Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

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Es wird Zeit, aus dem ADFC auszutreten!

September 28th, 2016 · 75 Kommentare

Der „Allgemeine Deutsche Fahrrad Club“ (ADFC), dessen Mitglied ich bin, sieht sich  „mit mehr als 160.000 Mitgliedern“ als „die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit“.

Schon vor Jahren -wie ich hier auch öfters berichtete– sah ich einige Aktivitäten des ADFC durchaus skeptisch, selbst wenn ich mitnichten die Ansicht vieler anderer Radaktiver vertrat, daß es sich überhaupt nur um einen „Radfahrerclub radelnder Rentner„, warnbewestet und behelmt, am Wochenende auf Gehwegen unterwegs und „Radwege“ um jeden Preis fordernd, handelt. Auch wenn ich solche Erfahrungen durchaus gemacht habe.

Ich habe gelernt, daß es sich beim ADFC im Prinzip um einen Zusammenschluß von Ortsgruppen handelt, so kann ein Ortsverband also vehement Separation fordern und im Prinzip nur aus Schönwetterradlern bestehen, während ein anderer schon eher die Interessen von Alltags- und Vielradlern vertritt. Das heißt konkret: in einem Ortsverband werden gefährdend angelegte, benutzungspflichtige Radwege gefordert, ein anderer Ortsverband hilft ggf., die gleichen Konstruktionen wegzuklagen. Unter Radfahrern wirklich die „Allgemeinheit“ zu vertreten, ist sicherlich ein Spagat, keine Frage. Schon aus Trotz bin ich irgendwann ADFC Mitglied geworden, letztlich mit dem Gedanken, daß eine Sache nicht besser werden kann, wenn man sie nur von außen kennt. Andere nannten das durchaus, „eine Struktur aufweichen und von Innen übernehmen“ und im Kern ist der ADFC als Lobby ja eine grandiose Idee!

Es gin bei mir nicht soweit, zu versuchen, Posten zu besetzen oder an einer Änderung, des damals ziemlich lustlos, piefigen und in keinster Weise *Radverkehr* fördernd agierenden Kölner ADFC mitzuwirken. Ich war einfach nur „Mitglied“, das dann und wann mal -in diesem Blog oder in einem Gespräch- etwas äußerte, mehr nicht. Mehr bedarf es allerdings auch gar nicht, denn die „Übernahme“ des ADFC geschah dann doch – durch andere Personen. Relativ geräuschlos kamen auf einmal klare Statements, es gab verkehrspolitische Anregungen und gar Forderungen und vor allem: Alltagsradler konnten sich damit identifizieren. Es wurde sich gegen Benutzungspflichten ausgesprochen, sachliche Kritik an Stadt und Polizei wurde offiziell laut und es gab tatsächlich auch einen Paukenschlag: der ADFC trat aus dem Bündnis für Verkehrssicherheit, „Velo2010“ aus. Ich hatte dies in einer e-Mail gefordert und wollte einen Antrag stellen – dessen bedarf es gar nicht. Dafür Hut ab, heute noch, das war ein Zeichen! Ich forderte -grad im Gegensatz zu früher- Radfahrer fortan auf, Mitglied im ADFC zu werden.

Es gibt aber eben auch den ADFC Bundesverband. Das ist sozusagen der Dachverband, der mich als Mitglied z.B. gegenüber der Politik, der Autolobby, etc. vertritt. Dieser ADFC Bundesverband hat heute eine Pressemitteilung zur geplanten Novelle der StVO, insbesondere des §45.9, herausgegeben. Die Pläne sind schon seit ein paar Tagen bekannt und haben für einiges an Aufsehen und Diskussionstoff gesorgt. Wunderlich war in den letzten Tagen, daß es seitens des ADFC noch keine Stellungnahme oder überhaupt einen Hinweis darauf gab. Jetzt weiß man warum: der ADFC hat „an der Reform der StVO intensiv mitgewirkt“ und weiter: er „wertet die Novelle als Fortschritt für den Radverkehr“

Dieser vermeintliche Fortschritt ist ein eindeutiger Rückschritt. Nein, es sind 10 Schritte zurück!

In Kurzform möchte ich erläutern, was ich an der geplanten Novelle als Bärendienst ansehe und warum. Es heißt in der Pressemitteilung des ADFC:

Radfahrstreifen können leichter angelegt werden
Bisher mussten Kommunen erst das erhöhte Unfallpotenzial eines Straßenzuges („besondere örtliche Gefahrenlage“) nachweisen, bevor sie dort einen benutzungspflichtigen Radfahrstreifen anlegen konnten. Das führte häufig dazu, dass gar keine oder nur unzureichende Radinfrastruktur geschaffen wurde. Durch die Neuregelung ist es künftig auch ohne Nachweis einer örtlichen Gefahrenlage möglich, Radfahrstreifen innerhalb geschlossener Ortschaften anzulegen.

Was erst einmal „gut“ klingt, ist es nicht. Ein markierter „Radfahrstreifen“ ist nämlich (anders als ein „Schutzstreifen“) mit VZ237 benutzungsplichtig. Das heißt konkret: ich darf ihn nicht verlassen, auch nicht, um andere Radfahrer zu überholen. Bisher war die Situation so, daß, wie bei einem baulich angelegten „Radweg“, eine sogenannte „qualifizierte Gefahrenlage“ bestehen mußte, um den Radverkehr von der Fahrbahn zu „vertreiben“ (was für viele Straßenverkehrsbehörden das primäre Ziel sein dürfte). Daß dabei (Mindest)Maße eingehalten werden müssen, hat schon bisher kaum interessiert und es ist nicht davon auszugehen, daß es das in Zukunft tut. Bisher hatte man aber eine sehr reele Chance, gegen solche Konstrukte zu klagen, nämlich eben, wenn keine „besondere örtliche Gefahrenlage“ vorlag. Diese Möglichkeit besteht in Zukunft nicht mehr. Wer ein konkretes Beispiel in Köln sehen möchte, der sollte sich den „Radfahrstreifen“ zwischen Ebertplatz und Hansaring anschauen. Gut einen Meter breit, diekt im Schwenkbereich sich öffnender Türen der dort parkenden Kfz. Noch illegal, künftig legitim. Eine Begründung für die Untermaßigkeit wird unsere traßenverkehrsbehörde schon finden – das schafft sie sonst auch.

Die gleiche Regelung soll es künftig außerorts geben, was zur Folge haben wird, daß sich nicht viel ändert: Buckelpisten werden benutzungspflichtig sein. Mal links mal rechts, Hauptsache der motorisierte Verkehr fließt. Der einzige Unterschied zum Jetzt: es wird kaum mehr Möglichkeiten geben, zu klagen. Danke lieber ADFC! Als ich von der Novelle hörte, dachte ich, daß Autolobby, „Auch-Radfahrer“ und die Experten der 3-6 Liter-Parteien daran mitgewirkt hätten – an „meine“ Interessensvertretung dachte ich nicht im entferntesten!

Diese Regelung begrüßt der ADFC als Fortschritt für Städte, die den Radverkehr ernsthaft fördern wollen. Falls die gleichlautende Regelung für Radwege außerorts in der Praxis dazu führt, dass mehr mangelhafte Wege als benutzungspflichtige Radwege ausgewiesen werden, wird der ADFC dagegen vorgehen.

Ja, diesen Nachsatz gibt es in der Pressemitteilung des ADFC noch. Ernsthaft: Ihr wollt dagegen „vorgehen“? Das ist reichlich naiv! Die Interessensvertretung, die Klagen gegen Benutzungspflichten aktuell immernoch selbst scheut, trotzdem die Abschaffung der „allgemeinen Radwegebenutzungspflicht“ seit 1998 immernoch nicht akkurat umgesetzt wurde und wird? Das soll ich glauben und selbst wenn: wie lange wird das dauern? Ihr vertretet mich einfach nicht!

Ich bin schon der Meinung, daß man als Radaktiver konsequent sein sollte und wenn mein Club mich nicht mehr vertritt, dann muss ich ihn wohl verlassen. Das Mitgliedermagazin gibt es ja auch online.

Ich werde meine ADFC Mitgliedschaft kündigen und ich kann meinen Lesern nur raten, es mir gleich zu tun. Selbst wenn dies für die rührend aktiven Mitglieder des ADFC Köln schade ist, aber unterm Strich ist das die einzig logische Schlußfolgerung. Sinnvoll erscheint es mir dabei, dies ausdrücklich zu begründen, damit der Bundesvorband weiß, daß er nicht in meinem Sinne handelt – ich werde mein Schreiben hier in Kürze veröffentlichen und als Vorlage zur Nachahmung empfehlen.

 

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Tags: ADFC · Allgemein · Radwege

75 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Holger // Sep 28, 2016 at 15:04

    Gut, dass ich gar nicht erst eingetreten bin.

    Der Fachausschuss Technik konnte mich durch Schönreden des Driescher Kreisels rechtzeitig und nachhaltig davon abhalten.

  • 2 Christian // Sep 28, 2016 at 19:46

    Die Führung des Bundesverbandes hat sich endlich entschieden, sich einer der beiden Richtungen im ADFC anzuschließen. Leider haben sie den Flügel der emotionalbestimmten Radfahrenden gewählt und nicht den der informationsbestimmten RF. Es wird genau das kommen, was du im Text beschreibst und es wird auf lange Sicht wieder mehr Unfälle geben.
    Den ADFC zu verlassen, scheint auch mir die notwendige Konsequenz aus diesem Vorgehen zu sein.

  • 3 Drucker // Sep 28, 2016 at 23:41

    Offenbar lebt der Bundesvorstand immer noch in den Radverkehrskonzepten der 60er-Jahre. Da hätte er im Stillen bleiben sollen und lieber nichts tun, als sich einer fehlgeleiteten Politik anzubiedern. Dass er jetzt mithilft, die mühsame Kleinarbeit von Ortsgliederungen und einzelnen Aktiven zunichte zu machen, ist wirklich unfassbar.

    Und mal ehrlich: Kennt irgendjemand einen mangelhaften Radweg, gegen den der ADFC-Bundesvorstand jemals vorgegangen wäre? Über Jahrzehnte hatte man nichts Bessseres zu tun, als den Verein zu einem Aktivitätszentrum für Radtouristik zu formen. Echte Verkehrspolitik war den Herrschaften offenbar zu anstrengend. Daran soll sich jetzt etwas ändern? Wer’s glaubt …

    Und wenn ich die abgenutzten und schon so oft widerlegten Rufe nach einer auf Sonderwege gestützten Fahrrad-Infrastruktur lese, dann platzt mir wirklich bald der Kragen. Es gibt überall eine hervorragende Fahrrad-Infrastruktur in Form fachmännisch gebauter, gut benutzbarer Fahrbahnen. Dass so ein Verein die Separierung beführwortet und dabei mithilft, das Image des Fahrradfahrens als Risikosportart zu zementieren, ist schlicht radfahrerfeindlich, nicht mehr und nicht weniger.

    Schon Brecht sagte: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber.“ Recht hatte er.

  • 4 Reintsch // Sep 29, 2016 at 07:23

    Die StVO ist und bleibt ein Kfz-Gesetz. Ich habe vor einigen Jahren mal einen ADFC-Vortrag in Berlin gehört, der mir wirklich gut gefallen hat. Denn darin wurde diese Kfz-Freundlichkeit perfekt gezeigt, indem die Kuriositäten beleuchtet wurden unter denen Fußgänger und Radfahrer leiden. Ein ständiges herumdoktern macht die Sache immer schlimmer, eine vollständige Neufassung wäre notwendig.

    Noch zwei Hinweise zur Novelle:
    Wenn die Stadt dem Kfz-Verkehr eine Fahrspur wegnehmen würde und als 3,00 m breiten Radfahrstreifen ausweist, wäre dies nach aktuellem §45 vielleicht gar nicht möglich (weil die Gefahrenlage fehlt). Und das obwohl so ein Radweg wirklich ein Traum wäre. Vielleicht ist dies ein Hintergedanke des ADFC?
    Dazu kommt der übliche Spagat: Wie schaffe ich es Menschen auf das Fahrrad zu bringen? Und auf den Ringen ohne (Pseudo-)Schutz mit dem Kfz-Verkehr zu fahren, kommt für viele nicht in Frage. Ähnlich wie beim Schutzstreifen könnte es also eine Maßnahme zur Förderung des Radverkehrs sein und weniger zur Sicherung. (Auch wenn es in diesem Fall ein schlechtes Beispiel ist, denn auf den Ringen geht es auf jeden Fall deutlich besser und breiter.)

    Der von Marco gezeigte Radfahrstreifen am Ring kann auch trotzdem noch beklagt werden, denn neben §45 gibt es ja die Anforderungen aus der VwV, die für die anordnenden Behörden verpflichtend sind.

  • 5 Marco // Sep 29, 2016 at 07:47

    Die VwV richtet sich an die Verwaltung, da kann ich eben nicht klagen.

  • 6 Sören // Sep 29, 2016 at 09:17

    Ich bin schon 2013 ausgetreten, als das Verkehrtpolitische Programm beschlossen wurde. Mir war einfach klar, wohin die Reise geht.

    Ich hatte mich bezüglich der Änderung an alte Bekannte aus dem Landesverband gewandt und zitiere mich einfach selber: „Dem Bundesvorstand ist es möglicherweise auch Recht. „Schutz“streifen von den Hürden das Absatzes 9 auszunehmen, wurde ja unterstützt. Warum nicht auch bei Radfahrstreifen, die dort gerade hip sind? Und Ausserorts fährt man so oder so doch gar nicht auf der Fahrbahn. Die Forderung nach Abschaffung der Benutzungspflicht war vom Bundesvorstand ja nicht für das verkehrtpolitische Programm vorgesehen und erst nach heftigem Protest einiger hineingenommen worden.“ Es ist schon erschreckend, dass sich meine Befürchtungen nicht nur bewahrheitet haben, sondern sogar noch übertoffen wurden.

    Es wird wohl auch zur Auflösung der Fachausschüsse kommen, die den Bundesvorstand fachlich beraten sollen. Das ist ein weiteres Indiz, dass dem ADFC Kompetenz und Vernunft nicht interessieren.

  • 7 Jochen G. // Sep 29, 2016 at 10:40

    Tscha… und ich wunderte mich zunächst, daß vom „ADFC“ in dieser anstehenden Sache NICHTS zu hören war. Kein Wunder, wenn sie ihre Finger mittendrin im Topf hatten und das auch noch toll finden, weil sie es gemäß ihrer neuen Auftretensweise hübsch plakativ, gleichwohl inhaltsleer, breitlatschen können.
    Die strukturellen Änderungen die sich in den vergangenen Jahren auf Bundesebene vollzogen haben, zeigten die Richtung an: Konsensgesäusel ohne festen Boden. Dusch mich, aber mach mich nicht nass.

    Sowas brauchen wir wahrlich nicht. Und nun da die ohnehin nicht pralle Verwaltungsrealität dank der Mitinitiative des ADFC auf das Niveau von vor 1997 zurückfallen wird, werde auch ich das tun, was ich seit 2 Jahren vor mir herschiebe: Ich mache die Austrittserklärung fertig und schicke sie auch ab.

  • 8 Norbert // Sep 29, 2016 at 11:57

    Ich war gestern genauso irritiert.

    s. http://velocityruhr.net/blog/2016/09/28/adfc-rueckschritt/

  • 9 Wilko // Sep 29, 2016 at 12:15

    @ Marco bezügl. VwV: bei bestehenden Regelungen hast Du wahrscheinlich recht, aber wenn was neues angeordnet wird, was gegen die VwV verstößt, kann ich doch als betroffener innerhalb der Jahresfrist trotzdem klagen, oder nicht? Letztlich ist auch eine verkehrsrechtliche Anordnung ein Verwaltungsakt, den man gerichtlich überprüfen lassen kann. Oder steh ich da auf dem Schlauch?

    @Topic: ja, irgendwie doof, aber es ist das alte Thema, dass „die Radfahrer“ eine extrem heterogene Gruppe sind und ich finde es auch schlecht, Radfahrstreifen in den 45 (9) mit aufzunehmen, aber vielleicht trägt es eben doch mit dazu bei, den Radverkehrsanteil zu erhöhen und kommt uns dann doch entgegen.

  • 10 Marco // Sep 29, 2016 at 12:35

    Ich bin da kein Fachmann, ich hab das so im Kopf. Liest sich z.B. hier so:

    http://www.bverwg.de/entscheidungen/entscheidung.php?ent=160412B3B62.11.0

    „In Rede steht insoweit in sachlicher Hinsicht allein die Mindestbreite, die die VwV-StVO bei einem getrennten Rad- und Gehweg für den Fahrstreifen fordert, den die Radfahrer benutzen sollen. Die rechtliche Qualität dieser Bestimmung ist zudem nicht die einer „gesetzlichen Regelung“. Zu entnehmen ist diese Vorgabe vielmehr einer Verwaltungsvorschrift, also einer verwaltungsinternen Regelung, die – worauf auch das Berufungsgericht zu Recht abgestellt hat – nach allgemeiner Auffassung zwar die Verwaltung, nicht aber ein Gericht zu binden vermag. Überdies misst sich diese Verwaltungsvorschrift auch selbst, was die Vorgabe einer Mindestbreite angeht, keine strikte Bindungswirkung im Sinne einer „Muss“-Regelung bei. Vielmehr heißt es unter II. (Radwegebenutzungspflicht) Nr. 2 Buchst. a: die lichte Breite (befestigter Verkehrsraum mit Sicherheitsraum) „soll in der Regel dabei durchgehend betragen“. Im Folgenden wird ausgeführt, dass ausnahmsweise und nach sorgfältiger Überprüfung von den Mindestmaßen dann abgewichen werden kann, wenn es aufgrund der örtlichen oder verkehrlichen Verhältnisse erforderlich und verhältnismäßig ist, an kurzen Abschnitten (z.B. kurze Engstelle) unter Wahrung der Verkehrssicherheit abgewichen werden kann.“

  • 11 Norbert // Sep 29, 2016 at 12:45

    Eine Verkehrsrechtliche Anordnung ist eine Allgemeinverfügung als besondere Form des Verwaltungsaktes.
    http://www.gesetze-im-internet.de/vwvfg/__35.html

    Da Bürger*innen einen Anspruch darauf haben, dass die Verwaltung alle gleich behandelt, kann eine VwV indirekt schon von Relevanz sein.

    Ich meine, eine VwV des Bundes hat keinerlei Verbindlichkeit für die Straßenverkehrsbehörde einer Stadt. Müsste aber nochmal raussuchen, warum das so ist.

  • 12 Sven Grass // Sep 29, 2016 at 22:05

    Der ADFC ist halt ne Lachnummer. Auf 3-4 Fragen und Anregungen hat der ADFC Aachen nicht reagiert. Da war mir klar, man meint es halt nicht ernst.

    Leider ist Deutschland halt ein Autoland. Gerade in Aachen, direkt an der Grenze zu den Niederlanden, könnte man sich viel anschauen. Dort ist auch nicht alles gut, aber bei weitem besser als hier.

  • 13 Wilko // Sep 30, 2016 at 08:03

    In Deutschland gegen Separation zu sein und als Vorbild auf die Niederlande zu verweisen, passt aber auch irgendwie nicht…

  • 14 Frank // Sep 30, 2016 at 08:30

    Eben mal eine email an den Bundesverband geschrieben, Tenor „Bärendienst für den Radverkehr“ cc an die Radverkehrsbeauftragte meiner Heimatstadt und den lokalen 1. Vorsitzenden des ADFC – ach ich war nie Mitglied. Bin auf die Antworten gespannt, wenn gewünscht, würde ich diese zur Verfügung stellen.

  • 15 Marco // Sep 30, 2016 at 09:55

    Würde mich interessieren. Ich gehe nicht davon aus, daß Du Antwort bekommst

  • 16 Gast // Sep 30, 2016 at 12:19

    Tja Leute, da hat wohl wer gedacht, der ADFC sei kein Tarnverein des ADAC.

    > Ähnlich wie beim Schutzstreifen könnte es also eine Maßnahme zur Förderung des Radverkehrs sein

    Nicht gegebene Voraussetzung. Oder wurde ein solcher Effekt nachgewiesen? Und selbst wenn, wäre das kein ausreichender Grund, ganz im Gegenteil. Aber das nur nebenbei.

  • 17 Gast // Sep 30, 2016 at 12:27

    > Bärendienst für den Radverkehr

    Darin steckt die Hoffnung, der ADFC würde Radfahrer als Verkehr sehen. Nein, das ist seit Jahrzehnten ein Verein für alternde Touris. Insofern ist der ADFC für solche Protestnoten der falsche Adressat, für ihre Klientel haben sie das bestmögliche rausgeholt.

  • 18 Wilko // Sep 30, 2016 at 13:56

    >> Ähnlich wie beim Schutzstreifen könnte es also eine Maßnahme zur Förderung des Radverkehrs sein

    >Nicht gegebene Voraussetzung. Oder wurde ein solcher Effekt nachgewiesen?

    Ne ‚Förderung‘ vielleicht nicht, aber ich kann Dir anekdotisch Stellen nennen, wo ein Schutzstreifen dazu führt, dass mehr Leute auf der Fahrbahn fahren, die vorher illegal auf dem Gehweg gefahren sind (belegt durch Beobachtung und Befragung). Und prinzipiell kann ich mir einen solchen Effekt bei Radfahrstreifen auch vorstellen.

  • 19 siggi // Sep 30, 2016 at 22:12

    Das der ADFC dem Radverkehr mal wieder einen Bärendienst erwiesen hat ist ja nichts neues.
    Allerdings haben sie wohl genau das gemacht was etwa 90% der Menschen verlangen die meinen etwas für den Radverkehr tun zu müssen.
    Hab da schon immer eine eigene Meinung dazu gehabt.
    http://www.radfahren-in-koeln.de/2014/02/25/so-wie-sie-durch-die-gegend-fahren/#comment-2852

  • 20 siggi // Sep 30, 2016 at 22:43

    Das einzig Gute an dem ADFC-Streich ist, dass sich nun die Fahrradzene nicht mehr damit beschäftigen muss illegale Radwegbenutzungspflichten wegzuklagen.
    Für mich war das sowieso vergeudete Lobbyarbeit.
    Das wochenlange virtuelle Schulterklopfen, wenn mal Jemand ein paar Meter Radweg weggeklagt hat, war einfach nur lächerlich.

  • 21 Marco // Sep 30, 2016 at 22:47

    Es gab/gibt genügend Leute, die das fernab der Öffentlichkeit und ohne Schulterklopfen taten. Und das ist gut so.
    Ich bin da aber auch Realist, ich sehe etwaige Bußgelder als Maut. Das kalkuliere ich ein, machen die Falschparker im PKW ja auch 😉

  • 22 siggi // Sep 30, 2016 at 22:56

    @Marco
    Hast Recht die Heimlichen gab es (ich war anfangs auch so Einer). Doch geändert hat es auch nichts – ob mit oder ohne Schulterklopfen.
    Ich habe aber schnell gemerkt, dass man auf diese Weise nichts erreicht.
    Bei Unfällen müssen alle mit zur Verantwortung gezogen werden die zu dem Unfall beigetragen haben.
    Im Punkt Radverkehrsführungen
    http://siggis-seiten.de/a/Prinzip_Radweg.htm
    wäre das oft garnicht so schwer.

  • 23 Jochen G. // Okt 1, 2016 at 14:21

    Wilko:
    „In Deutschland gegen Separation zu sein und als Vorbild auf die Niederlande zu verweisen, passt aber auch irgendwie nicht…“

    Nein und Ja. Kommt darauf an wie es begründet wird und sich also nicht allein aufs Plakative beschränkt wird.

    Wenn Separation gut gemacht wird, wie das in den Niederlanden meiner Meinung nach zum überwiegendem Teil der Fall ist, dann habe ich mit Separation kein echtes Problem und dann ertrage ich auch freiwillig hier und da nen paar Meter Radweg, die nicht so dolle geworden sind. (Wobei ich auch in den Niederlanden abschnittsweise bewußt auf der Straße fahre, wenn der Radweg wirklich ne Niete ist. )
    Ich sage dazu gerne: Wenn die Niederländer etwas machen, dann machen sie es zumeist entweder richtig, oder gar nicht. Radwege sind dort daher kein Stückwerk, sondern in der Regel fügen sie sich funktional in die sonstige Verkehrsinfrastruktur ein und mit Radrouten ist es ähnlich.

    In Schland hingegen findet sich zumeist das fast genaue Gegenteil. Hier wird der Großteil aller Radwege – und dazu zähle ich auch einen großen Teil der *heute* frisch neu angelegten(!), eben schlecht gemacht und dann macht Separation sicherheitstechnisch eben gar keinen Sinn und es fällt mir nicht schwer dagegen zu sein.

    Man schaue sich nur an was sich allein NRW inzwischen für ein Haufen Viehmist um das großspurig aufgezogene Leuchtturmprojekt „Radschnellweg(e)“ an(ge)sammelt (hat). Hab jetzt keine Lust hier genauere Beispiele zu nennen, auch weil es hier nicht das Thema ist. Es findet sich aber schon vieles vom Mist, wenn man sich exemplarisch die hier herausgearbeitete Kritik genau durchliest: http://leezerize.de/wordpress/2016/09/18/durchgefallen-neues-radverkehrskonzept-erntet-kritik/

    Es kommt eben nicht nur aufs Plakative und paar hingeworfene, nett aussehende Worte an. Gut, da bewegt man sich flott in Bereichen in die Verwaltung und Politik nur selten mal (freiwillig) vordringen. Pech. Die Welt ist schlecht und eine einziges Satireformat (für die Aliens).

  • 24 HolgerO // Okt 1, 2016 at 17:10

    Darf ich mal fragen, über welche StVO hier diskutiert wird? — 2017, 2018? — In der aktuellen Novelle (09/2016) wurde lediglich die Anlage von Schutzstreifen erleichtert. An Radfahrstreifen mit Lolli wurde ganz und gar nicht gerüttelt. Siehe Bundesrats-Drucksache 332/16.
    Ein zu schmaler Schutzstreifen wird von mir als Sicherheitsstreifen interpretiert, so dass man links von der Linie fahren muss 😉

  • 25 Vorstadt-Strizzi // Okt 2, 2016 at 10:30

    Kann man ja vielleicht bald wieder in den ADFC eintreten.
    Wir sind wegen der extrem kinder- und familienfeindlichen Radpolitik ausgetreten (Ab auf die Fahrbahn).
    Ich bin mir sicher, wenn jetzt der ADFC diese Politik ändert, nicht nur dem Namen nach ein ALLGEMEINER Radverband wird und diese neue mehr inklusive Radpolitik (statt der bisherigen eindeutig exklusiven) auch in den Regionalkverbänden ankommt, dass sich der ADFC damit ein sehr großes Mitgliederreservoir erschließt.
    Das Einige gehen, das muss nicht schlimm sein.
    Wechsel ist immer auch schmerzhaft, aber doch notwendig – in diesem Falle sogar überfällig.

  • 26 Marco // Okt 2, 2016 at 10:38

    Der ADFC könnte quasi mit dem ADAC fusionieren – sofern das kartellrechtlich in Ordnung ist 😉

  • 27 Vorstadt-Strizzi // Okt 2, 2016 at 13:18

    @ Jochen G.

    „Wenn Separation gut gemacht wird, wie das in den Niederlanden meiner Meinung nach zum überwiegendem Teil der Fall ist,…“

    In Deutschland ist das niederländische Prinzip der Separation ganz weitgehend völlig unverstanden.

    Siehe z.B. Groningen,
    http://www.zukunft-mobilitaet.net/34091/urbane-mobilitaet/groningen-niederlande-radverkehr-dokumentation/
    besser noch die Klassifizierung, der jede Straße unterworfen ist.

    In den Niederlanden wird, ganz grundsätzlich, der MIV vom übrigen Verkehr separiert.

    Das ist der Kern der niederländischen Verkehrspolitik und der „Separierung“.

    Dies geschieht, indem man die Straßen klassifiziert: Nach Verbindungs-, Erschließungs- und Anwohnerstraßen (woonerfs).
    Aufgrund der gefilterten Durchlässigkeit (Sackgassen, Durchfahrtssperren, abschnittsweise gegenläufige Einbahnstraßen)
    kann eine Erschließungsstrasse nicht für den Verbindungs(Durchfahrts-) verkehr genutzt werden. Aufgrund von Abbiegeverboten und baulichen Einmündungssperren kann eine Verbindungsstrasse nicht als Erschließungsstrasse in Wohngebiete hinein genutzt werden.
    Dies führt zu einer starken Separierung des MIV sowohl weg von den Wohngebieten als auch zu einer Differenzierung innerhalb des MIV.
    Die Folge: Einerseits ist es umständlicher, mit dem Kfz von A nach B zu kommen. Andererseits ergibt sich durch die Entmischung ein flüssigerer MIV und weniger Stau.

    Diesem Vorteil des MIV (flüssiger und stressfreier) steht jedoch ein ungleich größerer Vorteil des Radverkehrs gegenüber:
    Die meisten Wohn- und innerstädtischen Quartiere sind vom Durchgangs- und Erschließungs-MIV entlastet. Schon niedrigschwellige bauliche Maßnahmen (z.B. Ausführung der Fahrbahndecke mit rotgefärbtem Asphalt) in Wohnquartieren reichen aus, um den Vorrang des Radverkehrs zu kennzeichnen. Das verbannen des Durchfahrts- und Erschließungsverkehrs führt in vielen Wohnquartieren zu einer Überzahl des Radverkehrs und damit zu einer automatischen Implementierung von einer radverkehrlichen Mehrheitskultur, in die sich Autofahrer selbstverständlich integrieren müssen (der kulturelle Aspekt des Prinzips Safety in Numbers).
    Die Integration der Kfz-Führer wird durch entsprechende Verkehrs(straf)gesetze beschleunigt und abgesichert (juristischer Aspekt des Safetry in Numbers)

    Dieses Prinzip, nämlich Vorteile für den Einen (hier: MIV flüssiger und stressfreier) bei gleichzeitig viel größeren Vorteilen für den Anderen (hier: Radverkehr von 8-80) ist in der Spieltheorie als „Asymmetrische Mobilisierung“ bekannt.

    Demgenüber haben wir es in Deutschland radverkehrsmässig mit dem Einsatz einer um 180° gewendeten Strategie zu tun:
    Mit der „asymmetrischen Demobilisierung“.

    Diese Stategie geht davon aus, dass ein Schaden, der mich selbst trifft, genau dann kein Schaden sondern ein Vorteil sein kann, wenn er gleichzeitig dem Gegner mehr Schaden zufügt als mir selbst.

    Die asymmetrische Demobiliserung als politisches Konzept funktioniert z.B. so:

    Merkels CDU vermeidet im Wahlkampf (2006) bewusst Auseinandersetzungen und setzt auf eine entsprechend geringe Wahlbeteiligung, bei der von der SPD noch mehr Wähler zu Hause bleiben als von der eigenen Partei. Obwohl man dann in absoluten Zahlen von weniger Leuten gewählt wird als vorher, hat man prozentual dazugewonnen, da die Langeweile dem Gegener noch mehr zugesetzt hat und von ihm mehr Wähler zu Hause geblieben sind als bei einem selbst.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Asymmetrische_Demobilisierung

    (Nachteil: Diese Demobilisierungsstrategie öffnet die politischen Ränder für neue Parteien …)

    Aber nun zur verkehrspolitischen Seite der ‚Asymmetrischen Mobilisierung‘, deren Nachteile nun endlich anscheinend auch vom ADFC erkannt werden.

    Ja, Radverkehr auf der Fahrbahn (wie von der StVO vorgeschrieben und durch §45 Abs 9 abgesichert) behindert den Kfz-Verkehr. Er macht ihn weniger flüssig und stressiger.

    Gleichzeitig jedoch schließt er viele vom Radverkehr aus bzw schreckt Mischverkehr viele ab. Die Modal Split-Vergleiche mit Ländern und Städten, in den der MIV separiert wird, sprechen eine sehr deutliche Sprache.

    Das Mischverkehr/Streifenprinzip folgt dem Prinzip der asymmetrischen Demobilisierung. Man muss davon ausgehen, dass sie von der Kfz-Lobby durch Wissmann (politisch-strategisch versierter oberster deutscher Autolobbyist) mit Bedacht in die StVO aufgenommen wurde.

    Höchste Zeit, dass der ADFC hier nicht mehr mitspielt.
    Allerdings wird die unrühmliche Rolle, die der ADFC beim Radentscheid Berlin gespielt hat, das Ihre dazu beigetragen haben.

    Will der ADFC auch in Zukunft noch als Vertreter der Radfahrer wahrgenommen werden, dann ist es allerhöchste Zeit endlich für eine weitgehende Separierung des MIV auch in Deutschlands Städtern einzutreten.

  • 28 Wasilis von Rauch // Okt 3, 2016 at 23:30

    Hallo Leute,
    die Spaltung der Radfahrende in zwei Lager ist ja prächtig im Gange.
    Ich finde das bedauerlich und denke, das ist der eigentliche Bärendienst. Prinzipiell finde ich gut, dass der ADFC auf Bundesebene politisch mehr auftritt und fordert.

    Und es kann doch auf Dauer nicht das Ziel sein, darum zu kämpfen, das man schlechte Radwege nicht nutzen muss und den Mischverkehr als richtig und etwas in der Regel angenehmes darzustellen. Für die nötige Verkehrswende braucht es massiv mehr Radverkehr, müssen viele Leute, die sich jetzt nicht sicher fühlen Radfahren, es muss mehr ÖPNV und ganz deutlich weniger privaten MIV, geben. Der MIV muss ruhend und fließend benachteiligt werden. Da sind Städte wie Groningen oder Kopenhagen Vorbilder.

    Ich denke, in dem Bereich ist der Volksentscheid in Berlin ein interessantes Beispiel und das zugrunde liegende Gesetz hat mit der Novelle deutlich bessere Chancen. Sagen jedenfalls die Initiatoren.

    Nüchtern gesehen ist doch die Frage: Welche Nachteile und Vorteile bringt die Novelle? Also: Ist es wirklich anzunehmen, dass jetzt reihenweise innerorts Benutzungspflicht angeordnet wird, wo die Radstreifen gefährlich sind, wie im Bild oben (zu schmal, schlechte Sicht)? Vereinfacht es andersherum den Kommunen wirklich den Bau von separten guten Radanlagen, oder stimmt der Grundsatz „Ein guter Radweg braucht keine Benutzungspflicht?“ und eine Kommune kann schon jetzt bauen, was sie möchte, auch auf Kosten des Platz für Kfz?

    Außerorts ist die Frage – gibt es nicht häufig auch Strecken, auf denen deutlich unter 100, bspw. 60km/h gefahren wird und wo es für schnellere Radler besser ist, auf der Fahrbahn statt auf einem, vielleicht von touristischer Nutzung überfüllten, zwei Richtungsradweg zu fahren?

    Dazu würden mich Eure Meinungen interessieren.

    Viele Grüße
    Wasilis

    p.s.: Man sollte sich auch klar sein, dass sich die Zeiten geändert haben und dass Radfahrende nicht mehr ganz so leicht politisch übergangen werden können. Berlin hat ja auch gezeigt, dass man mit Radförderung Wahlen gewinnen kann. Vor diesem Hintergrund würde ich selbst bei Unzufriedenheit mit konkreten Entscheidungen nicht die politische Ausrichtung des ADFC als solche in Frage stellen. Die Zeit ist absolut reif dafür, dass sich Verbände bundesweit klar für die Verkehrswende weg vom MIV aufstellen. Städte müssen Fahrradförderung zur Priorität machen, genau wie einen guten ÖV und Fußwege.

    Da sind sich wohl alle einig. Die Frage ist,

  • 29 Holger // Okt 4, 2016 at 09:09

    Man zeige mir auch nur einen einzigen ausserörtlichen Radweg im Kölner Umland, welchen man bei Dunkelheit sicher befahren kann.

    Von den Gefahren der zusätzlichen Fahrbahnquerungen die zu tätigen sind, da nahezu alle nur einseitig angelegt sind, braucht man gar nicht erst zu sprechen.

  • 30 Jochen G. // Okt 4, 2016 at 12:26

    Holger, definiere doch vorher bitte „sichere Befahrbarkeit in der Dunkelheit“.

  • 31 Norbert // Okt 4, 2016 at 12:32

    @ #24: Naja, allgemein ist das doch auch nicht, wenn nur die Gehwegradler im Verein sind
    @ #25: Ich bin mir nicht sicher, ob der ADAC nicht bald der fachlich kompetentere Verband ist …
    @ #27: Diese massiven Spaltungsbemühungen macher finde ich auch nicht gut. Da sind wir einer Meinung, aber der ADFC wird doch nicht politischer. Er zieht sich auf Service (Promotion von Riesterrentenverträgen, Stromanbietern, Fernbussen …) zurück. Und aus Angst vor seinen autofahrenden Mitgliedern verweigert der ADFC noch inzwischen jede klare Positionierung gegen die Dominanz des Autos. Ich glaub nicht, dass die AfD in Berlin wegen ihrem Radverkehrsprogramm gewonnen hat.

  • 32 Jochen G. // Okt 4, 2016 at 12:34

    Wasilis, das eine Lager will sicher Radfahren, das andere Lager will sich sicher FÜHLEN. Wenn dir der Unterschied nicht klar ist, oder nicht klar sein möchte, dann hast du halt noch einige Unfälle oder Todesnaherfahrungen vor Dir, eh der Groschen pfennigweise fällt.

    Auch ist mir einigermaßen rätselhaft wo der ADFC auf Bundesebene etwas fordert. Wonei ich unter „etwas fordern“ verstehe nicht bloß höchst unverbindlich im HInterzimmer zu säuseln, sondern klar zu sagen was Sache ist und dabeia uch so aufzutreten, daß das Anliegen nicht bereits mit billigsten Taschenspielertricks aus dem Blickfeld geräumt werden kann.

    Miese und latent gefährliche Radwege sind nach wie vor in der Mehrheit, also ein Regelfall und das auch im nun 19ten Jahr nach der damals legendären StVO Novelle.
    Wirklich wahrgenommen wird die Sache ja erst seit dem Aufsehen erregendem BVG urteil von vor ein paar Jahren, bei dem sich der ADFC dann fein toll präsentiert hat. DAS PERVERSE ist nun aber doch das: Mit der neuen Novelle wird das, was damals vor dem Bundesverfassungsgericht letztinstanzlich für jenen Außerorts Radweg bei Regensburg erstritten wurde, zur Witznummer, denn genau das ist nunmehr wieder erlaubt.

    Wem sich da nicht der Magen umdreht, dem ist nicht zu helfen.

  • 33 Rasmus Richter // Okt 4, 2016 at 12:40

    So, ich bin dann auch mal raus. Dieser Kuschelkurs des ADFC mit den örtlichen Behörden hat mir schon lange gestunken – und jetzt macht der Bundesvorstand also mit bei einer katastrophalen Entrechtung der Radfahrer ausserorts. Dazu kommt dann die unverantwortliche Freigabe der Todespisten für Kinder.

    Tschau Kakao.

    Irgendjemand Lust, ’nen Verband mit etwas mehr Wumms aufzumachen, der nicht andauernd durch die Touritorkelradler-Fraktion ausgebremst wird?

    http://leezerize.de/wordpress/2016/10/04/ich-bin-raus-aus-dem-adfc/

  • 34 Jochen G. // Okt 4, 2016 at 12:59

    Strizzi:
    „Will der ADFC auch in Zukunft noch als Vertreter der Radfahrer wahrgenommen werden, dann ist es allerhöchste Zeit endlich für eine weitgehende Separierung des MIV auch in Deutschlands Städtern einzutreten.“

    Dafür fehlt in sehr vielen Städten aber schlicht der Platz.
    Du hast schön erklärt und dargestellt wie in NL da planerisch vorgegangen wird. In den Niederlanden liegt aber eine andere Wohnstruktur vor und ein jahrzehntelanger Vorsprung bei der grundlegenden Neuplanung von Städten und Kommunen. In Schland könnte man das so nicht umsetzen und das ist ja bereits heute ein Dauerthema, weil der Raum den man für eine sichere und vernünftige Separierung braucht, vom Autoverkehr genommen werden müsste. Und genau das läuft nicht, dank Lobbykratie (statt einstmals parlamentarischer Demokratie) und ewiger Wachstumswirtschaftspolitik u.v.a.m.

    Pläne, Strategien und derlei auf der einen Seite, nennen wir sie die Theoretische Seite und auf der anderen die tagtägliche Realität auf der gefährdet, übersehen, ignoriert, schwerverletzt und getötet wird und eine Politik des Wegschauens.

    Der ADFC hat sich nun auf billige Weise vor den Karren der Autolobby spannen lassen. Um für ein paar wenige Fälle nun viiieeeelleicht, wenn die Kommunalpolitik das wirklich und allen Ernstes so will, Tempo 30 anordnen zu können, hat man im Kuhhandelt weggeschaut und es sich schöngeredet, daß mit dem Wegfall des diskutierten Absatzes (hab die Nummer gerade nicht sicher im Kopf, 9?) in §45 StVO genau DAS ZENTRALE ARGUMENT für mehr Sicherheit im Straßenverkehr, nämlich benutzungspflichtige Radwege nur dort wo es wirklich sinnvoll und/oder notwendig ist, im Wesentlichen zu tilgen. Damit der Schilderwald weniger wird. Damit „es“ weniger kompliziert zugeht.

    Unter dem Strich wird nicht sonderlich viel besser werden, aber vieles mitunter schlechter. Und das soll dann ein richtungsweisender Erfolg sein.

    Was ein echter und seit viel zu langer Zeit überfälliger Schritt ist und nun einmal mehr auf die ganz lange Bank verbannt wurde, ist eine komplett Neufassung der StVO, wo sich wirklich auf das tatsächlich notwendige und für die Zukunft sinnvolle beschränkt und eben nicht die ganzen Hintertürchen und Fallstricke wegläßt, die die Soße so kompliziert haben werden lassen. Aber das wird nicht passieren, solange die Interessen der Autolobby an Erster, Zweiter und Dritter Stelle stehen.

  • 35 Matthias // Okt 4, 2016 at 15:26

    „Ist es wirklich anzunehmen, dass jetzt reihenweise innerorts Benutzungspflicht angeordnet wird, wo die Radstreifen gefährlich sind, …“

    Es ist nicht nur anzunehmen, sondern zu befürchten. Die tägliche Erfahrung zeigt, dass Radverkehrsanlagen nach Belieben angelegt werden. Und nicht nach StVO samt VwV.

    Radwege und -streifen sind zu schmal, bei kreuzenden Straßen fehlen Furten, sogenannte Schutzstreifen sind viel zu schmal und die vorgeschriebenen Schutzräume zum Beispiel zu parkenden Autos fehlen ganz…

    Zum letzten Beispiel habe ich mich mal an die zuständige Behörde gewendet. Antwort: Für die Anlage eines Sicherheitstrennstreifens sei kein Platz zur Verfügung.

    Noch Fragen?

    Übrigens: Laut StVO sollen Schutzstreifen dann angelegt werden,  wenn für Radstreifen kein ausreichender Platz vorhanden ist. Also können in Zukunft Behörden Radstreifen planen (das ist ja jetzt einfach), dann bemerken, dass der Platz nicht ausreicht, um dann Schutzstreifen auszuweisen.

    In der Pressemitteilung ist zu lesen, dass der ADFC sich um Missstände außerhalb geschlossener Ortschaften kümmern werde. Um die innerhalb geschlossener Ortschaften nicht? Weil es sie nicht gibt?

  • 36 Frank ter Veld // Okt 4, 2016 at 16:41

    Danke Marco!
    Das hast du sehr gut geschrieben. Auch wir werden als Familie austreten.

  • 37 Norbert // Okt 4, 2016 at 17:58

    @ #32 Nein, weil es nichts bringt, dass immer kleinteiliger Partikularinteressen ihr Sicht autistisch vertreten. Nicht das Kind auf dem Radweg ist das Problem. Da werden höchstens die Probleme noch offensichtlicher. Das entscheidende Problem ist, dass die „Interessenvertretung“ der Radfahrer*innen aus Radverkehr wieder schnellen Fußverkehr machen will und Radverkehrsförderung zu Lasten des Fußverkehrs bringt nichts. Da ich mich nicht wiederholen möchte, verweise ich dazu auf http://velocityruhr.net/blog/2016/09/28/adfc-rueckschritt/
    Ich möchte mich auch nicht an ein Freizeitradlern abarbeiten, weil das nicht das Problem ist (Mal davon abgesehen, dass auf meinen Alltagswegen deren Anteil marginal bis nicht existent ist).

    @ #35: Nist du nicht für Seperation und irgendwie bewegt sich der ADFC doch in die Richtung?

  • 38 Wasilis von Rauch // Okt 4, 2016 at 18:21

    @Jochen G.: Das ist mir jetzt einfach etwas zu schwarz weiß.
    Ich sehe Kopenhagen und Groningen und dann braucht mir keiner zu erzählen das separate Infrastruktur per se gefährlich ist. Groschen hin oder her – es braucht Platz für sichere Kreuzungen und Sichtbeziehungen und der Platz muss vom Pkw genommen werden. Das muss man deutlich sagen und ich finde auch, dass der ADFC da deutlicher sein kann.
    Aber einen Paragraphen der Gefahrenabwehr zum Ziel hat wie §45 Abs. 9 als wesentlichen Gestalter der Radverkehrspolitik erhalten zu wollen – das kann doch kein Dauerzustand sein.

    Ich finde es aber auch nicht gelungen, diese Novelle als Erfolg zu verkaufen. Vor allem, weil sie beim T30 so wenig erreicht. Genau wie ich es verwunderlich finde, dass viele Radakteuere den Bundesverkehrswegeplan plötzlich feiern, weil erfreulicherweise Radschnellwege drin sind, gleichzeitig aber Milliarden und aber-Milliarden in eine völlig wahnwitzige Betonpolitik festgeschrieben werden.

  • 39 Matthias // Okt 5, 2016 at 06:16

    @Wasilis von Rauch
    „Aber einen Paragraphen der Gefahrenabwehr zum Ziel hat wie §45 Abs. 9 …“

    Der Gesetzgeber hat den zitierten Paragraphen 1997 mit der Absicht eingeführt, den Schilderwald zu lichten. Kein Wort der Gefahrenabwehr.

  • 40 Gast // Okt 5, 2016 at 08:06

    > Dafür fehlt in sehr vielen Städten aber schlicht der Platz.

    Wer sowas äußert, hat keine Argumente mehr gegen Radwege, denn die Notwendigkeit der Ghettoisierung ist damit anerkannt.

    > §45 StVO genau DAS ZENTRALE ARGUMENT für mehr Sicherheit

    Ebenso. Die Konzentration auf allein die Sicherheit fand ich schon immer einen Fehler, weil sich das viel zu einfach aushebeln läßt, wie sich ja nun zeigt. Zudem gilt, was jemand mal vor Ewig schrieb: Wenn Leistung und Komfort beim Fahrrad nicht zählen, sehrwohl aber beim Auto, dann ist die Lösung ganz einfach, dann mußt du langsam und vorsichtig fahren, auf Radwegen. Das soll nun also eintreten.

  • 41 Jochen G. // Okt 5, 2016 at 09:49

    Gast ohne Namen – ein Troll?:
    „> §45 StVO genau DAS ZENTRALE ARGUMENT für mehr Sicherheit

    Ebenso. Die Konzentration auf allein die Sicherheit fand ich schon immer einen Fehler, weil sich das viel zu einfach aushebeln läßt, wie sich ja nun zeigt.“

    Lass dir bitte mal von fachkundiger Seite den semantischen Unterschied zwischen „mehr Sicherheit“ und „Konzentration allein auf die Sicherheit“ erklären und solange das nicht geschehen ist: Halte an Dich!

    Der Wegfall beschneidet in deutlicher Weise die paar Möglichkeiten per „Recht und Gesetz“ gegen Behördenwillkür in Form von gefährlichen Radwegen vorzugehen.

    Und ich halte auch nichts bzgl. Ghettoisierung. Die bis dahin bestehende StVO hat hier bereits klar Ansagen gemacht, die aber Ewiggestrige als zu Unsicher *Fettdruck* unsicher *Fettdruck ende* empfinden, sowie „der Staat“ nicht bereits ist durchuzsetzen. So blieb der gute Ansatz stets in den Kinderschuhen stecken.

    -> Wo kein Platz ist, wird auf der Straße gefahren. Wenn sich Alle an bestehende Vorgaben halten, ist das Fahren auf der Straße auch in keiner Weise unsicherer, was es ohnehin nicht ist, wie die Unfallstatistiken eindrucksvoll aufzeigen.

    Und ich bin sehr für VIEL mehr Tempo 30! Aber ich bin dagegen hierfür das zu opfern, was die Behördenwillkür eigentlich aussperren soll(te).
    Ja, viel zuviele Behörden geben einen sehr feuchten Kehrricht auf das was der Gesetzgeber vorgesehen hat. Und viel zu oft ist der (örtliche) ADFC dabei durch Schweigen ein Mittäter.

  • 42 Vorstadt-Strizzi // Okt 5, 2016 at 10:07

    @Jochen G.
    „Dafür fehlt in sehr vielen Städten aber schlicht der Platz.
    …weil der Raum den man für eine sichere und vernünftige Separierung braucht, vom Autoverkehr genommen werden müsste. Und genau das läuft nicht, dank Lobbykratie“

    Auf englisch würde man dazu sagen: Typical Catch 22 argumentation (bewusst paradoxe Argumentation, um Lösungen zu verhindern).

    Jahrzehntelang fährt man alles gegen Radwege auf, um heute zu sagen:
    Radwege wie in NL oder DK wären ja gut, sind aber politisch nicht durchsetzbar.

    Ein sehr kleiner Kreis von Radaktivisten, die man im anonymen Netz schon nicht mehr von Kfz-Aktivisten unterscheiden kann, versucht mit Dauerfeuer jegliche eigene Radinfrastruktur zu verhindern.

    „Sicherheits“argumente („objektiv“ vs „subjektiv“), die überall auf der Welt und selbst in deutschen Studien längst widerlegt sind feiern hier fröhliche Urständ.
    Von ca 200-500 Studien gibt es 4 (vier), die ein höheres Risiko auf Radwegen behaupten.
    Diese 4 (vier) von mehreren 100 (hundert) werden von diesen Radaktivisten bzw Kfz-Aktivisten unisono als „alle bekannten Studien“ bezeichnet.
    Ähnlichkeiten mit der Denier-Industrie sind nicht zufällig.

    Es ist gut, dass sich der ADFC endlich aus dem doppelseitigen Würgegriff dieser kleinen Minderheit einerseits und der Kfz-Aktivisten andererseits befreit.

    Der Vorstoß zur vollständigen Streichung des §45 Abs. 9 StVO ist ein für den allgemeinen und inklusiven Radverkehr sehr ermutigendes Zeichen für diesen längst überfälligen Richtungswechsel hin zur Verkehrswende.

    Wie schnell es gehen kann und auf wie fruchtbaren Boden es fällt, gute Radverkehrspolitik umzusetzen, das zeigen ja gerade die Beispiele NL und DK.
    Vernünftige Konzepte wie Radverkehrsnetze und MIV-Separierung, das zeigt der Radentscheid Berlin überaus deutlich, werden von der Bevölkerung mit offenen Armen und viel Unterstützung aufgenommen.

  • 43 Marco // Okt 5, 2016 at 10:14

    Herr Strizzi, warum gibt es in Ihrem Blog eigentlich keine Kommentar-Funktion? Ich frage für einen Freund.

  • 44 Vorstadt-Strizzi // Okt 5, 2016 at 10:44

    @Marco
    Mobbingspielchen, z.B. mit siezen, sagen meist mehr über eigene Person als das sie den anderen nerven. Inzwischen kennt ja so gut wie jeder im Internet die goldene Kommunikationsregel: Form follows content.

    Zur Kommentarfunktion muss man den Artikel aufrufen, den man kommentieren will (auf die Überschrift klicken).
    Dann unter dem Artikel unter „Leave a Reply“ ins Feld „Enter your comment here …“ hineinschreiben.
    Zum guten Schluss die Schaltfläche „Post Comment“ anklicken.
    Wordpress-Standard.

    Aber z.B. solch aggressiven Kommentare allerdings:
    „Gast ohne Namen – ein Troll?“ (Jochen G.)
    will ich auf meiner Seite nicht.
    Um solche Kommunikation zu ermöglichen, ist meine Arbeit nicht gedacht.

  • 45 Marco // Okt 5, 2016 at 10:57

    Ach, schade! Hier: https://radverkehrhamburg.wordpress.com/kfz-lobby-vs-rad/ hätte ich Ihnen schon ganz gerne einen Kommentar hinterlassen

  • 46 Zahlendreher // Okt 5, 2016 at 11:27

    Liebe Leute,

    die Politik der Separation, die vom Bundesverband betrieben wird, kann nur gestoppt werden, wenn andere Positionen im Verein vertreten werden. Wer austritt, überlässt dn Befürwortern der Separation die Mehrheit im ADFC!

    Die Konkurrenz der Verkehrsteilnehmer um den Platz wird immer wieder angeführt, auch vom Geschäftsführer des Bundesverbandes. Diese Konkurrenz gibt es faktisch nicht. Wenn der MIV im Anteil sinkt und der Radverkehr zunimmt, wird der Verkehr verlagert. Der Radverkehr kommt ja nicht hinzu, oder fahrt ihr an einem Tag zweimal zum Brötchen holen? Der Radverkehr übernimmt Anteile vom MIV und benötigt auch noch weniger Platz für eine ähnlich hohe Verkehrsleistung. Mehr Radverkehr bedeutet mehr Platz in den Städten, nicht weniger.

  • 47 Marco // Okt 5, 2016 at 11:35

    Du schreibst es ja selbst:

    „oder fahrt ihr an einem Tag zweimal zum Brötchen holen?“

    Nein, dafür gehe ich zu Fuß. Ich will gar nicht zum Brötchen holen fahren, sondern richtig. Und solange der ADFC das zu verhindern weiß, wird er meine Mitgliedsbeiträge und die anderer auch, nicht mehr bekommen. Gegen die Strukturen, die ganz offensichtlich im ADFC vorherrschen, mag ich dort nicht (mehr) sprechen. Ích glaube, da wäre es sinnvoller, daß ganz Ortsverbände sich auflösen, um sich zu einer neuen Lobby zu formen.

  • 48 Hank // Okt 5, 2016 at 12:51

    @Strizzi: von mir aus können so viele Radwege gebaut werden, wie gewollt. Nur möchte ich zu meiner Sicherheit nicht darauf gezwungen werden und ich möchte nicht, dass mir die Nutzung der danebenliegenden Fahrbahn verboten wird. Sollte ich einen guten und sicheren Radweg finden werde ich diesen freiwillig nutzen.

  • 49 Jochen G. // Okt 5, 2016 at 13:57

    Strizzi, so langsam wird mal wieder so richtig konfus. Catch 22 … als ob ich oder Marco oder andere Kritiker für den Mist der Autogerechten Städte, oder deren Verteidigung verantwortlich wären. Sind wa abba nich.

    Ich bemühe mich für gewöhnlich und so gut es geht, Realist zu sein und zu bleiben. Wird seit einiger Zeit immer schwerer, da sich eine deutlich kynische, manchmal auch zynisch erscheinende Ausdrucksweisen bei mir mehr und mehr durchsetzen. Ich habe den Glauben an „die bessere Zukunft“ zum Großteil bereits aufgegeben, was ich aber als Folge von eben Realimus sehe.

    Die Städte sind einseitig geplant und gebaut und so umstrukturieren, wie das in NL normal ist, geht halt nicht mal eben so. Und weil man die Städte auch nicht abreißen und komplett neu bauen kann, greift man zu anderen Wegen und die entpuppen sich dummerweise häufig, oder immer häufiger als eben schlecht und keine substantielle Verbesserung für den Radverkehr und die notwendige Verkehrswende.

  • 50 Jupp // Okt 5, 2016 at 14:56

    Soweit ich weiß war die Situation in NL früher auch nicht anders als bei uns. Die Bürger dort haben aber entschieden, dass sie den Weg zur autogerechten Stadt nicht weiter mitgehen wollen und umgesteuert. Den KFZ Flächen wieder abgenommen, das Autofahren in Zentren unattraktiv gemacht und die freigewordenen Flächen und Gelder für das Velo eingesetzt.
    Bei uns wäre das auch möglich. Nur muss man den Mut haben, zu sagen, dass es mehr Radverkehr in den Städten nur mit weniger KFZ-Verkehr geben kann. Entweder gibt es mehr Radler auf der Fahrbahn, was diese für KFZ unattraktiver macht. Oder man baut gleich um, entzieht den KFZ so manchen Teil der Fahrbahn und nutzt ihn für das Velo. So oder so ist das KFZ erst mal der Verlierer.
    Und so lange die Masse der Bevölkerung und Politik und Wirtschaft das nicht wollen, wird es nicht passieren.
    Was den trotzdem zunehmenden Radlern bleibt, ist, sich ihren Platz auf der Fahrbahn zu erstreiten. Die untermaßigen und gefährlich angelegten Radwege bisheriger Machart sind nicht die Lösung des Problems. Und wenn der ADFC genau diese Wege behalten und vermehren will, ist er der falsche Verein für jeden, der sich ab und zu mal auf das Rad setzt und erst recht für Vielfahrer.

    Ich werde es vielleicht mal mit dem VCD versuchen…

  • 51 Norbert // Okt 5, 2016 at 15:26

    Year, der Kampf der Restauristen gegen ihren imaginären Feind und das Conter der Nicht-Angesprochene, die sich dennoch gemeint fühlen, beginnt nun auch hier und überlagert jede Diskussion … 🙁

  • 52 Roger Eichler // Okt 5, 2016 at 21:34

    Hey, ich wüsste gerne wer du bist. Kann ich im Text nicht erkennen. Egal.
    Deine Kritik am ADFC teile ich voll und ganz und habe sie dem ADFC auch geschrieben. Ich bin genauso stinksauer und pissed off und kriege mich kaum ein im Moment.
    Fragt sich leider nur, ob wir eine Alternative zum ADFC haben.
    Wenn ich da jetzt austrete: Dann bin ich wieder Einzelkämpfer und kann nicht mehr als Verbandsmitglied irgendwo auftreten und argumentieren. Ich merke schon, dass mich Leute, z. B. in Verwaltungen oder Medien viel ernster nehmen, wenn ich mich als ADFC-Mitglied vorstelle. Ansonsten wäre ich für die irgend so ein verschrobener Heini. Ich kenne in Kerpen einen netten älteren Herrn, der sich für den Radverkehr einsetzt. Sehr engagiert, sehr fachkundig, sehr hartnäckig. Aber Einzelkämpfer. Ich kriege mit, wie über den Mann gelästert und gespottet wird. Hat er nicht verdient.
    Also wir sollten denen im ADFC, die jetzt diesen Riesenbockmist verzapft haben, nicht kampflos das Feld überlassen.
    Oder? Bessere Idee? Her damit…!
    Vor Jahren gab es in Köln mal die „Fahrradinitiative“. Muss die jetzt als Alternative zum ADFC wiederbelebt werden?

  • 53 Vorstadt-Strizzi // Okt 5, 2016 at 21:52

    Jochen G.
    „Und weil man die Städte auch nicht abreißen und komplett neu bauen kann …“

    Bei aller Liebe, aber das Argument verstehe ich nicht. MIV umorganisieren und Radinfra bauen ist kein Weltkrieg.

    Zum Vergleich: Hamburg plant und Berlin baut gerade ne neue Stadtautobahn (Viel Platz, viel Lärm, viel Abgas, viel Tote, zig Mrd €).

    Meinst du, Autobahnen in der Stadt, das geht leichter als Radwege?
    Autobahnen sind nun nicht gerade als besonders minimalinvasiv bekannt. Ich glaube, wenn man für Autobahnen keine Städte abreißen muss, dann doch wohl erst recht nicht für Radinfra, oder?

    Mir fällt auch, ehrlich gesagt, spontan weder eine Stadt in den Niederlanden noch in Dänemark ein, wo eine Stadt für Radinfra abgerissen und wieder neu aufgebaut werden musste.
    Welche meinst du denn?

  • 54 Gast // Okt 6, 2016 at 09:45

    Ich denke, ihr schätzt die Lage etwas unangemessen positiv ein. Dem ADFC sind die möglichen Folgen sowohl der Änderung als auch im Verein natürlich bewußt, so doof kann niemand sein. Natürlich ist damit gerechnet, das einige austreten werden. Aber sie wissen, das die meisten schön weiter zahlen und womöglich noch weiter arbeiten. Damit sind die sowieso Unbelehrbaren endlich raus, aus dem Weg, die Widerspenstigen sind halbwegs unter Kontrolle und werden sinnlos beschäftigt, aber die Mitgliederzahl steigt (hoffentlich) trotzdem oder jetzt erst recht.

  • 55 Marco // Okt 6, 2016 at 10:07

    Andererseits: der ADFC finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, oder?

    Was mich dabei ein wenig irritiert, laut Website gibt es 160.000 Mitglieder, die Mitgliederzeitschrift hat eine Auflage von 90.500. Gibt es tatsächlich so viele Familienmitgliedschaften?

  • 56 Matthias // Okt 6, 2016 at 12:22

    Lieber Vorstadt-Strizzi,
    es ist vor allem die Wahl der Worte, die über den Schreiber so manches verraten.   Der ADFC im Würgegriff von Radaktivisten, die ohnehin nur eine sehr kleine Minderheit sind… , und die mit Dauerfeuer versuchen, …Mit Verlaub, das klingt schon ein wenig nach Verschwörungstheorie. Und zum Dauerfeuer: Warum diese Kriegsrhetorik?

    Warum setzt sich der ADFC  nicht ein für

    – die Einhaltung von Mindestmaßen von Radverkehrsanlagen?

    – die Einführung derselben in die StVO?

    – die Einführung eines Mindestabstandes in die  StVO beim Überholen?

    Gute Radwege brauchen keine Benutzungspflicht. In Paragraph 2 steht, dass Fahrzeuge die Fahrbahn benutzen sollen. Radwege dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen ausgewiesen werden.

    Der Grund für Paragraph 45.9 war, Schilder zu reduzieren und den fließenden Verkehr nur zu beschränken,   wenn es nötig ist. Das soll jetzt nicht mehr für Radfahrer gelten.  Eine Ungleichbehandlung, für die es keine Rechtfertigung gibt.

  • 57 Norbert // Okt 6, 2016 at 13:45

    @ #54

    Ein Verein, der es wichtig findet viele Mitglieder zu haben, hat kein Interesse daran zu überprüfen, ob alle Familienmitglieder wirklich noch die Voraussetzungen erfüllen. So kann man die Mitgliederzahlen künstlich hoch halten.

  • 58 Öcher Jung // Okt 7, 2016 at 05:25

    Wer mal in der Satzung des BDR (Bund Deutscher Radfahrer) nachsieht, wofür dieser Verband steht, wird feststellen, dass es den ADFC eigentlich nicht bräuchte. – Wenn der BDR nach den Maximen seiner eigenen Satzung arbeiten würde. Tatsächlich ist er aber zurzeit „nur“ ein Sportverband. Wer also ein Umfeld für Betätigung im Sinne der Agitation für guten Radverkehr sucht, hier liegt ein ganzer Bereich seit Jahren brach.

  • 59 Gast // Okt 7, 2016 at 07:45

    > Eine Ungleichbehandlung, für die es keine Rechtfertigung gibt.

    Du siehst doch selbst, das es sie gibt. Was sie wert ist, liegt im Auge des Betrachters. Männerdiskriminierung wird ja schließlich auch mit Gleichberechtigung gerechtfertigt (inklusive Blockwart-Ämter gegen Gedanken-Verbrechen auf EU-Ebene, man lese die Vorschläge dazu).
    Deshalb können Rufe nach der Freiwilligkeit von Radwegen, Meckereien wegen Benachteiligung, Einforderung des Rechtes auf körperliche Unversehrtheit, Freiheiten usw. ganz schnell nach hinten los gehen, auch ohne Messer im Rücken durch einen ADFC. Dagegen kann nur ein Verbot jeglicher Wegelchen schützen. Was Radfahrer noch immer nicht begriffen haben, ist, das allein die Maßstäbe der Ämter zählen, welche sich am Ende auch aus der Einstellung der Gesellschaft speisen. Und die sehen nunmal so aus, das Radfahrer bewegte Scheißehaufen sind. Es nützt nichts, auf Rechte und Pflichten zu beharren, die den Entscheidern egal sind. Man muß ihnen die Möglichkeit nehmen, hier: Separierung in jeder Form (ja, auch „Fahrradstraßen“).
    Weil auch das ausgeschlossen ist, wie sich ja nun zeigt, bleibt nur die Selbsthilfe: Blaue Schilder und Verbote ignorieren und ausschließlich Fahrbahnen benutzen und dafür keine Umwege durch 30er-Zonen nehmen.

  • 60 Stefan Dexheimer // Okt 11, 2016 at 11:26

    Hallo,
    ich habe mal an Hr. Syberg geschrieben und folgende Antwort erhalten.

    Sehr geehrter Herr Dexheimer,

    Herr Syberg hat mich als für Verkehr/Verkehrspolitik zuständiges Bundesvorstandsmitglied gebeten, Ihre Mail zu beantworten.

    2013 hat die Bundeshauptversammlung des ADFC das verkehrspolitische Programm des ADFC beschlossen. Dieses geschah einstimmig und ohne Enthaltungen. Sehr komprimiert zusammengefasst lautet die Kernaussage des verkehrspolitischen Programms: ALLE Menschen sollen sicher und komfortabel Fahrrad fahren können und sich dabei auch sicher fühlen. Der Bundesvorstand ist der Meinung, dass dieses mit der absoluten Forderung von Rad fahren auf der Fahrbahn im Mischverkehr nicht umzusetzen ist. Stattdessen ist eine differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Führungsformen des Radverkehrs unter Beachtung der konkreten Lage vor Ort notwendig. Wir haben deshalb in einem breiten Beteiligungsprozess „Leitlinien des ADFC für sichere, zukunftsfähige Radverkehrsinfrastruktur“ erarbeitet, zur Meinungsabgabe unserer Mitglieder ins Netz gestellt und der Bundeshauptausschuss hat sie am 24.9. beschlossen. Die Bundeshauptversammlung des ADFC wird im November darüber final entscheiden. Im Netz lag die Zustimmung unserer Mitglieder bei 81% bis 98% zu den einzelnen Abschnitten. Diese differenzierte Betrachtung beschreibt Forderungen für eine moderne Radverkehrsinfrastruktur die unserer Meinung nach der Forderung des verkehrspolitischen Programms entsprechen, nämlich dass alle Menschen sicher und komfortabel Fahrrad fahren können. Auch Kinder und Ältere. Die Leitlinien habe ich Ihnen in die Anlage gelegt.
    Das habe ich hier vorweggeschickt, um die Basis unseres Handelns deutlich zu machen.
    Was ist jetzt bei der Änderung der STVO insbesondere mit dem berühmten §45, Absatz 9 passiert.
    Der Absatz 9 ist geblieben! Deshalb gibt es auch keinen Rückfall auf den Status von vor 1997. Die Grundlage für die Anordnung der Benutzungspflicht bei baulich getrennten Radwegen ist unverändert geblieben. Komplett. Geändert hat sich etwas bei der Einrichtung von Radstreifen. Diese können jetzt tatsächlich leichter eingerichtet werden, da die außergewöhnliche Gefährdungslage dafür nicht mehr notwendig ist. Wir begrüßen diese Regelung aus folgenden Gründen.
    Die Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht in den konkreten Situationen vor Ort hat das Verhalten der Radfahrenden kaum bis gar nicht verändert. Immer noch fährt auch auf den nicht benutzungspflichtigen Radwegen der weit überwiegende Teil der Menschen. Man kann das vielleicht bedauern, ignorieren darf man es nicht. Denn diese Menschen sind bei den Schrottradwegen aus der Vergangenheit gefährdet. Aber sie wollen aus was für Gründen auch immer nicht auf der Fahrbahn fahren. Nach bisherigen Fassung der STVO konnte man diesen Menschen auf der Fahrbahn nur einen Schutzstreifen anbieten. Diese sind aus guten Gründen nicht benutzungspflichtet, denn die Mindestmaße betragen nach ERA (Empfehlungen für Radverkehrsanlagen) für Schutzstreifen gerade einmal 1,25 Meter und einem Sicherheitstrennbereich zu parkenden Autos von gerade einmal 50 Zentimeter. Außerdem dürfen sie von Autos überverfahren werden und sind damit primär Autofahrbahn. Diese Alternative halten wir für schlecht. Weil sehr viele Menschen weiterhin auf den schlechten Radwegen fahren, weil sie nicht auf der Fahrbahn oder einem Schutzstreifen fahren wollen, begrüßen wir die Einrichtungsmöglichkeit von Radfahrstreifen, die den Flächen des fließenden Autoverkehrs weggenommen werden. Diese Radfahrstreifen sind dann in der Tat benutzungspflichtig. Aber mal ehrlich: was spricht denn dagegen, einen 2 Meter breiten Radfahrstreifen zu benutzen? Ich habe nichts dagegen dem Autoverkehrs Flächen zu entziehen, anstatt diese Flächen mit dem Autoverkehr zu teilen.
    Dort wo keine Radstreifen angelegt werden, bleibt alles beim Alten, das Urteil des BVG in Leipzig hat weiterhin Bestand. Und es sei hier auch erwähnt: das hat nicht nur Vorteile. Es bleibt nämlich nicht nur die Anordnung der Benutzungspflicht erschwert, sondern auch die Anordnung von Tempo 30, die der ADFC fordert.
    Es bleibt also noch die erleichterte Anordnung der Benutzungspflicht außer Orts. Das wird in der Praxis kaum etwas ändern, weil die Gerichte uns hier eh keine Chance gelassen haben, weil sie in der Regel bei Tempo 70 oder mehr die besondere Gefährdungslage als gegeben ansahen.

    Ich hoffe, ich konnte Ihre Bedenken zerstreuen und sie von unserem Handeln überzeugen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ludger Koopmann
    Stellvertretender Bundesvorsitzender
    – Verkehrspolitik –

  • 61 Christoph S // Okt 11, 2016 at 14:48

    Ich hatte meine Mail mit den Worten „ADFC-Bundesvorstand, mir graut vor Dir!“ begonnen und daraufhin die folgende verbale Entgleisung von Herrn Koopmann erhalten:

    „Hallo Christoph,

    ich finde Du solltest Deine Sprache im Zaum halten. Grauen ist etwas
    anderes, als was Du gegenüber dem Bundesvorstand empfindest. Wenn Du
    wirklich Grauen empfinden willst oder wissen willst was das ist, dann musst
    Du mal die Leute in Aleppo fragen. Also bitte auf dem Teppich bleiben. Diese
    Art von Verunglimpfung von Menschen finde ich, um es in aller
    nicht-euphemistischer Art zu sagen, zum kotzen.

    Du hast offensichtlich einige Sachen nicht verstanden. Das Du ausschließlich
    Fahrbahnfahren akzeptierst und es Dich offensichtlich in keiner Weise
    interessiert wie andere Menschen fahren wollen ist Deine Meinung. Das
    betrifft wohl vor Allem Kinder und ältere Menschen. Ich habe eine andere
    Meinung, nämlich die, dass alle Menschen sicher und komfortabel Fahrrad
    fahren können. Und das ist meiner Meinung nach nicht auf allen Straßen im
    Mischverkehr gegeben. Den Leitlinien zur Radverkehrsinfrastruktur, in der
    eine genaue Differenzierung der unterschiedlichen Infrastrukturmöglichkeiten
    vorgenommen wird, haben übrigens nicht nur viele tausend ADFC-Mitglieder in
    der Abstimmung zugestimmt, sondern auch der BHA mit lediglich drei
    Gegenstimmen.
    Deine Ausführungen zu den holprigen Fahrradwegen ist von Unkenntnis geprägt
    und Blödsinn. Durch die Beibehaltung des §45, Absatz 9 ist genau die
    bisherige Einschränkung der Radwegebenutzungspflicht auf die das
    Bundesverwaltungsgericht sich berufen hat, bestehen geblieben. Klagen haben
    daher genau die gleichen Chancen wie bisher.
    Radstreifen werden auf der Fahrbahn angelegt und haben daher die gleiche
    Oberflächenqualität wie die Autofahrbahn und betreffen Deine Ausführungen zu
    den Radwegen mit der schlechten Oberfläche nicht. Du verschweigst auch
    geflissentlich, dass bisher statt dieser Radstreifen nur „Schutzstreifen“
    eingerichtet werden konnten.

    Also nicht vom Grauen überwältigen lassen, sondern sich informieren.
    Übrigens wirst Du für Deine Meinung weltweit keine Radfahrorganisation
    finden die das mitträgt.

    Schöne Grüße aus Bremen

    Ludger“

  • 62 Christian // Okt 11, 2016 at 17:39

    Ludger belügt sich selber. Die Straßenteile, auf denen sich Ältere und Kinder oft sicher fühlen sind zur Zeit nicht die Straßenteile, auf denen sie sicher sind. Sich fürs Fußwegradeln und für Radfahrstreifen (hier zu Gegend immer untermaßig ohne Sicherheitsraum) einzusetzen ist dämlich. Besser wäre es, die permanente Gefährdung durch die Autofahrer endlich sinnvoll einzudämmen.

  • 63 Karl Kreidbaum // Okt 11, 2016 at 21:44

    @Marco: Technisches Problem?
    Es gibt 61 Antworten bis jetzt, aber nur die letzten bieden von Stefan Dexheimer und Christoph S sind sichtbar. Stefan Dexheimer hat die Numemr 1, Christoph S die Nummer 2.
    Warum sind die anderen nicht mehr sichtbar?

  • 64 Marco // Okt 11, 2016 at 23:17

    Hm, tatsächlich. Ich Check das mal.

  • 65 Jochen G. // Okt 12, 2016 at 10:01

    *brrrr* Also jene beiden Briefe von dem Herrn Koopmann sind genau von der Art, wo ich nach (unterbrochenen*) Lesen, erstmal eine deutliche Pause brauche, da ich sonst zu deutlich in das altbekannte Empörungsschema zurückfalle, bei dem sich solche Leute wie Koopmann dann sogar noch bestätigte sehen in ihrer verengten und vieles ausblendenden Art des Denkens und Kommunizierens.

    *: Ich konnte das nicht am Stück lesen, da zwischendurch der Blutdruck in ungesunde Höhen gestiegen ist.

    Auch jetzt „darf“ ich mich nicht zu fein mit Details befassen; Blutdruck!

    Mir zeigen die Briefe, daß es zu einem Austritt und auch dem Versuch etwas wirksameres, besseres Neues aufzuziehen, keine Alternative mehr gibt, da man es dort auch nur noch mit Politikern zu tun hat, die nur auf Rosinenpickerei aus sind und alles was ihnen nicht passt entweder wegignorieren, oder verdeckt diffamieren. Was sie aber nicht tun, ist sich ehrlich und konstruktiv mit der Wirklichkeit zu befassen, bzw. dies eben nur soweit, wie es ihnen in ihren eigenen Kram passt. Aber wo der persönliche Wohlfühltellerrand endet, ab da beginnt eben sowas wie oben nachzulesen.

    Nun wollte ich eigentl9ich noch ein paar Worte inhaltlicherer Art verlieren, aber die Länge.. die Länge.. – Daher nur noch zu der Abart dieser Angepasstheit an aktuelle mediale vorgegebene Political Correctness. Mit dem Zurechtweisen was denn gefälligst Grauen zu sein hat und deswegen andere Dinge es gefälligsteststest nienicht zu sein hat – Drohfinger wackelt! – offenbart dieser Stellvertrende Vorsitzende in erschreckender Deutlichkeit sein wahres Gesicht, seine wahre Natur. Nämlich… ne, sorry, der Blutdruck wieder, ich führe das nicht mehr zuende. Wofür auch, die die es anginge, interessieren sich eh nicht dafür.

    Und da ist sie wieder: Die Politikerverdrossenheit!

  • 66 Jochen G. // Okt 12, 2016 at 12:02

    Ich versuche mich jetzt doch noch an ein paar Details und bemühe mich um Kürze.

    Koopmann verweist – als Rechtfertigungsgrundlage? – auf das 2013 einstimmig und ohne Enthaltungen beschlossene „verkehrspolitische Programm des ADFC“.
    Bereits hier kräuselten sich bei mir ein paar Nackenhaare, denn bei sowas wird ja nicht Punkt für Punkt abgestimmt, sondern über ein Gesamt“paket“. Jeder Delegierte ist also entweder komplett dafür, oder komplett dagegen, oder hat komplett keine Meinung. Solch einem Programm kann man eines niemals vorwerfen: Das es differenziert sei, oder gar eine differenzierte Meinung der Basis (und nicht bloß der Delegierten…) wiedergeben würde.

    Das also vorweg.

    Nun kommts. Koopmann sagt der Bundesvorstand habe aus diesem Programm und seiner 100%igen Zustimmung abgeleitet(!), daß die absolute(!) Forderung vom Radfahren auf der Straße im Mischverkehr nicht hierzu passen würde.
    Und an der Stelle reißt es mir die senkrecht stehenden Nackenhaare regelrecht aus ihrer Verankerung!

    Was für eien absolute Forderung? Und von wem? Wovon redet der Mensch??????? ERfahren wir nicht, braucht man auch nicht, denn der Vorstand ist sich direkt einig, Mischverkehr geht also absolut gar nicht. Und was bleibt also? Na die Separierung und da man vorher ja schon eine angeblich absolute Forderung abgelehnt hat, kann das folgerichtig nur bedeuten: Der ADFC Bundesvorstand setzt sich also in absoluter Weise für die Separierung des Radverkehrs vom übrigen Verkehr ein!

    Sollte jemand auf der semantischen Eben noch irgendein Mäuseschlupfloch finden, daß ich übersehen habe, bitte ich um Nennung selbigens.

    Das ist also das was der ADFC Bundesvorstand aus dem „verkehrspolitischen Programm“ für sich als umzusetzende Aufgabe sieht.

    Aber geht ja noch weiter.

    Es wird sich dann doch wieder zu einer differenzierten Betrachtung der jeweiligen möglichen fürhungsformen des Radverkehrs bekannt. Passt mal nicht zu dem was er vorher verkündet hat, aber schauen wir mal weiter.

    Die „„Leitlinien des ADFC für sichere, zukunftsfähige Radverkehrsinfrastruktur“ und ihre Zustimmung im Netz von 81-98%. Ja ich kann mich erinnern, daß da mal was rein kam und ich habe auch versucht es zu lesen und zu verstehen, aber es war in einer solchen Weise gehalten, daß ich das nach kurzer Zeit komplett aufgegeben habe.
    Der mir hier wichtige Knackpunkt aber ist: Die sogenannten Zustimmung ist das Ergebnis einer nicht repräsentativen Rückmeldung, also sozusagen einer Art Umfrage und Koopmann nennt hier auch keinerlei Zahlen zur „Teilnahme“. Welche Aussagekraft mag das also aufweisen??
    Ist aber kein Problem, man stellt sich solche Fragen erst gar nicht und kann umso leichter mit dem „Ergebnis“ in untermauernder Weise argumentieren.

    Aber was hat sich nun daraus ergeben? Koopmann fasst es so zusammen: „.. dass alle Menschen sicher und komfortabel Fahrrad fahren können. “

    Gut, wegen Kürze und so, mache ich einen Sprung.

    Koopmann stellt verschiedenes fest:
    „. Denn diese Menschen sind bei den Schrottradwegen aus der Vergangenheit gefährdet. Aber sie wollen aus was für Gründen auch immer nicht auf der Fahrbahn fahren. “

    und

    „Weil sehr viele Menschen weiterhin auf den schlechten Radwegen fahren, weil sie nicht auf der Fahrbahn oder einem Schutzstreifen fahren wollen, begrüßen wir die Einrichtungsmöglichkeit von Radfahrstreifen…“

    Aha.
    Der ADFC weist nicht weshalb die Leute weiterhin auf dem Gehweg oder den alten und sehr schlechten Radwegen fahren, aber sie nehmen das mal als gegeben hin, sozusagen als Ausdruck einer Willensbekundung, sagen wir wie ein en bloc Beschluß eines „verkehrspolitischen Programms“ und verwenden wir es als Argument weshalb man ja nur tun würde, als die Radfahrer ja offenbar bevorzugen.

    Wo sind aber die Versuche das Verhalten zu hinterfragen?
    Wo sind die Aktionen zur Aufklärung (vielfältiger Art und Weise)?
    Wo sind die Aufrufe an Städte, Kommunen und Verkehrswacht hier endlich ebenso vorzugehen, die Menschen (Radfahrer, wie Autofahrer!) aufzuklären, Fehlverhalten zu benennen und evtl. sogar auch zu ahnden? Jaaa, gibt es ganz vereinzelt und zaghaft und zumeist nur für Eingegweihte wahrnehmbar, ebenso gibt es Aufklärung wo Falsches erzählt und Wichtiges vorenthalten wird (ja, von ADFC Ortsverbänden, hab ich hier so erlebt).

    Kurz: Ludger Koopmann macht es sich erschreckend einfach. Er wirft Dinge in einen Topf, die nicht zusammen gekocht werden sollten. Er argumentiert unausgewogen, mitunter sogar an der Grenze zur Verlogenheit und er differenziert stets unter der Maßgabe einer vorgefertigen Scheuklappe, die sich schon nahezu dogmatisch an dem Eingangs formulierten Grundlagengedanken orientiert: Weg vom Mischverkehr, hin zur Separierung.

    Verschiedenes hab ich nicht angeschnitten, da dies hier sowieso schon wieder um ein vielfaches länger geworden ist, als ich gehofft hatte.

    Über die erheblichen Diskrepanzen bei der Träumerei mit den Radfahrstreifen, soll sich jemand anderes auslassen, oder es wurde sich schon ausgelassen.

    Mir reicht, liest eh kaum noch jemand was soweit hinten steht, zumal wenn es so lang ist.

    fin

  • 67 Jupp // Okt 12, 2016 at 15:24

    Ihr könnt mich steinigen, aber ich fand die erste Antwort gar nicht so schlecht.
    Wenn es darum geht, den Radler auf der Fahrbahn zu halten, ihm dort aber einen ausreichend breiten Freiraum zu bieten, bin ich dabei. Die unsäglichen Schutzstreifen sind ja nur lächerlich.
    Und außerorts muss man sehen. Gute Radwege brauchen keine Benutzungspflicht, schlechte Radwege sind unzumutbar und somit nicht nutzungspflichtig, egal, was da für Schilder stehen.

  • 68 Marco // Okt 12, 2016 at 15:46

    Jupp, ab 4 Meter wäre ich sogar dabei. Was wir aber bekommen werden, sind 1,85m, die noch nicht mal zum Überholen verlassen werden dürfen.

    „Wenn da ein Schild hängt, haben sie da zu fahren!“, erklärt Dir dann der bewaffnete Schutzmann. Wie fatal und demütigend das ausgehen kann, selbst wenn du im Recht bist, kannst Du in diesem Blog nachlesen.

    Ich empfinde im Herbst bei Dunkelheit und Nässe einen linksseitigen Radweg schon als unbenutzbar, da ich durch die Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge geblendet werde und quasi im Blindflug bin. Ein Umstand, den wohl weder Schutzmann, noch ADFC Vorstand verstehen können – mangels Erfahrung.

  • 69 Norbert // Okt 12, 2016 at 17:21

    Nicht das ich dem ADFC in allen Punkten folge, aber die hier nachfolgenden Reaktion sind mir zu aggressiv und verbohrt.

    Was mich beim ADFC sehr wundert, dass man dort annimmt, Senioren wären eine „Problem“gruppe, die sich von anderen Radfahrer’innen fundamental unterscheidet.

  • 70 Jeremy // Okt 12, 2016 at 19:49

    Mangels Erfahrung und mangels Sachverstand. Wer noch nicht mal den Widerspruch zwischen den Regelmaßen der ERA und der Existenz von Überholmöglichkeiten bemerkt, sollte besser die Finger von Sachverhalten lassen, die im Zweifelsfall Leben und/oder körperliche Unversehrtheit von Radfahrern kosten.

  • 71 Karl Kreidbaum // Okt 12, 2016 at 22:10

    Ich sehe folgende Möglichkeiten, die ich aber nicht vollends bewerten kann, ich formuliere sie als Ideen, die ich zur Diskussion stelle.
    1. Im Artikel wurde das Bedauern für die Kölner Ortsgruppe des ADFC zum Ausdruck gebracht. Wahrscheinlich kann man die Ortsgruppe direkt mit Spenden unterstützen ohne dass Beiträge an den Dachverband gehen, notfalls mit Naturalien wie Druckerpapier, Tintenpatronen, ….
    2. Man könnte sich an den ADAC wenden. Warum sollte eine Automobillobby ein Interesse daran haben, dass dem KFZ-Verkehr Platz durch Radfahrstreifen weggenommen wird. Man hätte hiermit einen ungewöhnlichen Verbündeten.
    3. Zur Zeit läuft eine Umfrage seitens des ADFC unter http://www.adfc.de/mein-adfc zur Bewertung der aktuellen Thesen des ADFC durch die Mitglieder. (Mit Postleitzahl und den letzten 8 Stellen der Mitgliedsnummer einloggen.) Hier kann man die Thesen dann bewerten.
    4. Vielleicht besteht die Möglichkeit einer Verfassungsklage gegen ein Gesetz, welches einen stark benachteiligt. Mit dieser Materie kenne ich mich aber nicht aus und ich werde das auch nicht machen, würde aber jemand, der es macht, finanziell bis 100€ unterstützen. In der Broschüre der BAST, V184, Unfallrisiko und Regelakzeptanz von Fahrradfahrern heißt es auf Seite 3: „Auf mehreren untersuchten Radfahrstreifen bzw. Schutzstreifen kommen Radfahrer häufiger in kritische Situationen als auf Radwegen.“ Es ist also ein Gesetz, welches einen als Radfahrer benachteiligt / gefährdet und da könnte juristisch was zu machen sein.

  • 72 Peter Zapp // Okt 20, 2016 at 15:23

    In der Stadt treffen alle Verkehrsteilnehmer an den Kreuzungen und Querstraßen doch immer wieder aufeinander. Für jede Gruppe, deren Rechts- und Linksabbieger eigene Ampelschaltungen brächten den Verkehrsfluss vollends zum Erliegen, für jede Gruppe eigene Über- oder Unterführungen, Hochstraßen oder Tunnel sprengten städtische Haushalte und Platzverhältnisse.

    Die um sich greifende Straßenmalerei und blaue Beschilderung ist eine billige Scheinlösung. Da werden Fahrspuren und Parkstreifen einfach enger zusammengelegt, dazwischen noch ein Radweg bzw. ein „Schutz-“ Streifen gequetscht oder mit einem Fußweg zusammengelegt, das Unterschreiten der Sicherheitsabstände zu Fußgängern, geparkten Autos, überholten oder entgegenkommenden Radfahrern quasi amtlich angeordnet. Als Radfahrer kann man sich nicht darauf verlassen, dass gemalte oder beschilderte Wege sicher sind und den Regelwerken entsprechen, sondern muss mit Schikanen, Hindernissen und Sturzfallen rechnen.

    Die zunehmende Elektrifizierung des Radverkehrs erlaubt auch Untrainierten höhere Geschwindigkeiten, den Ritt durch anspruchsvolles Gelände mit anschließend schnellen Abfahrten. Da müsste die Apartheid eigentlich noch weiter vorangetrieben werden, mit eigenen Spuren für sportliche oder elektrische Radler. Den Kommunen gelingen aber nicht einmal Radwege, die durchgängig auch nur mit 15km/h befahrbar sind.

  • 73 Martin Keller // Jan 16, 2017 at 18:32

    Die Problematik ist ja eigentlich gar nicht so kompliziert, aber durch jahrzehntelange Einübung trotzdem total verfahren. Man separiert den Verkehr nach Antriebsart und nicht nach Geschwindigkeit, geht aber ohne Nachzudenken davon aus, dass das das Gleiche ist.

    Ich kann gut verstehen, dass eine Mutter mit Kind, das gerade mal gelernt hat, mit dem Rad etwas wackelig geradeaus zu fahren, lieber auf einem separaten Weg fahren möchte, wo sie mit dem restlichen Verkehr möglichst wenig in Kontakt kommt. Bei 5km/h ist es auch kein Problem, alle 100m mal anzuhalten, wenn wieder mal eine Fahrbahn quert. Wenn ich aber mit dem Velomobil mit einer Reisegeschwindigkeit von 45km/h, bergab auch deutlich schneller unterwegs bin, dann habe ich auf Radwegen / Radstreifen etc. einfach nichts mehr verloren. Egal wie gut sie gebaut sind, sie gefähren meine Sicherheit und die meiner Umgebung.

    Und um das Argument vorwegzunehmen „Dann fahr halt langsamer“: Ich müsste also langsam auf dem Radstreifen fahren, während ein Mofa mit 20km/h genau dort nicht fahren darf und stattdessen auf der Fahrbahn unterwegs sein soll? Ist das nicht ein ungeheurer Humbug?

    Warum nicht eine einfache Trennung nach Geschwindigkeit? Die Streifen sind für Fußgänger und Fahrzeuge bis max. 20 (oder 25 oder…) km/h frei, wer schneller fahren will hat gefälligst auf der Fahrbahn zu fahren. Eine einfache Regel und vor allem ohne Benutzungspflicht.

  • 74 Marco // Jan 16, 2017 at 18:43

    Richtig erkannt und gut beschrieben und da bin ich persönlich auch gar nicht weit von entfernt. Es scheint sich im ADFC noch nicht rumgesprochen zu haben, daß es durchaus Menschen gibt, die nicht „auch mal“ Fahrrad fahren, sondern die eben ausschließlich Fahrrad fahren. Nicht „3-8km“ zum Bäcker, sondern „20-80km“ zum Job. Ehrlich gesagt, weiß der ADFC durchaus, daß es diese Menschen gibt, aber er will sie gar nicht vertreten. Weswegen, u.a. ich ja eben diese Konsequenz ziehe, sich nicht mehr vertreten zu fühlen und auch nicht mehr vertreten zu lassen.

  • 75 Holger // Feb 8, 2017 at 21:56

    Nun negiert der Bundesvostand des ADFC sogar das Fahrrad als Fahrzeug. – Und Radfahrer auf Wegelchen zwingen ist auch ok.

    http://www.urbanophil.net/urbane-mobilitat/fahrradland-deutschland-jetzt-neues-denken-fuer-mehr-radverkehr/

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