Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

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Wir sind 1000 – 7 Jahre Critical Mass Köln!

Juli 1st, 2017 · 7 Kommentare

Für manche ist es wichtig, für andere (wie für den Verfasser dieser Zeilen) eher weniger: die regelmäßig gestellte Frage, „wieviel Radfahrer sind denn mitgefahren?„. Und damit verbunden seit einiger Zeit auch immer wieder die hoffnungsvolle Aussage, „vielleicht knacken wir ja dieses mal die 1000!?“ Ich erinnere mich noch sehr gut, als wir damals mit 20 Radlern losgefahren sind (und mit 30 zurück kamen) und wie es über die Monate immer ein wenig mehr (im Winter massiv weniger) wurden, bis es quantitativ dann nach rund zwei Jahren exponentiell nach oben ging, mit dem vorläufigen Höhepunkt in 2015 (in allen Belangen!). Mittlerweile ist die Critical Mass etabliert (quantitativ und qualitativ) und wirklich eine bedeutende Masse, Hort der Lebensfreude und für Ideen oder einfach nur schöner Fahrräder. Und auch regelmäßig ein Hotspot für die Presse – wo bekommt man sonst solche Bilder? Bestenfalls noch mit Weltkulturerbe im Hintergrund?

Ich selbst konnte gestern ganz entspannt sein, denn ich konnte/wollte/durfte wegen eines gebrochenen Arms nicht Rad fahren, wurde aber vom lieben Reinhold auf einem Lastenrad kutschiert (was meinem vom Sturz grün-blau-geprellten Hintern auch nicht grad gut getan hat) und genoß die 3stündige Fahrt im Schneidersitz aus ungewohnter Perspektive, in Kniehöhe. Pünktlich ging es los, links- und rechts- und wieder linksrheinisch. Viele Haupstraßen und auch ein paar kleinere Züge durch die Veedel, das Wetter hielt -bis auf einen Schauer in Kalk- und ein Höhepunkt war sicher die rote Ampel im Arenatunnel, als sich gaaaaanz viele Radler die Wartezeit mit rhythmischem Klatschen verkürzten. Aber, wieviele waren das denn eigentlich?

Nun denn, irgendjemand zählt immer und kurz nach dem gestrigen Start waren es an den Ringen noch rund 950 Radfahrer und etwas später, am Rheinufertunnel, wurden dann 1020 fröhliche Menschen auf Fahrrädern gesichtet.

Pünktlich zur Jubiläumsfahrt, 7 Jahre Critical Mass Köln, ist es also endlich passiert: wir haben die Eintausend geknackt!

Viel wichtiger (zumindest für den Verfasser dieser Zeilen) als die Quantität, ist allerdings die Qualität der Critical Mass: das (gefühlte) Minimalaufgebot der Polizei (vermutlich mussten die schon alle zu TdF/G20, etc.) zeigt hoffentlich: „wir brauchen weder begleitet, noch ‚beschützt‘ zu werden!„, das klappt bestens ohne Euch! Also, liebe WachtmeisterInnen, fahrt doch einfach mal unbewaffnet, privat und in zivil mit!

Ansonsten: massigst ‚High Fives‘ von zum größten Teil sehr entspannten Kraftfahrern, jede Menge Passanten, die -manche verschämt, andere ganz offen- tolle Motive für Fotos und Handyvideos vorfanden, KVB-Fahrer, die aus ihren Bussen ausstiegen und sich grinsend eine kleine Auszeit -Zigarette oder nicht- nahmen und uns anfeuerten – immerhin fuhren ja auch einige KVB-Leihräder mit 🙂
Anwohner, die erstaunt aus ihren Fenstern guckten, woher plötzlich diese 10minütige Ruhe in ihrer Straße kam, so ganz ohne den üblichen Lärm der Autos. Menschen aus Cafés, Kneipen und Biergärten, die oftmals geneigt waren, uns ‚einen auszugeben‘ – manchmal machen kleine Dinge eine Stadt so richtig lebenswert.

Danke an jeden Kraftfahrer und Fußgänger, der ein paar Minuten Wartezeit für eine friedliche Meute in Kauf genommen hat und sorry an die paar wenigen, die trotzdem gemeckert haben.

Am 28. Juli 2017 geht’s weiter, wie immer: 17:30 Uhr am Rudolfplatz.

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Tags: Critical Mass

7 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Critical Mass Köln – Juni 2017 – *Talradler // Jul 5, 2017 at 09:48

    […] Am vergangenem Freitag war ich mit der Kölner Critical Mass unterwegs durch die Dom-Stadt. Die sommerliche Geburtagsfahrt, anlässlich des 7. Jubiläums, zog über 1.000 Radfahrende an. Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier. […]

  • 2 Karl Kreidbaum // Jul 11, 2017 at 06:00

    Marco, ich wünsche Dir gute Besserung wegen dem gebrochenem Arm. Kannst Du aus dem Unfall Ansprüche gegenüber der anordnenden Behörde ableiten? Immerhin war es eine angeordnete Gefahr.
    Eine andere Idee zur Critical Mass: Wenn jeder Teilnehmer bereit wäre, nur 5€ pro Monat (und jemand es organisiert) für einen Spezialanwalt auszugeben, der systematisch gegen die Ursachen der Proteste klagt, dann kämen im Jahr mehr als 50.000€ zusammen, die sich bei erfolgreicher Klage gegen Benutzungspflichten auch kaum verbrauchen dürften. Das Übel wäre an der Wurzel gegriffen.

  • 3 Anja // Jul 18, 2017 at 23:25

    Critical Mass – von nun an täglich!
    Danke Marco für Deinen unermüdlichen Einsatz für eine Verbesseurng für die Radfahrer in Köln.
    Für mich ist jetzt das Maß voll: Egal, um welches Rad-Projekt es geht: Die Stadt Köln übertrifft sich in Ignoranz, Arroganz, Nichtstun und Hinhaltetaktik… besser man macht nochmal eine weitere Studie, Messung, Konferenz, Umfrage etc., damit man auch weiterhin einen Grund hat nicht zu handeln.

    Wie wäre es, wenn wir die Critical Mass einfach täglich im Berufsverkehr auf den Haupt-Radachsen Kölns etablieren würden? Also ein ständiges, über die sozialen Medien koordiniertes Sternradfahren aus den Veedeln zum Hauptbahnhof, zur Uni, über die Ringe mit feststehenden Abfahrtszeiten und Treffpunkten: Dann könnte man im Pulk (ab wieviel Radlers ist das legal?) die Straße nutzen.

    Wenn wir so über einen längeren Zeitraum die Radfahrer-Interessen sichtbar vertreten (und den Autoverkehr medienwirksam lahmlegen), haben wir Aufmerksamkeit und Macht… und die Stadt wird endlich wirklich handeln müssen.

    Schöner Traum, oder machbar?!?

  • 4 siggi // Jul 23, 2017 at 21:11

    Jawohl Anja.
    Radfahrer sollten sich täglich treffen um den Verkehr lahmzulegen.
    Dumm nur, dass man damit genau das demonstriert was Radverkehr eigentlich nicht macht.
    Radverkehr legt keine Innenstädte lahm. Egal wie hoch der Radverkehrsanteil ist.
    So etwas passiert nur wenn man es drauf anlegt, wie z.B. bei der Critical Mass.
    Damit werden genau die Argumente geliefert die gebraucht werden um Radverkehr einzudämmen.
    Das läuft mittlerweile auf vollen Touren.
    Oberste Priorität bei „Radverkehrsförderung“ ist, dass man dem Autoverkehr die Radfahrer aus dem Weg räumt.
    Der gemeine deutsche Radler klatscht dazu noch Beifall.

  • 5 Ralf // Jul 24, 2017 at 14:38

    @siggi:
    Ich denke ja inzwischen, man müsste das Gegenteil machen:
    Einen Tag fährt niemand mit dem Rad und geht so wenig wie möglich zu Fuß.
    Alle Wege werden soweit möglich mit dem Auto zurückgelegt. Das würde zeigen, was ohne Radfahrer passiert.

  • 6 Marco // Jul 24, 2017 at 14:45

    Da hat sogar schon jemand einen Begriff für erfunden: Critical Ass 😉

  • 7 de_ub // Jul 26, 2017 at 12:50

    @Karl Kreidbaum
    nicht Idee – machen!

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