Mit dem Fahrrad in und um Köln

Ein Watchblog für Kölner Radverkehrspolitik

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Guter Journalismus – schlechter Journalismus

September 14th, 2011 · 6 Kommentare

Der SPIEGEL war -glaube ich- mal ein Leitmedium in Deutschland. Mit seinem aktuellen Titel zeigt er eindrucksvoll, dass der Abstieg von solch einer angesehenen Position zum Schmierenjournalismus leichter geht, als vermutet.

In der aktuellen Ausgabe Nr.37/12.9.2011 wird unter dem Titel “Der Straßenkampf – Rüpel-Republik Deutschland” auf 10 Seiten in BILD-Manier gehetzt, desinformiert, fehlinterpretiert, und Fakten und Statistiken verdrehend fast ausschließlich einseitig berichtet.  Online gibt es einen Artikel hier.

Nein, ich habe schlichtweg keine Lust, dieses Paradebeispiel an schlechter Recherche zu kommentieren. Dafür ist mir zum einen meine Zeit zu knapp (das würde wirklich lange dauern!) und zum anderen haben das andere schon getan:

Das Blech des Stärkeren – Der Spiegel auf Abwegen
Jakblog: Pöbler, Drängler, Straßenkämpfer

Ich möchte stattdessen nicht unerwähnt lassen, was guter Journalismus ist. Letzten Sonntag lief auf VOX (also einem Privatfernsehsender, der -im Gegensatz zum SPIEGEL- nicht gerade für allerhöchsten Qualitätsjournalismus steht) in einem Automagazin (!!!) ein hervorragender, weil objektiver Beitrag über die Radwegebenutzungspflicht, der es tatsächlich schafft, ohne Platitüden (“Kampf”, “Rambo”, “Rüpel”) wirkliche Radverkehrsprobleme aufzuzeigen und sogar einem ADAC-Vertreter (!!!) das beste Statement entlockt, dass ich jemals von Auto-Lobbyisten bezüglich Radverkehr gehört habe – und das meine ich vollkommen ernst! Da sind einige wenige sehr marginale Ungenauigkeiten im Beitrag absolut zu verzeihen!

In diesem Sinne: ein großes Lob an die Redaktion von “automobil” dafür, dass sie es -im Gegensatz zum SPIEGEL und vor allem in Hinsicht auf ihre Zuseherschaft- geschafft hat, sich nicht auf Stammtischniveau zu begeben!

Der Beitrag kann noch ca. vier Wochen lang hier kostenlos geschaut werden – ab Minute 17.

[Nachtrag 20.9.2011]
Es gibt noch ein paar weitere, recht interessante Links zum SPIEGEL Artikel:
Triathlon-Tipps: Medien, stoppt Hetze gegen Radfahrer!
Weltraumer: Spiegel der Gesellschaft?

Tags: Allgemein · Presse

6 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Holger // Sep 14, 2011 at 15:01

    Danke Marco,
    eigentlich wollte ich auch einen Beitrag dazu verfassen, war aber leider noch nicht dazu gekommen.
    Somit hab ich was Arbeit gespart! ;-)

  • 2 Benjamin // Sep 14, 2011 at 15:18

    Eigentlich ist der Artikel recht ausgeglichen, aber eben erstmal 2 Seiten Rüpel-Schelte, bevor Probleme der Verkehrspolitik angesprochen werden. Das ist ganz einfach ein Troll-Artikel, kann man einfach ignorieren (und sich das Auf-Den-Link-Klicken sparen). Weiterfahren, nichts zu sehen hier, und trotzdem vielen Dank für Deine dokumentierende Begleitung der Tagespresse, Marco.

  • 3 christoph // Sep 15, 2011 at 07:46

    Danke für den Hinweis auf den (wirklich guten) Vox-Beitrag.

    Die Frage die bei mir offen bleibt: Wenn in Zukunft viele Radweg-Schilder abgebaut werden, wie sehen Fußgänger dann, dass sie diesen Weg nicht benutzen dürfen? Bzw.: Wenn es keinen ausgeschilderten Radweg mehr gibt, wo sollen dann langsame, unsichere Menschen fahren, die sich auf der Straße unwohl fühlen?

  • 4 Holger // Sep 15, 2011 at 08:25

    @christoph:
    Auf sonstigen Radwegen…
    Da kann man z.B. auf den Baulich abgesetzten Radwegen weisse Fahrradsymbole aufsprühen…

    Aber woran erkennt ein Fußgänger heute, dass sie den Weg nicht benutzen dürfen?

    Meist auch gar nicht. Oder wie oft hast Du es erlebt, dass ein Fußgänger an einem Radweg anhält und nach links und rechts!!! (kann ja linksseitig freigegeben sein) schaut, bevor er ihn zum überqueren betritt?

    ciao
    Holger

  • 5 der_radler // Sep 16, 2011 at 09:10

    Einen Tag später war folgender Artikel bei SPON
    http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,785915,00.html
    Den finde ich gar nicht so schlecht, sozusagen eigentlich gut, nur die Kommentare …..

  • 6 zocken // Sep 20, 2011 at 08:51

    Zu viele Schilder versauen das Stadtbild. Es gibt zu viele Verkehrsschilder. Die Fahrschulen müssen härter werden.

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