Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

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#dankhelm freut sich die Kölner Radstation

Februar 3rd, 2016 · 7 Kommentare

Zunächst einmal, wenn auch etwas verspätet, allen Lesern ein Frohes neues Jahr! Fast schon traditionell möchte ich den ersten Artikel im neuen Jahr, wie in den letzten Jahren, auch wieder als kurzen Leitartikel ausarbeiten. Dieses Jahr wird’s allerdings wirklich eher kurz und knackig.

Ich habe -das dritte Jahr hintereinander- die Feiertage und den Jahreswechsel genutzt, um unter Mittelmeersonne zu entspannen und Rad zu fahren. Knapp 1500km bei meist 18° Grad, blauem Himmel und Sonnenschein ohne auch nur einen einzigen Zwischenfall. Kein Drangsalieren, kein Hupen, keine Aggressivität. Im Gegenteil. Und das quasi ohne jegliche „Fahrradinfrastruktur“. Das tat gut und machte mir nochmals deutlich, worauf es im Wesentlichen ankommt, wenn es darum geht, Radfahren sicher(er) zu machen: bevor ihr irgendwelche „Schutzzonen“ für Radfahrer einrichtet, belangt die Verursacher, diejenigen, die gefährden. Enges Überholen, zu schnelles Fahren, Abdrängen, Hupen, auf dem Geh oder Radweg parken – das alles sind immer noch „Kavaliersdelikte„, sie werden schlichtweg nicht sankioniert.

Auf Mallorca wird selbst jedes Überholen mit Blinker angekündigt und dann mit mehreren Metern Abstand und angepasster Geschwindigkeit vollzogen. Warum? Ursprünglich mal, weil jeder Autofahrer weiß, daß die Guardia Civil (die hinter jedem Kreisverkehr lauern kann) nicht zimperlich ist – mittlerweile … weil man es einfach so macht! Lektion gelernt!

Ja, es passieren Fortschritte in Köln, keine Frage. Mir gehen sie nicht weit genug. Das „Radverkehrskonzept Innenstadt“ birgt bestimmt ein paar gute Dinge, aber es ist undurchsichtig, die Findung war (und ist) katastrophal. Und was davon dann (und vor allem: wann!?) überhaupt durchgesetzt wird, steht auch noch in den Sternen. Ich wohne übrigens in Mülheim, einem Kölner Stadtteil – mir persönlich bringt eine Fahrradstraße in Sülz oder Lindenthal auch nicht so mörderviel, wenn dafür die „tollen“ „Schutzstreifen“ auf der Frankfurter Straße hier um die Ecke täglich zum Parken benutzt werden – unsanktioniert, versteht sich. Was das „Radverkehrskonzept“ eigentlich wirklich bedeutet, haben dieser Tage ein paar sehr fleißige Menschen vom Kölner ADFC ausgearbeitet und online gestellt. Um das deutlich zu sagen: diese Menschen haben zig Stunden ihrer Freizeit damit verbracht, ein konfuses Konzept in einer interaktiven Karte einigermaßen verständlich darzustellen! Das hätte ich von der Stadtverwaltung und dem ausführenden Planungsbüro (die werden dafür bezahlt!) erwartet! In Köln ticken die Uhren anders. Ich sage es nochmals und auch gerne: der ADFC geht mit dem Kredit, den er -auch von meiner Seite- mit seiner kürzlichen Wiederauferstehung bekommen hat, sehr gut um. Vielen Dank! Und weiter so!

Stattdessen bemühnt man sich die Stadt lieber um einen „Radschnellweg“ nach Frechen, der Pendler motivieren soll, einfach und schnell mit dem Fahrrad nach Köln zu kommen. Das ist prinzipiell natürlich schön, ABER: diese Verbindung kann man jetzt schon ganz hervorragend fahren (ich mache das regelmäßig), da müssen eigentlich nur Kleinigkeiten gemacht werden. Aber nein, Köln will das ganz große Ding: beleuchtete Strecke, E-Bike Tankstellen, Fahrradstraßen. Warum nur? Man könnte das viele Geld doch nehmen und besser den völlig maroden „Radweg“ am Militärring, einmal um Köln herum, sanieren, der hätte es bitter nötig! Ja, warum nur? Es gibt Fördergelder vom Land! Ach, darum!

Aber ich will nicht nur Meckern. Wie erwähnt, der ADFC mausert sich in Köln zu einer ernsthaften, sehr aktiven und immer einflußreicheren Lobby. Es wird wieder eine Sternfahrt in 2016 geben und die Critical Mass hat in 2015 mehrmals an der 1000er Marke gekratzt, im Januar 2016 fuhren bereits 300 Menschen mit und aus eben dieser Bewegung entstehen wiederum ganz viele Engagements, die versuchen, es den Radfahrern in Köln etwas einfacher zu machen. Ich drücke das mal so aus: vor rund 8 Jahren war ich mit Arne alleine – jetzt hat die Hydra ein paar Köpfe mehr! Viele Menschen, die sich kümmern und einmischen! Ich habe mich heute noch mit einem sehr engagierten ADFC Aktiven unterhalten, der meinte „anstatt immer nur darüber zu reden, muß ich echt mal wieder was Fahrrad fahren„. Recht hat er! Und so werde ich das dieses Jahr handhaben, ich habe ein paar persönliche, auch sportliche Ziele und die sind mir wichtiger, als über jeden Radverkehrsaspekt in Köln einen Blogbeitrag zu machen. Ich werde mich ein wenig zurückhalten, aber, liebe mitlesenden Menschen von Stadtverwaltung und Polizei, das heißt nicht, daß Ihr nichts mehr von mir hört! Ich werde meine Stiche nur etwas akzentuirter setzen!

Und so fange ich das neue Jahr mit etwas sehr lustigem an!
Der ein oder andere kann sich noch dran erinnern, ich hatte die unselige #dankhelm Kampagne des Verkehrsministeriums gehackt und mit einem selten dämlichen Tweet tatsächlich ein paar Fahrradhelme für die Kita Hasenschule gewonnen! Der ein oder andere hat mich ein wenig gefeiert und ich selbst kam ein paar Tage kaum aus dem Lachen raus, ich mußte die Geschichte oft erzählen und ich glaube …. da haben es einige bis heute noch nicht gerafft 😉

Das ganze geht aber noch weiter. Ich hatte dem BMVI also die Adresse der „Kita Hasenschule“ (der Stadtverwaltung) angegeben, in der Annahme, daß irgendjemand von denen die Reaktionen bei Twitter oder meinen Blog mal liest oder einfach die Adresse checkt. Weit gefehlt! Eines Tages bekam ich tatsächlich eine e-Mail von einer Dame (wohl des Empfangs) der Stadtverwaltung Köln, „Herr Laufenberg, hier liegen ein paar Helme für sie!“. Da muss man sich also wirklich die Mühe gemacht haben, herauszufinden, wer ich bin (ich stelle mir grad vor, wie es da durchs Intranet geht „Kita Hasenschule? Kann da einer was mit anfangen?“. Da konnte der „Fahrradbeauftragte“ behördenintern bestimmt mal durch sein Wissen Pluspunkte machen 😉 ), um die Helme irgendwie an den Mann zu bringen. Ich war beruflich grad viel unterwegs und schaffte es erst ein paar Tage später, zu antworten. „Die Pakete haben wir schon wieder zurück geschickt„, antwortete man mir. Nun gut, kein Problem, dachte ich. Ich wußte eh nicht, was ich mit den Helmen anfangen sollte und gelacht hatte ich auch genug und für die Kneipe und bei Freunden ne super Story parat. Aber Nein! Genau wie Darth Vader: Das Bundesverkehrsministerium gibt nicht auf! Die dunkle Seite der Macht gibt wohl niemals auf …

Ich bekam eine e-Mail vom BMVI, daß da wohl etwas schief gelaufen wäre, die Helme seien zurück geschickt worden. Ich antwortete „sorry“ und gab meine Adresse durch. Und so begab es sich also, daß mein lieber DHL Bote eines Tages wirklich (!) aus dem Fahrzeug fiel vor Lachen! Er brüllte und schrie „KITA HASENSCHULE! HAHAHA!“, nachdem er klingelte. Alleine, diesem netten Mann einen Tag lang ein breites Grinsen verpasst zu haben, war die ganze Sache wert:

Kita Hasenschule!

Kita Hasenschule!

 

Da standen sie dann also. Zwei riesige Kisten, voll mit … Fahrradhelmen! Und noch viel schöner: ein Dankesschreiben! Man dankt mir persönlich für meinen Einsatz für mehr Verkehrssicherheit, juhu! Ich hab es schriftlich, mit meinem Tweet habe ich den „Einsatz für mehr Sicherheit auf deutschen Straßen unterstützt„. Hier zur Sicherheit nochmal mein Tweet:

#kein #Feinstaub #dankhelm

#kein #Feinstaub #dankhelm

 

Das Schreiben ist sonst natürlich nichts anderes als Selbstbeweihräucherung und Helmpropaganda, aber … hey! Ich hab ein Autogramm von Doro Bär!

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Ein Autogramm von Doro!

 

Nach jedem Rausch folgt die Ernüchterung. In diesem Falle: was mache ich bloß mit 18 Kinderfahrradhelmen? Und das zumal ich vom Helm als Wunderwaffe nun mal rein gar nichts halte (darüber hatte ich mich in meinem ersten Artikel hierzu ja bereits ausgelassen), andererseits wollte ich mich an der ganzen Nummer eh nicht selbst bereichern, sondern eher irgendwie „was gutes“ tun. Die Kinder in meiner direkten Nachbarschaft sind alle bestens versorgt, einen Helm habe ich meiner Freundin (die einen kleinen Kopf hat) geschenkt und die restlichen erstmal in den Keller gelegt.

Meine eigentliche Idee war, die Helme zu verkaufen und das Geld zu nutzen, um ein oder zwei einfache, gebrauchte Fahrräder zu kaufen, um diese gestrandeten Menschen, die Mobilität gut gebrauchen können, zu schenken: Kriegsflüchtlingen in Köln. Fand ich einserseits gut, andererseits hatte ich keine Zeit und Energie, den Verkauf/Versteigerung der Helme und dann den Ankauf/Aufarbeitung einiger Gebrauchträder zu organisieren. Im Herbst las ich dann im Mitgliedermagazin des Kölner ADFC „Fahr Rad!„, daß die Kölner Radstation eine Aktion „Fahrräder für Flüchtlinge“ initiiert hat und u.a auch konkret um Fahrradhelme bat. Na gut, for heaven’s sake, ich halte zwar nicht viel davon, den Menschen als allererstes einen Helm aufzusetzen, aber … was soll’s! Ich fand das besser, als sie eingelagert zu lassen und somit kam ich heute, 3. Februar, das erst mal in den Genuss, eines der ausleihbaren Kölner Lastenräder zu fahren. Ich lieh mir das ADFC-Lastenrad, belud es mit den Helmen und auf ging’s (angekündigt) zur Radstation. Allerdings nicht, ohne erst noch eine typische Kölner Verkehrsabsicherung umschiffen zu müssen. Ihr erinnert Euch. Flatterband. Man beachte die persönliche Note des Künstlers, eine Gehwegplatte zur Befestigung zu nutzen. Und ich dachte, das CityLeaks-Festival sei erst im Herbst :

Es flattert so schön!

Es flattert so schön!

 

Das Lastenrad zu fahren war zunächst etwas ungewöhnlich, aber nach ein paar Minuten hatte ich mich dran gewöhnt. Einzig, eine Hand vom Lenker zu nehmen oder der Schulterblick waren schon eine wacklige Angelegenheit – faszinierend aber, wie leicht man was für Lasten transportieren kann! Toll! Weniger toll fand ich den KVB-Busfahrer, der sich, als ich links abbiegen wollte und wegen Gegenverkehr warten mußte, rechts an mir vorbeidrängelte und mich dabei touchierte. Aber da sind wir wieder beim ersten Absatz dieses Artikels. Kavaliersdelikt.

Bei der Radstation freute man sich wirklich sehr über die „Spende“ (ich hatte es erläutert, woher die Helme kamen) und als ich grad ging, kam der Chef rein, dem ein Mitarbeiter noch einmal freudestrahlend zurief „der hat grad nagelneue Helme gespendet!“. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihm und stellte fest, daß ich einfach auch noch nie in der Radstation war. Muß ich nochmal hin.

Langer Mann, Kinderhelm, Lastenrad, Radstation.

Langer Mann, Kinderhelm, Lastenrad, Radstation.

 

Fazit: die Helme sind weg, irgendjemand freut sich und wenn ein paar Menschen diese Zeilen lesen, dann können wir uns sicher sein: #dankhelm und @dorobaer haben wir echt gelacht! Und Lachen ist gesund! Fast so gesund wie Fahrradfahren! In diesem Sinne wünsche ich Euch eine gute Trittfrequenz im neuen Jahr. Bleibt aufmerksam. Und dehnt Euch auch mal!

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Tags: ADFC · Allgemein

7 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 JP // Feb 4, 2016 at 07:48

    Eine sehr treffende Beschreibung der Gesamtsituation…
    Ich glaube, #ringfrei und die Reaktionen der Verwaltung werden uns RadfahrerInnen viel Freude im Jahr 2016 bereiten – inklusive Kopfschütteln!

  • 2 Christian // Feb 4, 2016 at 13:32

    Diese komische Helm-Aktion war eh schon dämlich genug, das musste ja so ein Ende finden 😉

    Zum Foto: Das Flatterband sichert bestimmt die Beschilderung, damit da bloß keiner gegen fährt, oder?

  • 3 Christoph S // Feb 7, 2016 at 19:55

    Realsatire von vorn bis hinten -mit „würdigem“ Ende.
    Ein Brief, der mit den Worten „Dorothea Bär Ihr Glücksbringer“ und einem Bild von Darth Vader endet, hat was! Bewahre ihn auf.
    =8-p

  • 4 flueggus // Feb 15, 2016 at 23:06

    Herrliche Realsatire, aber heißt es nicht eigentlich „Häschenschule“? 😉
    http://www.eichwaelder.de/Altes/altesbuch59.htm

  • 5 Marco // Feb 16, 2016 at 00:44

    das ist doch egal, Asis heissen ja jetzt auch Assis 😉

  • 6 Igel // Mrz 12, 2016 at 11:02

    Hab ich übersehen, wie aus 30 Hasenhüten 20 „quatro junior“ in die Steinkopfkita, (minus 1 für Privathäsin) letztlich 18 wurden?

  • 7 Marco // Mrz 12, 2016 at 15:54

    Es sind definitiv keine 20 geschickt worden. Minus dem einen für die Häsin … es müssen 19 gewesen sein!

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