Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

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Sanierung rechtfertigt Gefährdung?

August 25th, 2009 · 4 Kommentare

Seit gestern, Montag, den 24. August 2009, wird die Mülheimer Brücke saniert. Die Stadt Köln teilte dies am Donnerstag, den 20.8.2009 in einer Pressemitteilung mit.

Soweit, so gut. Die Mülheimer Brücke ist eine wesentliche Gefahrenstelle für den Radverkehr in Köln, es kam in der Vergangenheit öfters zu Zusammenstößen zwischen Radfahrern, die in der falschen Richtung als „Geisterradler“ unterwegs waren. An der Nord- und Südseite der Mülheimer Brücke sind Rad- und Gehweg jeweils mit Zeichen 241 beschildert. Trotzdem befahren täglich Dutzende, wenn nicht Hunderte Radfahrer den Weg über die Brücke als Geisterfahrer. Neben der offensichtlichen Tatsache, daß sich viele Gelegenheitsradler der Verkehrsregeln nicht bewußt sind oder sie schlicht ignorieren, war die Stadt Köln leider jahrelang nicht fähig, den richtigen Weg von der linksrheinischen Seite aus über die Brücke auszuschildern. Immerhin hingen -welch Ironie- eine zeitlang von „Velo 2010“ initierte Banner an den Pylonen (diese stellen wegen der Uneinsichtbarkeit des Weges besondere Gefahrenstellen dar), die darauf hinwiesen, daß „hier bereits Radfahrer verunglückten„.

Unabhängig davon, beschreiben die Unfallberichte mit Radfahrern der Polizei Köln nauf Velo 2010 auch eindrucksvoll, daß „Das Befahren von Radwegen entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung mit erheblichen Gefahren verbunden“ ist!

Ich habe in diesem Blog mehrmals über die Situation auf und an der Mülheimer Brücke berichtet, die Einträge finden sich hier. Einen weiteren Beitrag hat Arne von radgefahren.de verfaßt. Der Artikel beinhaltet ein imposantes Video, das allerdings nicht die komplette traurige Wahrheit wiedergibt. Ich befahre die Mülheimer Brücke fast täglich (teilweise mehrmals) und kann attestieren, daß mir derzeit -bei gutem Sommerwetter- bei einer Überquerung von rechts- nach linksrheinisch immer 4-7 Geisterfahrer entgegen kommen!

Die Polizei nimmt aus diesem Grunde auch des öfteren Verkehrskontrollen vor und bittet Geisterfahrer zur Kasse, was ich ausdrücklich befürworte. So geschah dies auf jeden Fall zweimal in jüngster Vergangenheit, letzte und vorletzte Woche.

Letzte Woche hat es also noch 15.- Euro gekostet, die Mülheimer Brücke als Geisterfahrer zu befahren, diese Woche wird der potentielle Genickbruch von der Stadt Köln angeordnet, denn (Zitat aus der oben erwähnten Pressemitteilung): „Fußgänger und Radfahrer werden gebeten, während der Arbeiten auf den jeweils offenen Geh- und Radweg auszuweichen.„! Und: „Fahrspuren für den Autoverkehr müssen nicht gesperrt werden und auch die vorhandenen Tempobeschränkungen bleiben bestehen.“. Na bestens! Die Sanierung dauert bis (voraussichtlich) Oktober, d.h. der Radverkehr ist hier ca. 2 Monate lang bewußt erheblichen Gefahren ausgesetzt! Aber -und das ist anscheinend das Wichtigste- der Autoverkehr kann ungehindert rollen.

Ungeachtet dessen ist die Beschilderung völlig verwirrend und gleicht einem Schildbürgerstreich sondergleichen:

Sanierung Mülheimer Brücke - Zufahrt rechtsrheinisch

Befährt man die Mülheimer Brücke derzeit rechtsrheinisch auf der Nordseite, stellt sich als erstes die Frage (wenn ich das Umleitungsschild mal nicht beachte, da es einfach überhaupt keinen Sinn macht), welches nun der „Radweg“ ist, der linke (der es normalerweise ist) oder der rechte, wie es das zusätzlich aufgestellte Zeichen 241 anzeigt. Dieser Umstand ist ein paar Meter weiter immens wichtig, da ja Gegenverkehr angeordnet wird. Die meisten Radfahrer (so tat es auch ich) werden -wie sie es gewohnt sind- den linken Weg wählen, dieser Weg ist aber -und das wird auf der anderen Seite angeordnet- der Gehweg!

Sanierung Mülheimer Brücke - Zufahrt linksrheinisch

Sanierung Mülheimer Brücke - Zufahrt linksrheinisch

Linksrheinisch geht der Wahnsinn weiter: insgesamt vier Verkehrsschilder und keines davon steht richtig! Der junge Mann im Bild belegt eindrucksvoll, wie die Beschilderung verstanden wird: gar nicht! Er spaziert auf dem „Radweg“, der aus entgegenkommender Richtung an dieser Stelle abschüssig ist und selbst nichtsportive Fahrer kommen hier problemlos auf höhere Geschwindigkeiten.

Sanierung Mülheimer Brücke - Treppenaufgang Südseite

Sanierung Mülheimer Brücke - Treppenaufgang Südseite

Die Beschilderung am Treppenaufgang linksrheinisch auf der Südseite der Mülheimer Brücke ist tatsächlich zu verstehen, allerdings disqualifiziert man sich auch hier selbst, denn laut Schild ist der „Radweg nach Riehl“ gesperrt, in Wirklichkeit ist es in diesem Falle der „Radweg“ nach Mülheim.

Sanierung Mülheimer Brücke - Treppenaufgang Nordseite

Sanierung Mülheimer Brücke - Treppenaufgang Nordseite

Und selbst den Treppenaufgang an der Nordseite (die Treppenaufgänge werden von einigen Radfahrern ihr Rad tragend genutzt und sind tatsächlich auch als Wege des NRW-Radverkehrsnetzes gekennzeichnet) auf den man soeben noch von der Südseite aus verwiesen wurde, sieht man nur absolut sinnfrei beschildert. Arne von radgefahren.de nennt solche Beschilderungen Verkehrsanalphabetismus. Das trifft es eigentlich nicht ganz, denn ein Analphabet ist streng genommen nicht dumm!

Sanierung Mülheimer Brücke - Zufahrt linksrheinisch

Der Schilderwald auf der linksrheinischen Zufahrt dürfte zum guten Schluß wohl nicht mehr verwundern.

Ich habe die Brücke gestern befahren und auch die Fotos gemacht und es war der blanke Horror. Die Wege sind selbst in Schrittgeschwindigkeit nicht gefahrlos passierbar. Wink des Schicksals, daß ich beim Fotografieren der Beschilderungen einen Mann traf, der vor ein paar Jahren einen Unfall mit einem Geisterfahrer hatte und seitdem arbeitsunfähig ist!

Anstatt den Radverkehr in Unfälle zu zwingen, muß er sinnvoll und sicher umgeleitet werden. Dies kann an der Mülheimer Brücke NUR durch die Umleitung auf die Fahrbahn geschehen!

Der AGFS hat übrigens mit Unterstützung des Ministeriums für Bauen und Verkehr in NRW eine Broschüre herausgegeben, die zusammenfaßt, wie Baustellenabsicherung im Bereich von Geh- und Radwegen funktioniert.

Die Forderung an die Stadt Köln, muß die sofortige Entschärfung der lebensgefährlichen Radverkehrssituation an der Mülheimer Brücke sein. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis durch die angeordnete Geisterfahrerei schwere Unfälle geschehen!

Und nochmals erwähnt: in der einen Woche Radfahrer zu kontrollieren (und abzukassieren!), die einen Weg benutzen, den sie die nächste Woche benutzen MÜSSEN, das nenne ich nicht mehr Abzocke, das ist allerdreisteste Abzocke!

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Tags: Baustellen · Mülheim · Mülheimer Brücke · Radwege · Verkehrsrüpel

4 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 lurk // Aug 25, 2009 at 14:13

    da fehlen einem die worte …

  • 2 Geisterfahrer wider Willen - Medienecken und wasmirindensinnkommt // Aug 25, 2009 at 21:06

    […] Eine ausführliche, bebilderte  und umfassende Darstellung der Situation auf der Mühlheimer Brücke finden Sie auf den Seiten von „Radfahren in Köln“. […]

  • 3 Es tut sich nichts!? // Sep 7, 2009 at 21:21

    […] schlicht Chaos und es alle paar Minuten zu gefährlichen Begegnungen. Ich setze nachts meinen ersten Artikel […]

  • 4 Hans // Sep 8, 2009 at 16:39

    „… daß sich viele Gelegenheitsradler der Verkehrsregeln nicht bewußt sind oder sie schlicht ignorieren …“

    Meiner Erfahrung nach vor allem zweiteres. Die Leute sind zu faul, vom Kuhweg aus die zweihundert Meter zur anderen Seite zu fahren, und gefährden lieber sich und andere. Mir begegnen immer wieder die gleichen Pappnasen als Geisterfahrer(innen), und denen ist sonnenklar, was sie da tun. Von mir aus dürften die Verwarnbungsgelder ruhig verdoppelt oder verdreifacht werden.

    Bei den Leuten, die von der Mülheimer Seite aus den südlichen Weg nehmen, ist die Sache noch eindeutiger. Sie sehen nicht nur die Schilder, sondern auch den (richtigen) Weg auf der Nordseite. Und sie müssen schon am Bergischen Ring auf der falschen Seite gefahren sein.

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