Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

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Essen auf Rädern!

August 16th, 2016 · 9 Kommentare

Dachten wir vor einem guten Jahr, unsere Kölner Polizei wäre unwissend und Recht beugend, als sie Radfahrer kriminalisierte und durch unverantwortliche Manöver gefährdete, sowie die Persönlichkeitsrechte hunderter Bürger ignorierte und verletzte, mussten unsere Freunde von der Critical Mass Essen letzten Freitag ähnliches, in noch lächerlicherem Ausmaße erleben:

„WAZ“: „Essener Polizei stoppt Massen-Radtour mit 200 Radlern

„WAZ“: „Polizei will weitere unangemeldete Groß-Radtouren verhindern

„WAZ“: „Critical Mass – Demonstration oder Schwarmradeln?

„WDR“: „Radtour in Essen eskaliert

„WDR 5“: „Westblick vom 15.8.2016“ (audio)

Für die ganz hartgesottenen, hier die offizielle Pressemitteilung der Essener Polizei. Aber, VORSICHT! Während des Lesens nicht essen oder trinken und die Kaffeetasse von der Tastatur fernhalten!
POL-E: Essen: Radfahrer blockierten Verkehr und beschäftigten zahlreiche Polizisten

Augenzeugen berichten übrigens, daß -obwohl Polizeisprecher Peter Elke meint, „Uns haben viele erboste Anrufe von Autofahrern erreicht“- daß die Beamten ab kurz nach der Abfahrt anwesend waren – da haben die „erbosten Autofahrer“ ja wirklich rechtzeitig angerufen!

Wie (friedlich) die Essener CM so abläuft, hatte die WAZ schon vor einem jahr berichtet:
„WAZ“: „Wie Fahrradfahrer sich ihr Recht auf der Straße erkämpfen

Die Essener Polizei schreit also förmlich danach, daß *viele* Radfahrer auf Essener Straßen unterwegs sind und sie „beschäftigen“ – eine sehr gute Gelegenheit dafür ist die dortige Critical Mass Tour am 9. September, 19:00 Uhr ab dem Willy-Brandt-Platz.

Von Köln aus kommt man sehr gut (ca. eine Stunde Fahrtzeit) mit der Deutschen Bahn per Regional Express oder S-Bahn Linie 6 nach Essen und natürlich auch wieder zurück. Für bis zu 5 Personen gibt es hierfür sogar einen Gruppentarif (Fahrradtageskarte aber nicht vergessen!).

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Tags: Allgemein · Critical Mass · Polizei

9 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 siggi // Aug 16, 2016 at 11:59

    Auf, dass sich noch mehr Spinner unter die Radaktivisten mischen um der Polizei noch mehr Handhabe zu geben.
    Wann lernt diese Critical Mass endlich, dass es eine Eigenschaft dieses Verkehrsmittels ist kein Verkehrschaos zu verursachen. Auch wenn Viele damit unterwegs sind.
    Diese Critical Mass versucht jedesmal genau das Gegenteil zu beweisen – dümmer geht`s nicht.

  • 2 Marco // Aug 16, 2016 at 12:03

    Das ist -mit Verlaub- Blödsinn! Und ich lasse mich -ich unterstelle Dir sowieso, daß Du Dir das noch niemals aus der Nähe angeschaut hast, respektive mitgefahren bist- auch nicht als „Spinner“ bezeichnen. Die Polizei hat nicht mehr oder weniger „Handhabe“ als im sonstigen täglichen Straßenverkehr auch – weder bei 145, noch bei 932 Mitfahrern.

    Was mache ich eigentlich, wenn eine Ausfahrt mit meinem Radsportverein (gut 180 Mitglieder – übrigens mit Logo eines Autobausers (sic!) auf dem Trikot) uns nach Essen führt? Bei der Polizei als „Demo“ anmelden?

  • 3 siggi // Aug 16, 2016 at 12:55

    Marco.
    Lies mal richtig wen ich in meinem Beitrag als Spinner bezeichnet habe. Du wirst zugeben müssen, dass diese Leute bei jeder CM dabei sind.
    Vor ein paar Jahren bin ich bei einer CM mitgefahren. Ich war von der Sache überzeugt.
    Allerdings war das, das Erste und Letzte mal. Seit dem schaue ich mir die Sache ab und zu mal aus der Ferne an.
    Mir waren dort zu viele Spinner unterwegs die absolut nicht verstanden haben worum es dort eigentlich geht.
    Dein Beispiel mit der Ausfahrt eines Radsportvereins trifft die Sache ganz gut.
    Schau dir einfach mal an wie die mit 180 Leuten durch eine Stadt rollen. Eventuell erkennst Du dort einen Unterschied.
    Im Alltagsradverkehr bilden Radfahrer nicht so eine homogene Masse. Dafür sind die Geschwindigkeitsunterschiede der einzelnen Radfahrer viel zu gross.
    Die CM sollte aber, Meinung nach, für den Alltagsradverkehr stehen.
    Doch so wie die CM da zur Zeit macht zeigt sie genau das, was Alltagsradverkehr genau nicht bewirkt – Verkehrschaos.

  • 4 Michael // Aug 16, 2016 at 16:48

    Kann ich jetzt auch die Polizei anrufen, wenn die Autos in der Stadt Stau produzieren?

  • 5 Bebbi // Aug 16, 2016 at 18:23

    Oh, es gibt da noch jemand, der dieses „Wir sind per se die Guten, egal was wir machen und die Autofahrer die Bösen“-Schwarz-Weiß-Bild nicht mag. Eine CM müsste durch vorbildliches Verhalten auffallen, um ernst genommen zu werden. Auf Gehwegen langrasende BMX-Fahrer auf BMX-Rädern weit jenseits der StVZO wie in Wuppertal gesehen sorgen nicht durch Querstellen für Sicherheit, sondern verfestigen das Bild regelignoranter Radfahrer, die man deswegen auch nicht ernst nehmen muss.

  • 6 Norbert // Aug 16, 2016 at 20:46

    Die Aachener Polizei war im Juni und Juli auch bei der CM anwesend und hat die Leute unter Druck gesetzt. Auf der Facebook-Seite der CM Aachen gab es seitdem verschiedene Beiträge zu den rechtlichen Hintergründen und dem weiteren Vorgehen. Hier ein Artikel aus den Aachener Nachrichten:
    http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/critical-mass-radler-fuehlen-sich-schikaniert-1.1417642

  • 7 Timovic // Aug 17, 2016 at 08:32

    In München fährt die Polizei seit kurzem auch ständig mit. Inkl. Twitterkommentierung. Natürlich mit VW Bussen (auch in zivil) und nicht nur mit Fahrrädern. Es gab wohl auch ein informelles Treffen zwischen Polizei und einem Teilnehmer.
    Auf meinen süffisanten Tweet an die Polizei, dass die Radler eher außerhalb einer CM Polizeischutz benötigen, wurde natürlich keine Reaktion gezeigt.

  • 8 Peter Zapp // Aug 19, 2016 at 15:14

    Es wäre schön, wenn sich eine kritische Masse aus radfahrenden Berufspendlern wirklich einmal spontan zusammenfände. Noch vor 30 Jahren war das in China, Vietnam oder Indien die Normalität, mit Autos und selbst Motorrädern noch als Minderheit im Stadtverkehr.

    Aber „unnützes Hin- und Herfahren ist innerhalb geschlossener Ortschaften verboten, wenn Andere dadurch belästigt werden“ (§30, Absatz 1, Satz 3, StVO), auch wenn ich selbst als Radfahrer die Frustration über die reale Verkehrspolitik und die mangelnde Einsicht unter der autofahrenden, um Ausreden fürs Nichtradfahren nie verlegene Mehrheit nachvollziehen kann.

    Wer sich auf §27, Absatz 1, StVO beruft (15 Radfahrer dürfen einen Verband bilden), sollte die Absätze 2 bis 5 nicht ignorieren (Lücken für übrigen Verkehr freilassen, Kennzeichnung, ggf. Beleuchtung, Regeln einhalten).

    Ich befürchte, derartige Aktionen bestärken eher die militanten Fahrradaktivisten unter sich als dass sie Autofahrer zum Umdenken oder Umsteigen bewegen. Mit anonymen Aufrufen in sozialen Netzwerken und einer einseitigen Auslegung eines Versatzstückes aus der StVO gibt man sich nur eine Blöße, die von der Ordnungsmacht ausgenutzt werden kann. Von der wissen wir doch, dass sie parteiisch ist und von eigenen Versäumnissen ablenken will. Und wenn nur 50, später vielleicht 200 Radfahrer folgen, dann ist das nicht wirklich eine beeindruckende Masse.

  • 9 Matthias // Aug 23, 2016 at 09:02

    @ Peter Zapp
    Der §27 Absatz 2 schreibt Zwischenräume in angemessenen Abständen vor. Kleines Rechenexempel: 1000 Radler, jeweils 6 nebeneinander auf nur einer mehrspurigen Straße, also 167 Sechslinge, Fahrradlänge ca. 2m, Anstand zwischen zwei Sechslingen ca. 2m, ergibt eine Gesamtlänge von rund 660m. Bei einer Geschwindigkeit von 4m/s (14,4 km/h) überquert der letzte Sechsling eine Kreuzung rund 2,5 bis 3 Minuten nach dem ersten Sechsling. Wie viele zusätzliche Rotphasen muss ein querender Autofahrer warten?

    Oder anders rum. Wenn der Zug sich in diesem Beispiel teilt. Wo warten denn dann die ersten 500 Teilnehmer?

    Absatz 3 schreibt die Kennzeichnung ausdrücklich für Kraftfahrzeuge vor. Ansonsten muss ein geschlossener Verband nur klar erkennbar sein.

    Absatz 4 beschreibt geschlossen reitende oder zu Fuß gehende Verbände.

    Absatz 5 entbindet den einzelnen nicht, sich an geltendes Recht zu halten.

    Von Ignorieren kann hier also gar nicht die Rede sein.

    Apropos: Wer den §30 StVO zitiert, sollte sich dessen Überschrift ins Gedächtnis rufen, nämlich „Umweltschutz, Sonn- und Feiertagsfahrverbot“. Hier geht es um die Vermeidung von unnötigem Lärm und Abgasen, die durch unnützes Hin- und Herfahren verursacht werden. Und: Wo 1000 Radler unterwegs sind, fahren keine KFZ. Im Ergebnis: Deutliche Reduktion der Abgas- und Lärmemissionen.

    Viele Grüße nach Köln und allzeit gute und unfallfreie Fahrt.

    Matthias

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