Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

Mit dem Fahrrad in und um Köln header image 2

Meine Kündigung der ADFC Mitgliedschaft

Juni 28th, 2017 · 7 Kommentare

Kurz und knapp, ich hatte es im letzten Herbst angekündigt und nun wird es vollzogen. #nichtmeinverein

 

cc: ADFC Köln zur Kenntnisnahme

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mitgliedsnummer: 22572300 Landes-/Kreisverband: 64-090

Hiermit kündige ich mit sofortiger Wirkung meine Mitgliedschaft im ADFC.

Ich entziehe Ihnen hiermit, mit sofortiger Wirkung, die von mir erteilte Einzugsermächtigung für mein Konto bei der Sparkasse Köln-Bonn.

Ich stehe außerdem, wie bereits mitgeteilt, dem Ortsverband Köln nicht weiter als Tourenleiter zur Verfügung und bitte darum, falls noch nicht geschehen, alle von mir angebotenen Touren aus dem Programm zu nehmen.

Die von mir erteilte Genehmigung, ohne weitere Nachfrage von mir angefertigte Fotografien, aus meinem Weblog, sozialen Netzwerken, oder ähnlichem zu benutzen, widerrufe ich hiermit.

Zur Begründung der Kündigung meiner Mitgliedschaft, möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich mich vom ADFC nicht mehr vertreten fühle. Insbesondere die Mitwirkung des ADFC an der letzten Novelle der Straßenverkehrsordnung kann ich nicht durch meinen Mitgliedsbeitrag unterstützen.

Ich nutze das Fahrrad als tägliches und hauptsächliches Verkehrsmittel und sehe insbesondere die Vereinfachung für Stadtverwaltungen, Radstreifen innerorts auch ohne qualifizierte Gefahrenlage anzulegen (die in meiner Stadt ausschließlich in Mindestbreite, wenn überhaupt, bemessen werden), so wie die Vereinfachung für Verwaltungen, Radwege außerorts als benutzungspflichtig zu deklarieren, als Bärendienst für Menschen, die das Fahrrad als tägliches Verkehrsmittel und nicht nur für Strecken zwischen 3-8 km benutzen.

Da ich annehme, dass Sie meine Ausführungen im Detail nicht sonderlich interessieren, reiße ich diese nur kurz an:

Separation innerorts sorgt ausschließlich für Verdrängung des Radverkehrs auf schmale Wege, beziehungsweise für Spurdenken der Kraftfahrer, die zum Beispiel auf Schutzstreifen und Radstreifen mit geringem Abstand überholen.

Separation außerorts, insbesondere, wenn Radwege in Gegenrichtung geführt werden, sorgt unter anderem dafür, dass ich als Radfahrer,  besonders in der nassen und kalten Jahreszeit, geblendet werde. Anekdote am Rande: ich schreibe Ihnen diese Zeilen mit einem gebrochenen Unterarm, da ich vor einer Woche einen Unfall durch genau solch eine Situation -einen Kraftfahrer, der mich (auf dem Radweg) mit Fernlicht blendete, worauf ich im „Blindflug“ stürzte- erlitt.

Ich halte den ADFC, aufgrund der Mitarbeit an der Änderung der Gesetzeslage und dem Feiern  der Novelle als „Erfolg“ per Pressemitteilung (http://www.adfc.de/presse/pressemitteilungen/stvo-novelle-bringt-verbesserungen-fuer-radverkehr) nicht für befähigt, Radverkehr als gleichberechtigte Alternative zum Kraftfahrzeug zu vertreten. Ich sehe den ADFC eher als touristische Vereinigung, was ich generell vollkommen in Ordnung finde, ihn aber in meinen Augen nicht befähigt, verkehrspolitische Entscheidungen mitzutragen. Dies möchte ich also in keinem Falle weiter unterstützen.

Sollten Sie auf meine Ausführungen antworten oder in eine detailliertere Diskussion einsteigen wollen, dann sehen Sie dieses Schreiben bitte als offenen Brief, den ich entsprechend in meinem Weblog behandeln werde.

Mit freundlichen Grüßen,

Marco Laufenberg

P.S.: weil es gefragt werden wird, bzw. schon gefragt wurde: dieses Schreiben darf gerne als Vorlage zur Kündigung der ADFC-Mitgliedschaft genutzt werde. Die richtige e-Mail-Adrese ist: mitglieder@adfc.de

Share Button

Tags: ADFC · Allgemein

7 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Markus // Jun 29, 2017 at 09:48

    gebrochener Unterarm – na dann gute Besserung!

    Ich als weiteres Mitglied des ADFCs kann ich deine Haltung nachvollziehen und teile sie nur bedingt.

    Sicherlich ist das, was in dieser Novelle vereinbart wurde, in großen Teilen ein Kompromiss. Einige Punkte sind sicherlich weiter optimierungsfähig, aber tendenziell bietet diese Novelle in Bereichen auch Fortschritte.
    In der heutigen Welt klappt vieles direkt beim ersten Mal. Dinge entstehen iterativ. So auch die Berechtigungen für Radfahrer.
    Es gibt immer noch einfach zu viele Leute, die rein mit dem Auto unterwegs sind und Fahrradfahrer und Fahrräder als störend empfingen. Und das muss sich bessern. Es passiert, aber eben eher mit langsamer Geschwindigkeit…

    VG

    Markus

  • 2 Wilko // Jun 29, 2017 at 09:49

    gute Besserung für den Arm!

  • 3 Peter Zapp // Jun 30, 2017 at 09:16

    Eigentlich sind Radfahrstreifen eine gute Idee.

    Aber nur selten opfern die Verkehrsplaner dafür einen ganzen Fahr- oder Parkstreifen für den Autoverkehr. Sie verlegen die Parkstreifen teilweise auf den Gehweg. Sie machen die Fahrstreifen für den Autoverkehr schmaler. Sie zwängen einen Radfahrstreifen minimaler Breite in den so geschaffenen Raum. LKW, Linienbusse, Lieferwagen, SUV, selbst normalbreite PKW kommen kaum aneinander oder an den Radfahrern vorbei, ohne die Sicherheitsabstände zu unterschreiten.

    Eigentlich erlauben die Verkehrsschilder, Parscheinautomaten, Straßenlaternen und Drängelgitter am Gehwegrand kein durchgängiges Parken. Aber die Autofahrer tun es doch, parken dann eben halb auf dem Radfahrstreifen.

    Die Radfahrer müssen immer wieder auf die Fahrbahn und die Autofahrer müssten immer wieder auf die Gegenfahrbahn ausweichen. Die Verkehrsströme sind also nicht wirklich getrennt. Es ist eigentlich nicht anders als vorher.

    Aber die Planer können behaupten, Haushaltsmittel für den Radverkehr ausgegeben und neue Streckenkilometer Radfahrstreifen geschaffen zu haben.

  • 4 Jupp // Jul 1, 2017 at 08:37

    Gute Besserung.
    Ich hatte auch schon öfter mit dem Gedanken gespielt, in den ADFC einzutreten.
    Dies ist ein weiteres Argument dagegen. Danke dafür.

  • 5 Hatto // Jul 2, 2017 at 23:27

    Bin (noch) nicht ADFC-Mitglied und schätze Dein Engagement für den Radverkehr sehr!

    Für mich scheint es aber zu einseitig, Separation so grundlegend abzulehnen. Da sehe ich die Gefahr, dass das Radfahren mitten im Autoverkehr immer eine Nische von einigen Mutigen bleibt.

    Die Niederlande haben Radfahren endemisch gemacht, und das liegt auch an einer (meist) gelungenen Weise der Separation. So bekamen auch zaghaftere Menschen Lust zum Radfahren, bis es schließlich eine Selbstverständlichkeit wurde. Der Radverkehr wird von Autofahrern geachtet, weil diese in anderen Momenten meist auch selbst Radfahrer sind.

    Separation ja oder nein – das ist eine Frage unterschiedlicher Bedürfnisse (mutige, schnelle Fahrer gegen noch unsichere Anfänger oder Senioren) und auch unterschiedlicher Straßenarten (Hauptverkehrsstraße gegen Stichstraßen in Wohnvierteln).

    Natürlich kann man Separation auch schlecht machen (Köln bietet da viele Beispiele!). Dass der ADFC daran mitarbeitet, es besser zu machen, ist sinnvoll; denn ein schmollender Rückzug, weil ein Kompromiss das Ideal noch nicht erreicht, wäre noch weniger hilfreich.

  • 6 Marco // Jul 3, 2017 at 08:09

    Das ist kein Kompromiss, sondern eine Regelung, die den Behörden hilft, ihre unnötigen und untermaßigen Konstrukte ohne Rechtfertigung errichten zu können. Ich bin auch noch nicht einmal per se gegen Separation, getreu dem Motto „ein guter Radweg braucht keine Benutzungspflicht“.

    Schmollen? Nein. Ich habe das mit dem Abstand von mehreren Monaten ohne Emotionmen wohlüberlegt und auch (mehrfach) diskutiert.

  • 7 Christian // Jul 4, 2017 at 15:38

    Na, erst einmal gute Besserung!
    Untersuchungen zur Sicherheit auf separaten Radwegen haben zuletzt für London gezeigt, das es keinen signifikanten Unterschied in der Sicherheit für Rad Fahrende gibt, ob sie einen seperaten Radweg nutzen oder die Fahrbahn mit dem MIV teilen.
    Für Deutschland liegen Untersuchungen zum gleichen Thema mit gleichen Ergebnisse vor.

    Wird eine längerfristige Anhebung des Fahrrades am Modal Split favorisiert, so ist die Nutzung der Fahrbahn für Fahrrad Fahrende obligatorisch. Die Fahrbahn ist der Teil der Straße, die am besten skalierbar Spitzen in der Nutzung aufnehmen kann. Nur die innerörtliche Fahrbahn bietet die Möglichkeit des Überholens sowie des direkten links Abbiegens. Durch relevante Größen (Citical Mass) wird das Fahrradfahren in der Masse sicherer, für Autorfahrer ist die Fahrt gleichwohl schneller und sicherer, da weniger MIV unterwegs sind.
    Ökologische und gesundheitliche Faktoren des Fahrradfahrens sind weiter bekannt und akzeptiert, haben aber mit Radwegen nichts zu tun.
    Es ist daher verwunderlich, das der ADFC genau gegenteiliges mit seiner Position vertritt: Leichterer Ausbau von Radwegen, von denen wir wissen, dass sie in den allermeisten Fällen nicht regelkonform und oft nach einigen Jahren gefährlich sind (wenn z.B. Baumwurzeln sich durchdrücken oder sie ganz allgemein als erweiterte Parkfläche genutzt werden).
    Es ist reiner Populismus des ADFC anzunehmen, dass durch eine vereinfachte Verordnung für das Bauen benutzungspflichter Radwege die Infrastruktur ausgebaut und von Rad Fahrenden angenommen werde.
    Leider hat der ADFC es versäumt sich konsequent für die Belange von Rad Fahrenden einzusetzten und ihre Position als Verkahrsteilnehmer auf der Fahrbahn zu stärken.
    Daher finde ich es von Marco vorbildlich, dem ADFC sein Misstrauen auszusprechen.

Hinterlasse ein Kommentar