Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

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Es wird Zeit, aus dem ADFC auszutreten!

28. September 2016 · 21 Kommentare

Der „Allgemeine Deutsche Fahrrad Club“ (ADFC), dessen Mitglied ich bin, sieht sich  „mit mehr als 160.000 Mitgliedern“ als „die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit“.

Schon vor Jahren -wie ich hier auch öfters berichtete– sah ich einige Aktivitäten des ADFC durchaus skeptisch, selbst wenn ich mitnichten die Ansicht vieler anderer Radaktiver vertrat, daß es sich überhaupt nur um einen „Radfahrerclub radelnder Rentner„, warnbewestet und behelmt, am Wochenende auf Gehwegen unterwegs und „Radwege“ um jeden Preis fordernd, handelt. Auch wenn ich solche Erfahrungen durchaus gemacht habe.

Ich habe gelernt, daß es sich beim ADFC im Prinzip um einen Zusammenschluß von Ortsgruppen handelt, so kann ein Ortsverband also vehement Separation fordern und im Prinzip nur aus Schönwetterradlern bestehen, während ein anderer schon eher die Interessen von Alltags- und Vielradlern vertritt. Das heißt konkret: in einem Ortsverband werden gefährdend angelegte, benutzungspflichtige Radwege gefordert, ein anderer Ortsverband hilft ggf., die gleichen Konstruktionen wegzuklagen. Unter Radfahrern wirklich die „Allgemeinheit“ zu vertreten, ist sicherlich ein Spagat, keine Frage. Schon aus Trotz bin ich irgendwann ADFC Mitglied geworden, letztlich mit dem Gedanken, daß eine Sache nicht besser werden kann, wenn man sie nur von außen kennt. Andere nannten das durchaus, „eine Struktur aufweichen und von Innen übernehmen“ und im Kern ist der ADFC als Lobby ja eine grandiose Idee!

Es gin bei mir nicht soweit, zu versuchen, Posten zu besetzen oder an einer Änderung, des damals ziemlich lustlos, piefigen und in keinster Weise *Radverkehr* fördernd agierenden Kölner ADFC mitzuwirken. Ich war einfach nur „Mitglied“, das dann und wann mal -in diesem Blog oder in einem Gespräch- etwas äußerte, mehr nicht. Mehr bedarf es allerdings auch gar nicht, denn die „Übernahme“ des ADFC geschah dann doch – durch andere Personen. Relativ geräuschlos kamen auf einmal klare Statements, es gab verkehrspolitische Anregungen und gar Forderungen und vor allem: Alltagsradler konnten sich damit identifizieren. Es wurde sich gegen Benutzungspflichten ausgesprochen, sachliche Kritik an Stadt und Polizei wurde offiziell laut und es gab tatsächlich auch einen Paukenschlag: der ADFC trat aus dem Bündnis für Verkehrssicherheit, „Velo2010“ aus. Ich hatte dies in einer e-Mail gefordert und wollte einen Antrag stellen – dessen bedarf es gar nicht. Dafür Hut ab, heute noch, das war ein Zeichen! Ich forderte -grad im Gegensatz zu früher- Radfahrer fortan auf, Mitglied im ADFC zu werden.

Es gibt aber eben auch den ADFC Bundesverband. Das ist sozusagen der Dachverband, der mich als Mitglied z.B. gegenüber der Politik, der Autolobby, etc. vertritt. Dieser ADFC Bundesverband hat heute eine Pressemitteilung zur geplanten Novelle der StVO, insbesondere des §45.9, herausgegeben. Die Pläne sind schon seit ein paar Tagen bekannt und haben für einiges an Aufsehen und Diskussionstoff gesorgt. Wunderlich war in den letzten Tagen, daß es seitens des ADFC noch keine Stellungnahme oder überhaupt einen Hinweis darauf gab. Jetzt weiß man warum: der ADFC hat „an der Reform der StVO intensiv mitgewirkt“ und weiter: er „wertet die Novelle als Fortschritt für den Radverkehr“

Dieser vermeintliche Fortschritt ist ein eindeutiger Rückschritt. Nein, es sind 10 Schritte zurück!

In Kurzform möchte ich erläutern, was ich an der geplanten Novelle als Bärendienst ansehe und warum. Es heißt in der Pressemitteilung des ADFC:

Radfahrstreifen können leichter angelegt werden
Bisher mussten Kommunen erst das erhöhte Unfallpotenzial eines Straßenzuges („besondere örtliche Gefahrenlage“) nachweisen, bevor sie dort einen benutzungspflichtigen Radfahrstreifen anlegen konnten. Das führte häufig dazu, dass gar keine oder nur unzureichende Radinfrastruktur geschaffen wurde. Durch die Neuregelung ist es künftig auch ohne Nachweis einer örtlichen Gefahrenlage möglich, Radfahrstreifen innerhalb geschlossener Ortschaften anzulegen.

Was erst einmal „gut“ klingt, ist es nicht. Ein markierter „Radfahrstreifen“ ist nämlich (anders als ein „Schutzstreifen“) mit VZ237 benutzungsplichtig. Das heißt konkret: ich darf ihn nicht verlassen, auch nicht, um andere Radfahrer zu überholen. Bisher war die Situation so, daß, wie bei einem baulich angelegten „Radweg“, eine sogenannte „qualifizierte Gefahrenlage“ bestehen mußte, um den Radverkehr von der Fahrbahn zu „vertreiben“ (was für viele Straßenverkehrsbehörden das primäre Ziel sein dürfte). Daß dabei (Mindest)Maße eingehalten werden müssen, hat schon bisher kaum interessiert und es ist nicht davon auszugehen, daß es das in Zukunft tut. Bisher hatte man aber eine sehr reele Chance, gegen solche Konstrukte zu klagen, nämlich eben, wenn keine „besondere örtliche Gefahrenlage“ vorlag. Diese Möglichkeit besteht in Zukunft nicht mehr. Wer ein konkretes Beispiel in Köln sehen möchte, der sollte sich den „Radfahrstreifen“ zwischen Ebertplatz und Hansaring anschauen. Gut einen Meter breit, diekt im Schwenkbereich sich öffnender Türen der dort parkenden Kfz. Noch illegal, künftig legitim. Eine Begründung für die Untermaßigkeit wird unsere traßenverkehrsbehörde schon finden – das schafft sie sonst auch.

Die gleiche Regelung soll es künftig außerorts geben, was zur Folge haben wird, daß sich nicht viel ändert: Buckelpisten werden benutzungspflichtig sein. Mal links mal rechts, Hauptsache der motorisierte Verkehr fließt. Der einzige Unterschied zum Jetzt: es wird kaum mehr Möglichkeiten geben, zu klagen. Danke lieber ADFC! Als ich von der Novelle hörte, dachte ich, daß Autolobby, „Auch-Radfahrer“ und die Experten der 3-6 Liter-Parteien daran mitgewirkt hätten – an „meine“ Interessensvertretung dachte ich nicht im entferntesten!

Diese Regelung begrüßt der ADFC als Fortschritt für Städte, die den Radverkehr ernsthaft fördern wollen. Falls die gleichlautende Regelung für Radwege außerorts in der Praxis dazu führt, dass mehr mangelhafte Wege als benutzungspflichtige Radwege ausgewiesen werden, wird der ADFC dagegen vorgehen.

Ja, diesen Nachsatz gibt es in der Pressemitteilung des ADFC noch. Ernsthaft: Ihr wollt dagegen „vorgehen“? Das ist reichlich naiv! Die Interessensvertretung, die Klagen gegen Benutzungspflichten aktuell immernoch selbst scheut, trotzdem die Abschaffung der „allgemeinen Radwegebenutzungspflicht“ seit 1998 immernoch nicht akkurat umgesetzt wurde und wird? Das soll ich glauben und selbst wenn: wie lange wird das dauern? Ihr vertretet mich einfach nicht!

Ich bin schon der Meinung, daß man als Radaktiver konsequent sein sollte und wenn mein Club mich nicht mehr vertritt, dann muss ich ihn wohl verlassen. Das Mitgliedermagazin gibt es ja auch online.

Ich werde meine ADFC Mitgliedschaft kündigen und ich kann meinen Lesern nur raten, es mir gleich zu tun. Selbst wenn dies für die rührend aktiven Mitglieder des ADFC Köln schade ist, aber unterm Strich ist das die einzig logische Schlußfolgerung. Sinnvoll erscheint es mir dabei, dies ausdrücklich zu begründen, damit der Bundesvorband weiß, daß er nicht in meinem Sinne handelt – ich werde mein Schreiben hier in Kürze veröffentlichen und als Vorlage zur Nachahmung empfehlen.

 

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→ 21 KommentareTags: ADFC · Allgemein · Radwege

Schläge, die man einstecken muss

24. September 2016 · 14 Kommentare

Vorweg: ich schreibe diesen Artikel in keinster Weise, um mich am Leid veunglückter Menschen zu profilieren, noch empfinde ich Unfälle generell in irgendeiner Art und Weise als Genugtuung! Im Gegenteil, eines meiner primären Ziele ist, daß Unfälle nicht passieren!

Seit ich diesen Blog betreibe, berichte ich -teilweise in Sisyphos-Arbeit- über die Mülheimer Brücke. Lange Zeit war ich alleine in Berichterstattung und Engagement, mittlerweile habe ich Mitstreiter – mal mehr engagiert, mal weniger.

Die Mülheimer Brücke ist eine vielbefahrene Ost-West-Verbindung im Norden Kölns und eine wichtige Radverkehrsverbindung. Es gibt dort, neben der Fahrbahn, abgetrennt durch eine Leitplanke, auf jeder Seite einen (seit 2005) mit VZ241 beschilderten recht schmalen, nicht den Regeln entsprechenden Rad- und Gehweg, jeweils nur in Fahrtrichtung angeordnet. An den Pylonen der Brücke (2 Stück) gibt es jeweils eine recht schwer einsehbare Verengung, bzw. Verschwenkung des Weges. Hier sind die Hauptgefahrenstellen für Radfahrer (aber zwangsläufig auch Fußgänger), besonders weil es überdurchschnittlich viele Radfahrer gibt, die die Radwege verkehrswidrig in die falsche Richtung benutzen, also als Geisterfahrer unterwegs sind.

Mittlerweile ist es selbst in Kreisen engagierter Radfahrer und der Lobbyverbände nicht ganz sicher, wieviele Unfälle an diesen Gefahrenstellen tatsächlich stattgefunden haben. Ich bin bisher immer von mindestens 4 schweren Unfällen ausgegangen, wobei es 2 Tote zu beklagen gab. Die Zahl „2“ war auch vor einigen Jahren von der mittlerweile eingestellten Initiative für Verkehrssicherheit „Velo2010“ auf einer dort aufgehängten Fahne zu sehen. Diese Fahnen hingen im kompletten Stadtgebiet an Unfallschwerpunkten, die Zahlen stellten die Anzahl dort getöteter Radfahrer dar. Quellen für die Unfälle sind nicht mehr ganz so einfach zu finden, von einem Toten wird hier in jedem Fall berichtet. Ich selbst habe vor einigen Jahren vor Ort einen schwerbehinderten, invaliden Menschen getroffen, der mir erzählte, daß er durch solch einen Unfall geschädigt wurde. Es wird unter Radaktiven gemutmaßt, daß selbst in der Unfallkommission der Stadt Köln die Zahl der Toten angezweifelt wird. Sollte ein Leser Quellen haben oder sich erinnern können, bitte ich um Nachricht.

Bei meinen Fahrten über die Brücke (ich bin Anwohner und benutze die Brücke fast täglich, teilweise mehrmals) treffe ich üblicherweise auf mindestens 3 solcher Geisterfahrer, im Schnitt sind es 6, oft genug, z.B. bei schönem Wetter, wird die Anzahl auch zweistellig.

In meiner Berichterstattung bin ich über die Jahre durchaus immer provokanter vorgegangen, da es offensichtlich war, daß aus Richtung der Stadtverwaltung und der Polizei keine bis kaum Initiativen kamen, um die Situation auch nur im Ansatz zu entschärfen. Höhepunkt war dabei sicherlich ein zufällig aufgenommenes Video, das einen Beinaheunfall mit einem Geisterfahrer zeigt und das irgendwann recht viral wurde, incl. (ungefragtes) Senden in verschiedenen Fernsehsendungen weltweit, Webclips, etc. Für dieses Video musste ich sehr viele Schläge einstecken und muss es immer noch. Das reicht von einfachen Beleidigungen („Arschloch“, „Wichser“) über hypothetische Gewaltphantasien („dem müsste man mal ordentlich eine reinhauen“) bis hin zu konkreten Bedrohungen („sollte ich den in Kön mal treffen, dann schlag ich ihn zum Krüppel“). Das Video wurde und wird in sozialen Netzwerken, Fahrradforen, etc. diskutiert. Sucht selber. In einigen habe ich mich mit einer detailierten Analyse selbst zu Wort gemeldet und Dinge klargestellt, oftmals bin ich da tatsächlich auch verstanden worden. Mir wurde, übrigens sogar von einem langjährigen Kölner ADFC-Mitglied, z.B. vorgeworfen, ich wäre „solange filmend über die Brücke gefahren“, bis mir einer entgegen gekommen wäre und ich hätte den „Unfall absichtlich provoziert“. All das ist völliger Blödsinn. Letzendlich war das Video da und ich entschloß mich spontan, es publik zu machen, um deutlich zu machen, daß das Geisterradfahren keine Bagatelle ist. Ob angeordnet oder nicht.

Auch unter Radfahrern, z.B. in sozialen Netzwerken, ecke ich mit der Verurteilung JEDEN Geisterfahrers dort oft genug an. Die geschehenen Unfälle werden in Zweifel gezogen, daß sie überhaupt passiert wären, Statistiken nicht geglaubt und auch die Dunkelziffer an Unfällen (davon berichten ADFC Aktive – ein Unfall, der nicht angezeigt wird, geht schließlich gar nicht in die Statistik ein) wird da eher ignoriert. Selbst in VCD und „Mülheimer Fahrradgruppe“ forderten Menschen bereits die Öffnung der „Radwege“ in beide Richtungen, wenn auch bei „baulicher Veränderung“.

An den Pylonen geht die Gefahr aber nicht nur von geisterfahrenden Radfahrern aus, sondern auch von Kraftfahrzeugen, die hinter diesen versteckt sind. Die Kölner Polizei hatte öfters dort Zivilfahrzeuge mit „Blitzern“ stehen, um den Kfz-Verkehr auf der Mülheimer Brücke auf Geschwindigkeit zu kontrollieren. Nach mehreren Artikeln (Artikel 1, Artikel 2, Artikel 3, Artikel 4) wurde mir schließlich durch Helmut Simon, den damaligen Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei Köln zugesagt, daß die Kontrollen so nicht mehr stattfinden. Es wäre nämlich problemlos möglich, eine Messanlage zu betreiben, ohne daß ein Kfz daneben steht. Unter dem neuen Leiter der Verkehrsdirektion, Herrn Lotz, finden diese Messungen nun wieder so statt, inclusive Gefährdung der Radfahrer. Er lässt dazu seine Untergebenen antworten:

Ihre „Gefahrenhinweise“ aus Sicht der Radfahrer aus den vorherigen Jahren wurden zum Schutz der Radfahrer in dem Maße umgesetzt, das nun das o.g. erwähnte Warndreieck die ankommenden Radfahrer entsprechend vorwarnt.

Der Radfahrer hat dadurch die Möglichkeit, gefahrlos seine Geschwindigkeit zu reduzieren und diese Engstelle langsam fahrend oder schiebend zu passieren.

Auch dieses mal meint die Polizei, daß auf dem Gehweg fahren (das wäre es dann nämlich) wohl ok wäre. Oder man kann halt schieben. Und weiter: „Eine Gefährdung ist somit nicht gegeben.“ Ein Warndreieck richtet das.

Und anstatt an den Gefahrenstellen täglich zu kontrollieren und Geisterfahrer zur Kasse zu bitten, zockt die Kölner Polizei Radfahrer lieber an der Maybach/Krefelder Str ab. Das ist effektiv. Zwar nicht für die Verkehrssicherheit, aber für die Kasse.

Auch die Stadt Köln zeigt immer wieder, daß sie kein sonderliches Interesse an der dortigen Radverkehrsfühung hat. Es brauchte Jahre, bis die völlig inkompetente, selbst für ortskundige verwirrende Beschilderung, wie man überhaupt von links- nach rechtsrheinisch kommt, installiert war. Und noch heute ist sie nicht so klar, daß sie zwingend jeder versteht. Auch wird die Benutzung in Gegenrichtung immer wieder freigegeben, bzw. angeordnet. Sei es bei einer Sanierung, wie vor Jahren, als legendärerweise einen Tag vor der Anordnung in Gegenrichtung dort noch Geisterfahrer von der Polizei abkassiert wuden, oder aber fälschlicherweise bei Baustellen, wie kürzlich (ich berichtete), als knapp 2 Wochen lang der nördliche Radweg in Gegenrichtung angeordnet war. Nachdem das vorher übrigens schon ein paar Tage der Fall war. Engagierte Menschen weisen die Stadtverwaltung üblicherweise zeitnah auf so etwas hin, worauf die Stadtverwaltung einfach Tage braucht, um zu reagieren. In diesem Fall wurde das Schild zunächst entfernt und stand dann zwei Tage später wieder da! An einer Stelle, an der Menschen gestorben sind! An einem Unfallschwerpunkt!

Am 21.9.2016, dem „Europäischen Tag ohne Straßentote„, gab es einen Unfall zwischen Radfahrern auf der Mülheimer Brücke. In der Pressemitteilung der Kölner Polizei liest sich das folgendermaßen:

In den Abendstunden kam es auf der nahen Mülheimer Brücke zu einer weiteren, folgenschweren Kollision, diesmal unter Beteiligung zweier Radfahrer (24, 49). Gegen 19.45 Uhr befuhr der 49-Jährige mit seinem Rennrad ordnungsgemäß den südlichen Rad-/Gehweg in Richtung Wiener Platz. Im Bereich der Verengung am rechtsrheinischen Stahlbrückenträger sei ihm dann der Jüngere unmittelbar neben einem weiteren Radler entgegengekommen. „Ich habe noch vergeblich versucht, nach rechts über den Gehweg auszuweichen“, gab der Kölner an. Infolge der Kollision mit dem 24-Jährigen kam er zu Fall. Bei seinem Sturz zog er sich unter anderem einen Armbruch zu. Er wurde ebenfalls im Rettungswagen in ein Krankenhaus gefahren. (cg)

Ich habe mich vor einer guten Stunde noch in einer Facebook Gruppe dafür rechtfertigen müssen, daß ich KEINEN Radfahrer akzeptiere, der an der Mülheimer Brücke falsch fährt. Egal, ob er dort  „langsam“ und „vorsichtig“ unterwegs ist oder „den Weg nicht gefunden“ (was man mit einem IQ ab 60 schaffen kann), bzw „keine Lust auf den Umweg“ hatte. Und ich werde die Schläge auch in Zukunft einstecken (müssen).

P.S.: Um die Frage, wieviele Menschen dort nun (aktenkundig) verunfallt und auch gestorben sind, beantworten zu können, habe ich hierzu die Polizei über deren Pressestelle angfragt. Sollte ich von dort keine Antwort erhalten, werde ich notfalls Akteneinsicht nach IFG NRW fordern. Ich bin mir also sicher, daß die Gefahrenlage den Skeptikern und faulen Menschen zukünftig auch statistisch (aus der täglichen Erfahrung besteht sie ja sowieso) dargelegt werden kann.

[Nachtrag 26.9.2016: was die Beleidigungen kann ich -konkret in einer heutigen Diskussion mit einem aus Faulheit absichtlich und bewußt auf der Mülheimer Brücke in Gegenrichtung fahrenden Radfahrer- noch „analfixierter Fahrradnazi“ hinzufügen. Da mußte ich sehr herzlich drüber lachen.

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→ 14 KommentareTags: Mülheimer Brücke · Polizei

Fischbrötchen am Aktionstag!

22. September 2016 · 4 Kommentare

Ich hatte es gestern kurz berichtet, zum „Europäischen Tag des Straßentodes“ hatte also auch die Polizei Köln ihr Engagement angekündigt.

Ich hatte etwas Zeit, Lust und das Wetter war schön, also schwang ich mich auf mein Trekkingrad und kurbelte gemütlich ein paar Kilometer in die Innenstadt, um zu schauen, was die Beamten an den Abzockerecken potentiellen Straßentodecken so treiben. In Facebook und Twitter berichteten Kölner Radfahrer bereits den ganzen morgen von vermehrten Kontrollen in der ganzen Stadt.

Mein Weg führte mich von der Steinkopfstraße (hier wohne ich) an 3 Falschparkern vorbei (Haltverbot VZ286), über die Elisabeth-Breuer-Straße (4 Falschparker im absoluten Haltverbot VZ283, 3 Falschparker in Feuerwehreinfahrt – das alles auf 50 (!) Metern) und die Frankfurter Straße in Richtung Wiener Platz. Auf der Frankfurter Straße mußte ich 3 Falschparkern, die auf dem dortigen „Schutzstreifen“ parkten, ausweichen, weitere 3 sah ich in Gegenrichtung. Den Wiener Platz konnte ich -wie immer- trotzdem dort eine NRW-Velo-Route besteht, mehr oder weniger nur schiebend, bzw. rollernd passieren – dort ist einfach zu viel los und kein Platz für Radfahrer. Auf der Mülheimer Brücke kamen mir 7 geisterfahrende Radfahrer entgegen. Die fahren da immer, von 1-2 Aktionen (höchstens!) der Polizei pro Jahr abgesehen, unbehelligt, trotzdem dort -im Gegensatz zu vielen anderen Stellen in Köln- Menschen umgekommen sind (es wird grad über einen Unfall am gestrigen Abend dort gemutmaßt). Darüber berichte ich bereits, seit es diesen Blog gibt. Und bis vor ein paar Tagen war das Geisterradeln dort für rund zwei Wochen lang sogar angeordnet. Trotz mehrerer e-Mails an Stadtverwaltung (von mir und auch vom ADFC) und Polizei.

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Angeordnetes Geisterradeln

 

Das linksrheinische Köln erreicht, hatte ich trotz einiger Behinderungen keinen plötzlichen Straßentod erlitten, allerdings auch noch niemanden gesehen, der hier Verstöße irgendeiner Art sanktionieren würde.

Die Polizei Köln hatte auf Facebook mittlerweile mitgeteilt, daß man einen „Fahrradaktionstag“ in Ehrenfeld veranstalten würde, trotzdem fuhr ich einen Umweg über die Innenstadt. Und zwar, das hatte ich mir fest vorgenommen, gemütlich und ausschließlich über die für mich gedachten „Radwege“, selbst wenn diese mich eher gefährden, denn beschützen würden. Die Beamten in der Innenstadt hatten bereits Mittag gemacht oder die Bilanz war bereits erfolgreich und das „Soll“ erfüllt, zumindest war keine Polizei an den neuralgischen Orten zu sehen (Krefelder Str./Maybach Str, Kölner Bank, etc.). Dafür entging ich dem Straßentod auf dem viel zu schmalen (illegalen) Radstreifen zwischen Ebertplatz und Hansaring nur knapp, als sich rechts eine Autotür öffnete, während mich links ein Kfz „in seiner Spur“ mit nur wenigen Zentimetern Abstand überholte. Ein paar Meter weiter hat die Stadt kürzlich den „Schutzstreifen“ verbreitert und nach links versetzt, was dazu führt, daß der Kfz-Verkehr nun nur noch eine Spur zur Verfügung hat – was irgendwie nicht funktioniert:

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Zwei Spuren trotz einer Spur

 

Insgesamt aber niemand in Sicht, der das (was hier im Bild noch harmlos ist, üblicherweise ist die „rechte Spur“ noch weiter rechts) sanktionieren würde und das am Straßentodaktionstag! Irgendwo müssen die Beamten doch sein!

Ich befuhr die Ringe bis zum Rudolfplatz und nahm dann die Aachener Straße stadtauswärts. Mir wurde nochmals klar, wie -sorry für die Wortwahl- beschissen die „Infrastruktur“ für Radfahrer in Köln ist. Zu den zu schmalen und aufgebrochenen, dämlicherweise längs gepfasterten (fahr sowas NIE mit einem Rennrad!) „Radwegen“ kommt die Außengastronomie, die ihre Schirme teilweise über die „Radwege“ spannt (großer Spaß für einen 2-Meter-Mann!) und die Tische und Stühle zu nah an diesen stehen hat. Das haben die Beamten am „Aktionstag“ aber sicher übersehen oder aber sie fühlten sich nicht zuständig (wahrscheinlicher) oder sie sehen darin gar keine Gefährdung (am wahrscheinlichsten).

Nun ging es über die Innere Kanalstraße nach Ehrenfeld und in meiner für heute gewählten gemütlichen, langsamen Geschwindigkeit bog ich dann in die Venloerstr. ein. Das „Herz“ Ehrenfelds, möchte ich mal sagen. Wer die Venloerstr. nicht kennt: hier hat man verkehrsplanerisch so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Frühe gab es dort (schlimme) 70cm breite „Radwegelchen“, die kamen dann (sinnvollerweise) weg, aber *irgendetwas* muß man ja „für Radfahrer tun“, deswegen wurden schließlich „Schutzstreifen“ angelegt und zwar direkt in der Gosse, neben parkenden Autos und entsprechend mit sich öffnenden Türen – letztlich illegal. „Illegal“ heißt in diesem Sinne, daß die Regeln und Normen nicht erfüllt sind, was in Köln ziemlich egal ist, Hauptsache man separiert. So haben die Radfahrer also ihre Suggestivstreifen, von der Politik (hier: Die Grünen) intensiv gefordert und die Kraftfahrer einladend, hier möglichst eng („in der Spur“) zu überholen. Ich fahre da nicht gerne. Übrigens auch nicht gerne als Kraftfahrer.

Auf der Venloerstr. wurde ich dann also 5x ohne Sicherheitsabstand überholt, ich sah 3 Kraftfahrzeuge, die den „Schutzstreifen“ illegalerweise zum Halten oder Parken nutzten, aber: ich sah auch die ersten Polizisten. Nämlich am UPS Mann vorbei fahrend:

„nur mal eben …“

 

Fairerweise muss man sagen, daß kurz danach tatsächlich ein Polizeimotorrad an dem UPS Wagen vorbeifuhr und der Polizist den Fahrer aufforderte, weiterzufahren. Das könnte allerdings an den drei Radfahrern gelegen haben, die der Motorradpolizist im Schlepptau hatte, ein Bußgeld gab es in jedem Falle nicht.

Und auf meinem weiteren Weg sah ich sie dann endlich: Horden von Polizisten! Quasi an jeder Ecke standen sie, oder besser: sie lauerten! Offensichtlich waren die meisten Beamten so in Ecken und Hauseingängen oder hinter Werbesäulen postiert, daß sie Ampeln gut im Blick hatten und Fußgänger und Radfahrer auf frischer Tat ertappen konnten.

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moderne Wegelagerer

 

Selbstverständlich fuhr ich besonders gemütlich auf jede Ampel zu, hielt schon bei „gelb“ brav an (das mache ich allerdings immer, es sei denn die Ampel ist defekt) und schaute mich ein wenig in der Gegend um. Zu fast jeder Ampel gab es irgendwo Polizei, die sie bewachte. Der europäische Straßentod sollte heute schließlich nicht zuschlagen können!

Hinter der Kreuzung Venloerstr./Gürtel befindet sich die Polizeiwache der Polizeiinspektion 3, deren Beamte schon öfters als nicht gerade fahrradaffin aufgefallen sind, z.B. -in einer, wenn es nicht so traurig wäre, großartigen Posse- hier. Dort sah man -hinter parkenden Autos- einen Pavillon aufgebaut, an dem 3 Beamte standen – das war dann wohl der angekündigte „Informationsstand“. Ich fuhr erst einmal weiter, nämlich die Venloerstr. durch bis zur Äußeren Kanalstraße. Was mir auffiel: diese massive Polizeipräsenz hatte tatsächlich auch Einfluß auf den Kfz-Verkehr, denn die fuhren meist (nicht alle) besonders langsam und recht vorsichtig. Eng überholt wurde ich dennoch, aber immerhin: langsam. Da scheint sich Anwesenheit also zu lohnen und irgendwo las ich kürzlich, daß es in Kölner Veedeln zukünftig wieder den „Schutzmann op d’r Eck“ geben soll – das wäre doch was!

An der Äußeren Kanalstraße (dort stand noch ein VW Bus der Polizei, eine Aktivität war nicht zu ersehen) wendete ich und fuhr zurück zur Wache, um mir den Infostand mal anzuschauen. „Das Informationsangebot“ richte sich ja laut der Meldung bei Facebook (ruhig auch einmal die Kommentare dort lesen)  „ausdrücklich an Fahrrad- und Autofahrer sowie Fußgänger“.

An dem Infostand standen also drei Polizisten und sonst niemand. Bei der ersten Fahrt daran vorbei, sah ich immerhin einen Radfahrer. Fußgänger konnte man dort, direkt am Gehweg, sicherlich ereichen, wie sich allerdings Autofahrer hier informieren sollten, das war mir schleierhaft. Ich stellte mein Rad ab, sagte artig guten Tag und daß ich mich „mal informieren“ wollte. Ein freundlicher Polizist stand sofort zur Verfügung und zeigte mir das Infomaterial. Dieses bestand aus mir bereits bekannten Flyern („Sicher Radfahren in Köln und Leverkusen“ (Stand 2013) und „Vorsicht im toten Winkel!“), Schlüsselbändern, Aufklebern und Gummibärchen, die wohl als „Give-Aways“ gedacht waren (bot man mir allerdings nicht an – mit nem Polizei-Schlüsselband wäre ich sicherlich der King in meiner Hood!) und – einem EC-Zahlgerät (das ein Beamter dann bald beiseite legte). Auf die sonst übliche Helmpropaganda verzichtete man tatsächlich, das fand ich etwas wunderlich. Ich unterhielt mich ein wenig mit dem Beamten, u.a. daß ich üblicherweise nicht im „Toten Winkel“ fahre, nämlich da, wo meist der Radweg liegt (was in dieser Broschüre tatsächlich exakt so dargestellt wird!). Dann fragte ich, ob bei der Aktion denn auch -wie angekündigt- Verstöße von Kraftfahrern gegenüber Radfahrern, wie Überholen ohne Sicherheitsabstand, geahndet werden würden, was der Beamte bejahte. Zahlen lägen dazu aber natürlich, wie für den kompletten Aktionstag, erst „nachmittags“ vor, die würden dann veröffentlicht, ich könnte sie dann auch bei der Pressestelle erfragen.

Mir war klar, daß hier nichts spannendes mehr passieren würde, zudem schloß sich langsam mein Zeitfenster, also verabschiedete ich mich und machte mich auf den Weg. Ich wollte die Venloerstr. noch einmal stadteinwärts passieren und dann über die Innere Kanalstraße nach Hause (Mülheim) fahren.

Jedoch: an der Kreuzung Venloer Str./Gürtel bedrohte er mich dann doch noch! Der plötzliche Straßentod und zwar auf seine ureigenste, kölsche Art! In einem ziemlich sinnlosen Manöver überholte mich am Ende der Kreuzung ein schwarzer Kleinwagen – zügig und eigentlich ohne jeglichen Sicherheitsabstand, also mit nur wenigen Zentimetern, den Vorgang wegen des Gegenverkehrs krönend mit einem Abdrängen nach rechts, was ich mit einem gewagten Schlenker in die Gosse (ich lasse üblicherweise für solche Situationen ~80cm Platz nach rechts) kontern und mich somit retten konnte und zudem mit einem affektiv, laut ausgerufenem „Hey“ quittierte, einigermaßen perplex, fand dieses Abdrängen doch direkt vor den Augen zweier Polizisten, die links im Eingang des dortigen Grills wohl zu Fuß gehenden Rotlichtsündern auflauerten, statt. Dort schaute ich dann auch intuitiv hin und hatte mit einem Beamten (sie standen ungefähr 10 Meter entfernt) Blickkontakt. In der festen Annahme, daß dieser Beamte den Vorfall beobachtet haben mußte (es wäre sogar Zeit gewesen, den Kraftfahrer zu stellen, staute sich wenige Meter weiter doch der Verkehr und eine Sekunde lang machte es sogar den Anschein, als würde der Beamte loslaufen, was er aber doch nicht tat), dachte ich mir, es wäre ein gute Idee, dies am „Aktionstag“ zur Anzeige zu bringen.

Ich wurde also mit den Worten „Entschuldigung, haben Sie das gesehen? Ich möchte eine Anzeige aufgeben.“ bei den Polizisten vorstellig. Die Reaktion war gleichermaßen barsch und in einem Ton, den ich als „Befehlston“ bezeichnen würde, wie sie mich verwunderte: „Nein, das machen wir nicht. Gehen Sie zur Wache!“ und „Sie stören, wir haben hier zu tun, wir nehmen keine Anzeigen auf!“. Ich war dann doch baff und fragte, „Sie sind doch die Polizei?“, schließlich war ich Benachteiligter in einer Sache, auf die an diesem „Aktionstag“ ja u.a. hingewiesen werden sollte. Ich forderte also nochmals, „Bitte nehmen Sie meine Anzeige auf“, was ich immernoch für richtig hielt (die Beamten hatten in dem Moment auch nichts zu tun, sie standen einfach dort) und ich tat das auch subjektiv in einem angemessenen und ordentlichen Ton („aufgeregt“ bin ich bei solchen Überholvorgängen selten, dafür erlebe ich sie zu oft, nämlich täglich, wenn nicht permanent). Herr V, der Beamte, mit dem ich während des Vorfalls Blickkontakt hatte, tat das dann auch doch noch recht bereitwillig und zückte sein Notizbuch. Der Mann machte mir den Eindruck, als er erkannte er, die Situation wäre schneller vorbei, würde er die Anzeige aufnehmen, anstatt zu diskutieren (damit lag er durchaus richtig). Er sagte allerdings auch direkt, daß er, entgegen meiner Annahme, den Vorfall nicht beobachtet hatte, was ich nicht ganz nachvollziehen konnte, aber so hinnehmen mußte. Er nahm sachlich eine Owi-Anzeige auf. Sein Kollege, Herr P., agierte nicht so sachlich und belehrte mich in scharfem Tonfall in verschiedenen Belangen. Er fragte mich, warum ich mich so aufregen würde und was denn überhaupt passiert wäre. Als ich die Gefährdung nochmals schilderte, korrigierte er mich dahingehend, daß es „Überholen innerorts gar nicht gibt„. Das wäre dann „Umfahren“. Aha! So wie man ein Hindernis umfährt, da habe ich ihn dann verstanden. Ich gab nun also an, daß ich „ohne Sicherheitsabstand umfahren und gefährdet wurde“. Der Bussgeldkatalog sieht allerdings tatsächlich ein Bußgeld für „Überholen innerorts“ vor, also scheint es das ggf. doch zu geben. Ich wußte an diesem Punkt der „Unterhaltung“ schon, der uninformierte Bürger hat immer Recht, da gibt man besser keine Widerworte und wollte eigentlich nur noch die Anzeige fertig erstatten und weiter nach Hause. Herr V. war weiterhin sachlich und machte etwas den Eindruck, als ob ihm das Gebahren seines Kollegen auch nicht ganz gefallen würde, aber Herr P. lief nun zur Höchstform auf: „Sie haben uns genötigt!„, meinte er. „Ich habe bitte was?“ fragte ich. „Sie halten uns von der Arbeit ab, das ist Nötigung!„. Das empfand ich dann doch als starken Tobak und nicht nur, weil ich während meines Studiums ein paar Semester Jura genießen durfte – eine Nötigung ist eine Straftat und wenn ein Polizist mich einer Straftat bezichtigt, wenn ich eine Anzeige erstatten möchte, dann bin ich der Meinung, daß das nicht unkommentiert und -dokumentiert bleiben sollte. Nun war ich doch einigermaßen verärgert, wissend, daß ich da nicht sonderlich drauf reagieren sollte, denn manche Beamte können es nicht so gut ab, wenn ein Bürger ggf. etwas besser weiß. Den Satz „das sollte man Herrn Mathies (Polizeipräsident) mal erzählen“ konnte ich mir nicht verkneifen, schließlich hatte der in der Pressemitteilung ja noch zum besten gegeben: „Auf eine Ahndung der Verstöße werde man morgen nicht verzichten“, während seinem Beamten Herrn P. der Verstoß gegen mich einfach völlig egal war. Das ist schon ein Diskrepanz.

Nachdem Herr P. noch einige weitere Tiraden abließ, bei denen ich nicht sonderlich zu Wort kam, was ich allerdings auch nicht wirklich wollte (diskutiere besser nicht mit renitenten bewaffneten Menschen!), bedankte ich mich bei Herrn V., entschuldigte mich für die verlorene Zeit und entschloß, daß ich mich über Herrn P. beschweren würde, er hatte mich schließlich einer Straftat bezichtigt.

Eine Beschwerde per e-Mail zu verfassen, wäre naheliegend gewesen, aber noch naheliegender war für mich dann doch, einfach mal das Gespräch mit einem Vorgesetzen zu suchen. Die Wache war ja nun nicht weit und am „Aktionstag“ zum schnellen europäischen Tod gab es vielleicht offene Ohren. Ich fuhr also wieder zum „Informationsstand“, dort standen mittlerweile noch zwei Fahrradpolizisten, die mich auch kannten und freundlich begüßten („Na, heute gar keine Helmkamera?“ (DIE hätte ich besser mal mitgehabt!) und „Nächste Woche bei der Critical Mass dabei?“). Ich schilderte den Vorfall und der eine Fahrradpolizist, Herr J., fackelte nicht lange: „komm mit, da fahren wir mal hin“.

So tauchte ich also wenige Minuten später wieder bei Herrn V. und Herrn P. auf und Herr J., der wohl vorgesetzt oder zumindest mit höherem Dienstgrad versehen war, fragte „was war denn hier los?„. Herr P. gab dann zum besten, wie aufbrausend ich gewesen wäre, daß ich die Beamten von der Arbeit abgehalten hätte, daß das ziemlich unverschämt war, daß ich verlangt hätte, daß sein Kollege, Herr V. „das gesehen hat“ und bezeugen müsse (Ich habe nichts „velangt“!) und schließlich hätte ich sogar  „mit Herrn Matjes (sic!) gedroht„! Bezeichnenderweise sprach Herr P. genau so wie vorher, ließ mich nicht zu Wort kommen („ich habe nicht mit Herrn Matjes gedroht!“ konnte ich immerhin anbringen), während Herr V. schwieg (er hat währenddessen tatsächlich kein einziges Wort gesagt). Ich sagte dann zu Herrn J. „sehen Sie?“, der mich mit den Worten „kommen Sie mal mit“ ein paar Meter zur Seite zog. „Was soll ich machen?“, meinte er und zuckte mit den Schultern. Herr P. hatte ja irgendwie bestätigt, was gelaufen war. Wir unterhielten uns noch über ein paar Dinge und Herr J. konnte auch nachvollziehen, daß ich es für richtig hielt, anstatt eine Online-Anzeige zu machen oder die Dienststelle aufzusuchen, bei den 10 Meter entfernten Beamten, zudem am „Aktionstag“, vorstellig zu werden. Das wäre naheliegend. Damit war die Sache dann auch erledigt. Ich hoffe, daß Menschen wie Herr J. und vielleicht auch Herr V., ihre Kollegen ein wenig sensibilisieren, was „Dein Freund und Helfer“ (das meine ich ernst!) in der Praxis angeht. Kleine Anekdote am Rande: heute morgen, grad als ich diesen Artikel angefangen habe, zu schreiben, klingelte es und vor meiner Haustür stand ein sehr freundicher (Fahrrad)Polizist. Ich hatte vor einiger Zeit in meiner Straße (eine Einbahnstraße, die immer mehr von Kfz zügig in die falsche Richtung befahren wird) beobachtet, wie ein Kfz gegen die Fahrtrichtung meine Nachbarin und ihren 5jährigen Sohn gefährdete und die Polizei generell über die Situation informiert. Der Polizist wollte sich das mal vor Ort erläutern lassen und hatte auch offene Ohren für andere Probleme in diesem Viertel und versprach sehr glaubwürdig, daß er das beobachten und sich sehr gerne kümmen wird – es geht also auch anders. Ganz anders.

In Ehrenfeld wurde gestern also tatsächlich kontrolliert und zwar ganz gewaltig. Es waren, wie erwähnt, einige Radaktive vor Ort, u.a. auch Vertreter von ADFC und VCD. die Beobachtungen angestellt und sich informiert haben. Was deutlich mißfällt: während die Präsenz am „Aktionstag“ hauptsächlich genutzt wurde, um Radfahrer zu kontrollieren und zu sanktionieren, macht es den Eindruck, als wären die Verkehrsteilnehmer mit dem wesentlich größeren Gefährdungspotential weitestgehend ungeschoren davongekommen. Und manch einer empfindet es halt als Willkür, wenn am Tag des schnellen Straßentodes ausgerechnet fehlende Reflektoren am Rennrad oder Klemmlichter (um 12:00 Uhr) moniert und (freudig!) sanktioniert werden, während direkt daneben (!) Kfz auf dem „Radweg“ parkend geduldet und waghalsige Überholmanöver ignoriert werden. Man hätte sicherlich auch abgelaufene Pflaster im Verbandkasten sanktionieren können – das verhindert den Straßentod im gleichen Sinne. Oder halt nicht. Ich bin mir sicher, vom ADFC wird diesbezüglich noch eine Stellungnahme erfolgen, vermutlich im ADFC-Blog, und ich hoffe dabei auf Schärfe.

Wie oben erwähnt, habe ich gestern noch eine Nachfrage an die Pressestelle der Polizei Köln gestellt, mit Bitte um Stellungnahme:

  • Bei wievielen Radfahrern wurden Rotlichtverstöße festgestellt?
  • Bei wievielen Radfahrern wurde verbotswidriges Fahren auf dem Gehweg festgestellt?
  • Wieviele Überholvorgänge von Kraftfahrern gegenüber Radfahrern ohne den nötigen Sicherheitsabstand wurden geahndet?

Eine Antwort habe ich noch nicht bekommen, diese reiche ich nach, sobald ich sie erhalte. Wenn ich sie denn erhalte.

Ganz ohne Sarkasmus, Köln hat den „Europäischen Tag ohne Straßentod“ leider nicht bewältigen können. Eine junge Frau ist gestern ums Leben gekommen.

Und abschließend möchte ich als Fazit ziehen, daß der „Aktionstag“ durchaus etwas humoriges hatte. Nicht nur, daß es schon irgendwie lustig ist (wenn auch in einer Art von Galgenhumor), wenn man wieder bestätigt wird, daß der Großteil der „Experten“ in Wirklichkeit Amateure sind. Für mich, als gebürtigen Nordeutschen, also genau genommen „Fischkopp“, hat der Satz „er hat mit Herrn Matjes gedroht!„wirklich ewas Großartiges! Made my day! Und wenn ein Polizist, Dich zum Lachen bringt, dann ist der Tag doch irgendwie gerettet! Werde ich dem Polizeipräsidenten Herrn Mathies vielleicht auch erzählen, sollte ich ihn mal treffen ;-).

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Der Europäische Tag ohne Straßentod …

21. September 2016 · 12 Kommentare

Heute, am 21.9.2016, ist der „europäische Tag ohne Straßentod“ und wie es in den sozialen Netzwerken bereits alle Vöglein zwitschern, macht die Kölner Polizei das, was sie am besten kann, um Fahrradfahrer zu schützen, nämlich: Fahrradfahrer kontrollieren! Die bringen sich schließlich üblicherweise selbst um!

In der Pressemitteilung liest sich das so: „Fahrradfahrer haben wie Fußgänger ein deutlich höheres Risiko, bei einem Unfall schwere Folgen davon zu tragen. Deshalb wird an diesem Tag im Stadtbezirk Ehrenfeld der Fokus besonders auf die Sicherheit im Fahrradverkehr gelegt.“

Ich glaube, das gucke ich mir jetzt mal an.

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Essen auf Rädern!

16. August 2016 · 9 Kommentare

Dachten wir vor einem guten Jahr, unsere Kölner Polizei wäre unwissend und Recht beugend, als sie Radfahrer kriminalisierte und durch unverantwortliche Manöver gefährdete, sowie die Persönlichkeitsrechte hunderter Bürger ignorierte und verletzte, mussten unsere Freunde von der Critical Mass Essen letzten Freitag ähnliches, in noch lächerlicherem Ausmaße erleben:

„WAZ“: „Essener Polizei stoppt Massen-Radtour mit 200 Radlern

„WAZ“: „Polizei will weitere unangemeldete Groß-Radtouren verhindern

„WAZ“: „Critical Mass – Demonstration oder Schwarmradeln?

„WDR“: „Radtour in Essen eskaliert

„WDR 5“: „Westblick vom 15.8.2016“ (audio)

Für die ganz hartgesottenen, hier die offizielle Pressemitteilung der Essener Polizei. Aber, VORSICHT! Während des Lesens nicht essen oder trinken und die Kaffeetasse von der Tastatur fernhalten!
POL-E: Essen: Radfahrer blockierten Verkehr und beschäftigten zahlreiche Polizisten

Augenzeugen berichten übrigens, daß -obwohl Polizeisprecher Peter Elke meint, „Uns haben viele erboste Anrufe von Autofahrern erreicht“- daß die Beamten ab kurz nach der Abfahrt anwesend waren – da haben die „erbosten Autofahrer“ ja wirklich rechtzeitig angerufen!

Wie (friedlich) die Essener CM so abläuft, hatte die WAZ schon vor einem jahr berichtet:
„WAZ“: „Wie Fahrradfahrer sich ihr Recht auf der Straße erkämpfen

Die Essener Polizei schreit also förmlich danach, daß *viele* Radfahrer auf Essener Straßen unterwegs sind und sie „beschäftigen“ – eine sehr gute Gelegenheit dafür ist die dortige Critical Mass Tour am 9. September, 19:00 Uhr ab dem Willy-Brandt-Platz.

Von Köln aus kommt man sehr gut (ca. eine Stunde Fahrtzeit) mit der Deutschen Bahn per Regional Express oder S-Bahn Linie 6 nach Essen und natürlich auch wieder zurück. Für bis zu 5 Personen gibt es hierfür sogar einen Gruppentarif (Fahrradtageskarte aber nicht vergessen!).

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Bitte belästigen Sie uns nicht weiter!

14. Juli 2016 · 12 Kommentare

Wurde früher, d.h. noch vor ein paar Jahren, über quasi alle Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern auf velo2010.de (das „Bündnis für sicheren Radverkehr“ unter Führung der Polizei – mittlerweile eingestellt) berichtet, ist es derzeit nicht so einfach, sich einen Überblick über Unfälle und Gefahrenstellen zu verschaffen. Lediglich schwere Unfälle schaffen es in die Pressemitteilungen der Polizei Köln, oft genug nicht ohne Hinweis auf einen fehlenden Helm, Licht oder anderes suggestives Victimblaming. In journalistischer Tätigkeit für einen Radverkehrsblog ist der Blick in diese Pressemitteilungen von Zeit zu Zeit also durchaus sinnvoll. Und wie das so ist, mit Pressemitteilungen, gibt es eine Kontaktmöglichkeit, falls man Rückfragen hat.

In der letzten Woche, am Mittwoch, den 6. Juli 2016, gab es zwei schwere Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern, die in dieser Pressemitteilung Erwähnung fanden. Meine Aufmerksamkeit richtete sich auf den zweiten Unfall, der sich an der Kreuzung Ebertplatz/Turiner Straße ereignete. Im Pressetext heißt es:

Am Ebertplatz in der Innenstadt kam es um 21.15 Uhr zu einem weiteren Unfall mit Radfahrerbeteiligung. Hier bog ein Senior (65) mit seinem Pkw vom Ebertplatz in die Turiner Straße in Fahrtrichtung Hauptbahnhof ab. Zeitgleich beabsichtigte eine zunächst parallel fahrende 29-jährige Radlerin, die Turiner Straße auf dem Radweg zu queren. Sie konnte nicht mehr rechtzeitig abbremsen und stürzte, ohne dass es zur Kollision gekommen war.

Ein klassischer Rechtsabbiegerunfall also, soweit so gut. Allerdings: ich kenne diese Ecke sehr gut, sie war mir schon seit jeher ein Dorn im Auge, denn der (benutzungspflichtige) „Radweg“ wird ein paar Meter vor der Kreuzung (an der viele Kfz nach rechts abbiegen) weit nach rechts, am Eingang zur U-Bahn vorbei, aus dem Sichtfeld der Kraftfahrer verschwenkt, weswegen ich ihn selbstverständlich auch nie benutze. Was Lieschen Müller aber leider meist trotzdem tut – ist ja angeordnet, muss ja sicher sein.

Hier die Szene bei Google Streetview, wo die Radfahrerin aus dem Sichtbereich geführt wurde –absichtlich, möchte man sagen- was dann nach ein paar Metern an der Kreuzung schlicht zur Todesfalle wird. Ich selbst habe diversen Verantwortlichen bei der Stadt Köln diesen Umstand in den vergangenenen Jahren bereits mehrfach aufgezeigt, „natürlich“, wie in den meisten Fällen, ohne jede Reaktion – der MIV könnte ja behindert werden. Was ich bis dahin allerdings noch nicht wußte: es gibt sogar einen Beschluß der Bezirksvertretung (BV), also des Lokalparlaments, vom März 2014, also von vor über 2 Jahren, der die Stadtverwaltung auffordert, den Radverkehr hier (per Schutzstreifen)  über die Fahrbahn zu führen. Zu finden ist das hier, es wurde einstimmig beschlossen: „Die Verwaltung wird beauftragt, im Rahmen der Ummarkierungen am Ebertplatz/Turiner Str. einen Schutzstreifen für den Radverkehr auf der Fahrbahn vorzusehen und den Radverkehr auf der Fahrbahn zu führen.“ Den GRÜNEN in der Bezirksvertretung nach „weigert sich die zuständige Abteilung in der Verwaltung, diesen Beschluss umzusetzen„.

„Was hat die Polizei damit zu tun?“ mag man sich fragen. Durchaus einiges, denn gemäß Verwaltungsverordnung zur Straßenverkehrsordnung (VwV-StVO) ist jeder Polizist „bei jeder sich bietenden Gelegenheit“ verpflichtet, eine Radverkehrsanlage auf Zweckmäßigkeit und Zustand hin zu überwachen. Im Wortlaut liest sich das in der VwV-StVO zu §2 so:

Die Straßenverkehrsbehörde, die Straßenbaubehörde sowie die Polizei sind gehalten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Radverkehrsanlagen auf ihre Zweckmäßigkeit hin zu prüfen und den Zustand der Sonderwege zu überwachen. Erforderlichenfalls sind von der Straßenverkehrsbehörde sowie der Polizei bauliche Maßnahmen bei der Straßenbaubehörde anzuregen.

Heißt auf deutsch: „die Polizei teilt der Stadtverwaltung mit, wenn ihr unzweckmäßige oder in schlechtem Zustand befindliche Radwege auffallen und regt bauliche Maßnahmen an“. Ich glaube kaum, daß ich falsch liege, wenn ich vermute, daß der „Radweg“, an dem die Frau verunfallte, alleine durch seine Führung (die wider jegliche Verordnungen und Regelwerke ist) als „unzweckmäßig“ bezeichne. Wer sich mit Straßenverkehr und besonders Radverkehr in Köln beschäftigt, mag jedoch kaum glauben, daß die Polizei auf diese Unzweckmäßigkeiten hinweist oder anders tätig wird. Deswegen habe ich im Frühjahr 2015, beim „Fahrradaktionstag“ der Polizei und der Stadt Köln auf dem Neumarkt mal nachgefragt, ob solche Verkehrsschauen tatsächlich stattfinden und der Polizeipräsident a.D., Wolfgang Albers, sprach mir und den anderen Journalisten ins Mikrofon: „Selbstverständlich!“, das wäre die „tägliche Arbeit“ der Beamten! Na dann!

Wenn das also zur „täglichen Arbeit“ der Beamten gehört, dann wird die Aufnahme eines Unfalls mit einer schwer verletzten Radfahrerin, mit Sicherheit zu „jeder sich bietenden Gelegenheit die Radverkehrsanlagen auf ihre Zweckmäßigkeit hin zu prüfen“ gehören. In diesem Sinne habe ich -wie in der Pressemitteilung ja auch angeboten wird- am 13. Juli 2016 eine Rückfrage gestellt, wie ich es in der Vergangenheit schon ein paar mal zu ähnlichen Unfällen gemacht habe:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe eine Frage zum in der PM unter

http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/12415/3372780 beschriebenen Unfall zwischen einem rechtsabbiegenden Kraftfahrer und einer auf dem dortigen „Radweg“ geradeausfahrenden Radfahrerin, vom 6.7.2016 am Ebertplatz, Kreuzung Turiner Straße:

Haben die den Unfall aufnehmenden Beamten, die sich bei dieser Situation bietende Gelegenheit genutzt, den „Radweg“ gemäß VwV-StVO zu §2 und 45.9 zu überprüfen, wie es ihre Pflicht und „tägliche Arbeit“ (PP a.D Albers am letztjägrigen „Fahrradaktionstag“ gegenüber Pressevertretern) ist?

Was ist das Ergebnis dieser Untersuchung?

Wurde insbesondere die Stadtverwaltung über Verkehrsführungen, die ERA2010, der StVO, der VwVO-StVO oder anderen Regelwerken widersprechen, informiert? Was waren hierbei die Empfehlungen an die Stadtverwaltung?

Ich bitte freundlichst um Mitteilung.

Mit freundlichen Grüßen,

Marco Laufenberg

Obwohl die Polizei (im Gegensatz zur Stadtverwaltung oder gar dem „Fahrradbeauftragten“) üblicherweise tatsächlich antwortet, gabe es zu ähnlichen Rückfragen (ich habe 3-4 gestellt) entweder keine konkrete Antwort, Ausflüchte oder in einem Fall überhaupt keine Antwort, dafür aber wurde aber nach meiner Rückfrage die Benutzungspflicht eines „Radweges“ (an der Maybachstraße, Nähe Mediapark) plötzlich, still und heimlich aufgehoben. Ganz ohne daß der „Fahrradbeauftragte“ eine Pressemitteilung herausgegeben oder ein selbst gebautes Verkehrsschild eingeweiht hätte.

Zum aktuellen Fall kam die Antwort von Markus Hoppe aus der Direktion Verkehr der Polizei Köln, Führungsstelle / FüSt 4 wirklich sehr schnell, nämlich heute morgen und fand deutliche Worte:

Sehr geehrter Herr Laufenberg,

Ihre wiederholten Anfragen zur Radwegführung an einer bestimmten Örtlichkeit und dem Zustand des Radwegenetzes in Köln an sich, sind der Straßenverkehrsbehörde bekannt.

Ich bitte Sie, Fragen diesbezüglich in Zukunft an die Straßenverkehrsbehörde zu richten.

Nun ja, wenn mir jemand so deutlich sagt, „Sie gehen uns gewaltig auf den Sack!„, dann scheine ich wohl in ein Wespennest gestochen zu haben und irgendetwas richtig zu machen. Ich kann anderen Bürgern nur raten, dann und wann mal bei ihrem Freund und Helfer nachzufragen, ob er seinen Pflichten nachkommt. Das geht einfach, günstig und schnell per e-Mail.

Das Motto der Polizei in Köln und NRW lautet übrigens:
professionell – bürgerorientiert – rechtsstaatlich

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Ein viertelstündiger Verkehrsversuch!

19. April 2016 · 51 Kommentare

Hier kurz was aus der Abteilung „Dat jitt et nur in Kölle!„:

An der Zülpicher Straße, also in Uninähe, hat man nach langem Heckmeck einen „Verkehrsversuch“ gestartet, und einen Abschnitt für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt, damit soll sich „für Fußgänger und Radfahrer“ dort „die Situation verbessern“.

Im Artikel auf Köln-Nachrichten.de sieht man auf einem Foto, wie Tünnes un Schäl Harzendorf und Hupke (Amtsleiter und Bezirksbürgermeister) die Sperrung feierlich errichten. Sogar Lollies kommen weg: „Wie die Leiterin der Planungsabteilung im Verkehrsamt, Angela Stolte-Neumann, bestätigte, wird die bestehende Radwegenutzungspflicht (blaues Verkehrsschild) für den Verkehr in Richtung Universitätsstraße aufgehoben.“ Damit drückt Frau Stolte-Neumann aus, wann ihrer Meinung nach keine qualifizierte Gefahrenlage (vgl. §45.9 StVO) für Radfahrer im Straßenverkehr besteht: wenn keine Kraftfahrzeuge mehr fahren! (Die Straße ist für diese ja gesperrt). Kosten insgesamt: rund 10.000 Euro, hauptsächlich für Schilder und Hinweistafeln.

Hieß es ursprünglich, dass die Stadtverwaltung „im Mai“ dann wissen will, „wie die Autofahrer mit den geänderten Verkehrsbedingungen umgehen„, kam man allerdings doch früher zu einem ersten Ergebnis: Die Sperrung wurde bereits nach 15 Minuten teilweise wieder aufgehoben!

Augenzeugen zufolge wurden die Poller Richtung Innenstadt wenige Minuten nach dem Errichten auf Anweisung von Amtsleiter Harzendorf bereits wieder abgebaut. Grund hierfür wäre das  Chaos auf der Wilhelm-Waldeyer-Str. (einzige Möglichkeit, umzukehren). Binnen kurzer Zeit hatte sich ein LKW festgefahren. Und das trotz Schildern für 10.000 Euro! Was macht man, wenn der MIV zu dämlich für Verkehrsregeln überfordert ist? Richtig, man vereinfacht es für ihn! Derzeitiger Stand ist also: Schilder hängen, aber die Poller sind weg. Freie Fahrt!

Selbstverständlich ist es auch nicht möglich, Ordnungshüter einzusetzen, um die Beachtung der Beschilderung zu kontrollieren oder gar zu sanktionieren – die sind alle damit beschäftigt, Radfahrer abzuzocken zu maßregeln, die irgendwas falsch machen.

Die Kölner Presse war scheinbar bereits nach 10 Minuten wieder weg, zumindest wird online über die Sperrung, aber nicht mehr über die derzeitige Aufhebung berichtet:

Kölner Express
Köln.de
Info bei der Stadt Köln
WDR
Kölner Stadtanzeiger

Ich freue mich schon auf den nächsten Kölner Verkehrsversuch: „Konsequente Umsetzung der StVO in der Fassung vom 1.10.1998„, ansonsten spare ich mir sarkastische Kommentare und möchte nur noch anmerken: „dreimol Kölle Alaaf!!!

[Nachtrag 20. April 2016:]
Mittlerweile berichtet die Kölner Presse auch kritisch über die Aufhebung der Sperrung, der Kölner Express schreibt dabei offen von „Flop!“

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Umleitung auf Radstreifen in den Gegenverkehr

18. März 2016 · 37 Kommentare

Gestern fuhr ich meinen Vater in Düren besuchen und nutzte dazu -wie immer- die Äußere Kanalstraße und dann in der Verlängerung den Maarweg, um Richtung Deckstein zu gelangen und Köln dann über die Felder in Richtung Westen zu verlassen.

Üblicherweise nutze ich an der Äußeren Kanalstraße und später am Maarweg ausschließlich die Fahrbahn, denn entweder bestehen auf der Strecke keine Benutzungspflichten, sind die Radwege in verheerendem Zustand oder aber (mit Duldung des Ordnungs- und Verkehrsdienstes der Stadt Köln) zugeparkt, also in jedem Fall nicht zu benutzen. Oder alles zusammen.

An der Kreuzung mit der Vogelsanger Straße (hier besteht keine RWBP) bemerkte ich aus den Augenwinkeln linksseitig ein VZ240 (gemeinsamer Geh- und Radweg) mit Doppelpfeil (d.h. in beide Fahrtrichtungen angeordnet), was ich selbstverständlich ignorierte, da ich den Weg gar nicht mehr erreichen konnte und es zudem für ein „Versehen“ hielt (so etwas passiert in Köln. Und zwar oft). Der Geh- und der „andere Radweg“ rechts waren abgesperrt. Es geht dann leicht bergab, so daß auch ungeübte Radfahrer sehr schnell eine recht hohe Geschwindigkeit aufnehmen können, in eine Unterführung unter die dortigen Bahngleise hindurch. Weiterhin auf der Fahrbahn bemerkte ich links ein weiteres VZ240 (mit Doppelpfeil) und zwei Radfahrer, die in der Unterführung linksseitig auf dem dortigen Radstreifen gegen die Fahrtrichtung fuhren! Nun ja, Idioten Ignoranten auf „Schutzstreifen“ gegen die Fahrtrichtung sehe ich tatsächlich dann und wann mal, aber … das hier war also tatsächlich so angeordnet!

Fahren Sie in den Gegenverkehr!

Fahren Sie in den Gegenverkehr!

Angeordneter Selbstmord

Angeordneter Selbstmord

 

Einigermaßen schockiert ob dieses Diletantismus meiner Straßenverkehrsbehörde schickte ich die beiden obigen Fotos an selbige und an den „Fahrradbeauftragten“, mit folgendem Text versehen (ja, ich war erzürnt):

Mich wundert eigentlich nichts mehr, deswegen nur ganz kurz nachgefragt: Sie schicken Fahrradfahrer wirklich ernsthaft gegen den Verkehr auf solch einen Streifen? Ich meine: ERNSTHAFT?

Der Fahrradbeauftragte antwortet auf solche Eingaben generell nicht, das weiß ich natürlich und das wird auch immer und immer wieder von radfahrenden Bürgern berichtet. Aber immerhin: aus dem Amt für Straßen und Verkehrstechnik bekam ich direkt heute früh eine Antwort von Frau Foxius. Sie teilt mir mit, daß „im Rahmen der Baumaßnahme der Stadtentwässerungsbetriebe auf dem Maarweg“ […] „der Fahrradfahrer in Fahrtrichtung Widdersdorfer Str. in einem Teilstück auf der gegenüberliegenden Seite geführt werden“ muss. Und dann: „Zur Verdeutlichung wird der Weg kurzfristig mit Hilfe von Baken von der Fahrbahn abgegrenzt werden.

Der Fahrradfahrer MUSS also links auf den Gehweg geführt werden, obwohl er dort sonst (sicher) rechts, in Fahrtrichtung, auf der Fahrbahn fährt!? Interessant! Und eine „Abgrenzung mit Baken“ …. ist laut RSA95 gar nicht erlaubt. Das könnte eine Straßenverkehrsbehörde wissen. Ich traute mich, nochmal zu antworten:

Dass Baken laut RSA95 auf RVAen nichts zu suchen haben, wissen Sie aber vermutlich, oder?

Dass der „Radweg“ in Gegenrichtung gar nicht benutzungspflichtig ist, Sie nun aber eine linksseitige Benutzungspflicht anordnen, wissen Sie auch?

Dass linksseitige Geh- und Radwege innerorts nicht angeordnet werden sollen, ist Ihnen bekannt?

Dass zudem die mangelnde Breite dieses Weges eine solche Verkehrsführung gar nicht hergibt, ist Ihnen bekannt?

Die Broschüre zur Baustellenabsicherung von Geh- und Radwegen des Verkehrsministeriums (liegt m.W. beim „Fahrradbeauftragten“ aus) haben Sie gelesen?

Warum leiten Sie den Radverkehr also nicht über die Fahrbahn, wie es eigentlich üblich sein sollte?

In diesem Zuge kann ich Ihnen dann auch mitteilen, daß die „Radwege“ im weiteren Verlauf des Maarwegs sowieso nicht benutzbar sind, da sie täglich (=permanent = IMMER) beparkt sind. Dies wird vom Ordnungs- und Verkehrsdienst der Stadt Köln geduldet.

Ich bin mir sicher, das alles wird der Stadtverwaltung völlig egal sein, man wird da irgendetwas hinbasteln, was entweder nicht sinnvoll zu befahren ist oder aber eine erhebliche Gefährdung darstellt. Regelkonform ist es zudem in keinem Fall. Und das Schlimme daran ist: man weiß es einfach nicht besser! Oder aber: man will es nicht besser wissen!

Frau Foxius gehört der gleichen Verwaltung an, die derzeit das „Radverkehrskonzept Innenstadt“ erarbeitet.
Die Stadt Köln ist (tatsächlich!) Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW!“ (AGFS-NRW)

Das Fahrrad als (gleichberechtigtes) Verkehrsmittel – in Köln immer noch ein Buch mit sieben Siegeln!

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Autogerechte Stadt Köln

24. Februar 2016 · 11 Kommentare

Dass Köln, schon alleine von der Infrastruktur her, eine „autogerechte Stadt“ ist, bzw. als solche angelegt und auch noch nie (und wohl auch nicht in naher Zukunft) umstrukturiert wurde, dürfte jedem, der hier als Radfahrer oder Fußgänger unterwegs ist, klar sein.

Dass dieser Umstand dann noch dadurch verschärft wird, daß der wenige Platz, den die Stadt den nicht autofahrenden übrig läßt, sich trotzdem von Kraftfahrzeugen genommen wird und das von den Behörden kaum geahndet, sondern mindestens toleriert wird, belegt eindrucksvoll der Tumblr-Blog Autogerechte Stadt), auf der User wohl nur die Spitze des Eisberges, teilweise pointiert, dokumentieren. Ein Projekt zum mitmachen, definitiv!

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Rheinboulevard und Rheinenergie und … ein großes Loch

17. Februar 2016 · 12 Kommentare

Kaum ist der Karneval vorbei, kann Köln wieder das machen, was es am besten kann: sich blamieren!

Heute fuhr ich von Köln-Mülheim aus, da wohne ich, den Auenweg entlang in Richtung Deutz. Am Auenweg wurde vor gar nicht langer Zeit, nämlich vor nicht einmal 1,5 Jahren, für viel Geld (1,82 Mio. Euro) der „Rheinboulevard Köln Mülheim“ fertiggestellt. Inclusive eines Geh- und Radweges in einer „Grünanlage“, der -vom Mülheimer Hafen aus- kurz vor der Zoobrücke im nichts (nämlich in einer Kurve vor einem Amüsierbetrieb, für Kraftfahrer unangekündigt, auf der Fahrbahn) endet. Das Geld brachte -selbstverständlich- nicht die Stadt Köln alleine auf, sondern sie ergaunerte bekam es, bis auf 20%, aus einem EU-Fonds, das Projekt nannte sich „Mülheim 2020„. Ich berichtete darüber. Schick gemacht das alles und es wurde sogar feierlich eröffnet. „Am 16. September 2014 eröffnete [der damalige] Oberbürgermeister Jürgen Roters gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs und Dr. Joachim Bauer die neue Grünanlage“, kann man hier nachlesen. Oder auch hier im Kölner Stadtanzeiger. Die Stadt Köln feiert sich natürlich auch noch.

Nun ja. „Ist doch toll! Was hat er denn jetzt zu meckern?“ Ach, so viel habe ich gar nicht zu meckern, ehrlich gesagt ist mir dieser Weg ziemlich egal (bis auf, daß man mit dem Geld wohl sinnvolleres hätte anstellen können), ich benutze dort mit dem Fahrrad eh die (sichere) Fahrbahn. Ich wundere mich nur, denn als ich dort heute entlang fuhr, sah ich aus den Augenwinkeln ein großes … Loch.

Der neue Radweg!

Der neue Radweg!

 

„Ein wenig komisch“, dachte ich mir. Nachdem man hier aufwendig Privatmenschen Land abgekauft hat (bzw., sie dazu gedrängt hat, es zu verkaufen – wenn ich mich recht erinnere, waren einige da gar nicht so begeistert) und mit großem Trara „etwas für Radfahrer“ gemacht hat, wird der Weg, der gefühlt erst kurze Zeit überhaupt existiert, wieder aufgebuddelt?

Hier baut die Rheinenergie!

Hier baut die Rheinenergie!

 

Ah, da steht es ja: „Hier baut die Rheinenergie eine Fernwärmeleitung. Bauzeit: März 2016 bis voraussichtlich Dezember 2016“. Na, dann hat der schöne (teure) Rheinboulevard ja immerhin 17 Monate lang eine Verbindung geschaffen.

 

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