonderer Berücksichtigung der Freigabe des Weges im Gegenverkehr.

Von der Polizei gab es noch keine Antwort, aber denen wird schon irgendeine Ausrede einfallen, da bin ich mir sicher. Währenddessen werden sie wohl „zum Schutze der Radfahrer“ in diesen Tagen wieder massivst Radfahrer kontrollieren (man könnte sterben, wenn man keine Klingel oder Katzenaugen am Fahrrad hat!!!), das Wetter wird ja schöner. Einfach mal vor der eigenen Haustüre zu kehren fänd ich allerdings echt sinnvoller!
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Beschwerde nach Vorschrift abgearbeitet!

31. Januar 2017 · 9 Kommentare

Mit Behörden ist oftmals wahrlich nicht so einfach zu kommunizieren und es ist von außen teilweise auch verwunderlich, welche Gänge eine e-Mail in einer Behörde nimmt – das scheint für viele Menschen dort im 21. Jahrhundert wohl tatsächlich immer noch #Neuland zu sein. Ich habe so z.B. schon von der Kölner Polizei per e-Mail Schreiben bekommen, die (offensichtlich) mit Word aufgesetzt, dann ausgedruckt, eingescannt und als .pdf versandt wurden. Kein Scherz! Ich habe auch schon Word-Dateien (die ggf. mehr als den einfachen Inhalt beinhalten) bekommen und das dann per e-Mail von einem ganz anderen Absender als dem Unterzeichner – da weiß man eigentlich gar nicht, mit wem man kommuniziert. Aber immerhin: viele Polizeibeamte kommunizieren tatsächlich per e-Mail und -was ich ausdrücklich bemerken möchte- im Gegensatz zur Stadtverwaltung und dem „Fahrradbeauftragten“ bekommt man bei der Polizei immer eine Antwort.

Nach meiner Beschwerde über eine, bzw. drei Polizeibeamtinnen, die mich bezichtigten, durch die bloße Teilnahme am Straßenverkehr mit dem Fahrrad die „Autos zu behindern“, bekam ich also umgehend eine Eingangsbestätigung und rund zwei Wochen später eine e-Mail von Bernd Lichtenberg von der Direktion Gefahrenabwehr der PI6. Herr Lichtenberg würde mich „gerne telefonisch kontaktieren“ und wollte meine „Erreichbarkeit“ wissen. Nun ist es einerseits so, daß ich, seit ich vor einem knappen Jahrzehnt, in den Anfangstagen dieses Weblogs, von einem mit mir telefonierendem Polizeibeamten mal -salopp gesagt- am Telefon ganz gewaltig verarscht wurde, schriftliche und somit verwertbare und zitierfähige Stellungnahmen bevorzuge und dies bei einer Dienstaufsichtsbeschwerde auch für nötig erachte. Andererseits war ich Ende November beruflich zunächst noch sehr eingespannt, um mir dann -wie jedes Jahr- ein paar Tage Auszeit zu nehmen: den Traum einer Reise mit Frau und Schwiegereltern nach New York und kurz daraufhin die alljährliche Jahresend/anfangsflucht zum  Rennrad fahren nach Mallorca. Herrn Lichtenbergs weitere e-Mail ein paar Tage später, in der er anmerkt, daß er mich „leider bisher nicht“ erreicht hätte, beantwortete ich dann auch mit „Grüßen aus New York City“, daß ich einige Zeit außer Landes bin und zunächst seine „schriftliche Bearbeitung meiner Dienstaufsichtsbeschwerde“ präferier. Dann machte ich mich auch schon auf den Weg, um unter balearischer Sonne ordentlich Kilometer abzuspulen und das Jahr ausklingen zu lassen.

Zwischenzeitlich hatte ich nun eine Beantwortung meiner Dienstaufsichtsbeschwerde erhalten. Auf dem gutem alten Postweg (siehe ersten Absatz) schrieb mir Herr Polizeidirektor Reischke, er hätte sich den Anlass meiner „Beschwerde nachbereiten“ und sich “ das Ergebnis vortragen lassen“. Er führte weiterhin aus, ich hätte „ein persönliches Gespräch abgelehnt“, was so natürlich gar nicht stimmt. Mit zwei Sätzen geht Herr Reischke schließlich auf meine Dienstaufsichtsbeschwerde, die immerhin sieben Punkte enthält ein:

Zu Recht erheben Sie den Anspruch, dass Polizeibeamte Kenntnisse der aktuellen Rechtslage besitzen und diese anwenden.

Ich habe veranlasst, die Pflicht zur oder die Befreiung von der Radwegnutzung zu verdeutlichen.

Dazu kommt noch der Wunsch, daß ich „allzeit gute und sichere Fahrt“ mit meinem Fahrrad habe und das war’s dann also schon. Kein Wort über das „Verkehrshindernis“, die „Behinderung von Autos“, usw. Und auch kein weiteres Bedürfnis nach einem „persönlichen Gespräch“, das ich Frau A. vor Ort ja schon durchaus angeboten hatte. Ich schrieb Herrn Reischke und Herrn Lichtenberg dann noch einmal eine e-Mail:

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 20.12.2016, das mich per Briefpost erreichte.

Sie nehmen darin schriftlich Stellung zu meiner Beschwerde und bemerken, ich hätte „ein persönliches Gespräch abgelehnt“.

Dies ist nicht richtig. Ich habe mir *zunächst* eine schriftliche Antwort erbeten, dies schließt ein weiteres persönliches Gespräch natürlich nicht aus. Ich gehe zudem davon aus, daß Dienstaufsichtsbeschwerden generell schriftlich bearbeitet werden, bzw. werden müssen.

Dies teilte ich Herrn Lichtenberg mit, ebenso, daß ich mich einige Zeit im Ausland aufhielt, weswegen ein persönliches Gespräch gar nicht möglich war.

Sie teilen mir mit, sie hätten veranlasst, Frau A. und ihren Kolleginnen „die Pflicht zur oder die Befreiung von der Radwegnutzung zu verdeutlichen“. Beinhaltet dies auch die weiteren Beschwerdepunkte vom 11.11.2016? Ich bat in meiner Dienstaufsichtsbeschwerde darum, daß Frau A. darüber aufgeklärt wird,

– daß ein Verkehrsteilnehmer kein Hindernis darstellt, auch nicht, wenn er „nur 20 km/h“ oder noch langsamer fährt
– daß es einem schnelleren Verkehrsteilnehmer zuzumuten ist, einige Augenblicke zu warten, wenn er einen mit 20 km/h oder weniger fahrenden, langsameren Verkehrsteilnehmer nicht sofort überholen kann
– daß ein Radfahrer immer genügend Abstand zu den sich potentiell öffenenden Türen von parkenden Kfz einhalten sollte, dies in jedem Falle aber darf und er sich nicht selbst gefährden muss
– daß ein „Radweg“ nicht „immer benutzt werden muss, wenn er vorhanden ist“, sondern nur, wenn er ausnahmsweise gemäß StVO §2.4 und §45.9 bei „qualifizierter Gefahrenlage“ als benutzungspflichtig angeordnet wurde und darüberhinaus auch benutzbar und zumutbar ist
– daß ein Radfahrer nicht durch bloße Anwesenheit die „Autos behindert“ wenn er die Fahrbahn benutzt
– daß ein „Radweg“ nicht dazu da ist, um die Fahrbahn frei von vermeintlichen „Hindernissen“ für Kraftfahrzeuge zu halten
– daß ein Fahrrad ein Fahrzeug ist und darüberhinaus, daß ein Fahrrad ein gleichberechtigtes Fahrzeug ist

Sehr gerne stehe ich für ein persönliches Gespräch zur Verfügung. Ich schlage hierzu allerdings vor, einen sachverständigen Bürger hinzuzuziehen. Ich hatte bei Frau A. und ihren Kolleginnen nicht den Eindruck, daß sie sich von einem profanen Bürger belehren lassen möchten, deswegen schlage ich vor, Herrn Joachim Schalke zu einem Gespräch hinzuzuziehen. Herr Schalke ist Polizeibeamter und 1. Vorsitzender des hiesigen ADFC, d.h. er dürfte gleichermaßen fachlich versiert und auch fähig und moderat sein, Ihnen und Ihren Beamtinnen auf Augenhöhe zu begegnen.

Mit freundlichen Grüßen,

Das fand (und ich finde ich noch immer) eine gute Gesprächsgrundlage, ich hatte es schriftlich, daß meiner Beschwerde -wenn auch wohl eher halbherzig- nachgegangen wurde und bot ein persönliches Treffen im Beisein eines Mediators an. Letztlich geht es mir darum, daß Frau A. und ihre Kollegen in Zukunft wissen, was Radfahrer dürfen und was nicht und dies auch besonders aus der Sicht dessen, der sein Fahrrad als ausschließliches Verkehrsmittel nutzt.

Die Antwort von Herrn Reischke ließ dieses mal nicht lange auf sich warten und kam auch, dem 21. Jahrhundert angemessen, per e-Mail. Er bedauerte die fehlgeschlagene Kontaktaufnahme, bedankte sich für mein „freundliches Angebot der thematischen Befassung“ und teilte mir dann mit:

Nach der umfassenden und abschließenden Erörterung Ihres Vorbringens in meinem Haus sehe ich für weitergehende Diskussionen keinen Bedarf.

Das übersetzt sich wohl von selbst.

 

 

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→ 9 KommentareTags: Kommunikation · Polizei · Radwege · Zwischenfälle